{"id":103619,"date":"2013-01-15T17:12:01","date_gmt":"2013-01-15T16:12:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103619"},"modified":"2022-06-12T17:16:09","modified_gmt":"2022-06-12T15:16:09","slug":"frauenwahlrecht-und-klassenkampf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/15\/frauenwahlrecht-und-klassenkampf\/","title":{"rendered":"Frauenwahlrecht und Klassenkampf"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00bbWarum gibt es in Deutschland keine Arbeiterinnenvereine? Warum h\u00f6rt man so wenig von der Arbeiterinnenbewegung?\u00ab<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesen Worten leitete eine der Gr\u00fcnderinnen der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland, Emma Ihrer, im Jahre 1898 ihre Schrift ein: \u00bbDie Arbeiterinnen im Klassenkampf.\u00ab Kaum vierzehn Jahre sind seitdem verflossen, und heute ist die proletarische Frauenbewegung in Deutschland m\u00e4chtig entfaltet. Mehr als hundertf\u00fcnfzigtausend gewerkschaftlich organisierte Arbeiterinnen bilden mit die Kerntruppen des wirtschaftlich k\u00e4mpfenden Proletariats. Viele Zehntausende politisch organisierter Frauen sind um das Banner der Sozialdemokratie geschart: das sozialdemokratische Frauenorgan z\u00e4hlt \u00fcber hunderttausend Abonnenten; die Forderung des Frauenwahlrechts steht auf der Tagesordnung des politischen Lebens der Sozialdemokratie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manch einer k\u00f6nnte gerade aus diesen Tatsachen heraus die Bedeutung des Kampfes um das Frauenwahlrecht untersch\u00e4tzen. Er k\u00f6nnte denken: auch ohne die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts haben wir gl\u00e4nzende Fortschritte in der Aufkl\u00e4rung und Organisierung der Frauen erzielt, das Frauenwahlrecht ist wohl auch weiterhin keine dringende Notwendigkeit. Doch wer so denkt, unterliegt einer T\u00e4uschung. Die gro\u00dfartige politische und gewerkschaftliche Aufr\u00fcttelung der Massen des weiblichen Proletariats in den letzten anderthalb Jahrzehnten ist nur deshalb m\u00f6glich geworden, weil die Frauen des arbeitenden Volkes trotz ihrer Entrechtung am politischen Leben und an den parlamentarischen K\u00e4mpfen ihrer Klasse den regsten Anteil nehmen. Die Proletarierinnen zehren bis jetzt vom Wahlrecht der M\u00e4nner, an dem sie tats\u00e4chlich teilnehmen, wenn auch nur indirekt. Der Wahlkampf ist jetzt schon f\u00fcr gro\u00dfe Massen der Frauen wie der M\u00e4nner der Arbeiterklasse ein gemeinsamer. In allen sozialdemokratischen W\u00e4hlerversammlungen bilden die Frauen ein zahlreiches, manchmal das \u00fcberwiegende, stets ein regsames und leidenschaftlich beteiligtes Publikum. In allen Wahlkreisen, wo eine gefestigte sozialdemokratische Organisation besteht, verrichten die Frauen mit die Wahlarbeit. Sie sind es auch, denen ein gro\u00dfes Verdienst an der Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern, an dem Werben von Abonnenten f\u00fcr die sozialdemokratische Presse zuf\u00e4llt, diese wichtigste Waffe des Wahlkampfes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der kapitalistische Staat hat den Frauen des Volkes nicht verwehren k\u00f6nnen, da\u00df sie alle diese M\u00fchen und Pflichten im politischen Leben auf sich nahmen. Er selbst hat ihnen die M\u00f6glichkeit dazu Schritt f\u00fcr Schritt durch die Gew\u00e4hrung des Vereins- und Versammlungsrechts erleichtern und sichern m\u00fcssen. Nur das letzte politische Recht, das Recht, den Wahlzettel abzugeben, unmittelbar \u00fcber die Volksvertretung in den gesetzgebenden und verwaltenden K\u00f6rperschaften zu entscheiden und diesen K\u00f6rperschaften als Erw\u00e4hlte anzugeh\u00f6ren, nur dieses Recht will der Staat den Frauen nicht zugestehen. Allein hier, wie auf allen anderen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens hei\u00dft es: \u00bbWehre den Anf\u00e4ngen!