{"id":103429,"date":"2003-12-06T00:06:52","date_gmt":"2003-12-05T23:06:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103429"},"modified":"2022-06-05T14:31:11","modified_gmt":"2022-06-05T12:31:11","slug":"ueber-die-kinderzucht-an-madame-diane-de-foix-graefin-de-gurson","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/12\/06\/ueber-die-kinderzucht-an-madame-diane-de-foix-graefin-de-gurson\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Kinderzucht: an Madame Diane de Foix, Gr\u00e4fin de Gurson."},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niemals hab&#8216; ich einen Vater gesehn, der seinen Sohn, wenn er auch gleich bucklig oder grindig war, nicht f\u00fcr sein Kind erkannt h\u00e4tte; obwohl er, wenn er nicht ganz von Z\u00e4rtlichkeit berauscht ist, schon merkt, wo&#8217;s ihm fehlt; aber bei alledem ist es sein Kind. So geht&#8217;s mir! Ich sehe besser als jeder andere, da\u00df dies hier Tr\u00e4umereien eines Menschen sind, der von den Wissenschaften nur die \u00e4u\u00dfere Rinde in seiner Kindheit gekostet hat und sich ihrer nicht weiter erinnert als nach ihren Hauptz\u00fcgen und das dazu nur undeutlich. Ein wenig von allem, auf gut franz\u00f6sisch, und im ganzen nichts. Und l\u00e4uft alles darauf hinaus, da\u00df ich wei\u00df, es gibt eine Arzneigelahrtheit, eine Jurisprudenz, vier Teile in der Mathematik und so im Bausch und Bogen die Anwendung, die man davon macht. Und so ungef\u00e4hr wei\u00df ich auch, was die Wissenschaften \u00fcberhaupt f\u00fcr Nutzen f\u00fcrs menschliche Leben verhei\u00dfen; tiefer aber hineinzudringen, mir \u00fcber den Aristoteles, den Monarchen der neuen Philosophie die N\u00e4gel zerk\u00e4uen oder auf irgendeine Scienz zu erpichen, das war nie meine Sache. Auch k\u00f6nnte ich von keiner einzigen der freien K\u00fcnste die ersten Grundz\u00fcge zu Papier bringen. Und das m\u00fc\u00dfte ein elender Tertianer sein, der sich nicht f\u00fcr gelehrter zu halten berechtigt w\u00e4re als ich! Denn ich w\u00fcrde sch\u00f6n dastehn, wenn ich ihn \u00fcber seine Lektion examinieren sollte. Und wenn man mich mit Gewalt dazu zw\u00e4nge, so w\u00e4re ich gen\u00f6tigt, ihm, sch\u00fclerhaft genug, einige allgemeine Fragen vorzulegen, um blo\u00df zu erfahren, ob er Menschenverstand und Mutterwitz h\u00e4tte; das w\u00e4re aber eine Lektion, die unseren Tertianern ebenso fremd sein w\u00fcrde als mir die ihrigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe keinen ordentlichen Umgang mit irgendeinem unserer soliden B\u00fccher best\u00e4tigt; die Werke des Plutarch und des Seneca ausgenommen, aus denen ich sch\u00f6pfe wie die Danaiden, ich f\u00fcll&#8216; immer an, und es leert sich immer aus. Ich bringe zwar wohl etwas davon auf dies Blatt, auf mich selbst aber sowenig als nichts. F\u00fcrs B\u00fccherlesen ist so mein Kasus die Geschichte oder die Poesie, welche ich aus besonderer Neigung liebe; denn, wie Cleanthes sagte, geradeso wie der Klang, der in die enge R\u00f6hre einer Trompete eingezw\u00e4ngt war, viel heller und st\u00e4rker herausdringt, ebenso, deucht&#8217;s mich, schwingt sich ein durch die Klangf\u00fc\u00dfe der Dichtkunst befl\u00fcgelter Gedanke schneller in meine Seele und rei\u00dft sie mit sich fort. Was die nat\u00fcrlichen F\u00e4higkeiten betrifft, in deren Besitz ich bin (wovon ich hier ein Pr\u00f6bchen vorlege), so f\u00fchle ich wohl, da\u00df sie unter der Last erliegen. Mein Fassungsverm\u00f6gen und meine Urteilskraft tappen im Blinden, schwanken, straucheln und stolpern; und selbst dann, wenn ich so weit gegangen bin, als ich gekonnt habe, so hab&#8216; ich mir doch niemals selbst ein Gen\u00fcgen getan. Ich sehe wohl immer vor mir sich das Feld \u00f6ffnen; aber es liegt noch best\u00e4ndig in einem Nebel, den ich nicht durchdringen kann. Und wenn ich mich darauf einlasse, so ohne viel Federlesens von allem zu sprechen, was mir in den Sinn kommt, und dabei keine anderen Hilfsmittel anwende als meine eigenen und nat\u00fcrlichen Kr\u00e4fte; wenn mir&#8217;s begegnet, wie es oft geschieht, da\u00df ich zuf\u00e4lligerweise in guten Schriftstellern eben gerade solche Stellen finde, als ich zu behandeln mir vorgenommen habe \u2013 wie es mir eben mit Plutarch und seiner Abhandlung \u00fcber die St\u00e4rke der Einbildungskraft widerf\u00e4hrt \u2013, und ich mich dann in Vergleichung mit diesen Leuten so schwach und so winzig, so schwerf\u00e4llig und so schl\u00e4frig erkenne, so komme ich mir selbst als mitleids- und verachtenswert vor. Aber das macht mir gleichwohl ein Vergn\u00fcgen, da\u00df meine Meinungen die Ehre haben, oft mit den Meinungen jener M\u00e4nner zusammenzutreffen, und da\u00df ich ihnen wenigstens von ferne folge und das sage, was mich wahr d\u00fcnkt. Auch freut mich&#8217;s, das zu haben, was nicht jedermann hat, den himmelweiten Unterschied zu erkennen, der zwischen ihnen ist und mir; damit lasse ich gleichwohl meine Erfindungen hinlaufen, so schwach und geringf\u00fcgig ich sie zur Welt bringe, ohne die M\u00e4ngel, die mich diese Vergleichung daran entdecken lassen, zu bekleistern oder zu belappen. Man mu\u00df gar kr\u00e4ftige Schenkel haben, wenn man es unternehmen will, mit diesen Leuten Schulter an Schulter geschlossen gleichen Schritt zu halten. Die unbesonnenen Schriftsteller unserer Zeit, welche in ihre leeren Werke ganze Stellen aus alten Autoren einschalten, um sich Ehre zu erwerben, tun gerade das Gegenteil. Denn dieser unendliche Abstich des Glanzes macht ihr eigenes Gesicht so bleich, so hager und so h\u00e4\u00dflich, da\u00df sie weit mehr dadurch verlieren als gewinnen. Folgende waren zwei entgegengesetzte Phantasien. Der Philosoph Chrysippus mischte in seine B\u00fccher nicht nur blo\u00df einzelne Stellen, sondern ganze Werke anderer Autoren und in eines die ganze Medea vom Euripides, und Apollodor sagt dar\u00fcber: wenn jemand herausn\u00e4hme, was Fremden geh\u00f6rte, so w\u00fcrden nur leere Bl\u00e4tter \u00fcbrigbleiben. Epikur hingegen hat in den dreihundert Rollen, die er geschrieben, nicht einen einzigen Autor allegiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einigen Tagen stie\u00df ich eben auf eine solche Passage: ich war erm\u00fcdet und ermattet, hinter so blut-und saftlosen franz\u00f6sischen Worten herzujagen, die so leer an Sinn und Inhalt waren, da\u00df man nichts Treffenderes von ihnen sagen konnte als franz\u00f6sische Worte; nach einer langen und verdrie\u00dflichen Jagd traf ich auf eine entz\u00fcckende Stelle, die sich majest\u00e4tisch bis in die Wolken erhob. H\u00e4tte ich den Abhang ein wenig sanft gefunden und den Steig ein wenig linde, so w\u00e4re dar\u00fcber nichts zu sagen gewesen. Aber es war eine so schroffe, abgeschnittene Anh\u00f6he, da\u00df ich bei den sechs ersten Worten gewahr ward, wie ich in die andere Welt auffl\u00f6ge; von da an entdeckte ich die Schlucht, aus der ich kam, so tief, so tief, da\u00df ich mich niemals habe \u00fcberwinden k\u00f6nnen, wieder hinunterzusinken. H\u00e4tte ich eine meiner Abhandlungen mit dem, was ich auf jener H\u00f6he fand, ausgeschm\u00fcckt, so w\u00fcrde solches die Dummheit der \u00fcbrigen Stellen zu sehr ins Licht gestellt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In anderen meine eigenen Fehler z\u00fcchtigen, scheint mir ebenso erlaubt zu sein als