{"id":103836,"date":"2022-07-15T15:34:00","date_gmt":"2022-07-15T13:34:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103836"},"modified":"2022-07-17T18:56:26","modified_gmt":"2022-07-17T16:56:26","slug":"je-suis-taring-padi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/07\/15\/je-suis-taring-padi\/","title":{"rendered":"Je suis Taring Padi"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_103837\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-103837\" class=\"wp-image-103837\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Hochsitze-fu\u0308r-Kritiker-375x500.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"740\" \/><p id=\"caption-attachment-103837\" class=\"wp-caption-text\">Parallel zur documenta 15 installierte Laik W\u00f6rtschel als Diskussionsforum je eine Kanzel f\u00fcr Claudia Roth, Sabine Schormann, den Behinderungsbeauftragten Meron Mendel, u.a. Diskussionsteilnehmer&#8217;Innen.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Anschlag auf die franz\u00f6sische Satirezeitschrift Charlie Hebdo waren WIR nach dem 7. Januar 2015 alle einig: \u201eIch bin Charlie\u201c. Man wollte sich von den \u201eZiegenfickern&#8220; nicht vorschreiben lassen, was Kunst ist und was Satire darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Triviale und Popul\u00e4re zu Kunst zu machen, ist eine Pr\u00e4misse des Kollektivs Taring Padi. Die Motive stammen aus Alltagskultur, Konsumwelt und aus den Medien. Die Kennung von der \u201e\u00c4sthetik des H\u00e4sslichen\u201c als charakteristischem Merkmal, stimmt als Bewertung ebensowenig, wie die Formel \u201eedle Einfalt und stille Gr\u00f6\u00dfe\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Ist das Kunst oder kann das weg?<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Trash<\/em> ist eine Bezeichnung f\u00fcr eine Kunst, die das eigene Verh\u00e4ltnis zur visuellen Kultur der modernen Konsum- und Mediengesellschaft reflektiert und zu ihrem Ausgangspunkt macht, die also mit Motiven aus Massenmedien und Werbung arbeitet. Das Wimmelbild von Taring Padi hat jedoch auch eine kunsthistorische Bedeutung. Die Klassische Moderne krankt am apolitischen Wesen der Zeit bei gleichzeitigem Werteverfall. Trash ist eine Br\u00fccke zwischen Europa und dem globalen S\u00fcden (wo immer der auch liegen mag), zwischen Pop Art und Abstract Expressionism, zwischen Massenkultur und h\u00f6chstem k\u00fcnstlerischen Streben. In der bildenden Kunst verwenden K\u00fcnstler M\u00fcll und billige Massenprodukte als Ausgangsmaterial f\u00fcr Collagen und Skulpturen. Diesen Arbeiten liegt in der Regel ein gesellschafts-, kapitalismus- oder konsumkritischer Subtext zu Grunde. Zu den ersten, die Abf\u00e4lle und Materialreste in ihre Bilder integriert haben, z\u00e4hlen Georges Braque, Pablo Picasso oder die Dadaisten. Anfang des 20. Jahrhunderts stellten die Pariser Nouveau R\u00e9alistes und die Vertreter der Junk-Art in den USA ihre Arbeiten allein aus Abfall her, mit dem Ziel, den etablierten Kunstmarkt zu provozieren. Die bayrische Performance- und Trash-Art-K\u00fcnstlerin <em>ADLER A.F.<\/em>, die sich selbst als &#8222;Trash-Queen&#8220; bezeichnet, setzte ihre gesellschaftskritischen Trash-Performances medienwirksam um. Markant in Erinnerung ist uns HA Schults Installation <em>Trash People<\/em> auf dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/04\/23\/trash-people-auf-dem-domplatz\/\">Domplatz<\/a>.\u00a0<span class=\"aCOpRe\"><em>Ad absurdum<\/em> gef\u00fchrt hat sich diese Reihe, nachdem sich herausgestellt hat, da\u00df Schult diesen M\u00fcll mit seinen Mitarbeitern zum Teil selbst produziert hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Darf Kunst noch bis zum Wirklichsten vordringen?