{"id":103736,"date":"2013-07-20T13:45:31","date_gmt":"2013-07-20T11:45:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103736"},"modified":"2022-06-19T13:51:57","modified_gmt":"2022-06-19T11:51:57","slug":"das-erlebnis-freud","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/07\/20\/das-erlebnis-freud\/","title":{"rendered":"Das Erlebnis Freud"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei einander sehr entgegengesetzte Lebenseindr\u00fccke sind es gewesen, die mich f\u00fcr die Begegnung mit Freuds Tiefenpsychologie besonders empf\u00e4nglich machten: das Miterleben der Au\u00dferordentlichkeit und Seltenheit des Seelenschicksals eines Einzelnen \u2013 und das Aufwachsen unter einer Volksart von ohne weiteres sich gebender Innerlichkeit. Auf das Eine soll hier nicht zur\u00fcckgegriffen werden. Das Andere war Ru\u00dfland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Bezug auf den Russen hat man oft gesagt \u2013 und Freud selber tat es in der Zeit vermehrter Russenkundschaft, vor dem Kriege \u2013, da\u00df bei diesem \u00bbMaterial\u00ab, krankem wie gesundem, zweierlei aufeinandertreffe, was sich sonst weniger h\u00e4ufig gesellt: eine Simplizit\u00e4t der Struktur \u2013 und eine Bef\u00e4higung, im einzelnen Fall redselig eindringend auch noch Kompliziertes aufzuschlie\u00dfen, seelisch Schwierigem \u00c4u\u00dferung zu finden. Ganz \u00e4hnlich wirkte ja von jeher russische Literatur, und nicht nur bei ihren Gro\u00dfen, sondern noch hinabreichend bis in ihre Mittellage (die daran formlos wurde): letzte Grundaufrichtigkeiten reden fast kindhaft unmittelbar von Letztlichkeiten der Entwicklung, als w\u00fcchse diese hier direkter, unvermittelter aus Urhaftem empor zu Bewu\u00dftwerdungen. Denke ich an den Menschen, wie er mir in Ru\u00dfland aufging, so begreife ich gut, was ihn solcher Weise f\u00fcr uns heute leichter \u00bbanalysierbar\u00ab macht und was ihn zugleich sich selbst gegen\u00fcber aufrichtiger erh\u00e4lt: die Verdr\u00e4ngungsschichten bleiben d\u00fcnner, lockerer, die sich bei \u00e4ltern Kulturv\u00f6lkern hemmend zwischen die Grunderlebnisse und deren Reflex im bewu\u00dften Nacherleben einschieben. Hieran l\u00e4\u00dft sich etwas leichter erkl\u00e4ren, was der praktischen Analyse Haupt- und Kernproblem bildet: n\u00e4mlich, wieviel vom infantilen Untergrund unser Aller das nat\u00fcrliche Wachstum dauernd <em>bedinge<\/em> und wieviel davon statt dessen krankhaftem Zur\u00fcckrutsch diene, der von schon erreichtem Bewu\u00dftseinsniveau abf\u00e4llt in un\u00fcberwundene Fr\u00fchstadien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist ja die Psychoanalyse ihrem historischen Werdegang nach <em>praktische Heilmethodik<\/em>, und als ich ihr beitrat, war gerade erst die Erm\u00f6glichung klar geworden, aus den Zust\u00e4nden des Kranken auf die Struktur des Gesunden zu schlie\u00dfen, indem hier, wie unter einer Lupe, entziffert werden konnte, was unserm Blick innerhalb des Normalen sonst fast unlesbar bleibt. Mit unendlicher Umsicht und Vorsicht der methodologischen Hantierung hatte analytische Grabearbeit von Schicht zu Schicht Urspr\u00fcnglicheres zutage gef\u00f6rdert, und vom allerersten der grandiosen Freudschen Spatenw\u00fcrfe an bew\u00e4hrte sich die Unwiderleglichkeit ihrer Funde. Aber je tiefer man grub, desto mehr ergab sich, da\u00df nicht etwa nur im pathologischen, sondern auch gerade im gesunden Menschen der psychische Untergrund sich als eine f\u00f6rmliche Ausstellung dessen erwies, was uns \u00bbGier\u00ab, \u00bbRoheit\u00ab, \u00bbGemeinheit\u00ab usw. hei\u00dft, kurz alles \u00c4rgsten, dessen man sich am heftigsten sch\u00e4mt; ja, da\u00df selbst von Motiven der leitenden Vernunft kaum Besseres auszusagen sei, als was Mephisto von ihr behauptet. Denn f\u00fchrt allm\u00e4hliche Kulturwerdung \u2013 durch N\u00f6te und Vorteile der praktischen Erfahrungen \u2013 dar\u00fcber hinaus, so doch nur infolge von Triebabschw\u00e4chungen \u00fcberhaupt, also von Einbu\u00dfe an F\u00fclle und Kraft, so da\u00df ans Ende schlie\u00dflich ein recht