an mir selbst, wie ich oft tue, die Fehler anderer zu r\u00fcgen. Man mu\u00df sie allenthalben vor Gericht ziehn und ihnen gar keine Freistatt zugestehn. Ich wei\u00df auch, wie k\u00fchnerweise ich selbst es unternehme, jedesmal meine eigenen Fabrikwaren der eingeschw\u00e4rzten gleichzumachen, so da\u00df man keinen Unterschied merke, nicht ohne eine verwegene Hoffnung, das Auge des Kenners zu t\u00e4uschen. Aber ich suche es ebensosehr durch die Anwendung, die ich davon mache, als durch meine Erfindung und durch meine Kr\u00e4fte zu bewerkstelligen. \u00dcbrigens ringe ich auch nicht in Bausch und Bogen mit jenen alten K\u00e4mpfern oder Faust gegen Faust, sondern in leichten Versuchen und kleinen, wiederholten G\u00e4ngen. Ich lasse mich nicht ein auf Faustkampf, ich betaste sie blo\u00df und gehe nicht sowohl als ich mich bereden lasse zu gehn. Ja, k\u00f6nnte ich ihnen Fu\u00df halten; ehrlicher Mann genug w\u00e4r&#8216; ich; denn ich packe sie nur da an, wo sie die st\u00e4rksten Sehnen haben. Es zu machen, wie ich von einigen wahrgenommen habe, die sich mit fremden Waffen dergestalt bedecken, da\u00df sie nicht einmal eine Fingerspitze blo\u00df geben und die ihr Vorhaben durchsetzen, wie das bei einer gemeinen Materie hinter den Meinungen der Alten f\u00fcr diejenigen leicht genug ist, die solche zusammenflicken, unkennbar machen und f\u00fcr ihr Eigentum ausgeben wollen: Aber erstlich ist es ungerecht und niedertr\u00e4chtig, indem sie nichts im Verm\u00f6gen haben, womit sie sich zeigen k\u00f6nnten und sich also blo\u00df mit fremden Sch\u00e4tzen breitmachen; und ferner ist&#8217;s eine plumpe Dummheit, indem sie sich durch solche Mausereien ein Lob des unwissenden Haufens erschleichen und sich bei Leuten von Verstand, die dieses erborgte Mosaik mit Hohnlachen schauen, in \u00fcblen Ruf setzen, deren Lob doch nur allein von Bedeutung ist. Meinerseits m\u00f6chte ich nichts so ungern tun als dies. Ich sage nie einem anderen etwas, als um es mir um so nachdr\u00fccklicher zu sagen. Dies ist keine Anspielung auf die Centos, die als solche in die Welt geschickt werden; und ich bekenne, da\u00df ich zu meiner Zeit sehr sinnreiche Centos gesehen habe, unter anderen eines unter dem Namen eines gewissen Capilupus, ungerechnet der \u00e4lteren. Das sind Geister, welche sich bald hier, bald dort sehen lassen wie Lipsius in der gelehrten und k\u00fcnstlichen Webefabrik seiner Politik. Dem sei wie ihm wolle, was ich sagen will ist, la\u00df diese Possen noch so possierlich sein, ich bin nichts weniger als entschlossen, sie zu verheimlichen, sowenig als ein Konterfei meines glatzigen, grauenden Kopfes, das der Maler nicht nach einem vollkommenen Modell, sondern nach meinem Kopf und meinem Gesicht gemacht h\u00e4tte. Denn ebenso sind auch hier meine Launen und Meinungen: ich gebe solche f\u00fcr das, was ich glaube, nicht f\u00fcr das, was man glauben m\u00fcsse. Ich will damit weiter nichts als mich hergeben, wie ich bin; vielleicht bin ich morgen ganz anders, wenn sich meine Denkungsart \u00e4ndert und bessert. Ich habe nicht das Ansehen, Glauben zu fordern, und verlang&#8216; es auch nicht. Denn ich f\u00fchle, da\u00df ich zu wenig wei\u00df, um andere zu unterrichten. Jemand, der vor einiger Zeit das vorige Kapitel gesehen hatte, sagte mir, ich h\u00e4tte mich ein wenig ausf\u00fchrlicher \u00fcber die Kinderzucht herauslassen sollen. Aber, Madame, wenn ich \u00fcber diesen Gegenstand etwas Auszeichnendes zu sagen w\u00fc\u00dfte, wem k\u00f6nnte ich es besser zum Geschenk bestimmen als dem kleinen Mann, der Sie bedroht, n\u00e4chstens durch einen wackeren Ausfall sich von Ihnen zu trennen. (Sie sind selbst zu wacker, um nicht Ihrer Nachkommenschaft einen tapferen Mann an die Spitze zu stellen!) Denn, da ich an der Schlie\u00dfung Ihrer Verm\u00e4hlung so viel Anteil hatte, so hab&#8216; ich auch einiges Recht und einigen Anteil an dem Gl\u00fcck und dem Wohlergehen, die daraus entstehn werden. Au\u00dferdem da\u00df die verj\u00e4hrten Anspr\u00fcche, die Sie auf meine dienstwilligste Ergebenheit haben, mich hinl\u00e4nglich verbinden, zu allem, was Sie betrifft, Ehre, Vorteil und Wohlfahrt zu w\u00fcnschen. Die Wahrheit aber ist, da\u00df ich \u00fcber den Gegenstand nichts weiter wei\u00df, als da\u00df die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit und das Wichtigste des menschlichen Wissens da zusammentreffen, wo es auf die physische und moralische Erziehung der Kinder ankommt. Geradeso wie beim Ackerbau die Arbeiten, welche vor dem Pflanzen hergehn, bestimmt und leicht sind und sogar das Pflanzen selbst \u2013 wenn aber nachher das Gepflanzte anf\u00e4ngt zu bekleiben und aufzuwachsen, eine m\u00e4chtige Verschiedenheit und Schwierigkeit der Behandlung eintritt, ebenso ist es beschaffen mit dem Menschen. Ihn zu pflanzen bedarf&#8217;s keines so gro\u00dfen Flei\u00dfes, ist er aber geboren, so \u00fcbernimmt man eine ganz andere Aufsicht voller Sorge und Furcht, ihn zu n\u00e4hren und zu erziehn. Die Anzeichen seiner Neigungen sind im kindischen Alter so schwach und undeutlich; was er verspricht, so ungewi\u00df und unzuverl\u00e4ssig, da\u00df es fast unm\u00f6glich ist, mit einigem Grunde darauf zu bauen. Man betrachte nur den Cimon, den Themistokles und tausend andere, wie ungleich ihre Kindheit ihren m\u00e4nnlichen Jahren war. Die Jungen der B\u00e4ren und der Hunde zeigen ihren nat\u00fcrlichen Hang. Die Menschen aber, welche sehr fr\u00fch zu Angewohnheiten, in Meinungen und f\u00fcr Gesetze gebildet werden, \u00e4ndern oder verstellen sich sehr leicht. Aber ebenso schwer ist es, den Hang der Natur zu zwingen; daher es denn kommt, da\u00df man sich lange auf einem einmal unrichtig gew\u00e4hlten Wege vergebens zermartert und viele Zeit darauf verwendet hat, Kinder zu Dingen zu erziehn, wozu sie von der Natur nicht bestimmt sind. Indessen ist bei dieser Schwierigkeit meine Meinung, da\u00df man ihnen immerhin zu den besten und n\u00fctzlichsten Sachen Anleitung gebe und nicht zuviel auf die Zeichen und Vorbedeutungen gebe, die wir aus den Bewegungen der Kinder zu ziehn pflegen. Plato scheint mir in seiner Republik zu viel Gewicht darauf zu legen. Die Wissenschaften, Madame, sind eine sch\u00f6ne Zierde und ein sehr n\u00fctzliches Werkzeug, vorz\u00fcglich f\u00fcr Personen auf einer solchen Stufe des Gl\u00fccks wie Sie. Die Wahrheit zu sagen, sind solche in niedrigen, armen H\u00e4nden nicht so anwendbar. Die Wissenschaften und K\u00fcnste zeigen ihren hohen Wert, als Hilfsmittel einen Krieg zu f\u00fchren, ein Volk zu regieren, die Freundschaft eines F\u00fcrsten oder einer Nation zu erhalten, lieber als einen logischen Schlu\u00df zu formieren, einen Appellationsproze\u00df zu f\u00fchren oder eine Schachtel Pillen zu verschreiben. Also, ich bin \u00fcberzeugt, Madame, da\u00df Sie dies Feld bei der Erziehung der Ihrigen nicht vernachl\u00e4ssigen werden, da Sie selbst die S\u00fc\u00dfigkeit davon genossen haben und dabei selbst aus einem gelehrten Geschlechte sind, denn wir besitzen noch die Schriften der alten Grafen de Foix, von denen Sie und der Herr Graf, Ihr Gemahl, abstammen; und Franz, Herr de Candale, Ihr Oheim, gibt noch t\u00e4glich andere heraus, welche den Ruhm von dieser Eigenschaft Ihres Geschlechtes auf viele Jahrhunderte verbreiten werden. Also will ich