\u00ab Der heutige Staat ist vor den proletarischen Frauen schon zur\u00fcckgewichen, als er sie in \u00f6ffentliche Versammlungen, in politische Vereine zulie\u00df. Allerdings hat er das nicht aus freiem Willen getan, sondern der bitteren Not gehorchend, unter dem unwiderstehlichen Druck der aufstrebenden Arbeiterklasse. Nicht zuletzt war es das st\u00fcrmische Vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngen der Proletarierinnen selbst, das den preu\u00dfisch-deutschen Polizeistaat gezwungen hat, das famose \u00bbFrauensegment\u00ab in den politischen Vereinsversammlungen preiszugeben und den Frauen die Tore der politischen Organisationen sperrangelweit zu \u00f6ffnen. Damit ist der Stein noch schneller ins Rollen gekommen. Der unaufhaltsame Fortschritt des proletarischen Klassenkampfes hat die arbeitenden Frauen mitten in den Strudel des politischen Lebens gerissen. Dank der Ausn\u00fctzung des Vereins- und Versammlungsrechts haben sich die Proletarierinnen den regsten Anteil an dem parlamentarischen Leben, an den Wahlk\u00e4mpfen errungen. Und nun ist es nur eine unabweisbare Folge, nur das logische Ergebnis der Bewegung, da\u00df heute Millionen proletarischer Frauen selbstbewu\u00dft und trotzig rufen: <b>Her mit dem Frauenwahlrecht!<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ehemals, in den sch\u00f6nen Zeiten des vorm\u00e4rzlichen Absolutismus, hie\u00df es gew\u00f6hnlich von dem ganzen arbeitenden Volke, es sei \u00bbnoch nicht reif\u00ab zur Aus\u00fcbung politischer Rechte. Heute kann das nicht von den proletarischen Frauen gesagt werden, denn sie haben ihre Reife f\u00fcr die Aus\u00fcbung politischer Rechte erwiesen. Wei\u00df doch jeder, da\u00df ohne sie, ohne die begeisterte Mithilfe der Proletarierinnen, die deutsche Sozialdemokratie am 12. Januar nimmermehr den gl\u00e4nzenden Sieg errungen, die 4 1\/4 Millionen Stimmen erhalten h\u00e4tte. Aber gleichwohl: das arbeitende Volk hat jedesmal seine Reife zur politischen Freiheit durch eine siegreiche revolution\u00e4re Massenerhebung erweisen m\u00fcssen. Erst wenn das Gottesgnadentum auf dem Thron und die Edelsten und Besten der Nation die schwielige Faust des Proletariats fest auf dem Auge und sein Knie auf ihrer Brust f\u00fchlten, erst dann kam ihnen auch blitzartig der Glaube an die politische \u00bbReife\u00ab des Volkes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute sind die Frauen des Proletariats an der Reihe, ihre Reife dem kapitalistischen Staate zum Bewu\u00dftsein zu bringen. Das geschieht durch eine andauernde, machtvolle Massenbewegung, in der alle Mittel des proletarischen Kampfes und Druckes in Anwendung gebracht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um das Frauenwahlrecht handelt es sich als Ziel, aber die Massenbewegung daf\u00fcr ist nicht Frauensache allein, sondern gemeinsame Klassenangelegenheit der Frauen und M\u00e4nner des Proletariats. Denn die Rechtlosigkeit der Frau ist heute in Deutschland nur ein Glied in der Kette der Reaktion, die das Leben des Volkes fesselt, und sie steht im engsten