{"id":103708,"date":"2013-05-09T11:20:29","date_gmt":"2013-05-09T09:20:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103708"},"modified":"2022-06-13T11:23:57","modified_gmt":"2022-06-13T09:23:57","slug":"ueber-die-tragische-kunst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/05\/09\/ueber-die-tragische-kunst\/","title":{"rendered":"\u00dcber die tragische Kunst"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zustand des Affekts f\u00fcr sich selbst, unabh\u00e4ngig von aller Beziehung seines Gegenstandes auf unsere Verbesserung oder Verschlimmerung, hat etwas Erg\u00f6tzendes f\u00fcr uns; wir streben, uns in denselben zu versetzen, wenn es auch einige Opfer kosten sollte. Unsern gew\u00f6hnlichsten Vergn\u00fcgungen liegt dieser Trieb zum Grunde; ob der Affekt auf Begierde oder Verabscheuung gerichtet, ob er seiner Natur nach angenehm oder peinlich sei, kommt dabei wenig in Betrachtung. Vielmehr lehrt die Erfahrung, da\u00df der unangenehme Affekt den gr\u00f6\u00dfern Reiz f\u00fcr uns habe und also die Lust am Affekt mit seinem Inhalt gerade in umgekehrtem Verh\u00e4ltnisse stehe. Es ist eine allgemeine Erscheinung in unserer Natur, da\u00df uns das Traurige, das Schreckliche, das Schauderhafte selbst mit unwiderstehlichem Zauber an sich lockt, da\u00df wir uns von Auftritten des Jammers, des Entsetzens mit gleichen Kr\u00e4ften weggesto\u00dfen und wieder angezogen f\u00fchlen. Alles dr\u00e4ngt sich voll Erwartung um den Erz\u00e4hler einer Mordgeschichte; das abenteuerlichste Gespensterm\u00e4rchen verschlingen wir mit Begierde, und mit desto gr\u00f6\u00dferer, je mehr uns dabei die Haare zu Berge steigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lebhafter \u00e4u\u00dfert sich diese Regung bei Gegenst\u00e4nden der wirklichen Anschauung. Ein Meersturm, der eine ganze Flotte versenkt, vom Ufer aus gesehen, w\u00fcrde unsere Phantasie ebenso stark erg\u00f6tzen, als er unser f\u00fchlendes Herz emp\u00f6rt; es d\u00fcrfte schwer sein, mit dem Lucrez zu glauben, da\u00df diese nat\u00fcrliche Lust auf einer Vergleichung unsrer eigenen Sicherheit mit der wahrgenommenen Gefahr entspringe. Wie zahlreich ist nicht das Gefolge, das einen Verbrecher nach dem Schauplatz seiner Qualen begleitet! Weder das Vergn\u00fcgen befriedigter Gerechtigkeitsliebe, noch die unedle Lust der gestillten Rachbegierde kann diese Erscheinung erkl\u00e4ren. Dieser Ungl\u00fcckliche kann in dem Herzen der Zuschauer sogar entschuldigt, das aufrichtigste Mitleid f\u00fcr seine Erhaltung gesch\u00e4ftig sein; dennoch regt sich, st\u00e4rker oder schw\u00e4cher, ein neugieriges Verlangen bei dem Zuschauer, Aug und Ohr auf den Ausdruck seines Leidens zu richten. Wenn der Mensch von Erziehung und verfeinertem Gef\u00fchl hierin eine Ausnahme macht, so r\u00fchrt dies nicht daher, da\u00df dieser Trieb gar nicht in ihm vorhanden war, sondern daher, da\u00df er von der schmerzhaften St\u00e4rke des Mitleids \u00fcberwogen oder von den Gesetzen des Anstands in Schranken gehalten wird. Der rohe Sohn der Natur, den kein Gef\u00fchl zarter Menschlichkeit z\u00fcgelt, \u00fcberl\u00e4\u00dft sich ohne Scheu diesem m\u00e4chtigen Zuge. Er mu\u00df also in der urspr\u00fcnglichen Anlage des menschlichen Gem\u00fcths gegr\u00fcndet und durch ein allgemeines psychologisches Gesetz zu erkl\u00e4ren sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir aber auch diese rohen Naturgef\u00fchle mit der W\u00fcrde der menschlichen Natur unvertr\u00e4glich finden und de\u00dfwegen Anstand nehmen, ein Gesetz f\u00fcr die ganze Gattung daraus zu gr\u00fcnden, so gibt es noch Erfahrungen genug, die die Wirklichkeit und Allgemeinheit des Vergn\u00fcgens an schmerzhaften R\u00fchrungen au\u00dfer Zweifel setzen. Der peinliche Kampf entgegengesetzter Neigungen oder Pflichten, der f\u00fcr Denjenigen, der ihn erleidet, eine Quelle des Elends ist, erg\u00f6tzt uns in der Betrachtung; wir folgen mit immer steigender Lust den Fortschritten einer Leidenschaft bis zu dem Abgrund, in welchen sie ihr ungl\u00fcckliches Opfer hinabzieht. Das n\u00e4mliche zarte Gef\u00fchl, das uns von dem Anblick eines physischen Leidens, oder auch von dem physischen Ausdruck eines moralischen zur\u00fcckschreckt, l\u00e4\u00dft uns in der Sympathie mit dem reinen moralischen Schmerz eine nur desto s\u00fc\u00dfere Lust empfinden. Das Interesse ist allgemein, mit dem wir bei Schilderungen solcher Gegenst\u00e4nde verweilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlicher Weise gilt dies nur von dem mitgeteilten oder nachempfundenen Affekt; denn die nahe Beziehung, in welcher der urspr\u00fcngliche zu unserm Gl\u00fcckseligkeitstriebe steht, besch\u00e4ftigt und besitzt uns gew\u00f6hnlich zu sehr, um der Lust Raum zu lassen, die er, frei von jeder eigenn\u00fctzigen Beziehung, f\u00fcr sich selbst gew\u00e4hrt. So ist bei Demjenigen, der wirklich von einer schmerzhaften Leidenschaft beherrscht wird, das Gef\u00fchl des Schmerzens \u00fcberwiegend, so sehr die Schilderung seiner Gem\u00fcthslage den H\u00f6rer oder Zuschauer entz\u00fccken kann. Demungeachtet ist selbst der urspr\u00fcngliche schmerzhafte Affekt f\u00fcr Denjenigen, der ihn erleidet, nicht ganz an Vergn\u00fcgen leer; nur sind die Grade dieses Vergn\u00fcgens nach der Gem\u00fcthsbeschaffenheit der Menschen verschieden. L\u00e4ge nicht auch in der Unruhe, im Zweifel, in der Furcht ein Genu\u00df, so w\u00fcrden Hazardspiele ungleich weniger Reiz f\u00fcr uns haben, so w\u00fcrde man sich nie aus tollk\u00fchnem Muth in Gefahren st\u00fcrzen, so k\u00f6nnte selbst die Sympathie mit fremden Leiden gerade im Moment der h\u00f6chsten Illusion und im st\u00e4rksten Grad der Verwechslung nicht am lebhaftesten erg\u00f6tzen. Dadurch aber wird nicht gesagt, da\u00df die unangenehmen Affekte an und f\u00fcr sich selbst Lust gew\u00e4hren, welches zu behaupten wohl Niemand sich einfallen lassen wird; es ist genug, wenn diese Zust\u00e4nde des Gem\u00fcths blo\u00df die Bedingungen abgeben, unter welchen allein gewisse Arten des Vergn\u00fcgens f\u00fcr uns m\u00f6glich sind. Gem\u00fcther also, welche f\u00fcr <em>diese<\/em> Arten des Vergn\u00fcgens vorz\u00fcglich empf\u00e4nglich und vorz\u00fcglich darnach l\u00fcstern sind, werden sich leichter mit diesen unangenehmen Bedingungen vers\u00f6hnen und auch in den heftigsten St\u00fcrmen der Leidenschaft ihre Freiheit nicht ganz verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der Beziehung seines Gegenstandes auf unser sinnliches oder sittliches Verm\u00f6gen r\u00fchrt die Unlust her, welche wir bei widrigen Affekten empfinden, so wie die Lust bei den angenehmen aus eben diesen Quellen entspringt. Nach dem Verh\u00e4ltni\u00df nun, in welchem die sittliche Natur eines Menschen zu seiner sinnlichen steht, richtet sich auch der Grad der Freiheit, der in Affekten behauptet werden kann; und da nun bekanntlich im Moralischen keine Wahl f\u00fcr uns stattfindet, der sinnliche Trieb hingegen der Gesetzgebung der Vernunft unterworfen und also in unserer Gewalt ist, wenigstens sein soll, so leuchtet ein, da\u00df es m\u00f6glich ist, in allen denjenigen Affecten, welche mit dem eigenn\u00fctzigen Trieb zu thun haben, eine vollkommene Freiheit zu behalten und \u00fcber den Grad Herr zu sein, den sie erreichen sollen. Dieser wird in eben dem Ma\u00dfe schw\u00e4cher sein, als der moralische Sinn \u00fcber den Gl\u00fcckseligkeitstrieb bei einem Menschen die Obergewalt behauptet und die eigenn\u00fctzige Anh\u00e4nglichkeit an sein individuelles Ich durch den Gehorsam gegen allgemeine Vernunftgesetze vermindert wird. Ein solcher Mensch wird also im Zustand des Affekts die Beziehung eines Gegenstandes auf seinen Gl\u00fcckseligkeitstrieb weit weniger empfinden und folglich auch weit weniger von der Unlust erfahren, die nur aus dieser Beziehung entspringt; hingegen wird er desto mehr auf das Verh\u00e4ltni\u00df merken, in welchem eben dieser Gegenstand zu seiner Sittlichkeit steht, und eben darum auch desto empf\u00e4nglicher f\u00fcr die Lust sein, welche die Beziehung aufs Sittliche nicht selten in die peinlichsten Leiden der Sinnlichkeit mischt. Eine solche Verfassung des Gem\u00fcths ist am f\u00e4higsten, das Vergn\u00fcgen des Mitleids zu genie\u00dfen und selbst den urspr\u00fcnglichen Affekt in den Schranken des Mitleids zu erhalten. Daher der hohe Werth einer Lebensphilosophie, welche durch stete Hinweisung auf allgemeine Gesetze das Gef\u00fchl f\u00fcr unsere Individualit\u00e4t entkr\u00e4ftet, im Zusammenhange des gro\u00dfen Ganzen unser kleines Selbst uns verlieren lehrt und uns dadurch in den Stand setzt, mit uns selbst wie mit Fremdlingen umzugehen. Diese erhabene Geistesstimmung ist das Loos starker und philosophischer Gem\u00fcther, die durch fortgesetzte Arbeit an sich selbst den eigenn\u00fctzigen Trieb unterjochen gelernt haben. Auch der schmerzhafteste Verlust f\u00fchrt sie nicht \u00fcber eine ruhige Wehmuth hinaus, mit der sich noch immer ein merklicher Grad des Vergn\u00fcgens gatten kann. Sie, die allein f\u00e4hig sind, sich von sich selbst zu trennen, genie\u00dfen allein das Vorrecht, an sich selbst Theil zu nehmen und eigenes Leiden in dem milden Wiederschein der Sympathie zu empfinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon das Bisherige enth\u00e4lt Winke genug, die uns auf die Quellen des Vergn\u00fcgens, das der Affekt an sich selbst, und vorz\u00fcglich der traurige, gew\u00e4hrt, aufmerksam machen. Es ist gr\u00f6\u00dfer, wie man gesehen hat, in moralischen Gem\u00fcthern und wirkt desto freier, je mehr das Gem\u00fcth von dem eigenn\u00fctzigen Triebe unabh\u00e4ngig ist. Es ist ferner lebhafter und st\u00e4rker in traurigen Affekten, wo die Selbstliebe gekr\u00e4nkt wird, als in fr\u00f6hlichen, welche eine Befriedigung derselben voraussetzen; also w\u00e4chst es, wo der eigenn\u00fctzige Trieb beleidigt, und nimmt ab, wo diesem Triebe geschmeichelt wird. Wir kennen aber nicht mehr als zweierlei Quellen des Vergn\u00fcgens, die Befriedigung des Gl\u00fcckseligkeitstriebes und die Erf\u00fcllung moralischer Gesetze; eine Lust also, von der man bewiesen hat, da\u00df sie nicht aus der ersten Quelle entsprang, mu\u00df nothwendig aus der zweiten ihren Ursprung nehmen. Aus unserer moralischen Natur also quillt die Lust hervor, wodurch uns schmerzhafte Affekte in der Mittheilung entz\u00fccken und, auch sogar urspr\u00fcnglich empfunden, in gewissen F\u00e4llen noch angenehm r\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man hat es auf mehrere Art versucht, das Vergn\u00fcgen des Mitleids zu erkl\u00e4ren; aber die wenigsten Aufl\u00f6sungen konnten befriedigend ausfallen, weil man den Grund der Erscheinung lieber in begleitenden Umst\u00e4nden als in der Natur des Affekts selbst aufsuchte. Vielen ist das Vergn\u00fcgen des Mitleids nichts anders, als das Vergn\u00fcgen der Seele an ihrer Empfindsamkeit; Andern die Lust an starkbesch\u00e4ftigten Kr\u00e4ften, lebhafter Wirksamkeit des Begehrungsverm\u00f6gens, kurz an einer Befriedigung des Th\u00e4tigkeitstriebes; Andere lassen sie aus der Entdeckung sittlich sch\u00f6ner Charakterz\u00fcge, die der Kampf mit dem Ungl\u00fcck und mit der Leidenschaft sichtbar mache, entspringen. Noch immer aber bleibt unaufgel\u00f6st, warum gerade die Pein selbst, das eigentliche Leiden, bei Gegenst\u00e4nden des Mitleids uns am m\u00e4chtigsten anzieht, da nach jenen Erkl\u00e4rungen ein schw\u00e4cherer Grad des Leidens den angef\u00fchrten Ursachen unserer Lust an der R\u00fchrung offenbar g\u00fcnstiger sein m\u00fc\u00dfte. Die Lebhaftigkeit und St\u00e4rke der in unserer Phantasie erweckten Vorstellungen, die sittliche Vortrefflichkeit der leidenden Personen, der R\u00fcckblick des mitleidenden Subjekts auf sich selbst k\u00f6nnen die Lust an R\u00fchrungen wohl erh\u00f6hen, aber sie sind die Ursache nicht, die sie hervorbringt. Das Leiden einer schwachen Seele, der Schmerz eines B\u00f6sewichts gew\u00e4hren uns diesen Genu\u00df freilich nicht; aber de\u00dfwegen nicht, weil sie unser Mitleid nicht in dem Grade wie der leidende Held oder der k\u00e4mpfende Tugendhafte erregen. Stets also kehrt die erste Frage zur\u00fcck, warum eben just der Grad des Leidens den Grad der sympathetischen Lust an einer R\u00fchrung bestimme, und sie kann auf keine andere Art beantwortet werden, als da\u00df gerade der Angriff auf unsere Sinnlichkeit die Bedingung sei, diejenige Kraft des Gem\u00fcths aufzuregen, deren Th\u00e4tigkeit jenes Vergn\u00fcgen an sympathetischem Leiden erzeugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Kraft nun ist keine andere als die Vernunft, und insofern die freie Wirksamkeit derselben, als absolute Selbstth\u00e4tigkeit, vorzugsweise den Namen der Th\u00e4tigkeit verdient, insofern sich das Gem\u00fcth nur in seinem sittlichen Handeln vollkommen unabh\u00e4ngig und frei f\u00fchlt, insofern ist es freilich der befriedigte Trieb der Th\u00e4tigkeit, von welchem unser Vergn\u00fcgen an traurigen R\u00fchrungen seinen Ursprung zieht. Aber so ist es auch nicht die Menge, nicht die Lebhaftigkeit der Vorstellungen, nicht die Wirksamkeit des Begehrungsverm\u00f6gens \u00fcberhaupt, sondern eine bestimmte Gattung der erstern, und eine bestimmte, durch Vernunft erzeugte Wirksamkeit des letztern, was diesem Vergn\u00fcgen zum Grund liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der mitgetheilte Affekt \u00fcberhaupt hat also etwas Erg\u00f6tzendes f\u00fcr uns, weil er den Th\u00e4tigkeitstrieb befriedigt; der traurige Affekt leistet jene Wirkung in einem h\u00f6hern Grade, weil er diesen Trieb in einem h\u00f6hern Grade befriedigt. Nur im Zustand seiner vollkommenen Freiheit, nur im Bewu\u00dftsein seiner vern\u00fcnftigen Natur \u00e4u\u00dfert das Gem\u00fcth seine h\u00f6chste Th\u00e4tigkeit, weil es da allein eine Kraft anwendet, die jedem Widerstand \u00fcberlegen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derjenige Zustand des Gem\u00fcths also, der vorzugsweise diese Kraft zu ihrer Verk\u00fcndigung bringt, diese h\u00f6here Th\u00e4tigkeit weckt, ist der zweckm\u00e4\u00dfigste f\u00fcr ein vern\u00fcnftiges Wesen und f\u00fcr den Th\u00e4tigkeitstrieb der befriedigendste; er mu\u00df also mit einem vorz\u00fcglichen Grade von Lust verkn\u00fcpft sein.Siehe die Abhandlung \u00fcber den Grund des Vergn\u00fcgens an tragischen Gegenst\u00e4nden. In einen solchen Zustand versetzt uns der traurige Affekt, und die Lust an demselben mu\u00df die Lust an fr\u00f6hlichen Affekten in eben dem Grad \u00fcbertreffen, als das sittliche Verm\u00f6gen in uns \u00fcber das sinnliche erhaben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was in dem ganzen System der Zwecke nur ein untergeordnetes Glied ist, darf die Kunst aus diesem Zusammenhang absondern und als Hauptzweck verfolgen. F\u00fcr die Natur mag das Vergn\u00fcgen nur ein mittelbarer Zweck sein; f\u00fcr die Kunst ist es der h\u00f6chste. Es geh\u00f6rt also vorz\u00fcglich zum Zweck der letztern, das hohe Vergn\u00fcgen nicht zu vernachl\u00e4ssigen, das in der traurigen R\u00fchrung enthalten ist. Diejenige Kunst aber, welche sich das Vergn\u00fcgen des Mitleids insbesondere zum Zweck setzt, hei\u00dft die tragische Kunst im allgemeinsten Verstande.