Ihnen hier\u00fcber nur eine meiner Grillen sagen, die ich gegen die allgemeine Meinung hege: das ist alles, was ich in dieser Sache zu Ihrem Befehl darlegen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Amt des Privatlehrers, den Sie ihm geben werden, von dessen Wahl die ganze Wirkung der Erziehung abh\u00e4ngt, hat verschiedene andere wichtige Zweige, die ich aber nicht ber\u00fchre, weil ich nichts Triftigeres dar\u00fcber vorzubringen wei\u00df; und von dem Artikel, wor\u00fcber ich ihm meinen Rat zu erteilen mir beigehn lasse, mag er mir so viel glauben, als ihm davon glaubw\u00fcrdig erscheint. Einem Kind von vornehmem Haus, das man den Wissenschaften zuf\u00fchren will (nicht aus Absicht auf Gewinn \u2013 denn ein so niedriger Zweck w\u00e4re der Huld und Milde der Musen unw\u00fcrdig, und h\u00e4ngt dabei ab von Zuf\u00e4lligkeiten \u2013, auch eben nicht sowohl auf \u00e4u\u00dfere Bequemlichkeiten als auf sein eigenes Wohl, um sein Inneres damit zu zieren und zu bereichern und um ihn vielmehr zu einem brauchbaren als gelehrten Mann zu bilden), wollte ich, da\u00df man sorgf\u00e4ltig w\u00e4re, einen F\u00fchrer zu w\u00e4hlen, dessen Kopf viel mehr hell und klar w\u00e4re, als voll gesch\u00fcttelt und ger\u00fcttelt; da\u00df man zwar auf beides, aber mehr auf Sitten und Verstand als auf Gelehrsamkeit bei ihm achtet, und da\u00df er sich in seinem Amt auf eine neue Art benehme. Man schreit uns immer in die Ohren, als ob man&#8217;s in einen Trichter sch\u00fcttete, und unser Tun dabei ist nichts anderes als wiedersagen, was man uns gesagt hat. Nun w\u00fcnscht ich aber, da\u00df er hierin eine Verbesserung machte und gleich anfangs, nach dem Ma\u00dfe der F\u00e4higkeiten der Seele, die er zu bearbeiten hat, damit beg\u00f6nne, ihr die Dinge in ihrem eigenen Licht vorzulegen, damit sie ihnen Geschmack abgewinnen und f\u00fcr sich selbst in die Sachen finden und f\u00fcr sich w\u00e4hlen m\u00f6ge. Zuweilen m\u00fc\u00dfte er dem Z\u00f6gling auf den Weg helfen und zuweilen ihn allein gehn lassen. Er mu\u00df nicht immer den Ton geben und allein reden; er mu\u00df ihn auch h\u00f6ren und ihn seinerseits sprechen lassen. Sokrates und nach ihm Arcesilaus lie\u00dfen erst ihre Sch\u00fcler reden und sprachen erst hernach mit ihnen. Obest plerumque iis, qui discere volunt, auctoritas eorum, qui docent. Es ist gut, da\u00df er ihn vor sich trottieren lasse, damit er seinen Gang kennen und beurteilen lerne, wie tief er sich zu ihm herablassen m\u00fcsse, um sich seinen Kr\u00e4ften gleichzuhalten. Vers\u00e4umt man dieses Verh\u00e4ltnis, so verdirbt man alles. Um es zu treffen und sich aufs gemessenste danach zu richten, ist unter allen Pflichten, die ich von einem Hofmeister erfordere, die dringendste. Und es ist die Wirkung einer hohen und starken Seele, sich zu diesem kindischen Gang herablassen und ihn leiten zu k\u00f6nnen. Ich trete fester und sicherer auf, wenn ich bergan, als wenn ich bergab gehe. Es ist kein Wunder, wenn nach heutiger Gewohnheit gewisse Erzieher, welche es unternehmen, eine ganze Herde Kinder von so verschiedenen Geistesf\u00e4higkeiten und Gem\u00fctsarten in eine und dieselbe Lektion zu nehmen und nach einem Plane zu unterrichten, unter dem ganzen Haufen kaum zwei oder drei finden, die noch einigerma\u00dfen gute Fr\u00fcchte ihrer Zucht bringen! Der Hofmeister mu\u00df von seinem Z\u00f6gling nicht blo\u00df Rechnung von den Worten seiner Lektion fordern, sondern von ihrem Sinn und ihrem Inhalt. Er mu\u00df von dem Nutzen, den er daraus gezogen hat, nicht nach dem Zeugnis des Ged\u00e4chtnisses seines Z\u00f6glings, sondern nach seinem Leben urteilen! Er mu\u00df ihn das, was er gelernt hat, unter tausenderlei Gestalten betrachten lassen, um es auf so mancherlei Art Gegenst\u00e4nde anzuwenden und zu sehn, ob er es richtig gefa\u00dft und sich zu eigen gemacht hat, nach den Vorschriften des Plato. Es ist ein Zeichen der Unverdaulichkeit, wenn man die Speisen wieder aus dem Magen gibt, wie man sie verschlungen hat. Der Magen hat dann sein Werk nicht beschafft und hat das, was man ihm zum Verdauen gab, weder nach Materie noch Form ver\u00e4ndert. Unsere Seele beugt und schmiegt sich gar zu gern auf guten Glauben, nach dem Willen und den Meinungen anderer; folgt gar gern den Steigen und Pfaden anderer und folgt gleichsam wie eine Gefangene dem Ansehen derer, die sich ihr als Lehrer und F\u00fchrer aufdringen. Man hat uns so sehr an Leitseile gew\u00f6hnt, da\u00df wir des freien Ganges fast nicht mehr gewohnt sind. Unsere Freiheit und eigene Kraft ist dahin. Numquam tutelae suae fiunt. Ich habe in Pisa einen h\u00fcbschen Mann sehr genau gekannt, der ein so arger Aristotelianer war, da\u00df sein vornehmster Lehrsatz hie\u00df: Der Probierstein aller gegr\u00fcndeten Meinungen, aller Wahrheiten sei die \u00dcbereinstimmung mit den Lehren des Aristoteles. Au\u00dferdem g\u00e4be es weiter nichts als Chim\u00e4ren und Possen; denn Aristoteles habe alles ergr\u00fcndet und alles gesagt. Diese seine Meinung, die man ein wenig zu allgemein und zu ausgedehnt verstanden hatte, veruneinigte ihn ein wenig stark und lange mit der Inquisition zu Rom. La\u00df den Hofmeister also jede Meinung durchs Sieb schlagen und nichts in den Kopf seines Z\u00f6glings setzen, was sich blo\u00df auf Ansehen und Kredit fu\u00dft. Er mu\u00df ihn ebensowenig auf ein Prinzip des Aristoteles als auf ein Prinzip des Epikur oder der Stoiker schw\u00f6ren lassen. Man lege ihm die Verschiedenheit der Meinungen vor; kann er darunter w\u00e4hlen, um so besser; wo nicht, so la\u00df ihn zweifeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Che non men che saper, dubbiar m&#8217;aggrata.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn nimmt er die Meinung des Xenophon oder des Aristoteles an, nach seiner eigenen Erw\u00e4gung, so sind es nicht mehr die ihrigen, sondern seine eigenen. Wer einem anderen folgt, folgt niemand; er findet nichts, weil er eigentlich nichts sucht. Non sumus sub rege; sibi quisque se vindicet.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/%C3%9Cber+die+Kinderzucht%3A+an+Madame+Diane+de+Foix,+Gr%C3%A4fin+de+Gurson#F702\"><sup>4<\/sup><\/a> La\u00df ihn vor allen Dingen wissen, was er wei\u00df. Er mu\u00df wenigstens ihren Ideengang kennenlernen, ihre Lehrs\u00e4tze braucht er nicht zu beschw\u00f6ren. La\u00df ihn geradezu vergessen, wenn&#8217;s ihm gut deucht, woher er seine Meinungen hat; la\u00df ihn sich solche aber zu eigen machen. Wahrheit und Vernunft sind ein allgemeines Gut und sind kein ausschlie\u00dfenderes Eigentum dessen, der sie zuerst, als dessen, der sie nachher gesagt hat. Sie sind kein Eigentum Platos oder das meinige, weil er und ich solche gleich richtig einsehen. Die Bienen sammeln hier und allerorten von Blumen, aber sie machen daraus Honig, der ihnen ganz eigen geh\u00f6rt. Es ist weder Thymian mehr noch Majoran. Ebenso wird der Z\u00f6gling das, was er von anderen borgt, ver\u00e4ndern und verwandeln, um ein ihm eigenes Werk daraus zu bilden; das hei\u00dft, sein Urteil, seine Erziehung, seine Arbeit und sein Studium wird dahin gehn, sich selbst zu bilden. Mag er immer verbergen, womit er sich ausgeholfen, und mir zeigen, was er selbst gemacht hat. Diejenigen, welche borgen und stehlen, prunken mit ihren Geb\u00e4uden und Ankaufungen, ohne