{"id":103574,"date":"2013-06-05T08:27:52","date_gmt":"2013-06-05T06:27:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103574"},"modified":"2022-06-11T08:31:54","modified_gmt":"2022-06-11T06:31:54","slug":"mopp-ein-musikalischer-maler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/05\/mopp-ein-musikalischer-maler\/","title":{"rendered":"Mopp, ein \u00bbmusikalischer\u00ab Maler"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">In Galauniform kam er dazumal nach Berlin, einen ber\u00fchmten Kapellmeister zu portr\u00e4tieren. Mopp kam in Gala. Das heisst in einem schlanken langen Gehrock und sehr hohen eleganten Samtkragen. Ein artiger Abb\u00e9; ein Ritter zugleich, k\u00fcsste den Fra\u00fcn respektvoll die Hand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da er aus Wien nach Berlin kam, wenn auch kurz, erfreute er uns alle in unserer alten Heimst\u00e4tte, dem Caf\u00e9 des Westens. Wo es uns auch am Morgen hintrieb, ins Caf\u00e9 des Westens kehrten wir heim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mopp (Max Oppenheimer) gestern 40 geworden, gratulierte ich abends hier im Selekt zu seinem dreissigsten Jahre. Wien konservierte, bemerkt jemand in einer Sofa-Ecke nahe von unserem Tisch. Wiens unbek\u00fcmmerte Munterkeit erfrischte; ganz Wien (weiland) ein einziger Jungbrunn!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mopp ist ernster geworden, auch seine Bilder stehen, etliche tief verbr\u00e4mt, in fr\u00fchester Zeit entstanden, in ihren Rahmen in den S\u00e4len vieler wiener Alth\u00e4user und geben den W\u00e4nden Format. Das Portr\u00e4t des Thomas Mann aus echtperlender Farbe, schm\u00fcckt Londons Galerie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herausgebracht vom gentlesten k\u00fcnstlerischen Verleger Z\u00fcrichs, unserm Doktor Oprecht, erschien vor kurzem das wundervolle Grossbilderbuch des Mopps: \u00bbMenschen finden ihren Maler\u00ab. Zwischen weissweisse Buchseiten bewahrt, die Bildnisse grosser Menschen: August Strindberg, den tr\u00e4umerischen Tiger mit den Lippen einer zarten Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht weit von ihm entfernt: Der Peter Altenberg. Wir beide verehrten uns sehr. H\u00e4tte ich nur mein Preisgedicht der Tibetteppich unterlassen zu dichten. Er lag ihm im Wege. Und ich schrieb ihm nach Wien: \u00bbJe emsiger Sie, verehrter Peter Altenberg, meinen Tibetteppich demolieren, desto bedeutender gewinnt er an Alterswert.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das dritte Portr\u00e4t, das ich im feinen Buche betrachte \u2013 unseren Sternenprofessor Albert Einstein, den m\u00e4chtigen Sternenguckkasten. So nannte ich ihn gerne. Er guckte so kindlich und bewegte sich so unbeholfen, wo er sich auch hinbegab, ja im eigenen Hause. Denn er blickte eigentlich immer nur in die Sterne und heute noch vom anderen Erdteil der Welt aus. So zeichnete ihn auch Mopp und erinnert mich auch noch an die Eigenschaften der vielen von ihm portr\u00e4tierten Menschen unserer Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doppelt zwischen den Bilderreihen begegnet der Bescha\u00fcr dem prachtvollen Romancier und Dichter: Heinrich Mann, dem Senor Enrico. Sein Bild k\u00f6nnte am zeremoniellsten Hofe stehen. Mit spanischer Etiq\u00fctte malte ihn Mopp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bl\u00e4ttere weiter und erkenne den gr\u00f6ssten Schachmeister aller Zeiten: Eman\u00fcl Lasker. Seinem Schachhaupt entspringen unbesiegbare Schachz\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der folgenden Seite: Frank Wedekind, der monumentale Dramatiker. Mopp malte ihn als Mephisto, mit k\u00fchlen, aber saphirbla\u00fcn Augen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erhole mich eine Weile beim Anblick des eigenartigen g\u00fctigen gl\u00fchenden Komponisten: Arnold Sch\u00f6nberg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenfalls den engelhaften Musiker Ferrucio Busoni verewigte Mopp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Buchseiten mit Streichkonzerten folgen, bis auf einmal ein malender Wanderbursche vor seiner T\u00fcre Seite steht, der Egon Schiele jung, \u2013 verschm\u00e4ht, besch\u00e4mt und m\u00fcde. Sch\u00f6n schreibt Mopp zum Bilde: \u00bbWir hatten beide ein Ziel und waren stolz auf unsere Bed\u00fcrfnislosigkeit.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grosse Freude machte mir das Bild von Franz Werfel, dem ganz ganz grossen Dichter. Ebenso meines herzlieben Freundes k\u00f6nigliches Gesicht: Paul Leppin aus Prag, der himmlische Romane schrieb der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAber Leppin befindet sich ja gar nicht in meinem Buche: Menschen finden ihren Maler.\u00ab Stellt mich Mopp h\u00f6chst erstaunt zur Rede. \u00bbAber gemalt haben Sie ihn doch mal, Mopp.\u00ab Und ich seh ihn \u00fcberall!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Chaosnuancen malte Mopp Karl Sternheims st\u00fcrmende dunkle Augen und von Joseph Szigeti zeichnete er ein musikalisches Portr\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Maler Mopp zerfliesst leise in Geigen und Geigenbogen und Geigensaiten: Die Amati &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und weiter nun ein drittes Musikbildnis: Karl Flesch und seine Kapelle. Trance &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Attention! Der dichtende Weltkonsul: Thomas Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auf der letzten Seite seines Buches: er selbst, der Maler Mopp. Auf den Zeichenbogen vor sich wie auf den weissen Tasten spielend, zeichnet er eine ernste Fuge. Er zerfliesst, \u2013 um sich ganz zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mopp, (Max Oppenheimer) ein \u00bbmusikalischer\u00ab Maler. Es beweisen seine mannigfachen unendlich liebreich gemalten Orchester-Streich- und Kammerspielkonzerte. Gerade wie er die Musik malt! Es sind Sch\u00f6pfungen, dessen Farben ich \u2013 lausche. Es streiten sich die Zaubersaiten des Cello, mit den Violinen, um schliesslich vers\u00f6hnend zu schluchzen; farbenschluchzende T\u00f6ne hinschwingend zur Ewigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"uber01\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Essays<\/strong> von Else Lasker-Sch\u00fcler. Mit einer Einbandzeichnung der Verfasserin. Verlegt bei Paul Cassirer in Berlin 1920<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-76746 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays-214x300.jpg 214w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays-260x364.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays-160x224.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Elses_Essays.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Galauniform kam er dazumal nach Berlin, einen ber\u00fchmten Kapellmeister zu portr\u00e4tieren. 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