Zusammenhang mit der anderen S\u00e4ule dieser Reaktion: mit der Monarchie. In dem heutigen gro\u00df-kapitalistischen, hochindustriellen Deutschland des zwanzigsten Jahrhunderts, im Zeitalter der Elektrizit\u00e4t und der Luftschiffahrt, ist die politische Rechtlosigkeit der Frau genau ein so reaktion\u00e4res \u00dcberbleibsel alter abgelebter Zust\u00e4nde wie die Herrschaft des Gottesgnadentums auf dem Throne. Beide Erscheinungen: das Instrument des Himmels als tonangebende Macht des politischen Lebens und die Frau, die z\u00fcchtig am h\u00e4uslichen Herde sa\u00df, unbek\u00fcmmert um die St\u00fcrme des \u00f6ffentlichen Lebens, um Politik und Klassenkampf: sie beide wurzeln in den vermorschten Verh\u00e4ltnissen der Vergangenheit, in den Zeiten der Leibeigenschaft auf dem Lande und der Z\u00fcnfte in der Stadt. In diesen Zeiten waren sie begreiflich und notwendig. Beide: Monarchie wie Rechtlosigkeit der Frau sind heute durch die moderne kapitalistische Entwicklung entwurzelt, zur l\u00e4cherlichen Karikatur auf die Menschheit geworden. Sie bestehen jedoch in der heutigen modernen Gesellschaft weiter, nicht etwa deshalb, weil man vergessen h\u00e4tte, sie wegzur\u00e4umen, nicht aus blo\u00dfer Beharrlichkeit und Tr\u00e4gheit der Zust\u00e4nde. Nein, sie sind noch da, weil beide &#8211; Monarchie wie Rechtlosigkeit der Frau &#8211; zu m\u00e4chtigen Werkzeugen volksfeindlicher Interessen geworden sind. Hinter dem Thron und Altar wie hinter der politischen Versklavung des weiblichen Geschlechts verschanzen sich heute die schlimmsten und brutalsten Vertreter der Ausbeutung und der Knechtschaft des Proletariats. Monarchie und Rechtlosigkeit der Frau sind zu den wichtigsten Werkzeugen der kapitalistischen Klassenherrschaft geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den heutigen Staat handelt es sich in Wirklichkeit darum, den arbeitenden Frauen und ihnen allein das Wahlrecht vorzuenthalten. Von ihnen bef\u00fcrchtet er mit Recht die Gef\u00e4hrdung aller althergebrachten Einrichtungen der Klassenherrschaft. So des Militarismus, dessen Todfeindin jede denkende Proletarierin sein mu\u00df; der Monarchie; des Raubsystems der Z\u00f6lle und Steuern auf Lebensmittel usw. Das Frauenwahlrecht ist f\u00fcr den heutigen kapitalistischen Staat ein Greuel und Schrecken, weil hinter ihm die Millionen Frauen stehen, die den inneren Feind, die revolution\u00e4re Sozialdemokratie st\u00e4rken w\u00fcrden. K\u00e4me es auf die Damen der Bourgeoisie an, so h\u00e4tte der kapitalistische Staat von ihnen nur eine wirksame Unterst\u00fctzung der Reaktion zu erwarten. Die meisten b\u00fcrgerlichen Frauen, die sich im Kampfe gegen \u00bbdie Vorrechte der M\u00e4nner\u00ab wie L\u00f6winnen geb\u00e4rden, w\u00fcrden im Besitz des Wahlrechts wie fromme L\u00e4mmlein mit dem Tro\u00df der konservativen und klerikalen Reaktion gehen. Ja, sie w\u00e4ren sicher noch um ein Betr\u00e4chtliches reaktion\u00e4rer als der m\u00e4nnliche Teil ihrer Klasse. Von der kleinen Zahl Berufst\u00e4tiger unter ihnen abgesehen, nehmen die Frauen der Bourgeoisie an der gesellschaftlichen Produktion keinen Anteil, sie sind blo\u00dfe Mitverzehrerinnen des Mehrwerts, den ihre M\u00e4nner aus dem Proletariat herauspressen, sie sind Parasiten der Parasiten am Volksk\u00f6rper. Und Mitverzehrer sind gew\u00f6hnlich noch rabiater und grausamer in der Verteidigung ihres \u00bbRechts\u00ab auf Parasitendasein, als die unmittelbaren Tr\u00e4ger der Klassenherrschaft