zu sagen, was sie von fremdem Gut dazu haben. Wir sehen nicht, was die Richter und Advokaten f\u00fcr Geschenke einnehmen, sondern nur, wie sich ihre Familie aufnimmt und ihr Staat sich vermehrt. Niemand h\u00e4lt \u00f6ffentliche Rechnung \u00fcber seine Einnahme. Seine Ausgaben verheimlicht niemand; die gibt jedermann zur Schau. Der Gewinn unseres Studierens ist, wenn wir dadurch besser und weiser geworden sind. Epicharmus pflegte zu sagen: der Verstand ist&#8217;s, welcher h\u00f6rt und sieht; der Verstand zieht Nutzen von allem, er ordnet alles, er wirkt, herrscht, regiert, alles \u00fcbrige ist blind, taub und ohne Seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ausgemachte Wahrheit, wir machen unseren Z\u00f6gling dadurch tr\u00e4g und sch\u00fcchtern, da\u00df wir ihm nicht die Freiheit lassen, etwas f\u00fcr sich selbst und nach seinem eigenen Kopfe zu tun. Wer fragt jemals seinen Untergebenen, was er von der Rhetorik, von der Grammatik, von dieser oder jener Sentenz des Cicero halte? Man bleut uns diese Dinge ins Ged\u00e4chtnis, nach der L\u00e4nge aufgeschrieben, wie die Orakelspr\u00fcche, von welchen Buchstaben und Silben das Wesentliche ausmachen. Aber Auswendigwissen ist kein Wissen: das hei\u00dft nur behalten, was man seinem Ged\u00e4chtnis zum Aufbewahren gegeben hat. Das, was man geh\u00f6rig wei\u00df, dar\u00fcber schaltet man, ohne den Lehnsherrn zu fragen, ohn erst in sein Buch zu gucken. B\u00fcchergelehrsamkeit ist eine leidige Gelehrsamkeit. Ich verlange, da\u00df sie zur Zierde diene, nicht zur Grundlage; nach der Meinung des Plato, welcher sagt: in Standhaftigkeit, Treue und Aufrichtigkeit bestehe die wahre Philosophie; die \u00fcbrigen Wissenschaften, welche auf etwas anderes lenken, w\u00e4ren blo\u00dfe Schminke. Ich m\u00f6chte wohl sehn, da\u00df die Herren Paluel oder Pompee, diese sch\u00f6nen T\u00e4nzer unserer Zeit, ihre Kapriolen blo\u00df durchs Zusehn lehrten, ohne ihre Sch\u00fcler von der Stelle zu bewegen, wie jene unseren Verstand unterrichten wollen, ohn ihn in T\u00e4tigkeit zu setzen. Oder, da\u00df man uns lehrte, ein Pferd zu regieren, eine Lanze f\u00fchren, die Laute spielen, nach Noten singen, ohne uns darin zu \u00fcben, wie unsere Lehrer hier uns richtig urteilen und regelm\u00e4\u00dfig sprechen lehren wollen, ohne uns im Sprechen oder im Urteilen zu \u00fcben. Nun aber dient bei diesem Lernen alles, was sich unseren Augen darstellt, so gut als ein gelehrtes Buch. Schalksstreiche eines Pagen, T\u00f6lpeleien eines Knechtes, Tischgespr\u00e4che sind ebenso viele neue Materien. Dieserwegen ist der Umgang mit Menschen von so au\u00dferordentlichem Nutzen! So wie das Besuchen fremder L\u00e4nder; nicht nur nach der Sitte unserer Noblesse sich zu belehren (wie viele Schritte die Santa Rotonda im Umfang enth\u00e4lt oder wie fein die Leibw\u00e4sche der Signora Livia sei oder, wie andere, um aufs genaueste zu wissen, wieviel ein Neronskopf, der in einer Ruine gefunden, breiter oder l\u00e4nger ist als eben derselbe auf einer \u00e4hnlichen Medaille), sondern um vorz\u00fcglich den Charakter dieser Nationen, ihre Sitten und Gesetze kennenzulernen, um unser Gehirn an dem ihrigen zu reiben und zu gl\u00e4tten! Ich wollte, da\u00df man damit anfinge, den Z\u00f6gling von Kindsbeinen an herumzuf\u00fchren, und zwar zuerst, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, zu unseren benachbarten Nationen, bei denen die Sprache weit von der unsrigen abweicht und f\u00fcr welche, wenn man nicht beizeiten dazu tut, die Zunge die Biegsamkeit verliert. Auch findet der Satz allgemeinen Beifall: Es sei nicht gut, ein Kind im Scho\u00dfe seiner Eltern zu erziehn. Die nat\u00fcrliche Liebe macht selbst die verst\u00e4ndigsten Eltern zu weichherzig und nachgiebig. Sie sind unf\u00e4hig, das Kind zu strafen noch es mit einfacher Kost gen\u00e4hrt zu sehn, welches doch ebenso n\u00f6tig ist, als da\u00df ein Kind nicht ewig geg\u00e4ngelt werde, sondern auch mit etwas Gefahr frei gehn und handeln lerne. Sie k\u00f6nnen nicht dulden, da\u00df das Kind von seinen \u00dcbungen in Staub und Schwei\u00df zur\u00fcckkomme, da\u00df es kalt trinke, hei\u00df trinke; k\u00f6nnen nicht ansehn, da\u00df es ein mutiges Pferd besteige oder im Kontrafechten t\u00fcchtige Florettst\u00f6\u00dfe bekomme oder da\u00df eis eine geladene Flinte abschie\u00dfe, welche sto\u00dfen m\u00f6chte. Denn es ist keine andere Hilfe: wer es zum braven Mann erziehn will, mu\u00df es wahrhaftig in seiner Jugend nicht verweichlichen und mu\u00df oft die Regeln der \u00c4rzte hintansetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Vitamque sub divo et trepidis agat<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In rebus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht genug, seine Seele festzumachen, es mu\u00df ihm auch die Muskeln st\u00e4hlen. Die Seele ist viel zu gesch\u00e4ftig, wenn sie keine Hilfe hat, und hat zu viel zu tun, wenn sie zwei \u00c4mtern vorstehen soll. Ich wei\u00df, wie sich die meinige in der Gesellschaft eines so weichen, f\u00fchlbaren K\u00f6rpers plackt, der sich so sehr auf sie steift und st\u00fctzt. Und werde ich bei meinem B\u00fccherlesen oft gewahr, da\u00df meine Meister, in ihren Schriften, in manchen Beispielen dasjenige f\u00fcr Gr\u00f6\u00dfe der Seele und St\u00e4rke des Geistes ausgeben, was eigentlich mehr von der Dicke der Haut und der H\u00e4rte der Knochen abh\u00e4ngt. Ich habe M\u00e4nner, Weiber und Kinder gesehen, die so geboren waren, da\u00df ihnen eine Tracht Pr\u00fcgel nicht so viel machte, als mir ein Nasenst\u00fcber machen w\u00fcrde; die bei den Schl\u00e4gen, die man ihnen gab, weder die Zunge bewegten noch die Augenbrauen zuckten. Wenn die Athleten in Ansehung der Geduld die Philosophen nach\u00e4fften, so ist es mehr ein Beweis der St\u00e4rke ihrer Sehnen als ihres Geistes und Herzens. Denn sicherlich, die Gewohnheit, ohne Erm\u00fcdung zu arbeiten, ist einerlei mit der Gewohnheit, ohne Ungeduld Schmerz zu ertragen. Labor callum obducit dolori.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/%C3%9Cber+die+Kinderzucht%3A+an+Madame+Diane+de+Foix,+Gr%C3%A4fin+de+Gurson#F704\"><sup>6<\/sup><\/a> Man mu\u00df den Z\u00f6gling zu den M\u00fchseligkeiten der Arbeit und den Unbequemlichkeiten der Leibes\u00fcbungen gew\u00f6hnen, um ihn gegen allerlei Schmerz unempfindlicher zu machen; dahin geh\u00f6ren Verrenkungen der Glieder, Schmerzen in den Eingeweiden, Brennmittel auf der Haut, sogar Gef\u00e4ngnis und Marter der Folter. Denn selbst den letzteren kann er zu gewissen Zeiten ausgesetzt sein so gut wie die B\u00f6sewichter. Wir haben die Exempel! Wer die Gesetze bestreitet, droht dem Rechtschaffenen mit Gei\u00dfel und Strick. \u00dcberdem noch wird das Ansehen des Hofmeisters, das \u00fcber den Z\u00f6gling uneingeschr\u00e4nkt sein soll, durch die Gegenwart der Eltern unterbrochen und geschm\u00e4lert. Dazugenommen den Respekt, den das Hausgesinde dem jungen Herrn zeigt, und die Idee, die er sich von der Gr\u00f6\u00dfe und Hoheit seiner Familie macht, so sind das nach meiner Meinung keine kleinen Hindernisse bei seinem Alter. In dieser Schule des Umgangs mit Menschen habe ich auch die Unbequemlichkeit bemerkt, da\u00df, anstatt uns die Kenntnis von anderen zu erwerben, wir nur darauf arbeiten, uns anderen bemerklich zu machen, und mehr M\u00fche geben, unsere Ware an Mann zu bringen, als neue einzusammeln. Stillschweigen und Bescheidenheit sind sehr schickliche Eigenschaften f\u00fcr den menschlichen Umgang. Man mu\u00df das Kind mit seinem Wissen, sparsam und haush\u00e4lterisch sein, lehren, wenn es bereits welches erworben hat, und sich \u00fcber die Dummheiten und Fabeln nicht zu entr\u00fcsten, die etwa in seiner Gegenwart zu Markte gebracht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn es ist eine unh\u00f6fliche Anma\u00dfung, alles herabzuw\u00fcrdigen, was nicht nach unserem Geschmack ist. La\u00df es ihm gen\u00fcgen, sich selbst zu bessern; und nicht anderen dar\u00fcber Vorw\u00fcrfe zu machen, was es sich selbst zu tun versagt; noch die \u00f6ffentlichen Sitten reformieren wollen. Licet sapere sine pompa, sine invidia.