ausgemergeltes Menschentier zu stehen kommt, demgegen\u00fcber die Kreatur in ihrer unbeschnittenen Kulturlosigkeit nahezu als Gro\u00dfgrundbesitzer imponieren k\u00f6nnte. Der tr\u00fcbe Ausblick von solcher Sachlage her \u2013 vom Gesunden aus demnach kaum angenehmer als vom Kranken, der doch wenigstens von seiner Heilung tr\u00e4umen durfte \u2013 stie\u00df wahrscheinlich noch mehr Leute von der Tiefenforschung ab: weckte er doch einen \u00e4hnlichen Pessimismus wie den des hoffnungsarmen Neurotikers, den sie zu korrigieren unternahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich von mir pers\u00f6nlich was dazu bemerken soll, so mu\u00df ich zun\u00e4chst feststellen, etwas wie Wichtiges ich gerade dieser schon fr\u00fchen Geisteshaltung der Psychoanalyse verdanke: diesem Sich-nicht-st\u00f6ren-lassen von allgemeinen Erw\u00e4gungen \u00fcber unerfreuliche Endergebnisse, dieser unverk\u00fcrzten Bezugnahme auf exakte Untersuchung des jeweiligen Einzelobjekts und Sonderfalles, welches auch immer deren Resultat sein m\u00f6ge. War es doch eben dies, dessen ich bedurfte. Meine Augen, noch ganz erf\u00fcllt von den vorangegangenen Eindr\u00fccken, die an einem primitivem Menschentum wiederzuerkennen glaubten, was tieferhin unser aller unverwischbare Kindlichkeit sei und \u2013 als heimlicher Reichtum hinter aller Reife \u2013 auch verbliebe, mu\u00dften sich zwingen, davon hinwegzusehen und statt dessen sich mit rationaler Kleinarbeit am gegenst\u00e4ndlich Menschlichen abzugeben; sie mu\u00dften dies, um sich der Gefahr zu entziehen, in einen blo\u00dfen blinden, weil blickblendenden Schwarm zu geraten: in den der \u00bbangenehmen Psychologie\u00ab, aus der kein Zugang zur Wirklichkeit f\u00fchrt, sondern die uns nur in unserm eigenen Wunschgarten herumtummeln l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir ist kein Zweifel, da\u00df es \u2013 wenn auch von ganz verschiedenen Stellen aus \u2013 Analoges war, was uns Gegner schuf und Anh\u00e4nger abfallen lie\u00df: dies an sich ganz nat\u00fcrliche Bed\u00fcrfnis, nicht so grunds\u00e4tzlich in der Schwebe lassen zu m\u00fcssen, was man am liebsten beantwortet sehen m\u00f6chte, oder richtiger: dessen erfreuliche Beantwortung man eigentlich schon vorweg wei\u00df. Das wird vermutlich auch dann noch so bleiben, nachdem die \u00bbanst\u00f6\u00dfigsten\u00ab der psychoanalytischen Enth\u00fcllungen sich durch Gew\u00f6hnung den Menschen l\u00e4ngst verharmlost haben werden. Es erscheint ja auch so gerechtfertigt, wenn man zwar \u00bbtriebrein\u00ab zu denken versucht in Fragen blo\u00dfer logischer Denkanwendungen, jedoch in den sogenannten \u00bbGeisteswissenschaften\u00ab \u2013 unausweichlich gespalten in Beobachter und Gegenstand sich versucht f\u00fchlt, ins Denkergebnis ein wenig eigenen Senf hineinzutun, um es mundgerechter zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dessentwillen war es ja, da\u00df die Psychoanalyse so lange Zeit auf ihren Begr\u00fcnder hat warten m\u00fcssen \u2013 als auf denjenigen, der imstande war, sehen zu <em>wollen<\/em>, was auf dem Wege vor ihm immer vorsichtig umgangen worden war. Nur er brachte den Grad von Unbefangenheit daf\u00fcr auf (nicht etwa gar erk\u00e4mpfte \u00dcberwindung oder umgekehrt Lust am Widerw\u00e4rtigen), sich nicht drum zu k\u00fcmmern, ob er dadurch an Anst\u00f6\u00dfiges oder Absto\u00dfendes geriete; dies <em>sanktionierte<\/em> sich ihm durch den Umstand, da\u00df es sich als Tatsache und Vorhandenheit auswies; \u2013 was einfach hei\u00dft: seine Denkfreude, seine Forscherneugier bezog aus seinem Wesen ein so m\u00e4chtiges St\u00fcck seiner Liebesf\u00e4higkeit, seines Bem\u00e4chtigungsdranges, da\u00df ihm nicht im mindesten zur Frage ward, an welche Stelle menschen\u00fcblicher Wertung oder Urteilerei es etwa zu stehen k\u00e4me. Die Reinheit (d. h. die Unvermischtheit mit Nebenfragen und Nebenregungen) der sachlichen Hingegebenheit gerade ergab das R\u00fcckhalt- und R\u00fccksichtslose exakter Erkenntnisweise, auch vor dem respektvoll Verborgenen nicht haltzumachen: und so geschah