<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt \u00fcbel.\u201c, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/01\/27\/was-darf-satire\/\">schrieb<\/a> Kurt Tucholsky 1919. Seither hat sich kaum etwas ge\u00e4ndert. Sollte man das Wimmelbild von Taring Padi wieder aufh\u00e4ngen? Prahlt Claudia Roth abermals damit, wie sie als Managerin die Ton, Steine Scherben in den Ruin trieb? Gibt die Generaldirektorin Sabine Schormann jetzt f\u00fcr Charlie Hebdo eine Sonderausgabe zur Dokumenta 15 heraus?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Realsatire betrachtet KUNO wie der Rassist und Antisemit Emil Nolde auf der ersten Dokumenta 1955 reingewaschen werden sollte. Werner Haftmann war NSDAP-Mitglied, f\u00fcr die SA jagte und folterte er in Italien Partisanen. Nach Weltkrieg #2 erkl\u00e4rte der zum Kunsthistoriker gewandelte Haftmann den Maler Nolde zum &#8222;existenziellen Antifaschisten&#8220;. Die durchg\u00e4ngige Attit\u00fcde des Entlarvens ist schal geworden, sie erinnert an die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/17\/smells-like-gerontokratie\/\">Rekanonisierung<\/a> von G\u00fcnther GraSS\u00a0 zu Lebzeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Gebisstr\u00e4ger*Innen braucht es ebensowenig, wie eine Weltkunstschau.<\/p>\n<div id=\"attachment_70857\" style=\"width: 271px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Erscheinungsbild_NOLDE-KUBALL.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-70857\" class=\"wp-image-70857 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Erscheinungsbild_NOLDE-KUBALL.jpg\" alt=\"\" width=\"261\" height=\"261\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Erscheinungsbild_NOLDE-KUBALL.jpg 261w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Erscheinungsbild_NOLDE-KUBALL-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Erscheinungsbild_NOLDE-KUBALL-160x160.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 261px) 100vw, 261px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-70857\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Archiv Mischa Kuball, D\u00fcsseldorf<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war auch die Documenta, die Emil Noldes Mythos vom verfolgten K\u00fcnstler verdichtete. Dies zeigt eine aufkl\u00e4rerische Werkserie des K\u00fcnstlers Mischa Kuball. Anders als die verkl\u00e4rte Romanfigur in der <em>Deutschstunde<\/em> von Siegfried Lenz war Nolde, trotz der Beschlagnahmung und Weggeschobenheit seiner Kunst im Dritten Reich, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein absolut \u00fcberzeugter Nationalsozialist, Antisemit und Bewunderer Adolf Hitlers. Bei einem Auftritt im Deutschen Literaturarchiv (Marbach, 2014), bezeichnete Lenz den Maler als problematischen Menschen, der sich in politischer Hinsicht \u201eein bisschen katastrophal\u201c verhalten habe. Zwar lie\u00dfe sich dar\u00fcber nachtr\u00e4glich nicht Gericht halten, aber er werfe Nolde vor, sich f\u00fcr seine Kollaboration mit den Nationalsozialisten auch nach dem Krieg nie entschuldigt zu haben. Seitdem ist es an der Zeit, die &#8222;Deutschstunde&#8220; von den Lehrpl\u00e4nen der Deutsch-Unterrichts zu streichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Lesen Sie auch den Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46371\">Laik W\u00f6rtschel \u2013 ein K\u00fcnstler der Stille<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Nach dem Anschlag auf die franz\u00f6sische Satirezeitschrift Charlie Hebdo waren WIR nach dem 7. Januar 2015 alle einig: \u201eIch bin Charlie\u201c. Man wollte sich von den \u201eZiegenfickern&#8220; nicht vorschreiben lassen, was Kunst ist und was Satire darf. 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