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/%C3%9Cber+die+Kinderzucht%3A+an+Madame+Diane+de+Foix,+Gr%C3%A4fin+de+Gurson#F705\"><sup>7<\/sup><\/a> Es vermeide das Bild eines angema\u00dften und ungesitteten Reformators der Welt und den kindischen Ehrgeiz, feiner zu scheinen, weil es anders denkt und als ob es eine so schwere Sache w\u00e4re zu tadeln, neue Sachen vorzubringen und sich dadurch einen gro\u00dfen Namen zu erwerben. So wie es nur gro\u00dfen Dichtern anst\u00e4ndig ist, sich poetischer Freiheiten zu bedienen, so ist es auch nur bei gro\u00dfen und vorz\u00fcglichen Seelen ertr\u00e4glich, wenn sie sich die Freiheit nehmen, sich \u00fcber die Gewohnheit hinwegzusetzen. Si quid Socrates et Aristippus contra morem et consuetudinem fecerunt, idem sibi ne arbitretur licere: magnis enim illi et divinis bonis hanc licentiam assequebantur.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/%C3%9Cber+die+Kinderzucht%3A+an+Madame+Diane+de+Foix,+Gr%C3%A4fin+de+Gurson#F706\"><sup>8<\/sup><\/a> Man mu\u00df es lehren, sich in kein Gespr\u00e4ch oder in Wortstreit einzulassen, als wenn es einen Gegner findet, der es mit ihm aufnehmen kann, und selbst alsdann sich nicht aller Wendungen bedienen, die ihm zustatten kommen k\u00f6nnten, sondern blo\u00df der dienlichsten. Man fl\u00f6\u00dfe ihm Delikatesse ein in der Wahl und Darlegung seiner Gr\u00fcnde und Liebe zum Zweckdienlichen, folglich zur K\u00fcrze. Vorz\u00fcglich bringe man es dahin, da\u00df es vor der Wahrheit die Waffen strecke und sich ihr ergebe, sobald es sie erblickt, sei es, da\u00df es sie auf seiten seines Gegners gewahr werde oder in seinem eigenen Geist vermittelst eines lichtvollen Augenblicks. Denn man wird es ja auf keinen Lehrstuhl stellen, um eine vorgeschriebene Rolle herzusagen. Es h\u00e4nge keiner Sekte an, als weil es sie billigt. Auch wird es keiner Profession angeh\u00f6ren, in der man mit baren Pfennigen die Freiheit bezahlt, seine Fehler zu erkennen und zu bereuen. Neque, ut omnia, quae praescripta et imperata sint, defendat, necessitate ulla cogitur.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/%C3%9Cber+die+Kinderzucht%3A+an+Madame+Diane+de+Foix,+Gr%C3%A4fin+de+Gurson#F707\"><sup>9<\/sup><\/a> Ist der Hofmeister meines Sinnes, so wird er den Willen des Z\u00f6glings dahin lenken, ein treuer, anh\u00e4nglicher und tapferer Dienstmann seines F\u00fcrsten zu werden, wird ihm aber die Begierde abk\u00fchlen, ihm aus anderer R\u00fccksicht zu dienen als aus \u00f6ffentlicher Staatsb\u00fcrgerpflicht. Au\u00dfer verschiedenen anderen Unbequemlichkeiten, welche durch diese besonderen Verbindlichkeiten unsere Freiheit kr\u00e4nken, ist das Urteil eines gemieteten oder gekauften Menschen entweder weniger unbefangen und weniger frei, oder es hat den Schein der Unbesonnenheit und Undankbarkeit gegen sich. Ein wahrer Hofmann kann kein ander Gesetz, keinen anderen Willen haben, als vorteilhaft von seinem Herrn zu sprechen und zu denken, der ihn unter so viel tausend Untertanen gew\u00e4hlt hat, um ihn zu n\u00e4hren und mit seiner Hand zu erh\u00f6hn. Diese Gunst, dieser Nutzen bestechen nicht ohne alle Ursache seine Offenherzigkeit und blenden sein Urteil. Gleichwohl sieht man gew\u00f6hnlicherweise, da\u00df die Sprache dieser Leute von der Sprache anderer in einem Staat sehr verschieden und in dergleichen Materien nicht sehr zuverl\u00e4ssig ist. Aus den Reden des Z\u00f6glings m\u00fcssen sein Gewissen und seine Tugend hervorleuchten; und sie m\u00fcssen blo\u00df die Vernunft zur F\u00fchrerin haben. Man mache es ihm einleuchtend, da\u00df die Fehler gestehn, die er in seinen eigenen Schl\u00fcssen entdeckt \u2013 w\u00fcrden sie auch von niemand als von ihm selbst bemerkt \u2013, eine Wirkung der verbesserten Einsicht und Aufrichtigkeit sei, welches die vornehmsten Dinge sind, wonach er strebt; da\u00df Eigensinn und Widersprechungsgeist niedrige Eigenschaften sind und sich meistens nur bei kleinen Seelen zeigen. Hingegen, sich besinnen, seine Meinung bessern, in der Hitze des Streits selbst eine schlechte Sache aufgeben, seltene, starke und philosophische Eigenschaften bezeichnen. Man mu\u00df ihn darauf aufmerksam machen, da\u00df er die Augen \u00fcberall habe, wenn er in Gesellschaft ist. Denn ich finde, da\u00df die ersten St\u00fchle gew\u00f6hnlich von Personen eingenommen werden, welche die wenigsten F\u00e4higkeiten haben, und da\u00df die gr\u00f6\u00dften Gl\u00fccksg\u00fcter nicht gar oft mit den aufgekl\u00e4rtesten K\u00f6pfen vereinigt sind. Ich habe indessen gesehen, da\u00df man sich am oberen Ende einer Tafel \u00fcber die Sch\u00f6nheit einer Tapete oder \u00fcber den Geschmack des Malvasiers unterhielt und da\u00df viele sch\u00f6ne Z\u00fcge des Gespr\u00e4chs vom anderen Ende der Tafel verlorengingen. Er mu\u00df die Tiefe eines jeden erforschen; Hirten, Handwerker, Reisende, alles mu\u00df er hervorziehn und von jedes Waren etwas nehmen; denn in der Haushaltung ist alles zu gebrauchen. Selbst Dummheit und Schwachheit anderer werden ihm zur Lehre gereichen. Wenn er auf die Manieren und das Betragen eines jeden flei\u00dfig achtet, so wird er Lust bekommen, sich die guten zu eigen zu machen, und wird die schlechten verachten. Man fl\u00f6\u00dfe ihm eine bescheidene Neugier ein, nach allem zu fragen: alles, was um ihn her sonderbar ist und sich auszeichnet, mu\u00df er besehn. Ein Geb\u00e4ude, einen Springbrunnen, einen Menschen; die Walst\u00e4tte einer ehemaligen Schlacht, den Zug C\u00e4sars oder Karls des Gro\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Quae tellus sit lenta gelu, quae putris ab aestu,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ventus in Italiam quis bene vela ferat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Er mu\u00df sich erkundigen nach den Sitten, den Eink\u00fcnften und den Verbindungen dieses und jenes F\u00fcrsten. Das sind Dinge, die es sehr angenehm zu erfahren und sehr n\u00fctzlich ist zu wissen. In diesem Umgang mit Menschen will ich auch, und zwar haupts\u00e4chlich, jene mit eingeschlossen wissen, die nur noch in den B\u00fcchern leben. Vermittelst der Geschichte wird er sich mit den gro\u00dfen Seelen der besten Zeitalter bekannt machen. Es ist ein eitles Studium, wird vielleicht einer oder der andere sagen; es ist aber, richtig genommen, ein Studium von sehr sch\u00e4tzbarem Nutzen und das einzige, welches wie Plato sagt, die Laked\u00e4monier sich vorbehalten hatten. Welchen Vorteil