es, da\u00df es ein dem Rationalen restlos Ergebener, der Rationalist in ihm, war, der dem Irrationalen auf diese indirekte Weise auf die Schliche kam. So taufte er das ihm neu aufgehende Element des \u00bb <em>Un<\/em>bewu\u00dften\u00ab ostentativ auf den Namen einer Negation. Mir sind die drei bescheidenen Buchstaben dieses \u00bbRufnamens\u00ab als \u00bb <em>Ubw<\/em>\u00ab in diesem Sinn immer ungemein <em>positiv<\/em> bezeichnend vorgekommen, als pers\u00f6nliche Abwehr gegen Hineingeheimni\u00dftes,gegen alles, woran Entdecker zu Erfindern werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts verdeutlicht die Sachlage von Freud aus mehr, als sein Bem\u00fchen, dem Ansatz zur psychologischen Forschung bis dahin nachzugehen, wo das Unbewu\u00dfte, der Bewu\u00dftheit als solches unzug\u00e4nglich, von dieser im <em>Leibhaften<\/em> erlebt wird, demnach noch nicht willig ist, unserer gewohnten zensurierenden Denkungsart zu folgen. Wahrscheinlich ist auch dementsprechend die \u00e4rgste emp\u00f6rte Verunglimpfung der damit betonten \u00bbSexualit\u00e4t\u00ab von dorther entstanden, da\u00df dies uns, au\u00dferordentliche Menschlein, zu stark an das erinnerte, wo wir h\u00f6chst unordentlich gemeinsam sind mit jeglichem, was als au\u00dfengegeben unserer bewu\u00dften Innerlichkeit gegen\u00fcbersteht; denn der Leib ist ja gerade das unabweisliche St\u00fcck Au\u00dfentum an uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn immer scheint mir: zutiefst liegt all dem Verunglimpfenden zugrunde, da\u00df der Mensch sich \u00fcberhaupt <em>Leiblichem<\/em> zugewendet sieht, das zwar seine Existenz ausmacht, mit dem er sich aber seinen geistigen und seelischen \u00c4u\u00dferungen nach keinesfalls identisch nehmen mag. Zu je gesch\u00e4rfterm Bewu\u00dftsein wir uns entwickelten, desto unabweisbarer ward uns ja alles zu einem Gegen\u00fcber, dem eben nur von au\u00dfen, als einem Andern, beizukommen ist, \u2013 also auch unserer eignen Leiblichkeit nur so: worin dadurch schon prinzipiell eine Entwertung ihrer f\u00fcr uns eingeschlossen liegt. (Alle Art \u00e4ltester Metaphysik hatte es darin wahrlich besser: indem Innerhalb und Au\u00dferhalb sich ihr noch nicht ebenso unwiderruflich zu einem bewu\u00dftseinsbefohlenen Gegen\u00fcber festlegen mu\u00dften, sondern noch Verwechslungen unterlagen, wie das Kleinkind sie auch bei uns vollzieht.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eben deshalb wurde Freud vollends und endg\u00fcltig mi\u00dfliebig, sobald er auf die Bedeutung der <em>infantilsten Vorstufen<\/em> f\u00fcr unser gesamtes Geistestum und Seelentum hinwies, zur\u00fcckwies. Nicht nur wegen der befehdeten kindlichen Pansexualit\u00e4t: nein wegen der Aufdeckung ihrer als der letzten Quelle, aus der dauernd unsere innere Gesamtentwicklung sich n\u00e4hrt. Weswegen wir uns auch zu Heilzwecken zu diesem Anfang zur\u00fcckwenden m\u00fcssen: zum <em>Primitiven<\/em> im einzelnen Seelenerleben, wo es im Zeitablauf historisch erkennbar wird; zum <em>Prim\u00e4ren<\/em>, dem wir uns auch an unsern gesunden Volleistungen nirgends entheben \u2013 wie gern wir sie uns auch als dar\u00fcber schwebende \u00bbSublimationen\u00ab vorstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun hatte ja Freud das Wort <em>Sublimierung<\/em> seiner Terminologie gleich eingef\u00fcgt (unachtsam f\u00fcr den allzuleicht darein eingeschmuggelten Wertbegriff), und auch er meint damit durchaus: Ablenkung vom sexualen Endziel. Schon l\u00e4chelte man ihn auf das einverst\u00e4ndlichste an. Doch bereits stand eins seiner st\u00e4rksten Worte da (eins von denen, die mit einem Schlage mit allem Mi\u00dfverstehen h\u00e4tten aufr\u00e4umen m\u00fcssen): wonach selbst verp\u00f6nteste Sexualperversionen \u00bbtrotz ihres greulichen Erfolges\u00ab als Sublimationen anzusprechen seien \u2013 indem sie, bei sexuellen Infantilphasen aufgehalten, dem leiblichen Reifeziel abgekehrt blieben. Denn diese Abkehrung findet ja noch an der gleichen Stelle statt, wo auch die <em>hoch<\/em>gesch\u00e4tztesten Sublimationen sich einstellen (die zu