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kunst erf\u00fcllt ihren Zweck durch Nachahmung der Natur, indem sie die Bedingungen erf\u00fcllt, unter welchen das Vergn\u00fcgen in der Wirklichkeit m\u00f6glich wird, und die zerstreuten Anstalten der Natur zu diesem Zwecke nach einem verst\u00e4ndigen Plan vereinigt, um das, was diese blo\u00df zu ihrem Nebenzweck machte, als letzten Zweck zu erreichen. Die tragische Kunst wird also die Natur in denjenigen Handlungen nachahmen, welche den mitleidenden Affekt vorz\u00fcglich zu erwecken verm\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um also der tragischen Kunst ihr Verfahren im Allgemeinen vorzuschreiben, ist es vor allem n\u00f6thig, die Bedingungen zu wissen, unter welchen nach der gew\u00f6hnlichen Erfahrung das Vergn\u00fcgen der R\u00fchrung am gewissesten und am st\u00e4rksten erzeugt zu werden pflegt; zugleich aber auch auf diejenigen Umst\u00e4nde aufmerksam zu machen, welche es einschr\u00e4nken oder gar zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei entgegengesetzte Ursachen gibt die Erfahrung an, welche das Vergn\u00fcgen an R\u00fchrungen hindern: wenn das Mitleid entweder zu schwach, oder wenn es so stark erregt wird, da\u00df der mitgetheilte Affekt zu der Lebhaftigkeit eines urspr\u00fcnglichen \u00fcbergeht. Jenes kann wieder entweder an der Schw\u00e4che des Eindrucks liegen, den wir von dem urspr\u00fcnglichen Leiden erhalten, in welchem Falle wir sagen, da\u00df unser Herz kalt bleibt und wir weder Schmerz noch Vergn\u00fcgen empfinden; oder es liegt an st\u00e4rkern Empfindungen, welche den empfangenen Eindruck bek\u00e4mpfen und durch ihr Uebergewicht im Gem\u00fcth das Vergn\u00fcgen des Mitleids schw\u00e4chen oder g\u00e4nzlich ersticken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem, was im vorhergehenden Aufsatz <em>\u00fcber den Grund des Vergn\u00fcgens an tragischen Gegenst\u00e4nden<\/em> behauptet wurde, ist bei jeder tragischen R\u00fchrung die Vorstellung einer Zweckwidrigkeit, welche, wenn die R\u00fchrung erg\u00f6tzend sein soll, jederzeit auf eine Vorstellung von h\u00f6herer Zweckm\u00e4\u00dfigkeit leitet. Auf das Verh\u00e4ltni\u00df dieser beiden entgegengesetzten Vorstellungen unter einander kommt es nun an, ob bei einer R\u00fchrung die Lust oder die Unlust hervorstechen soll. Ist die Vorstellung der Zweckwidrigkeit lebhafter als die des Gegentheils, oder ist der verletzte Zweck von gr\u00f6\u00dferer Wichtigkeit als der erf\u00fcllte, so wird jederzeit die Unlust die Oberhand behalten; es mag dieses nun objectiv von der menschlichen Gattung \u00fcberhaupt, oder blo\u00df subjektiv von besondern Individuen gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Unlust \u00fcber die Ursache eines Ungl\u00fccks zu stark wird, so schw\u00e4cht sie unser Mitleid mit Demjenigen, der es erleidet. Zwei ganz verschiedene Empfindungen k\u00f6nnen nicht zu gleicher Zeit in einem hohen Grade in dem Gem\u00fcthe vorhanden sein. Der Unwille \u00fcber den Urheber des Leidens wird zum herrschenden Affekt, und jedes andere Gef\u00fchl mu\u00df ihm weichen. So schw\u00e4cht es jederzeit unsern Antheil, wenn sich der Ungl\u00fcckliche, den wir bemitleiden sollen, auf eigener unverzeihlicher Schuld in sein Verderben gest\u00fcrzt hat, oder sich auch aus Schw\u00e4che des Verstandes und aus Kleinmuth nicht, da er es doch k\u00f6nnte, aus demselben zu ziehen wei\u00df. Unserm Antheil an dem ungl\u00fccklichen, von seinen undankbaren T\u00f6chtern mi\u00dfhandelten Lear schadet es nicht wenig, da\u00df dieser kindische Alte seine Krone so leichtsinnig hingab und seine Liebe so unverst\u00e4ndig unter seinen T\u00f6chtern vertheilte. In dem Cronegkischen Trauerspiel Olint und Sophronia kann selbst das f\u00fcrchterlichste Leiden, dem wir diese beiden M\u00e4rtyrer ihres Glaubens ausgesetzt sehen, unser Mitleid, und ihr erhabener Heroismus unsere Bewunderung nur schwach erregen, weil der Wahnsinn allein eine Handlung begehen kann, wie diejenige ist, wodurch Olint sich selbst und sein ganzes Volk an den Rand des Verderbens f\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Mitleid wird nicht weniger geschw\u00e4cht, wenn der Urheber eines Ungl\u00fccks, dessen schuldlose Opfer wir bemitleiden sollen, unsere Seele mit Abscheu erf\u00fcllt. Es wird jederzeit der h\u00f6chsten Vollkommenheit seines Werks Abbruch thun, wenn der tragische Dichter nicht ohne einen B\u00f6sewicht auskommen kann, und wenn er gezwungen ist, die Gr\u00f6\u00dfe des Leidens von der Gr\u00f6\u00dfe der Bosheit herzuleiten. Shakespeares Jago und Lady Macbeth, Cleopatra in der Rodogune, Franz Moor in den R\u00e4ubern zeugen f\u00fcr diese Behauptung. Ein Dichter, der sich auf seinen wahren Vortheil versteht, wird das Ungl\u00fcck nicht durch einen b\u00f6sen Willen, der Ungl\u00fcck beabsichtet, noch viel weniger durch einen Mangel des Verstandes, sondern durch den Zwang der Umst\u00e4nde herbeif\u00fchren. Entspringt dasselbe nicht aus moralischen Quellen, sondern von \u00e4u\u00dferlichen Dingen, die weder Willen haben, noch einem Willen unterworfen sind, so ist das Mitleid reiner und wird zum wenigsten durch keine Vorstellung moralischer Zweckwidrigkeit geschw\u00e4cht. Aber dann kann dem teilnehmenden Zuschauer das unangenehme Gef\u00fchl einer Zweckwidrigkeit in der Natur nicht erlassen werden, welche in diesem Fall allein die moralische Zweckm\u00e4\u00dfigkeit retten kann. Zu einem weit h\u00f6hern Grad steigt das Mitleid, wenn sowohl Derjenige, welcher leidet, als Derjenige, welcher Leiden verursacht, Gegenst\u00e4nde desselben werden. Dies kann nur dann geschehen, wenn der Letztere weder unsern Ha\u00df noch unsere Verachtung erregte, sondern wider seine Neigung dahin gebracht wird, Urheber des Ungl\u00fccks zu werden. So ist es eine vorz\u00fcgliche Sch\u00f6nheit in der deutschen Iphigenia, da\u00df der taurische K\u00f6nig, der Einzige, der den W\u00fcnschen Orests und seiner Schwester im Wege steht, nie unsere Achtung verliert und uns zuletzt noch Liebe abn\u00f6thigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Gattung des R\u00fchrenden wird noch von derjenigen \u00fcbertroffen, wo die Ursache des Ungl\u00fccks nicht allein nicht der Moralit\u00e4t widersprechend, sondern sogar durch Moralit\u00e4t allein m\u00f6glich ist, und wo das wechselseitige Leiden blo\u00df von der Vorstellung herr\u00fchrt, da\u00df man Leiden erweckte. Von dieser Art ist die Situation Ximenens und Roderichs im Cid des Peter Corneille; unstreitig, was die Verwicklung betrifft, dem Meisterst\u00fcck der tragischen B\u00fchne. Ehrliebe und Kindespflicht bewaffnen Roderichs Hand gegen den Vater seiner Geliebten, und Tapferkeit macht ihn zum Ueberwinder desselben; Ehrliebe und Kindespflicht erwecken ihm in Ximenen, der Tochter des Erschlagenen, eine furchtbare Ankl\u00e4gerin und Verfolgerin. Beide handeln ihrer