wird er nicht in diesem Fache vom Lesen der Lebensbeschreibungen unseres Plutarchs ziehen! Aber la\u00df unseren Hofmeister auch nicht vergessen, was eigentlich der Zweck seines Amtes ist, und la\u00df ihn so seinem Untergebenen nicht sowohl Jahr und Tag der Zerst\u00f6rung von Karthago als die Charaktere Hannibals und Scipios bekannt machen. Nicht sowohl, wo Marcellus starb, sondern warum es nicht mit seiner Pflicht bestand, dort zu sterben. Er lehre ihn nicht sowohl die Begebenheiten selbst als richtig dar\u00fcber urteilen. Dies ist nach meiner Meinung unter allen gerade die Materie, womit sich unser Geist in einem h\u00f6chst verschiedenen Ma\u00dfe besch\u00e4ftigt. Ich habe im Livius hundert Dinge gelesen, die dieser oder jener nicht darin gefunden hat. Plutarch hat noch hundert andere darin gelesen, die wieder mir entwischt sind und welche vielleicht Livius nicht hineingelegt hatte. Einige lesen ihn blo\u00df, um aus ihm Grammatik zu lernen; andere die philosophische Zergliederungskunst, verm\u00f6ge welcher man in die verborgenen Teile unserer Natur eindringt. Man findet beim Plutarch viele gr\u00fcndlich ausgearbeiteten Abhandlungen, die es sehr verdienen, da\u00df man sich damit bekannt mache; denn nach meiner Meinung ist er darin Altmeister. Er hat aber tausend Dinge nur ganz leicht ber\u00fchrt. Er winkt blo\u00df mit dem Finger, welchen Weg wir zu nehmen haben, wenn wir ihm folgen wollen; und zuweilen begn\u00fcgt er sich, mitten im w\u00e4rmsten Vortrag abzubrechen und es bei einem leichten Hinwurf bewenden zu lassen. Diese Winke mu\u00df man sammeln und in einem Magazin aufbewahren. Wie seinen Ausspruch: die Bewohner Asiens w\u00e4ren nur <em>einem<\/em> Despoten untertan, weil sie <em>eine<\/em> Silbe nicht aussprechen k\u00f6nnten! Das Wort Nein n\u00e4mlich, welches vielleicht dem B\u00f6ethius Stoff und Anla\u00df zu seiner Schrift \u00bbDie freiwillige Knechtschaft\u00ab gab. Zuweilen stellt er in dem Leben eines Mannes eine Handlung oder ein Wort, welche unbedeutend schienen, in ein solches Licht, da\u00df solche einen wichtigen Sinn bekommen. Es ist schade, da\u00df die Menschen von so gro\u00dfem Verstand so sehr die K\u00fcrze lieben! Unstreitig gewinnt dadurch ihr Ruhm; aber wir verlieren dabei. Plutarch will lieber, da\u00df wir ihn seines richtigen Verstandes wegen r\u00fchmen als seiner Gelehrsamkeit. Er will uns lieber sein Begehren lassen als uns s\u00e4ttigen. Er wu\u00dfte, da\u00df man selbst von guten Dingen zuviel sagen k\u00f6nne und da\u00df Alexandrides demjenigen, welcher den Ephoren einen guten aber zu langen Vortrag tat, mit Recht den Verweis gab: \u00bbO Fremdling, gute Sachen sagst du, du sagst sie nur nicht gut.\u00ab Wer einen magern Leib hat, tr\u00e4gt gern einen ausgestopften Wams, und denen, welchen die Materie schwindet, schwellen die Worte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man zieht eine unvergleichliche Klarheit f\u00fcr den menschlichen Verstand aus dem flei\u00dfigen Umgang mit Menschen. Wir sind alle in Haufen zusammengedr\u00e4ngt und sehn nicht weiter, als unsere Nasen reichen. Als Sokrates befragt war, woher er geb\u00fcrtig sei, antwortete er nicht: \u00bbaus Athen\u00ab, sondern: \u00bbaus der Welt.\u00ab Dieser Weise, dessen Geist besser gen\u00e4hrt und weniger umgrenzt war, umfa\u00dfte die ganze Welt wie seine Vaterstadt; weihte seine Kenntnis, seinen Umgang und sein Wohlwollen dem ganzen Menschengeschlecht; nicht wie wir, wir sehen nur unter uns herab. Wenn in meinem Dorf der Weinstock verfriert, so zieht mein Pfarrer daraus den Schlu\u00df, da\u00df Gott \u00fcber das ganze Menschentum z\u00fcrne, und urteilt, da\u00df den Kannibalen davon schon das Z\u00e4pflein geschossen sei. Wer schreit beim Anblick unserer b\u00fcrgerlichen Kriege nicht, da\u00df die Maschine zu Tr\u00fcmmern gehe und da\u00df uns der J\u00fcngste Tag schon bei der Kehle fasse! Ohne sich zu besinnen, da\u00df man schon weit \u00e4rgere Dinge erlebt hat und da\u00df zehntausend Teile der Welt sich&#8217;s indessen weidlich wohl sein lassen. Wenn ich hingegen die Ausgelassenheit und Ungestraftheit dieser Kriege betrachte, so bewundere ich vielmehr, da\u00df sie so menschlich sind und so mild. Wem es um den Kopf herum hagelt, den d\u00fcnkt das Gewitter \u00fcber die ganze Himmelssph\u00e4re zu w\u00fcten, und jener Savoyard sagte: Wenn der einf\u00e4ltige K\u00f6nig von Frankreich sein Gl\u00fcck recht zu brauchen gewu\u00dft h\u00e4tte, so w\u00e4re er der Mann danach, der bei meinem Herzog h\u00e4tte Haushofmeister werden k\u00f6nnen. \u2013 Seine Imagination konnte sich bis zu keiner gr\u00f6\u00dferen H\u00f6he erheben als der seines F\u00fcrsten und Herrn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind alle, weniger oder mehr, in diesem Irrtum. Ein Irrtum von gro\u00dfem und nachteiligem Einflu\u00df. Wer sich aber das gro\u00dfe Bild unserer Mutter Natur gleichsam wie in einem Gem\u00e4lde in ihrer ganzen Majest\u00e4t vorstellt; wer in ihrem Gesichte eine so allgemeine, so best\u00e4ndige Ab\u00e4nderung sieht; wer sich darin betrachtet, und nicht blo\u00df sich selbst, sondern ein ganzes Reich, wie den Strich von einer sehr zarten Spitze \u2013 nur der sch\u00e4tzt die Dinge nach ihrer wahren Gr\u00f6\u00dfe. Diese gro\u00dfe Welt, welche einige noch wie Spezies unter ein Genus multiplizieren, ist der Spiegel, in den wir schauen m\u00fcssen, um unseren wackeren Balken wahrzunehmen. Kurz, ich verlange, da\u00df <em>sie<\/em> das Buch meines Sch\u00fclers sein soll. So vielerlei Charaktere, Sekten, Urteile, Meinungen, Gesetze und Gewohnheiten lehren uns, richtig von unseren eigenen zu urteilen, und \u00fcberzeugen unseren Verstand von seiner Unvollkommenheit und von seiner nat\u00fcrlichen Schw\u00e4che; und das ist keine leichte Lektion. So manche Staatsrevolutionen und Umkehrungen der \u00f6ffentlichen Gl\u00fcckseligkeit so mancher Reiche lehren uns, aus unserem eigenen kein so gro\u00dfes Wunderwerk machen. So viele Heldennamen, so viele Siege und Eroberungen, die in der Vergessenheit begraben liegen, machen die Hoffnung l\u00e4cherlich, durch Gefangennehmung von zehn Landmilizen und die Eroberung eines mit Zaum und Schlagbaum befestigten Ortes, den vor der Einnahme kein Mensch dem Namen nach kannte, unseren Namen zu verewigen. Der Hochmut und D\u00fcnkel mancher fremden Prunkgepr\u00e4nge, die so aufgeblasene Majest\u00e4t mancher H\u00f6fe und Gro\u00dfen befestigt und st\u00e4rkt unsere Sehkraft, da\u00df sie den schimmernden Glanz der unsrigen ausstehn kann, ohne zu blinzeln. So viele Millionen, die vor uns begraben sind, machen uns beherzt, uns nicht davor zu f\u00fcrchten, so guter Gesellschaft in die andere Welt zu folgen; und so im \u00fcbrigen. Unser Leben, sagt Pythagoras, ist gleich einem Zuge nach der gro\u00dfen und volkreichen Versammlung bei den olympischen Spielen. Einige \u00fcben den K\u00f6rper, um dadurch den Preis zu erringen, einige sind darunter (und das sind nicht die ver\u00e4chtlichsten), die dort keinen anderen Vorteil suchen, als zu sehn, wie und warum jede Sache so und nicht anders gemacht wird, die sich blo\u00df als Zuschauer bei dem Leben anderer Menschen verhalten, um danach ihr eigenes zu beurteilen und einzurichten. Mit den Beispielen kann man sehr f\u00fcglich die anwendbarsten Vorschriften der