den geistigen Erfolgen f\u00fchren, zu den sozialen, k\u00fcnstlerischen, forscherischen) \u2013 n\u00e4mlich von Seiten des gleichen noch unausgegebenen Infantilen. Ist doch dies Infantile, bis in alle menschlichen H\u00f6chstleistungen hinauf, nur eine andersartige Methodik, mit Hilfe des Eros dem Urfaktum besser gerecht zu werden, das uns und die Welt-au\u00dfer-uns in eins bindet und die Spaltung \u00fcberbr\u00fcckbar macht, die uns als Einzelwesen allem sonst scheinbar gegen\u00fcberstellte. Auch was wir \u00bbSachlichkeit\u00ab anstatt \u00bbLiebe\u00ab nennen, ist ja nichts als die Tatsache, da\u00df unser Bewu\u00dftsein mit <em>seinen<\/em> Methoden willig dem Aufschlu\u00df des Unbewu\u00dften sich \u00f6ffnet, worin wir nie aufgeh\u00f6rt haben, unsere Vereinzelung zu leugnen und an das gemeinsame Wurzeltum mit Allem zu r\u00fchren. <em>Darum<\/em> geht uns das am nachdr\u00fccklichsten auf am sogenannt \u00bb\u00dcberpersonalen\u00ab unserer Interessen, die das uns am intimsten und unwillk\u00fcrlichsten Pers\u00f6nliche mit dem unsere Person allerseits \u00dcbersteigenden sozusagen verm\u00e4hlen. <em>Darum<\/em> \u00bbsublimieren\u00ab wir unter Umst\u00e4nden was draus, d.h. geben die Kra\u00dfheit leiblicher Sexualziele daf\u00fcr auf, \u2013 man k\u00f6nnte es etwa so schildern: als seien auch Sexualziele im Grunde doch nur eine Art von Verlegenheit des leiblich vereinzelten Menschen, die an einem andern Vereinzelten sich einzureden sucht, sie umfinge in ihm das Ganze, \u2013 w\u00e4hrend er doch nur in der Sph\u00e4re seiner Leiblichkeit uns wirklicher gleich ist und nur innerhalb derer die Verm\u00e4hlung auch allein gefeiert und Wirklichkeit zeugend vollzogen werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist deshalb \u00fcberaus nat\u00fcrlich, wenn wir gew\u00f6hnt sind, dem Sublimiertesten das \u00bbG\u00f6ttlichere\u00ab in die Schuhe zu schieben; denn dieses Wort meint f\u00fcr uns <em>immer<\/em> in irgendeinem Sinn das uns Intimste <em>und<\/em> das uns \u00dcbersteigendste zugleich. Aber das eben ist nur ein Notgriff f\u00fcr das <em>Unter<\/em>irdischste, welches wir blo\u00df deshalb nicht \u00bbirdisch\u00ab nennen, weil das bereits zu spezifiziert kl\u00e4nge, <em>da<\/em> es uns in der Tat \u00fcbersteigt, und gerade damit uns st\u00e4rker ausdr\u00fcckt als in der gewohnten Gegen\u00fcberstellung von Innen und Au\u00dfen. Man kann nicht als wichtig genug betonen: die Kraft zur Sublimation h\u00e4ngt direkt davon ab, bis wie tief sie garantiert ist in diesem Urboden unseres Triebwerks, wie weit dieses wirksame Quelle geblieben ist in dem, was wir bewu\u00dft tun oder lassen. Je kr\u00e4ftiger erotisch jemand veranlagt ist, desto gr\u00f6\u00dfer auch die M\u00f6glichkeiten seiner Sublimierungen, mit desto l\u00e4ngerm Atem h\u00e4lt er die an sie gestellten Anspr\u00fcche aus, ohne Triebdurchsetzung und Realit\u00e4tsanpassung in Zwiespalt miteinander geraten zu lassen. <em>Desto weniger ist er Asket<\/em> im Sinne des Trieb <em>d\u00fcnnen<\/em>, der aus der Not eine Tugend zu machen strebt, oder im Sinne des krankhaft Reduzierten, den das Wort vom \u00bbSublimieren\u00ab tr\u00f6stet. Nicht asketische \u00bb\u00dcberwinder\u00ab geh\u00f6ren dazu, sondern im Gegenteil solche, die auch bei widrigsten Umst\u00e4nden noch Witterung behalten f\u00fcr ihre geheimen Zusammenh\u00e4nge mit dem ihnen Entlegensten; W\u00fcnschelruteng\u00e4nger, denen noch im scheinbar trockensten Boden Quellpunkte sp\u00fcrbar werden, \u2013 Erf\u00fcller, nicht Abstinenzler \u2013 und dadurch abstinen <em>f\u00e4higer<\/em> auf um so l\u00e4ngere Strecken, als sie sich innerer Beheimatung und Erf\u00fcllung dennoch nahe wissen. Denn das Wesentliche daran ist, da\u00df sich ihnen Leiblich und Seelisch nicht ins Begriffliche gespalten haben, sondern im Menschen sich runden zu <em>einer<\/em> wirkenden Kraft \u2013 wie der Wasserstrahl aus der Font\u00e4ne niederf\u00e4llt in das n\u00e4mliche Becken, aus dem er gestiegen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht umsonst verlangt ja die