und der Ausbeutung. Die Geschichte aller gro\u00dfen Revolutionsk\u00e4mpfe hat dies grauenvoll best\u00e4tigt. Als nach dem Fall der Jakobinerherrschaft in der gro\u00dfen franz\u00f6sischen Revolution der gefesselte Robespierre auf dem Wagen zum Richtplatz gefahren wurde, da f\u00fchrten die nackten Lustweiber der siegestrunkenen Bourgeoisie auf den Stra\u00dfen einen schamlosen Freudentanz um den gefallenen Revolutionshelden auf. Und als im Jahre 1871 in Paris die heldenm\u00fctige Arbeiterkommune mit Mitrailleusen besiegt wurde, da \u00fcbertrafen die rasenden Weiber der Bourgeoisie in ihrer blutigen Rache an dem niedergeworfenen Proletariat noch ihre bestialischen M\u00e4nner. Die Frauen der besitzenden Klassen werden stets fanatische Verteidigerinnen der Ausbeutung und Knechtung des arbeitenden Volkes bleiben, von der sie aus zweiter Hand die Mittel f\u00fcr ihr gesellschaftlich unn\u00fctzes Dasein empfangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wirtschaftlich und sozial stellen die Frauen der ausbeutenden Klassen keine selbst\u00e4ndige Schicht der Bev\u00f6lkerung dar. Sie \u00fcben blo\u00df die soziale Funktion als Werkzeuge der nat\u00fcrlichen Fortpflanzung f\u00fcr die herrschenden Klassen aus. Hingegen sind die Frauen des Proletariats wirtschaftlich selbst\u00e4ndig, sie sind f\u00fcr die Gesellschaft produktiv t\u00e4tig so gut wie die M\u00e4nner. Nicht in dem Sinne, da\u00df sie dem Manne durch h\u00e4usliche Arbeit helfen, mit dem kargen Lohn das t\u00e4gliche Dasein der Familie zu fristen und Kinder zu erziehen. Diese Arbeit ist nicht produktiv im Sinne der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung, und mag sie in tausendf\u00e4ltigen kleinen M\u00fchen eine Riesenleistung an Selbstaufopferung und Kraftaufwand ergeben. Sie ist nur eine private Angelegenheit des Proletariers, sein Gl\u00fcck und Segen, und gerade deshalb blo\u00dfe Luft f\u00fcr die heutige Gesellschaft. Als produktiv gilt &#8211; solange Kapitalherrschaft und Lohnsystem dauern werden &#8211; nur diejenige Arbeit, die Mehrwert schafft, die kapitalistischen Profit erzeugt. Von diesem Standpunkt ist die T\u00e4nzerin im Tingeltangel, die ihrem Unternehmer mit ihren Beinen Profit in die Tasche fegt, eine produktive Arbeiterin, w\u00e4hrend die ganze M\u00fchsal der Frauen und M\u00fctter des Proletariats in den vier W\u00e4nden ihres Heimes als unproduktive T\u00e4tigkeit betrachtet wird. Das klingt roh und wahnwitzig, entspricht aber genau der Roheit und dem Wahnwitz der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung, und diese rohe Wirklichkeit klar und scharf zu erfassen, ist die erste Notwendigkeit f\u00fcr die proletarischen Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn gerade von diesem Standpunkt aus ist jetzt der Anspruch der Proletarierinnen auf politische Gleichberechtigung in fester wirtschaftlicher Grundlage verankert. Millionen von proletarischen Frauen schaffen heute kapitalistischen Profit gleich M\u00e4nnern &#8211; in Fabriken, Werkst\u00e4tten, in der Landwirtschaft, in der Hausindustrie, in B\u00fcros, in L\u00e4den. Sie sind also produktiv im strengsten wissenschaftlichen Sinne der heutigen Gesellschaft. Jeder Tag vergr\u00f6\u00dfert die Scharen der kapitalistisch ausgebeuteten Frauen, jeder neue Fortschritt in der Industrie, in der Technik schafft neuen Platz f\u00fcr Frauen im Getriebe der kapitalistischen Profitmacherei. Und damit f\u00fcgt jeder Tag und jeder industrielle