Philosophie verbinden, an welchen man die Handlungen der Menschen, als das Gold am Probierstein, reiben mu\u00df. Man mu\u00df ihm sagen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2013 \u2013 quid fas optare, quid asper<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Utile nummus habet; patriae carisque propinquis<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quantum elargiri deceat: quem te deus esse<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jussit, et humana qua parte locatus es in re;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quid sumus, aut quidnam victuri gignimur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Wissen ist und was Unwissenheit; was der Endzweck alles Lernens ist; was Tapferkeit ist, was M\u00e4\u00dfigkeit und Gerechtigkeit; was sich zwischen Ehrgeiz und Geldreiz bemerken l\u00e4\u00dft; was zwischen Knechtschaft und Folgsamkeit; zwischen Z\u00fcgellosigkeit und Freiheit. An was f\u00fcr Kennzeichen man die wahre und dauernde Zufriedenheit erkennt. Inwieweit man Tod, Schmerz und Schande zu f\u00fcrchten hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Et quo quemque modo fugiatque feratque laborem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr Triebfedern uns in Bewegung setzen und was uns auf so mancherlei Art w\u00fcnschen und handeln l\u00e4\u00dft. Denn nach meiner Meinung m\u00fcssen die ersten Weisheitslehren, womit man seinen Verstand erquickt, darin bestehn, da\u00df sie seine Sitten lenken und seine Empfindungen; da\u00df sie ihn lehren, sich selbst erkennen, gut leben und gut sterben. Unter den freien K\u00fcnsten la\u00df uns mit der Kunst anfangen, die uns frei macht. Sie dienen freilich alle, ohne Widerrede, auf gewisse Weise zum Unterricht f\u00fcr unser Leben und dessen Anwendung; wie alle anderen Dinge gewisserma\u00dfen dazu ebenfalls dienen. Aber la\u00df uns diejenigen w\u00e4hlen, welche uns geradewegs und verm\u00f6ge ihrer Natur dienen. Wenn wir die Bed\u00fcrfnisse unseres Leben in ihre richtigen und nat\u00fcrlichen Grenzen einzuschr\u00e4nken w\u00fc\u00dften, so w\u00fcrden wir finden, da\u00df der gr\u00f6\u00dfte Teil der Wissenschaften, welche im Gebrauch sind, f\u00fcr uns von keinem Gebrauch sind. Und da\u00df selbst bei denen, welche es sind, es solche unn\u00fctze Ausdehnungen und Vertiefungen gibt, \u00fcber die wir besser t\u00e4ten, hinwegzusehn; und da\u00df wir nach dem Rat des Sokrates uns mit unserem Studieren blo\u00df an die halten sollen, welche n\u00fctzen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2013 \u2013 Sapere aude,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Incipe: Vivendi qui recte prorogat horam,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rusticus expectat dum defluat amnis, at ille<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Labitur, et labetur, in omne volubilis aevum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine Herzenseinfalt, unsere Kinder lehren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Quid moveant Pisces, animosaque signa Leonis,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lotus et Hesperia quid Capricornus aqua,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">die Wissenschaft der Gestirne und Kenntnis des Ganges der achten Sph\u00e4re, eh&#8216; sie noch ihre eigenen kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u03a4<\/em><em>\u1f76<\/em><em> \u03b4<\/em><em>\u1fbd\u1f00<\/em><em>\u03c3\u03c4\u03c1\u03ac\u03c3\u03b9\u03bd \u0392\u03bf\u03ce\u03c4\u03b5\u03c9,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u03a4<\/em><em>\u1f76<\/em><em> \u03a0\u03bb\u03b5\u03b9\u03ac\u03b4\u03b5\u03c3\u03c3\u03b9 \u03ba\u03ac\u03bc\u03bf\u03b9;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Anaximenes schrieb an Pythagoras: Aus welcher Absicht k\u00f6nnte ich mich mit dem Geheimnis der Gestirne befassen, da ich Tod und Knechtschaft best\u00e4ndig vor meinen Augen schweben sehe? Denn damals r\u00fcsteten sich die persischen K\u00f6nige zum Kriege gegen sein Vaterland. Ein jeder mu\u00df so sagen, der von Ehrsucht, Geldgeiz, \u00dcbermut, Aberglauben bek\u00e4mpft wird und in seinem Inneren noch dergleichen andere Feinde des Lebens hegt: Soll ich mich um den Lauf der Dinge dieser Welt bek\u00fcmmern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem man den Z\u00f6gling gelehrt hat, was n\u00f6tig ist, um ihn weiser und besser zu machen, so mag man ihn mit der Logik, Physik, Geometrie und Rhetorik bekannt machen; und welche Wissenschaft er dann auch w\u00e4hlt, da einmal sein Verstand gebildet worden, so wird er davon bald Meister werden. Sein Unterricht werde ihm bald durch trauliche Gespr\u00e4che, bald durch B\u00fccher beigebracht. Zuweilen gebe ihm der Lehrer die Schriftsteller selbst in die H\u00e4nde, die zu diesem Zwecke tauglich sind; zuweilen gebe er ihm daraus Saft und Mark ganz zubereitet. Sollte der Lehrer selbst nicht hinl\u00e4ngliche Bekanntschaft mit den B\u00fcchern haben, um die zu seiner Absicht dienlichen Stellen auffinden zu k\u00f6nnen, so mu\u00df man ihm einen Literator zugeben, der, so oft es n\u00f6tig tut, die erforderliche Munition herbeischaffe, um solche seinem Z\u00f6gling zuzuteilen. Und wer kann wohl daran zweifeln, ob diese Lehrart leichter sei als die Lehrart des Gaza? Diese gibt trockene, nahrlose Vorschriften und hohle Worte und leere Schalen ohne Kern, nichts, das dem Geist Nahrung g\u00e4be; in unserer findet die Seele eine frische, gesunde Weide. Unsere Frucht ist bei weitem gr\u00f6\u00dfer und gedeiht weit eher zur Reife.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist seltsam, da\u00df es in unserem Jahrhundert mit uns dahin gekommen, da\u00df selbst bei Leuten von Verstand die Philosophie bis zu einem bedeutungsleeren Worte, ohne allen Nutzen, ohne allen Wert, weder in Meinung noch in Wirkung, herabgesunken ist. Ich glaube, die Ergos, die sich ihrer Zug\u00e4nge bem\u00e4chtigt haben, sind schuld daran. Man hat gro\u00df unrecht, sie den Kindern als unzug\u00e4nglich vorzumalen und ihnen solche mit m\u00fcrrischem, gr\u00e4mlichem und schreckendem Gesicht abzubilden. Wer hat sie in diese bleiche, runzlige Larve vermummt? Nichts ist heiterer, munterer, fr\u00f6hlicher; fast m\u00f6cht&#8216; ich sagen, scherzhafter! Sie predigt nichts als Frohsinn und Wohlleben. Tr\u00fcbe und finstere Mienen sind ein Zeichen, da\u00df sie da nicht herbergt. Als Demetrius der Grammatiker im Tempel zu Delphos einen Haufen Philosophen beisammensitzen sah, sagte er: Entweder ich betr\u00fcge mich, oder euere so heiteren, friedlichen Gesichter sagen mir, da\u00df ihr eben in keiner wichtigen Unterredung begriffen seid. \u2013 Worauf einer unter ihnen, Heracleon der Megarier, antwortete: M\u00f6gen diejenigen, welche untersuchen, ob das Futurum von <em>\u03b2\u03ac\u03bb\u03bb\u03c9<\/em> ein doppeltes <em>\u03bb\u03bb<\/em> hat, oder welche die Abstammung der Komparative<em> \u03c7\u03b5\u03b9\u03c1\u03bf\u03bd<\/em> und <em>\u03b2\u03ad\u03bb\u03c4\u03b9\u03bf\u03bd<\/em> oder der Superlative <em>\u03c7\u03b5\u03af\u03c1\u03b9\u03c3\u03c4\u03bf\u03bd<\/em> und <em>\u03b2\u03ad\u03bb\u03c4\u03b9\u03c3\u03c4\u03bf\u03bd<\/em> ausfindig machen wollen, die Stirnen runzeln, wenn sie sich von ihrer Wissenschaft unterhalten; was aber die philosophischen Untersuchungen anlangt, so machen solche gew\u00f6hnlich diejenigen froh und munter, die sich damit abgeben, und nichts weniger als finster und m\u00fcrrisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Deprendas animi tormenta latentis in aegro<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Corpore; deprendas et gaudia: sumit utrumque<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inde habitum facies.