Neigung entgegen, welche vor dem Ungl\u00fcck des verfolgten Gegenstandes eben so \u00e4ngstlich zittert, als eifrig sie die moralische Pflicht macht, dieses Ungl\u00fcck herbeizurufen. Beide also gewinnen unsere h\u00f6chste Achtung, weil sie auf Kosten der Neigung eine moralische Pflicht erf\u00fcllen; beide entflammen unser Mitleid aufs h\u00f6chste, weil sie freiwillig und aus einem Beweggrund leiden, der sie in hohem Grade achtungsw\u00fcrdig macht. Hier also wird unser Mitleid so wenig durch widrige Gef\u00fchle gest\u00f6rt, da\u00df es vielmehr in doppelter Flamme auflodert; blo\u00df die Unm\u00f6glichkeit, mit der h\u00f6chsten W\u00fcrdigkeit zum Gl\u00fccke die Idee des Ungl\u00fccks zu vereinbaren, k\u00f6nnte unsere sympathische Lust noch durch eine Wolke des Schmerzens tr\u00fcben. Wie viel auch schon dadurch gewonnen wird, da\u00df unser Unwille \u00fcber diese Zweckwidrigkeit kein moralisches Wesen trifft, sondern an den unsch\u00e4dlichsten Ort, auf die Nothwendigkeit abgeleitet wird, so ist eine blinde Unterw\u00fcrfigkeit unter das Schicksal immer dem\u00fcthigend und kr\u00e4nkend f\u00fcr freie, sich selbst bestimmende Wesen. Dies ist es, was uns auch in den vortrefflichsten St\u00fccken der griechischen B\u00fchne etwas zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4\u00dft, weil in allen diesen St\u00fccken zuletzt an die Nothwendigkeit appelliert wird und f\u00fcr unsere Vernunft fordernde Vernunft immer ein unaufgel\u00f6ster Knoten zur\u00fcckbleibt. Aber auf der h\u00f6chsten und letzten Stufe, welche der moralisch gebildete Mensch erklimmt, und zu welcher die r\u00fchrende Kunst sich erheben kann, l\u00f6st sich auch dieser, und jeder Schatten von Unlust verschwindet mit ihm. Dies geschieht, wenn selbst diese Unzufriedenheit mit dem Schicksal hinwegf\u00e4llt und sich in die Ahnung oder lieber in ein deutliches Bewu\u00dftsein einer teleologischen Verkn\u00fcpfung der Dinge, einer erhabenen Ordnung, eines g\u00fctigen Willens verliert. Dann gesellt sich zu unserm Vergn\u00fcgen an moralischer Uebereinstimmung die erquickende Vorstellung der vollkommensten Zweckm\u00e4\u00dfigkeit im gro\u00dfen Ganzen der Natur, und die scheinbare Verletzung derselben, welche uns in dem einzelnen Falle Schmerzen erweckte, wird blo\u00df ein Stachel f\u00fcr unsere Vernunft, in allgemeinen Gesetzen eine Rechtfertigung dieses besondern Falles aufzusuchen und den einzelnen Mi\u00dflaut in der gro\u00dfen Harmonie aufzul\u00f6sen. Zu dieser reinen H\u00f6he tragischer R\u00fchrung hat sich die griechische Kunst nie erhoben, weil weder die Volksreligion, noch selbst die Philosophie der Griechen ihnen so weit voranleuchtete. Der neuern Kunst, welche den Vortheil genie\u00dft, von einer gel\u00e4uterten Philosophie einen reinern Stoff zu empfangen, ist es aufbehalten, auch diese h\u00f6chste Forderung zu erf\u00fcllen und so die ganze moralische W\u00fcrde der Kunst zu entfalten. M\u00fcssen wir Neuern wirklich darauf Verzicht thun, griechische Kunst je wieder herzustellen, da der philosophische Genius des Zeitalters und die moderne Kultur \u00fcberhaupt der Poesie nicht g\u00fcnstig sind, so wirken sie weniger nachtheilig auf die tragische Kunst, welche mehr auf dem Sittlichen ruhet. Ihr allein ersetzt vielleicht unsere Kultur den Raub, den sie an der Kunst \u00fcberhaupt ver\u00fcbte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wie die tragische R\u00fchrung durch Einmischung widriger Vorstellungen und Gef\u00fchle geschw\u00e4cht und dadurch die Lust an derselben vermindert wird, so kann sie im Gegentheil durch zu gro\u00dfe Ann\u00e4herung an den urspr\u00fcnglichen Affekt zu einem Grade ausschweifen, der den Schmerz \u00fcberwiegend macht. Es ist bemerkt worden, da\u00df die Unlust in Affekten von der Beziehung ihres Gegenstandes auf unsere Sinnlichkeit, so wie die Lust an denselben von der Beziehung des Affekts selbst auf unsere Sittlichkeit, seinen Ursprung nehme. Es wird also zwischen Sinnlichkeit und Sittlichkeit ein bestimmtes Verh\u00e4ltni\u00df vorausgesetzt, welches das Verh\u00e4ltni\u00df der Unlust zu der Lust in traurigen R\u00fchrungen entscheidet, und welches nicht ver\u00e4ndert oder umgekehrt wenden kann, ohne zugleich die Gef\u00fchle von Lust und Unlust bei R\u00fchrungen umzukehren oder in ihr Gegentheil zu verwandeln. Je lebhafter die Sinnlichkeit erwacht, desto schw\u00e4cher wird die Sittlichkeit wirken, und umgekehrt, je mehr jene von ihrer Macht verliert, desto mehr wird diese an St\u00e4rke gewinnen. Was also der Sinnlichkeit in unserm Gem\u00fcthe ein Uebergewicht gibt, mu\u00df nothwendiger Weise, weil es die Sittlichkeit einschr\u00e4nkt, unser Vergn\u00fcgen an R\u00fchrungen vermindern, das allein aus dieser Sittlichkeit flie\u00dft; so wie alles, was dieser letztern in unserm Gem\u00fcth einen Schwung gibt, sogar in urspr\u00fcnglichen Affekten dem Schmerz seinen Stachel nimmt. Unsere Sinnlichkeit erlangt aber dieses Uebergewicht wirklich, wenn sich die Vorstellungen des Leidens zu einem solchen Grade der Lebhaftigkeit erheben, der uns keine M\u00f6glichkeit \u00fcbrig l\u00e4\u00dft, den mitgeteilten Affekt von einem urspr\u00fcnglichen, unser eigenes Ich von dem leidenden Subjekt, oder Wahrheit von Dichtung zu unterscheiden. Sie erlangt gleichfalls das Uebergewicht, wenn ihr durch Anh\u00e4ufung ihrer Gegenst\u00e4nde und durch das blendende Licht, das eine aufgeregte Einbildungskraft dar\u00fcber verbreitet, Nahrung gegeben wird. Nichts hingegen ist geschickter, sie in ihre Schranken zur\u00fcckzuweisen, als der Beistand \u00fcbersinnlicher, sittlicher Ideen, an denen sich die unterdr\u00fcckte Vernunft, wie an geistigen St\u00fctzen, aufrichtet, um sich \u00fcber den tr\u00fcben Dunstkreis der Gef\u00fchle in einen heitrern Horizont zu erheben. Daher der gro\u00dfe Reiz, welchen allgemeine Wahrheiten oder Sittenspr\u00fcche, an der rechten Stelle in den dramatischen Dialog eingestreut, f\u00fcr alle gebildeten V\u00f6lker gehabt haben, und der fast \u00fcbertriebene Gebrauch, den schon die Griechen davon machten. Nichts ist einem sittlichen Gem\u00fcthe willkommener, als nach einem lang anhaltenden Zustand des blo\u00dfen Leidens aus der Dienstbarkeit der Sinne zur Selbstth\u00e4tigkeit geweckt und in seine Freiheit wieder eingesetzt zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So viel von den Ursachen, welche unser Mitleid einschr\u00e4nken und dem Vergn\u00fcgen an der traurigen R\u00fchrung im Wege stehen. Jetzt sind die Bedingungen aufzuz\u00e4hlen, unter welchen das Mitleid bef\u00f6rdert und die Lust der R\u00fchrung am unfehlbarsten und am st\u00e4rksten erweckt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles Mitleid setzt Vorstellungen des Leidens voraus, und nach der Lebhaftigkeit, Wahrheit, Vollst\u00e4ndigkeit und Dauer der letztern richtet sich auch der Grad der erstern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1) Je lebhafter die Vorstellungen, desto mehr wird das Gem\u00fcth zur Th\u00e4tigkeit eingeladen, desto mehr wird seine Sinnlichkeit gereizt, desto mehr also auch sein sittliches Verm\u00f6gen zum Widerstand aufgefordert. Vorstellungen des Leidens lassen sich aber auf zwei verschiedenen Wegen erhalten, welche der Lebhaftigkeit des Eindrucks nicht auf gleiche Art g\u00fcnstig sind. Ungleich st\u00e4rker afficieren uns Leiden, von denen wir Zeugen sind, als