Fortschritt einen neuen Stein zur festen Grundlage der politischen Gleichberechtigung der Frauen. F\u00fcr den wirtschaftlichen Mechanismus selbst ist jetzt Schulbildung und geistige Intelligenz der Frauen notwendig geworden. Die beschr\u00e4nkte weltfremde Frau des altv\u00e4terischen \u00bbh\u00e4uslichen Herdes\u00ab taugt heute so wenig f\u00fcr die Anspr\u00fcche der Gro\u00dfindustrie und des Handels wie f\u00fcr die Anforderungen des politischen Lebens. Freilich, auch in dieser Beziehung hat der kapitalistische Staat seine Pflichten vernachl\u00e4ssigt. Bis jetzt haben die gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Organisationen das meiste und beste f\u00fcr die geistige und moralische Erweckung und Schulung der Frauen getan. Wie schon vor Jahrzehnten in Deutschland die Sozialdemokraten als die t\u00fcchtigsten, intelligentesten Arbeiter bekannt waren, so sind heute die Frauen des Proletariats durch Sozialdemokratie und Gewerkschaften aus der Stickluft ihres engen Daseins, aus der k\u00fcmmerlichen Geistlosigkeit und Kleinlichkeit des h\u00e4uslichen Waltens emporgehoben worden. Der proletarische Klassenkampf hat ihren Gesichtskreis erweitert, ihren Geist elastisch gemacht, ihr Denkverm\u00f6gen entwickelt, hat ihrem Streben gro\u00dfe Ziele gewiesen. Der Sozialismus hat die geistige Wiedergeburt der Masse der proletarischen Frauen bewirkt und sie dadurch zweifellos auch zu t\u00fcchtigen produktiven Arbeiterinnen f\u00fcr das Kapital gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach alledem ist die politische Rechtlosigkeit der proletarischen Frauen eine um so niedertr\u00e4chtigere Ungerechtigkeit, als sie bereits eine halbe L\u00fcge geworden ist. Beteiligen sich doch die Frauen in Massen und aktiv am politischen Leben. Jedennoch die Sozialdemokratie k\u00e4mpft nicht mit dem Argument der \u00bbUngerechtigkeit\u00ab. Der grundlegende Unterschied zwischen uns und dem fr\u00fcheren sentimentalen utopischen Sozialismus beruht gerade darauf, da\u00df wir nicht auf die Gerechtigkeit der herrschenden Klassen, sondern einzig und allein auf die revolution\u00e4re Macht der Arbeitermassen bauen und auf den Gang der gesellschaftlichen Entwicklung, der jener Macht den Boden schafft. So ist die Ungerechtigkeit an sich gewi\u00df kein Argument, um reaktion\u00e4re Einrichtungen zu st\u00fcrzen. Wenn sich jedoch das Empfinden der Ungerechtigkeit weiter Kreise der Gesellschaft bem\u00e4chtigt &#8211; sagt Friedrich Engels, der Mitsch\u00f6pfer des wissenschaftlichen Sozialismus -, so ist das immer ein sicheres Zeichen, da\u00df in den wirtschaftlichen Grundlagen der Gesellschaft weitgehende Verschiebungen Platz gegriffen haben, da\u00df bestehende Zust\u00e4nde bereits mit dem Fortschritt der Entwicklung in Widerspruch geraten sind. Die jetzige kraftvolle Bewegung der Millionen proletarischer Frauen, die ihre politische Rechtlosigkeit als ein schreiendes Unrecht empfinden, ist ein solches untr\u00fcgliches Zeichen, da\u00df die gesellschaftlichen Grundlagen der bestehenden Staatsordnung bereits morsch und ihre Tage gez\u00e4hlt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer der ersten gro\u00dfen Verk\u00fcnder der sozialistischen Ideale, der Franzose Charles Fourier, hat vor hundert Jahren die denkw\u00fcrdigen Worte geschrieben: In jeder Gesellschaft ist der Grad der weiblichen Emanzipation (Freiheit) das nat\u00fcrliche Ma\u00df der allgemeinen Emanzipation. Das stimmt vollkommen f\u00fcr die