Tiefenforschung, da\u00df, wer andere soll analysieren d\u00fcrfen, sich pers\u00f6nlich erst selbst mit-hineingestellt habe in die Erfordernisse ihrer Methodik: in die brutale Redlichkeit der Untersuchung, wie es mit ihm selbst gerade hierin bestellt sei. Die intellektuell zu vollziehende Grabearbeit am lebendigen Material erreicht ihr Ziel \u2013 sowohl das der Forschung wie der Heilung \u2013 nur durch dies eigene lebendige Mittun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn \u00f6fters das t\u00f6richte Gerede aufkam, die Freudianer bildeten eine sektiererische Gemeinschaft hinter ihrem Anschein blo\u00dfer Wissenschaftlichkeit, so steckte das einzige K\u00f6rnlein Wahrheit hierin: da\u00df Tiefenforschung nicht g\u00e4nzlich abzul\u00f6sen sei von diesem irgendwie <em>Gesinnungsm\u00e4\u00dfigen<\/em>, weil ihr Material selber angrenzt an den Punkt, wo Bewu\u00dft und Unbewu\u00dft miteinander zu tun bekommen. Das verb\u00fcndet in der Tat die Psychoanalytiker; dieses St\u00fcckchen nicht \u00bbblo\u00dfen\u00ab Wissens, blo\u00dfer Wissenschaft ist es allein, was die Wichtigkeit herabmindert, zu <em>welchem<\/em> Analytiker der Analysand sich gefunden hat. In eines Jeden tiefste Verantwortung ist es dauernd gestellt, der eigenen Selbstanalyse sein Unbewu\u00dftes so hinzuhalten, wie er vom Analysanden verlangt, sich dem aussetzen zu lernen. Man verwechsele ja nicht beim Lehrer (Analytiker) mit interessanter oder vergn\u00fcglicher Selbstzerlegung, was als Sache der \u00dcberwindung das Ernsteste in sich einschlie\u00dft: den gleichen Kampf f\u00fcr den gesundesten Behandelnden wie beim behandelten Leidenden: deshalb nur erm\u00f6glicht so vielfach auch die sogenannte \u00bbLehranalyse\u00ab eine ebensolche pers\u00f6nliche Erneuerung, als w\u00e4re sie therapeutisch gerichtet gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So enth\u00e4lt in der Tat die tiefenforscherische Situation etwas aus dem Wissenschaftsbetrieb sonst Auszuschaltendes: dort wird ein <em>Zuschu\u00df an Gesinnungsm\u00e4\u00dfigem<\/em> unter Umst\u00e4nden der wissenschaftlichen vollen Hingebung nebenher g\u00fcnstig sein \u2013 hier hingegen w\u00e4re <em>sein Fehlen<\/em> der verh\u00e4ngnisvollste Kunstfehler bei Forschung wie beim Heilzweck. Die Passivit\u00e4t objektiven Forschens mu\u00df unsere innere Aktion zum Mittun aufrufen, um sich daran erst zu vollenden. Die Redlichkeit und Strenge des Denkens wird begleitet von der Zuwendung des seelischen Menschen dazu, ohne die das eigentlichste Material selber fehlen m\u00fc\u00dfte. \u2013 Ich erw\u00e4hne dies etwas kr\u00e4ftig, weil mir scheint, da\u00df es hie und da zu unbetont bleibe, um ja nicht das Vorurteil zu wecken, es handle sich um ein sektiererisches Treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch noch ein anderer Grund liegt vor, uns des tats\u00e4chlichen Verhaltens in der tiefenforscherischen Situation zu erinnern, und der betrifft <em>deren Sch\u00f6pfer selbst<\/em>. Denn Freuds Werk, Freuds Funde beruhen darauf, da\u00df er sich ihrer Durchforschung so restlos menschlich hinhielt; sein <em>urspr\u00fcngliches<\/em> Augenmerk galt nur dem forscherischen Wege und hielt ebenso eisern-z\u00e4h an dessen Richtung fest, wie er sich <em>zugleich<\/em> willig, ohne Abstrich, dem erschlo\u00df, was an des Weges Ende sich als dessen letztes Ziel darstellte und dem Erwarteten durchaus zuwiderlief. Beides in eins zu fassen, enthielt eben jene innere Drangabe, die \u00fcber das erkennerisch Gerichtete allein hinausreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Sch\u00f6pfung der Psychoanalyse mu\u00dfte deren Sch\u00f6pfer diese zwiefache Erfahrung in sich selbst zu <em>einer<\/em> Leistung bringen \u2013 \u2013 nicht zu zweierlei Analytik, sondern zu pers\u00f6nlichster Synthese. Und es ist Zeit, da\u00df man es endlich laut genug sagt, um auch von taubsten Ohren geh\u00f6rt zu werden. Denn diese <em>synthetische<\/em> Leistung ist identisch mit seinen Entdeckungen als solchen, mit der innern Reibung, aus der sie sich entbanden. Nur deshalb \u00fcber <em>das<\/em> hinausf\u00fchrend, was