solche, die wir erst durch Erz\u00e4hlung oder Beschreibung erfahren. Jene heben das freie Spiel unserer Einbildungskraft auf und dringen, da sie unsere Sinnlichkeit unmittelbar treffen, auf dem k\u00fcrzesten Wege zu unserm Herzen. Bei der Erz\u00e4hlung hingegen wird das Besondere erst zum Allgemeinen erhoben und aus diesem dann das Besondere erkannt, also schon durch diese nothwendige Operation des Verstandes dem Eindruck sehr viel von seiner St\u00e4rke entzogen. Ein schwacher Eindruck aber wird sich des Gem\u00fcths nicht ungetheilt bem\u00e4chtigen und fremdartigen Vorstellungen Raum geben, seine Wirkung zu st\u00f6ren und die Aufmerksamkeit zu zerstreuen. Sehr oft versetzt uns auch die erz\u00e4hlende Darstellung aus dem Gem\u00fctszustand der handelnden Personen in den des Erz\u00e4hlers, welches die zum Mitleid so nothwendige T\u00e4uschung unterbricht. So oft der Erz\u00e4hler in eigner Person sich vordringt, entsteht ein Stillstand in der Handlung und darum unvermeidlich auch in unserm teilnehmenden Affekt; dies ereignet sich selbst dann, wenn sich der dramatische Dichter im Dialog vergi\u00dft und der sprechenden Person Betrachtungen in den Mund legt, die nur ein kalter Zuschauer anstellen konnte. Von diesem Fehler d\u00fcrfte schwerlich eine unserer neuern Trag\u00f6dien frei sein, doch haben ihn die franz\u00f6sischen allein zur Regel erhoben. Unmittelbare lebendige Gegenwart und Versinnlichung sind also n\u00f6thig, unsern Vorstellungen vom Leiden diejenige St\u00e4rke zu geben, die zu einem hohen Grade von R\u00fchrung erfordert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2) Aber wir k\u00f6nnen die lebhaftesten Eindr\u00fccke von einem Leiden erhalten, ohne doch zu einem merklichen Grad des Mitleids gebracht zu werden, wenn es diesen Eindr\u00fccken an Wahrheit fehlt. Wir m\u00fcssen uns einen Begriff von dem Leiden machen, an dem wir Theil nehmen sollen; dazu geh\u00f6rt eine Uebereinstimmung desselben mit etwas, was schon vorher in uns vorhanden ist. Die M\u00f6glichkeit des Mitleids beruht n\u00e4mlich auf der Wahrnehmung oder Voraussetzung einer Aehnlichkeit zwischen uns und dem leidenden Subjekt. Ueberall, wo diese Aehnlichkeit sich erkennen l\u00e4\u00dft, ist das Mitleid nothwendig; wo sie fehlt, unm\u00f6glich. Je sichtbarer und gr\u00f6\u00dfer die Aehnlichkeit, desto lebhafter unser Mitleid; je geringer jene, desto schw\u00e4cher auch dieses. Es m\u00fcssen, wenn wir den Affekt eines andern ihm nachempfinden sollen, alle inneren Bedingungen zu diesem Affekt in uns selbst vorhanden sein, damit die \u00e4u\u00dfere Ursache, die durch ihre Vereinigung mit jenen dem Affekt die Entstehung gab, auch auf uns eine gleiche Wirkung \u00e4u\u00dfern k\u00f6nne. Wir m\u00fcssen, ohne uns Zwang anzuthun, die Person mit ihm zu wechseln, unser eigenes Ich seinem Zustande augenblicklich unterzuschieben, f\u00e4hig sein. Wie ist es aber m\u00f6glich, den Zustand eines Andern in uns zu empfinden, wenn wir nicht uns zuvor in diesem Andern gefunden haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Aehnlichkeit geht auf die ganze Grundlage des Gem\u00fcths, insofern diese allgemein und nothwendig ist. Allgemeinheit und Nothwendigkeit aber enth\u00e4lt vorzugsweise unsere sittliche Natur. Das sinnliche Verm\u00f6gen kann durch zuf\u00e4llige Ursachen anders bestimmt werden; selbst unsre Erkenntnisverm\u00f6gen sind von ver\u00e4nderlichen Bedingungen abh\u00e4ngig; unsre Sittlichkeit allein ruht auf sich selbst und ist eben darum am tauglichsten, einen allgemeinen und sichern Ma\u00dfstab dieser Aehnlichkeit abzugeben. Eine Vorstellung also, welche wir mit unsrer Form, zu denken und zu empfinden, \u00fcbereinstimmend finden, welche mit unserer eigenen Gedankenreihe schon in gewisser Verwandtschaft steht, welche von unserm Gem\u00fcth mit Leichtigkeit aufgefa\u00dft wird, nennen wir wahr. Betrifft die Aehnlichkeit das Eigent\u00fcmliche unsers Gem\u00fcths, die besondern Bestimmungen des allgemeinen Menschencharakters in uns, welche sich unbeschadet dieses allgemeinen Charakters hinwegdenken lassen, so hat diese Vorstellung blo\u00df Wahrheit f\u00fcr uns; betrifft sie die allgemeine und nothwendige Form, welche wir bei der ganzen Gattung voraussetzen, so ist die Wahrheit der objektiven gleich zu achten. F\u00fcr den R\u00f6mer hat der Richterspruch des ersten Brutus, der Selbstmord des Cato subjektive Wahrheit. Die Vorstellungen und Gef\u00fchle, auf denen die Handlungen dieser beiden M\u00e4nner flie\u00dfen, folgen nicht unmittelbar aus der allgemeinen, sondern mittelbar aus einer besonders bestimmten menschlichen Natur. Um diese Gef\u00fchle mit ihnen zu theilen, mu\u00df man eine r\u00f6mische Gesinnung besitzen, oder doch zu augenblicklicher Annahme der letztern f\u00e4hig sein. Hingegen braucht man blo\u00df Mensch \u00fcberhaupt zu sein, um durch die heldenm\u00fcthige Aufopferung eines Leonidas, durch die ruhige Ergebung eines Aristid, durch den freiwilligen Tod eines Sokrates in eine hohe R\u00fchrung versetzt, um durch den schrecklichen Gl\u00fcckswechsel eines Darius zu Thr\u00e4nen hingerissen zu werden. Solchen Vorstellungen r\u00e4umen wir, im Gegensatz mit jenen, objektive Wahrheit ein, weil sie mit der Natur aller Subjekte \u00fcbereinstimmen und dadurch eine eben so strenge Allgemeinheit und Nothwendigkeit erhalten, als wenn sie von jeder subjektiven Bedingung unabh\u00e4ngig w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uebrigens ist die subjektiv wahre Schilderung, weil sie auf zuf\u00e4llige Bestimmungen geht, darum nicht mit willk\u00fcrlichen zu verwechseln. Zuletzt flie\u00dft auch das subjektiv Wahre aus der allgemeinen Einrichtung des menschlichen Gem\u00fcths. welche blo\u00df durch besondere Umst\u00e4nde besonders bestimmt ward, und beide sind gleich nothwendige Bedingungen desselben. Die Entschlie\u00dfung des Cato k\u00f6nnte, wenn sie den allgemeinen Gesetzen der menschlichen Natur widerspr\u00e4che, auch nicht mehr subjektiv wahr sein. Nur haben Darstellungen der letztern Art einen engern Wirkungskreis, weil sie noch andere Bestimmungen, als jene allgemeinen, voraussetzen. Die tragische Kunst kann sich ihrer mit gro\u00dfer intensiver Wirkung bedienen, wenn sie der extensiven entsagen will; doch wird das unbedingt Wahre, das blo\u00df Menschliche in menschlichen Verh\u00e4ltnissen stets ihr ergiebigster Stoff sein, weil sie bei diesem allein, ohne darum auf die St\u00e4rke des Eindrucks Verzicht thun zu m\u00fcssen, der Allgemeinheit desselben versichert ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3) Zu der Lebhaftigkeit und Wahrheit tragischer Schilderungen wird drittens noch Vollst\u00e4ndigkeit verlangt. Alles, was von au\u00dfen gegeben werden mu\u00df, um das Gem\u00fcth in die abgezweckte Bewegung zu setzen, mu\u00df in der Verstellung ersch\u00f6pft sein. Wenn sich der noch so r\u00f6misch gesinnte Zuschauer den Seelenzustand des Cato zu eigen machen, wenn er die letzte Entschlie\u00dfung dieses Republikaners zu der seinigen machen soll, so mu\u00df er diese Entschlie\u00dfung nicht blo\u00df in der Seele des R\u00f6mers, auch in den Umst\u00e4nden gegr\u00fcndet finden, so mu\u00df ihm die \u00e4u\u00dfere sowohl als innere Lage desselben in ihrem ganzen Zusammenhang und Umfang vor Augen liegen, so darf auch kein einziges Glied aus der Kette von Bestimmungen fehlen, an welche sich der letzte