heutige Gesellschaft. Der jetzige Massenkampf um die politische Gleichberechtigung der Frau ist nur eine \u00c4u\u00dferung und ein Teil des allgemeinen Befreiungskampfes des Proletariats, und darin liegt gerade seine Kraft und seine Zukunft. Das allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht der Frauen w\u00fcrde &#8211; dank dem weiblichen Proletariat &#8211; den proletarischen Klassenkampf ungeheuer vorw\u00e4rtstreiben und versch\u00e4rfen. Deshalb verabscheut und f\u00fcrchtet die b\u00fcrgerliche Gesellschaft das Frauenwahlrecht, und deshalb wollen und werden wir es erringen. Auch durch den Kampf um das Frauenwahlrecht wollen wir die Stunde beschleunigen, wo die heutige Gesellschaft unter den Hammerschl\u00e4gen des revolution\u00e4ren Proletariats in Tr\u00fcmmer st\u00fcrzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: <strong>Frauenwahlrecht<\/strong>, Propagandaschrift zum II. sozialdemokratischen Frauentag, Stuttgart, 12. Mai 1912<\/p>\n<h5><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-77404 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg-260x393.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg-160x242.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/Rosa_Luxemburg.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>KUNO hat ein Faible f\u00fcr die frei drehende Phantasie. Wir begreifen die Gattung des Essays als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Auch ein Essay handelt ausschliesslich mit Fiktionen, also mit Modellen der Wirklichkeit. Wir betrachten Michel de Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>. Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/12\/walden-life-in-the-woods\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauer\u00adbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/29\/die-fackel\/\">Kultur-Blog<\/a>. Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Enrik Lauer zieht die Dusche dem Wannenbad vor. Warum erstere im Sp\u00e4tkapitalismus \u2013 zum Beispiel als Zeit und Ressourcen sparend \u2013 zweiteres als Form der K\u00f6rperreinigung weitgehend verdr\u00e4ngt hat, ist einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/25\/wohlbefinden\/\">eigenen Betrachtung<\/a> wert. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">weitere Betrachtungen<\/a> von J.C. Albers. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbWarum gibt es in Deutschland keine Arbeiterinnenvereine? Warum h\u00f6rt man so wenig von der Arbeiterinnenbewegung?\u00ab Mit diesen Worten leitete eine der Gr\u00fcnderinnen der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland, Emma Ihrer, im Jahre 1898 ihre Schrift ein: \u00bbDie Arbeiterinnen im Klassenkampf.\u00ab Kaum&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/15\/frauenwahlrecht-und-klassenkampf\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":216,"featured_media":100406,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1247],"class_list":["post-103619","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-rosa-luxemburg"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103619","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/216"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103619"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103622,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103619\/revisions\/103622"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100406"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}