personale Veranlagung, Wunsch oder Absicht ist \u2013 ja von dieser aus gesehen fast gleich mit Entt\u00e4uschung am Vorausgesetzten, mit Verzicht auf Erwartetes, Gemutma\u00dftes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der ungeheuren Gegnerschaft von au\u00dfen her, die Freuds Werk so opfervoll gemacht, neben Hohn oder Zorn seiner Zeitgenossen, stand auch Freuds <em>seelischer<\/em> Kampf, unbeirrt und mit ganzem Einsatz nur dem zu folgen, was er einsah, auch entgegen seiner Natur, ja durchaus seinem Geschmack. Will man solches mit den andersgearteten Opfern vergleichen, die Forscher bei ihren Erkundungen an Leben und Leibesschaden brachten, so gleicht sich dem hier ein seelischer Vollzug an durch die Entschlossenheit, Bereitschaft, wenn es denn sein mu\u00df, sozusagen aus der eigenen Haut zu springen \u2013 ohne zu besorgen, ohne zu beachten, als was man hinterher hautlos zutage k\u00e4me. Denn Freud der Denker und Freud der Mensch selber bleiben doch in ihrer personalen Auswirkung eben die Zwei, die nur das Opfer eint. Kaum w\u00fcrde er leugnen m\u00f6gen, da\u00df jederzeit seine Hoffnungen dahin gingen, allm\u00e4hlich werde seiner forscherischen Arbeit die biologische Wissenschaft nach- und entgegenkommen, oder da\u00df es ihm eher Genugtuung als Einbu\u00dfe gewesen sei, zu finden, als eine wie schwer zug\u00e4ngliche, spr\u00f6de Sch\u00f6ne sein \u00bbUbw\u00ab sich herausstelle, an der die Metaphysiker aller Zeiten sich h\u00f6chst unerlaubt intime Ber\u00fchrungen gestattet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So, als pers\u00f6nlichen Rationalisten, kennt fraglos jeder Freud aus seinen Schriften und nicht nur aus den Schriftteilen, wo er \u2013 ob philosophierend oder antiphilosophisch betont, das verschl\u00e4gt nichts dabei \u2013 theoretische Folgerungen zieht, die er selber (unsere Autoren nicht immer) von den rein psychoanalytisch gefundenen klar unterschieden wissen will. Ihm pers\u00f6nlich w\u00e4re es gem\u00e4\u00df, Absch\u00e4tzungen, die \u00fcber exakt und verbindlich Feststellbares hinausweisen, in rationalistischen Blickpunkt einzubeziehen \u2013 oder mit einem Achselzucken beiseite zu tun, das etwa bedeutet: \u00bbnicht allzu wichtig nehmen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas in der Schwebe lassen k\u00f6nnen, anstatt vergeudendem Gr\u00fcbeln am Unzug\u00e4nglichen, ist nicht nur Recht, sondern erstrebenswerteste Pflicht menschlichen Erkenntnisverm\u00f6gens: \u2013 Sieg \u00fcber das sich dreinmischende Nebenbed\u00fcrfnis, all das wunschgem\u00e4\u00dfer unter Einen Hut zu bringen. Aber man k\u00f6nnte bedenken, ob nicht mit unserer Alleinbetonung des logisch formal Erkennerischen und mit dessen immer weiter gehender Unterscheidungsmethodik jenes andere Bed\u00fcrfnis fast instinktiv zunehmen mag: nun wenigstens <em>diesen<\/em> vereinheitlichenden Gesichtspunkt (\u00fcber Geb\u00fchr) zu verst\u00e4rken? Bringen wir es doch nur in ihm zur letzten, einzig m\u00f6glichen Art der Zusammenfassung \u2013 eben <em>durch<\/em> solche unangetastete Herrschaft des Zerlegens und Zerst\u00fcckens im Erkennen. R\u00e4cht sich darin und damit nicht unser reinliches, affektfrei reingehaltenes, voraussetzungslos abstrahierendes Denken gleichsam an sich selbst infolge seiner sozusagen \u00bbunmenschlichen\u00ab Abstraktion? Wir werfen unser <em>Denkschema<\/em> wie ein unzerrei\u00dfliches Netz \u00fcber alle zerst\u00fcckte Grenzenlosigkeit der sich uns aufdr\u00e4ngenden Tats\u00e4chlichkeiten: zwecks der Verst\u00e4ndigung untereinander, zwecks der Gemeinschaftlichkeit in dieser f\u00fcr uns abgegrenzten Welt des Netz-Umfanges (\u2013 gleichviel wie jeder Einzelne in seinem Seinsgef\u00fchl sich dazu verhalten mag, dem doch schlie\u00dflich sein Denken, sein Erkennenwollen nur eben netzhaft sich dar\u00fcber breitet). Ist nicht dies selber doch nur eine gewisse versuchte <em>Nachahmung<\/em> dessen, woran wir uns in unserm Lebensgef\u00fchl in Ganzheit verwurzelt f\u00fchlen \u2013 gewisserma\u00dfen als Schleier von oben, imitierend die unerfa\u00dfliche