Entschlu\u00df des R\u00f6mers als nothwendig anschlie\u00dft. Ueberhaupt ist selbst die Wahrheit einer Schilderung ohne diese Vollst\u00e4ndigkeit nicht erkennbar, denn nur die Aehnlichkeit der Umst\u00e4nde, welche wir vollkommen einsehen m\u00fcssen, kann unser Urtheil \u00fcber die Aehnlichkeit der Empfindungen rechtfertigen, weil nur aus der Vereinigung der \u00e4u\u00dfern und innern Bedingungen der Affekt entspringt. Wenn entschieden werden soll, ob wir wie Cato w\u00fcrden gehandelt haben, so m\u00fcssen wir uns vor allen Dingen in Catos ganze \u00e4u\u00dfere Lage hineindenken, und dann erst sind wir befugt, unsere Empfindungen gegen die seinigen zu halten, einen Schlu\u00df auf die Aehnlichkeit zu machen und \u00fcber die Wahrheit derselben ein Urtheil zu f\u00e4llen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Vollst\u00e4ndigkeit der Schilderung ist nur durch Verkn\u00fcpfung mehrerer einzelnen Vorstellungen und Empfindungen m\u00f6glich, die sich gegen einander als Ursache und Wirkung verhalten und in ihrem Zusammenhang ein Ganzes f\u00fcr unsere Erkenntni\u00df ausmachen. Alle diese Vorstellungen m\u00fcssen, wenn sie uns lebhaft r\u00fchren sollen, einen unmittelbaren Eindruck auf unsere Sinnlichkeit machen und, weil die erz\u00e4hlende Form jederzeit diesen Eindruck schw\u00e4cht, durch eine gegenw\u00e4rtige Handlung veranla\u00dft werden. Zur Vollst\u00e4ndigkeit einer tragischen Schilderung geh\u00f6rt also eine Reihe einzelner versinnlichter Handlungen, welche sich zu der tragischen Handlung als zu einem Ganzen verbinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4) Fortdauernd endlich m\u00fcssen die Vorstellungen des Leidens auf uns wirken, wenn ein hoher Grad von R\u00fchrung durch sie erweckt werden soll. Der Affekt, in welchen uns fremde Leiden versetzen, ist f\u00fcr uns ein Zustand des Zwanges, aus welchem wir eilen uns zu befreien, und allzu leicht verschwindet die zum Mitleid so unentbehrliche T\u00e4uschung. Das Gem\u00fcth mu\u00df also an diese Vorstellungen gewaltsam gefesselt und der Freiheit beraubt werden, sich der T\u00e4uschung zu fr\u00fchzeitig zu entrei\u00dfen. Die Lebhaftigkeit der Vorstellungen und die St\u00e4rke der Eindr\u00fccke, welche unsre Sinnlichkeit \u00fcberfallen, ist dazu allein nicht hinreichend; denn je heftiger das empfangende Verm\u00f6gen gereizt wird, desto st\u00e4rker \u00e4u\u00dfert sich die r\u00fcckwirkende Kraft der Seele, um diesen Eindruck zu besiegen. Diese selbstth\u00e4tige Kraft aber darf der Dichter nicht schw\u00e4chen, der uns r\u00fchren will; denn eben im Kampfe derselben mit dem Leiden der Sinnlichkeit liegt der hohe Genu\u00df, den uns die traurigen R\u00fchrungen gew\u00e4hren. Wenn also das Gem\u00fcth, seiner widerstrebenden Selbstth\u00e4tigkeit ungeachtet, an die Empfindungen des Leidens geheftet bleiben soll, so m\u00fcssen diese periodenweise geschickt unterbrochen, ja von entgegengesetzten Empfindungen abgel\u00f6st werden \u2013 um alsdann mit zunehmender St\u00e4rke zur\u00fcckzukehren und die Lebhaftigkeit des ersten Eindrucks desto \u00f6fter zu erneuern. Gegen Ermattung. gegen die Wirkungen der Gewohnheit ist der Wechsel der Empfindungen das kr\u00e4ftigste Mittel. Dieser Wechsel frischt die ersch\u00f6pfte Sinnlichkeit wieder an, und die Gradation der Eindr\u00fccke weckt das selbstth\u00e4tige Verm\u00f6gen zum verh\u00e4ltni\u00dfm\u00e4\u00dfigen Widerstand. Unaufh\u00f6rlich mu\u00df dieses gesch\u00e4ftig sein, gegen den Zwang der Sinnlichkeit seine Freiheit zu behaupten, aber nicht fr\u00fcher als am Ende den Sieg erlangen und noch weit weniger im Kampf unterliegen; sonst ist es im ersten Falle um das Leiden, im zweiten um die Th\u00e4tigkeit gethan, und nur die Vereinigung von beiden erweckt ja die R\u00fchrung. In der geschickten F\u00fchrung dieses Kampfes beruht eben das gro\u00dfe Geheimni\u00df der tragischen Kunst; da zeigt sie sich in ihrem gl\u00e4nzendsten Lichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch dazu ist nun eine Reihe abwechselnder Vorstellungen, also eine zweckm\u00e4\u00dfige Verkn\u00fcpfung mehrerer, diesen Vorstellungen entsprechender Handlungen nothwendig, an denen sich die Haupthandlung und durch sie der abgezielte tragische Eindruck vollst\u00e4ndig, wie ein Kn\u00e4uel von der Spindel, abwindet und das Gem\u00fcth zuletzt wie mit einem unzerrei\u00dfbaren Netze umstrickt. Der K\u00fcnstler, wenn mir dieses Bild hier verstattet ist, sammelt erst wirthschaftlich alle einzelnen Strahlen des Gegenstandes, den er zum Werkzeug seines tragischen Zweckes macht, und sie werden unter seinen H\u00e4nden zum Blitz, der alle Herzen entz\u00fcndet. Wenn der Anf\u00e4nger den ganzen Donnerstrahl des Schreckens und der Furcht auf einmal und fruchtlos in die Gem\u00fcther schleudert, so gelangt jener Schritt vor Schritt durch lauter kleine Schl\u00e4ge zum Ziel und durchdringt eben dadurch die Seele ganz, da\u00df er sie nur allm\u00e4hlich und gradweise r\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir nunmehr die Resultate aus den bisherigen Untersuchungen ziehen, so sind es folgende Bedingungen, welche der tragischen R\u00fchrung zum Grund liegen. Erstlich mu\u00df der Gegenstand unsers Mitleids zu unsrer Gattung im ganzen Sinn dieses Worts geh\u00f6ren und die Handlung, an der wir Theil nehmen sollen, eine moralische, d.\u00a0i. unter dem Gebiet der Freiheit begriffen sein. Zweitens mu\u00df uns das Leiden, seine Quellen und seine Grade, in einer Folge verkn\u00fcpfter Begebenheiten vollst\u00e4ndig mitgetheilt und zwar drittens sinnlich vergegenw\u00e4rtigt, nicht mittelbar durch Beschreibung, sondern unmittelbar durch Handlung dargestellt werden. Alle diese Bedingungen vereinigt und erf\u00fcllt die Kunst in der Trag\u00f6die.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Trag\u00f6die w\u00e4re demnach dichterische Nachahmung einer zusammenh\u00e4ngenden Reihe von Begebenheiten (einer vollst\u00e4ndigen Handlung), welche uns Menschen in einem Zustand des Leidens zeigt und zur Absicht hat, unser Mitleid zu erregen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ist erstlich \u2013 Nachahmung einer Handlung. Der Begriff der Nachahmung unterscheidet sie von den \u00fcbrigen Gattungen der Dichtkunst, welche blo\u00df erz\u00e4hlen oder beschreiben. In Trag\u00f6dien werden die einzelnen Begebenheiten im Augenblick ihres Geschehens, als gegenw\u00e4rtig, vor die Einbildungskraft oder vor die Sinne gestellt; unmittelbar, ohne Einmischung eines Dritten. Die Epop\u00f6e, der Roman, die einfache Erz\u00e4hlung r\u00fccken die Handlung, schon ihrer Form nach, in die Ferne, weil sie zwischen den Leser und die handelnden Personen den Erz\u00e4hler einschieben. Das Entfernte, das Vergangene schw\u00e4cht aber, wie bekannt ist, den Eindruck und den teilnehmenden Affekt; das Gegenw\u00e4rtige verst\u00e4rkt ihn. Alle erz\u00e4hlenden Formen machen das Gegenw\u00e4rtige zum Vergangenen; alle dramatischen machen das Vergangene gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Trag\u00f6die ist zweitens Nachahmung einer Reihe von Begebenheiten, einer Handlung. Nicht blo\u00df die Empfindungen und Affekte der tragischen Personen, sondern die Begebenheiten, aus denen sie entsprangen und auf deren Veranlassung sie sich \u00e4u\u00dfern, stellt sie nachahmend dar; dies unterscheidet sie von den lyrischen Dichtungsarten, welche zwar ebenfalls gewisse Zust\u00e4nde des Gem\u00fcths poetisch nachahmen, aber nicht Handlungen. Eine Elegie, ein Lied, eine Ode k\u00f6nnen uns die gegenw\u00e4rtige, durch besondre Umst\u00e4nde bedingte Gem\u00fcthsbeschaffenheit des Dichters (sei es in seiner eigenen Person oder in idealischer) nachahmend vor Augen stellen, und insoferne sind sie zwar unter dem Begriff der Trag\u00f6die mit enthalten, aber sie machen ihn noch nicht aus, weil sie sich blo\u00df auf Darstellungen von Gef\u00fchlen einschr\u00e4nken. Noch wesentlichere Unterschiede liegen in dem verschiedenen Zweck dieser Dichtungsarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Trag\u00f6die ist drittens Nachahmung einer vollst\u00e4ndigen Handlung. Ein einzelnes Ereigni\u00df, wie tragisch es auch sein mag, gibt noch keine Trag\u00f6die. Mehrere als Ursache und Wirkung in einander gegr\u00fcndete Begebenheiten m\u00fcssen sich mit einander zweckm\u00e4\u00dfig zu einem Ganzen verbinden, wenn die Wahrheit, d.