Bodentiefe darunter, an die wir nicht erkennend heranlangen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem der Mensch, dies bewu\u00dftgewordene Etwas, sich im Denken vorliegt als ein zugleich Anderes, kehrt er diese Situation im Grunde ja nur nachahmend um: er kehrt gleichnishaft \u00bbnach au\u00dfen\u00ab, was das Existenzgeheimnis seiner selber ist. Letztlich w\u00fcrde damit unser formales Denken eine Art von \u00bbSymbolisierung\u00ab \u2013 um Unaussprechliches mittels Umkehrung zur Sprache, zur Verst\u00e4ndigung zu bringen. Verstand w\u00e4re unser Kunstgriff, dem die ungeheure Synthetik alles Existierenden sich hinh\u00e4lt: offen, aber \u2013 als unsere Analytik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle entschlie\u00dfen sich die meisten Menschen \u2013 die Wissenschaftsbeflissenen keineswegs voll ausgenommen \u2013, ihr Wissen von exakt Nachzuweisendem zu erg\u00e4nzen durch F\u00fcr-wahr-gehaltenes, das sie sich g\u00f6nnen oder befehlen. Als gehe es, ohne solchen Zugang zu gl\u00e4ubigem Optimismus, allzu gef\u00e4hrlich pessimistisch innerhalb unseres Menschentums zu. Ja, als fielen wir doch sonst einfach unter das \u00bbTote\u00ab, von unserer Wissens- und Erkenntnisweise immer Zerst\u00fccktere, Entleibtere, Entseeltere, \u2013 dem Nichts \u00fcberantwortet von Grund aus. Nun ist es bei Freud dem gegen\u00fcber ja so, da\u00df er sich nicht blo\u00df ablehnend verh\u00e4lt, nein: zweifellos gegnerisch, innerlich aggressiv. Und man ver\u00fcbelt ihm das, sofern sich&#8217;s dabei doch ums Menschsein handelt, um N\u00f6te und Sehns\u00fcchte des lebendig St\u00e4rksten im Menschen. Jedoch Freuds Haltung erkl\u00e4rt sich daraus, da\u00df unsere Nachgiebigkeit in diesem Punkt \u2013 sagen wir summarisch-kurz: von Physik zu Metaphysik \u2013 diejenigen Erkenntnismittel dabei mi\u00dfbraucht, die wir zur Anwendung in der Welt des Physikalischen schufen. An eben diesem Punkt, der beides trennt, kam ja Freud zu seinen Entdeckungen, die bis dahin gr\u00f6\u00dftenteils nur deshalb zugedeckt geblieben waren, weil man sie sich entweder voreilig versperrt hielt oder weil man voreilig metaphysische Voraussetzungen dazwischenschob. Was ihn da zum K\u00e4mpfer dawider, ja zum Angreifer macht, ist derselbe Ernst, ein Forscherernst ohne Abzug und Konzession, der seine von ihm so ganz unbeabsichtigten Funde unerbittlich ans Licht hob und keine Toleranz hinsichtlich ihrer Wiederverdeckung gestatten konnte. Man verwechsele das ja nicht mit Bekehreraggression, die etwa einem \u00dcberredungs- oder Belehrungsdrang entspr\u00e4che (z.B. einem Nietzscheschen: \u00bbBleibt mir der Erde treu!\u00ab oder sonstigem Verk\u00fcndenwollen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Freuds Sache von uns verlangt, ist nur, da\u00df wir an dem genannten Punkt der Entscheidung um ein wenig geduldiger und abwartender unserm Erkenntniswillen zu Gebote bleiben, da\u00df wir, ohne R\u00fccksicht auf uns selbst, in jener Redlichkeit des Denkens stillhalten, die wir Au\u00dfendingen gegen\u00fcber mit so gro\u00dfem Erfolg von jeher erlernten. Man gebe insofern ruhig zu: Freuds Tendenz warf uns unter die Dinge! Da\u00df wir uns vorerst <em>das<\/em> eingestehen, womit wir allem eingereiht sind als seinesgleichen, ehe uns lediglich interessiert, wie und wodurch wir uns gr\u00fcndlich genug davon abheben k\u00f6nnten. Denn gerade unser \u00bbMehr\u00ab vor allem Sonstigen, mit dem wir uns befassen, liegt schlechterdings \u00edm <em>Bewu\u00dftwerden<\/em> eben dessen, was auch uns Eingang l\u00e4\u00dft in die Bruderschaft allen Seins \u00fcberhaupt. Was hierbei hemmend wirkt \u2013 und immer hemmender im Verlauf unserer Bewu\u00dftseinskultur \u2013, ist das t\u00f6richteste aller \u00bbStandesvorurteile\u00ab, das dem gleichen Urboden mit allem zu gern einen gedachten Luftbau vorzieht, um sich hinauszuretten. An dieser kitzligsten, durch unsere \u00dcberheblichkeit wund oder \u00fcberempfindsam gewordenen Stelle kann auch durch keine noch so weit gef\u00f6rderte Denkf\u00e4higkeit was ge\u00e4ndert werden, sondern nur durch eine Denkrevolutionierung, f\u00fcr die <em>Er<\/em>kennen <em>Be<\/em>kennen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem hier Freud auch in bezug auf seine pers\u00f6nliche Geschmacksrichtung als ein Rationalist von Gebl\u00fct zugegeben wurde, so da\u00df Gefolgschaft seiner Sache <em>nicht<\/em> notwendig die seines \u00bbGesetzes, nach dem er angetreten\u00ab voraussetzt, mu\u00df ich noch einmal zu st\u00e4rkstem Ausdruck bringen, was mir seit meinem \u00bbErlebnis Freud\u00ab nie mehr aus Kopf und Herzen wich. N\u00e4mlich den Umstand, wie sehr erst seiner ratio-ergebenen Forschungsart, am End-Rand dieses unbeirrt verfolgten Weges, sich die Funde aus dem <em>Ir<\/em>rationalen ergaben; man m\u00f6chte sagen: ein so herrliches L\u00fcgenstrafen, da\u00df es den Besiegten zum Sieger einsetzt, <em>weil<\/em> er sich treu geblieben! Ist diese Wendung nicht ein ausgleichender Schlu\u00dfakt, bei dem ungewollt noch das mechanisierteste Au\u00dferhalb sich zugleich zur\u00fcckfindet zur Einkehr in unser verborgenstes Innerhalb, von dem nunmehr erst ganz das Heraklitische Wort gelten darf von den nimmer zu Ende abzuschreitenden Grenzen der Seele?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Davor wird denn auch der h\u00e4ufigste Einwand gegen den Rationalismus Freuds hinf\u00e4llig, der sich das unerm\u00fcdliche Zitat zum Motto nimmt: alles Verg\u00e4ngliche sei doch nur ein Gleichnis \u2013 nicht das Wesentliche. Gewi\u00df \u2013, gewi\u00df! Nun, so wurde denn an Freud das Gleichnis perfekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-98152 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Lou_Andreas-Salome\u0301-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/>Lou Andreas-Salom\u00e9s oft ger\u00fchmte pers\u00f6nliche Ausstrahlung, ihre Bildung und intellektuelle Beweglichkeit, die Freundschaft mit namhaften Zeitgenossen und ihre unkonventionelle Lebensf\u00fchrung sicherten ihr einen Platz in der deutschen Kulturgeschichte. Ihr Leben war und ist Gegenstand von Biographien, Romanliteratur, Musiktheater (der Oper <em>Lou Salom\u00e9<\/em> von Giuseppe Sinopoli (Libretto: Karl Dietrich Gr\u00e4we) zum Beispiel, die 1981 in M\u00fcnchen uraufgef\u00fchrt wurde) und anderen Texten, in denen ihre Kontakte zu Ber\u00fchmtheiten der Literatur- und Wissenschaftsgeschichte er\u00f6rtert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verglichen damit fand ihr eigenes schriftstellerisches Werk seither wenig Beachtung \u2013 es verschwand hinter der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Geschichte ihres Lebens, dem will KUNO abhelfen. Als renommierte Autorin hatte sie an der Entwicklung der Positionen der Moderne um 1900 lebhaft mitgewirkt. In Romanen, Erz\u00e4hlungen, Essays, Theaterkritiken, zahlreichen Texten \u00fcber Philosophie und Psychoanalyse, einem weitl\u00e4ufigen Briefwechsel beteiligte sie sich an den Diskussionen \u00fcber grundlegende Fragen der Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Zwei einander sehr entgegengesetzte Lebenseindr\u00fccke sind es gewesen, die mich f\u00fcr die Begegnung mit Freuds Tiefenpsychologie besonders empf\u00e4nglich machten: das Miterleben der Au\u00dferordentlichkeit und Seltenheit des Seelenschicksals eines Einzelnen \u2013 und das Aufwachsen unter einer Volksart von ohne weiteres&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/07\/20\/das-erlebnis-freud\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":232,"featured_media":98152,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3134],"class_list":["post-103736","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-lou-andreas-salome"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/232"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103736"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103736\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103738,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103736\/revisions\/103738"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98152"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}