\u00a0i. die Uebereinstimmung eines vorgestellten Affekts, Charakters und dergleichen mit der Natur unserer Seele, auf welche allein sich unsere Theilnahme gr\u00fcndet, erkannt werden soll. Wenn wir es nicht f\u00fchlen. da\u00df wir selbst bei gleichen Umst\u00e4nden eben so w\u00fcrden gelitten und eben so gehandelt haben, so wird unser Mitleid nie erwachen. Es kommt also darauf an, da\u00df wir die vorgestellte Handlung in ihrem ganzen Zusammenhang verfolgen, da\u00df wir sie aus der Seele ihres Urhebers durch eine nat\u00fcrliche Gradation unter Mitwirkung \u00e4u\u00dferer Umst\u00e4nde hervorflie\u00dfen sehen. So entsteht und w\u00e4chst und vollendet sich vor unsern Augen die Neugier des Oedipus, die Eifersucht des Othello. So kann auch allein der gro\u00dfe Abstand ausgef\u00fcllt werden, der sich zwischen dem Frieden einer schuldlosen Seele und den Gewissensqualen eines Verbrechers, zwischen der stolzen Sicherheit eines Gl\u00fccklichen und seinem schrecklichen Untergang, kurz, der sich zwischen der ruhigen Gem\u00fcthsstimmung des Lesers am Anfang und der heftigen Aufregung seiner Empfindungen am Ende der Handlung findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Reihe mehrerer zusammenh\u00e4ngender Vorf\u00e4lle wird erfordert, einen Wechsel der Gem\u00fcthsbewegungen in uns zu erregen, der die Aufmerksamkeit spannt, der jedes Verm\u00f6gen unsers Geistes aufbietet, den ermattenden Th\u00e4tigkeitstrieb ermuntert und durch die verz\u00f6gerte Befriedigung ihn nur desto heftiger entflammt. Gegen die Leiden der Sinnlichkeit findet das Gem\u00fcth nirgends als in der Sittlichkeit Hilfe. Diese also desto dringender aufzufordern, mu\u00df der tragische K\u00fcnstler die Martern der Sinnlichkeit verl\u00e4ngern; aber auch dieser mu\u00df er Befriedigung zeigen, um jener den Sieg desto schwerer und r\u00fchmlicher zu machen. Beides ist nur durch eine Reihe von Handlungen m\u00f6glich, die mit weiser Wahl zu dieser Absicht verbunden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Trag\u00f6die ist viertens poetische Nachahmung einer mitleidsw\u00fcrdigen Handlung, und dadurch wird sie der historischen entgegengesetzt. Das letztere w\u00fcrde sie sein, wenn sie einen historischen Zweck verfolgte, wenn sie darauf ausginge, von geschehenen Dingen und von der Art ihres Geschehens zu unterrichten. In diesem Falle m\u00fc\u00dfte sie sich streng an historische Richtigkeit halten, weil sie einzig nur durch treue Darstellung des wirklich Geschehenen ihre Absicht erreichte. Aber die Trag\u00f6die hat einen poetischen Zweck, d.\u00a0i. sie stellt eine Handlung dar, um zu r\u00fchren und durch R\u00fchrung zu erg\u00f6tzen. Behandelt sie also einen gegebenen Stoff nach diesem ihrem Zwecke, so wird sie eben dadurch in der Nachahmung frei; sie erh\u00e4lt Macht, ja Verbindlichkeit, die historische Wahrheit den Gesetzen der Dichtkunst unterzuordnen und den gegebenen Stoff nach ihrem Bed\u00fcrfnisse zu bearbeiten. Da sie aber ihren Zweck, die R\u00fchrung, nur unter der Bedingung der h\u00f6chsten Uebereinstimmung mit den Gesetzen der Natur zu erreichen im Stande ist, so steht sie, ihrer historischen Freiheit unbeschadet, unter dem strengen Gesetz der Naturwahrheit, welche man im Gegensatz von der historischen die poetische Wahrheit nennt. So l\u00e4\u00dft sich begreifen, wie bei strenger Beobachtung der historischen Wahrheit nicht selten die poetische leiden, und umgekehrt bei grober Verletzung der historischen die poetische nur um so mehr gewinnen kann. Da der tragische Dichter, so wie \u00fcberhaupt jeder Dichter, nur unter dem Gesetz der poetischen Wahrheit steht, so kann die gewissenhafteste Beobachtung der historischen ihn nie von seiner Dichterpflicht lossprechen, nie einer Uebertretung der poetischen Wahrheit, nie einem Mangel des Interesse zur Entschuldigung gereichen. Es verr\u00e4th daher sehr beschr\u00e4nkte Begriffe von der tragischen Kunst, ja von der Dichtkunst \u00fcberhaupt, den Trag\u00f6diendichter vor das Tribunal der Geschichte zu ziehen und Unterricht von Demjenigen zu fordern, der sich schon verm\u00f6ge seines Namens blo\u00df zu R\u00fchrung und Erg\u00f6tzung verbindlich macht. Sogar dann, wenn sich der Dichter selbst durch eine \u00e4ngstliche Unterw\u00fcrfigkeit gegen historische Wahrheit seines K\u00fcnstlervorrechts begeben und der Geschichte eine Gerichtsbarkeit \u00fcber sein Produkt stillschweigend einger\u00e4umt haben sollte, fordert die Kunst ihn mit allem Rechte vor ihren Richterstuhl, und ein Tod Hermanns, eine Minona, ein Fust von Stromberg w\u00fcrden, wenn sie hier die Pr\u00fcfung nicht aufhielten, bei noch so p\u00fcnktlicher Befolgung des Kost\u00fcme, des Volks- und des Zeitcharakters mittelm\u00e4\u00dfige Trag\u00f6dien hei\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Trag\u00f6die ist f\u00fcnftens Nachahmung einer Handlung, welche uns Menschen im Zustand des Leidens zeigt. Der Ausdruck \u00bbMenschen\u00ab ist hier nichts weniger als m\u00fc\u00dfig und dient dazu, die Grenzen genau zu bezeichnen, in welche die Trag\u00f6die in der Wahl ihrer Gegenst\u00e4nde eingeschr\u00e4nkt ist. Nur das Leiden sinnlich moralischer Wesen, dergleichen wir selbst sind, kann unser Mitleid erwecken. Wesen also, die sich von aller Sittlichkeit lossprechen, wie sich der Aberglaube des Volks oder die Einbildungskraft der Dichter die b\u00f6sen D\u00e4monen malt, und Menschen, welche ihnen gleichen, \u2013 Wesen ferner, die von dem Zwange der Sinnlichkeit befreit sind, wie wir uns die reinen Intelligenzen denken, und Menschen, die sich in h\u00f6herm Grade, als die menschliche Schwachheit erlaubt, diesem Zwange entzogen haben, sind gleich untauglich f\u00fcr die Trag\u00f6die. Ueberhaupt bestimmt schon der Begriff des Leidens, und eines Leidens, an dem wir Theil nehmen sollen, da\u00df nur Menschen im vollen Sinne dieses Worts der Gegenstand desselben sein k\u00f6nnen. Eine reine Intelligenz kann nicht leiden, und ein menschliches Subjekt, das sich dieser reinen Intelligenz in ungew\u00f6hnlichem Grade n\u00e4hert, kann, weil es in seiner sittlichen Natur einen zu schnellen Schutz gegen die Leiden einer schwachen Sinnlichkeit findet, nie einen gro\u00dfen Grad von Pathos erwecken. Ein durchaus sinnliches Subjekt ohne Sittlichkeit, und solche, die sich ihm n\u00e4hern, sind zwar des f\u00fcrchterlichsten Grades von Leiden f\u00e4hig, weil ihre Sinnlichkeit in \u00fcberwiegendem Grade wirkt, aber von keinem sittlichen Gef\u00fchl aufgerichtet, werden sie diesem Schmerz zum Raube \u2013 und von einem Leiden, von einem durchaus hilflosen Leiden, von einer absoluten Unth\u00e4tigkeit der Vernunft wenden wir uns mit Unwillen und Abscheu hinweg. Der tragische Dichter gibt also mit Recht den gemischten Charakteren den Vorzug, und das Ideal seines Helden liegt in gleicher Entfernung zwischen dem ganz Verwerflichen und dem Vollkommenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Trag\u00f6die endlich vereinigt alle diese Eigenschaften, um den mitleidigen Affekt zu erregen. Mehrere von den Anstalten, welche der tragische Dichter macht, lie\u00dfen sich ganz f\u00fcglich zu einem andern Zweck, z.\u00a0B. einem moralischen, einem historischen u.\u00a0a. benutzen; da\u00df er aber gerade diesen und keinen andern sich vorsetzt, befreit ihn von allen Forderungen, die mit diesem Zweck nicht zusammenh\u00e4ngen, verpflichtet ihn aber auch zugleich, bei jeder besondern Anwendung der bisher aufgestellten Regeln sich nach diesem letzten Zwecke zu richten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte Grund, auf den sich alle Regeln f\u00fcr eine bestimmte Dichtungsart beziehen, hei\u00dft der Zweck dieser Dichtungsart; die Verbindung der Mittel, wodurch eine Dichtungsart ihren Zweck erreicht, hei\u00dft ihre Form. Zweck und Form stehen also mit einander in dem genauesten Verh\u00e4ltni\u00df. Diese wird durch jenen bestimmt und als nothwendig vorgeschrieben, und der erf\u00fcllte Zweck wird das Resultat der gl\u00fccklich beobachteten Form sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da jede Dichtungsart einen ihr eigent\u00fcmlichen Zweck verfolgt, so wird sie sich eben de\u00dfwegen durch eine eigent\u00fcmliche Form von den \u00fcbrigen unterscheiden, denn die Form ist das Mittel, durch welches sie ihren Zweck erreicht. Eben das, was sie ausschlie\u00dfend vor den \u00fcbrigen leistet, mu\u00df sie verm\u00f6ge derjenigen Beschaffenheit leisten, die sie vor den \u00fcbrigen ausschlie\u00dfend besitzt. Der Zweck der Trag\u00f6die ist: R\u00fchrung; ihre Form: Nachahmung einer zum Leiden f\u00fchrenden Handlung. Mehrere Dichtungsarten k\u00f6nnen mit der Trag\u00f6die einerlei Handlung zu ihrem Gegenstand haben. Mehrere Dichtungsarten k\u00f6nnen den Zweck der Trag\u00f6die, die R\u00fchrung, wenn gleich nicht als Hauptzweck, verfolgen. Das Unterscheidende der letztern besteht also im Verh\u00e4ltni\u00df der Form zu dem Zwecke, d.\u00a0i. in der Art und Weise, wie sie ihren Gegenstand in R\u00fccksicht auf ihren Zweck behandelt, wie sie ihren Zweck durch ihren Gegenstand erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der Zweck der Trag\u00f6die ist, den mitleidigen Affekt zu erregen, ihre Form aber das Mittel ist, durch welches sie diesen Zweck erreicht, so mu\u00df Nachahmung einer r\u00fchrenden Handlung der Inbegriff aller Bedingungen sein, unter welchen der mitleidige Affekt am st\u00e4rksten erregt wird. Die Form der Trag\u00f6die ist also die g\u00fcnstigste, um den mitleidigen Affekt zu erregen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Produkt einer Dichtungsart ist vollkommen, in welchem die eigent\u00fcmliche Form dieser Dichtungsart zu Erreichung ihres Zweckes am besten benutzt worden ist. Eine Trag\u00f6die also ist vollkommen, in welcher die tragische Form, n\u00e4mlich die Nachahmung einer r\u00fchrenden Handlung, am besten benutzt worden ist, den mitleidigen Affekt zu erregen. Diejenige Trag\u00f6die w\u00fcrde also die vollkommenste sein, in welcher das erregte Mitleid weniger Wirkung des Stoffs als der am besten benutzten tragischen Form ist. Diese mag f\u00fcr das Ideal der Trag\u00f6die gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Trauerspiele, sonst voll hoher poetischer Sch\u00f6nheit, sind dramatisch tadelhaft, weil sie den Zweck der Trag\u00f6die nicht durch die beste Benutzung der tragischen Form zu erreichen suchen; andere sind es, weil sie durch die tragische Form einen andern Zweck als den der Trag\u00f6die erreichen. Nicht wenige unsrer beliebtesten St\u00fccke r\u00fchren uns einzig des Stoffes wegen, und wir sind gro\u00dfm\u00fcthig oder unaufmerksam genug, diese Eigenschaft der Materie dem ungeschickten K\u00fcnstler als Verdienst anzurechnen. Bei andern scheinen wir uns der Absicht gar nicht zu erinnern, in welcher uns der Dichter im Schauspielhause versammelt hat, und zufrieden, durch gl\u00e4nzende Spiele der Einbildungskraft und des Witzes angenehm unterhalten zu sein, bemerken wir nicht einmal, da\u00df wir ihn mit kaltem Herzen verlassen. Soll die ehrw\u00fcrdige Kunst (denn das ist sie, die zu dem g\u00f6ttlichen Theil unsers Wesens spricht) ihre Sache durch solche K\u00e4mpfer vor solchen Kampfrichtern f\u00fchren? \u2013 Die Gen\u00fcgsamkeit des Publikums ist nur ermunternd f\u00fcr die Mittelm\u00e4\u00dfigkeit, aber beschimpfend und abschreckend f\u00fcr das Genie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-99271 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Friedrich_Schiller-220x300.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" \/>KUNO hat ein Faible f\u00fcr die frei drehende Phantasie. Wir begreifen die Gattung des Essays als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Auch ein Essay handelt ausschliesslich mit Fiktionen, also mit Modellen der Wirklichkeit. Wir betrachten Michel de Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>. Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/12\/walden-life-in-the-woods\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauer\u00adbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/29\/die-fackel\/\">Kultur-Blog<\/a>. Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Enrik Lauer zieht die Dusche dem Wannenbad vor. Warum erstere im Sp\u00e4tkapitalismus \u2013 zum Beispiel als Zeit und Ressourcen sparend \u2013 zweiteres als Form der K\u00f6rperreinigung weitgehend verdr\u00e4ngt hat, ist einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/25\/wohlbefinden\/\">eigenen Betrachtung<\/a> wert. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">weitere Betrachtungen<\/a> von J.C. Albers. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Zustand des Affekts f\u00fcr sich selbst, unabh\u00e4ngig von aller Beziehung seines Gegenstandes auf unsere Verbesserung oder Verschlimmerung, hat etwas Erg\u00f6tzendes f\u00fcr uns; wir streben, uns in denselben zu versetzen, wenn es auch einige Opfer kosten sollte. Unsern gew\u00f6hnlichsten&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/05\/09\/ueber-die-tragische-kunst\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":73,"featured_media":99271,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[497],"class_list":["post-103708","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-friedrich-schiller"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103708","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/73"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103708"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103708\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103709,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103708\/revisions\/103709"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99271"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}