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Seele, in welcher die Philosophie ihre Wohnung genommen hat, mu\u00df durch ihre Gesundheit auch ihren K\u00f6rper gesund machen. Sie mu\u00df ihre Ruhe und ihr Wohlbehagen selbst von au\u00dfen scheinen und leuchten lassen; mu\u00df das Betragen des K\u00f6rpers nach dem ihrigen abmessen und es folglich mit einem angenehmen, festen Mute bewaffnen, mit lebhaften, frohen Bewegungen und mit einem zufriedenen und gef\u00e4lligen Anstand. Der sicherste Stempel der Weisheit ist ein ununterbrochener Frohsinn: ihr Anblick ist wie der Luftraum \u00fcber dem Monde, best\u00e4ndig heiter. Baroco und Baralipton aber machen ihre Leute so schmutzig und r\u00e4ucherig, nicht die Weisheit, denn die kennen sie nur aus H\u00f6rensagen. Wie? Ihr Gesch\u00e4ft ist, die St\u00fcrme in der Seele zu legen und Hunger und Fieber lachen zu lehren: nicht durch T\u00e4uschung und Vorspiegelung, sondern durch vern\u00fcnftige, fa\u00dfliche Gr\u00fcnde. Sie leitet gerade hin zur Tugend, die nicht, wie die Schule lehrt, auf der Spitze eines steilen, schroffen, unzug\u00e4nglichen Berges gepflanzt ist. Diejenigen, welche bis zu ihr gelangt sind, sagen im Gegenteil, sie wohne in einer fruchtbaren, lieblichen Ebene, von daraus sie zwar alle Dinge in der Tiefe unter sich sieht, zu welcher man aber gleichwohl, wenn man richtige Anweisung hat, durch schattige, von Blumenduft umwehte, leicht sich hebende, eben gebahnte Wege (wie die Wege am Gew\u00f6lbe des Himmels) gelangen kann. Weil sie keine Bekanntschaft mit dieser erhabenen Tugend gemacht haben, die so sch\u00f6n, so m\u00e4chtig, so lieblich, so reizend und zugleich so mutvoll, eine offenbare und unvers\u00f6hnliche Feindin alles Haders, alles Mi\u00dfvergn\u00fcgens, aller Furcht und alles Zwanges ist, deren F\u00fchrer Natur, deren Begleiter Gl\u00fcck und Wonne sind, so haben sie in ihrer Schwachheit sich beigehen lassen, jenes dumme Bild, das so tr\u00fcbselig, z\u00e4nkisch, h\u00e4misch, drohend und grinsend aussieht, zu formen und es auf einem abw\u00e4rts gelegenen Felsen, zwischen Dornen und Hecken, als ein Scheusal aufzustellen, um die Menschen zu schrecken. Mein Edukator, welcher wei\u00df, da\u00df er den Willen seines Z\u00f6glings mit ebensoviel oder noch mehr Zuneigung zur Tugend als Ehrerbietung f\u00fcr sie anf\u00fcllen mu\u00df, wird ihm sagen, da\u00df die Dichter dem Hange des gro\u00dfen Haufens folgen, und wird es ihm einleuchtend machen, da\u00df die G\u00f6tter den Steig zu den Lauben der G\u00f6ttin Venus viel beschwerlicher gemacht haben als zum Tempel der Pallas, und wenn der J\u00fcngling beginnt, sich zu f\u00fchlen, so wird er ihm Bradamante oder Angelika zu Gegenst\u00e4nden seiner verliebten Sehnsucht vorschlagen: die eine von ungek\u00fcnstelter Sch\u00f6nheit, Munterkeit und erhabenem Geiste, zwar nicht von m\u00e4nnlichem Wuchs, aber doch von m\u00e4nnlicher Seele; auf Kosten einer z\u00e4rtlichen Sch\u00f6nheit, die geziert ist und von erk\u00fcnsteltem Reiz; die eine verkleidet als J\u00fcngling im blanken Helm, die andere verkleidet als Buhlerin, den Haarschmuck mit Perlen durchflochten. Er wird des Z\u00f6glings Liebe selbst f\u00fcr m\u00e4nnlich erkennen, wenn solcher gerade umgekehrt w\u00e4hlt als jener weibische, phrygische Sch\u00e4fer. Er wird ihm diese neue Lehre beibringen, da\u00df Preis und W\u00fcrde der wahren Tugend in der Leichtigkeit, N\u00fctzlichkeit und Beharrlichkeit bei ihrer Aus\u00fcbung besteht; so entfernt von aller Schwierigkeit, da\u00df Kinder sowohl als M\u00e4nner, die Einf\u00e4ltigen sowohl als die Klugen dazu die F\u00e4higkeit haben. Sie wirkt mehr durch richtige Anwendung der Werkzeuge als durch St\u00e4rke. Sokrates, ihr vornehmster Liebling, entsagt wissentlich seiner St\u00e4rke, um desto behender und zwangloser in ihr weiterzukommen. Sie ist die Pflegerin menschlicher Freuden. Sie bestimmt ihr Ma\u00df und macht sie dadurch sicher und rein. Sie h\u00e4lt solche in ihren Grenzen und erh\u00e4lt sie dadurch frisch und von lieblichem Geschmack. Sie versagt uns solche, die sie uns verweigern mu\u00df, und sch\u00e4rft dadurch unser Verlangen nach jenen, die sie uns verg\u00f6nnt; und verg\u00f6nnt uns alle diese in reichem Ma\u00dfe, die die Natur uns nicht verbeut; wo nicht zum \u00dcberdru\u00df, doch wie eine g\u00fctige Mutter bis zur S\u00e4ttigung. Da wir doch auch wohl nicht sagen wollen, da\u00df die M\u00e4\u00dfigkeit, die dem S\u00e4ufer vor dem Rausch, dem Fresser vor der \u00dcberladung des Magens, dem Woll\u00fcstling vor der Glatze noch Einhalt tut, eine Feindin unseres Vergn\u00fcgens sei. Wenn das gemeine Gl\u00fcck ihr sauer sieht, entflieht sie seinem Dienst oder wei\u00df sein zu entbehren und schmiedet eines, das ganz nach seinem Sinn und nicht wankend ist und unbest\u00e4ndig. Sie hat den Verstand dazu, reich zu sein und m\u00e4chtig und auf weichen Polstern zu schlafen. Sie liebt das Leben, sie liebt die Sch\u00f6nheit, den Ruhm und die Gesundheit. Ihr eigentlicher und besonderer Dienst aber besteht darin, da\u00df sie lehrt, diese Dinge zu gebrauchen und ohne Schmerz verlieren. Ein Dienst, der viel edler ist als beschwerlich, ohne welchen der ganze Lauf des Lebens Unnatur, Unheil und Unf\u00fcgigkeit ist, dem man mit Recht Klippen, Dornen und Ungeheuer zuschreiben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte der Z\u00f6gling von so sonderbarem Gem\u00fct sein, da\u00df er lieber ein M\u00e4rchen als die Erz\u00e4hlung einer sch\u00f6nen Reise h\u00f6ren m\u00f6chte oder sonst ein vergn\u00fcgtes Gespr\u00e4ch, das nicht \u00fcber seine Begriffe ginge; oder sollte er beim Schall der Trommel, die seine jungen Spie\u00dfgesellen mit Mut anf\u00fcllt, auf den Ton einer anderen horchen, die zur Gaukelbude lockt; sollte er etwa nicht mehr Lust und Freude daran finden, bestaubt und als Sieger aus einem Gefecht als vom Tanz- oder Fechtboden mit den bei diesen \u00dcbungen gew\u00f6hnlichen Preisen zur\u00fcckzukommen, nun, so wei\u00df ich keinen besseren Rat, als man tu&#8216; ihn in irgendeiner Stadt zu einem Pastetenb\u00e4cker, und w\u00e4r&#8217;s auch der Sohn eines Grafen und Herrn, nach der Lehre des Plato, welcher will, man solle die Kinder nicht nach dem Verm\u00f6gen ihrer V\u00e4ter anstellen, sondern nach dem, was ihre eigenen Seelen verm\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil es die Philosophie ist, die uns lehrt, wie wir leben sollen, und sie auch der Jugend ebensowohl Lehren erteilt als dem Alter, warum macht man sie nicht mit ihr bekannt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Udum et molle lutum est; nunc, nunc properandus, et acri<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fingendus sine fine rota.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Man lehrt uns die Kunst zu leben, wenn unser Leben dahin ist. Hundert Sch\u00fcler haben sich Krankheiten der Unzucht zugezogen, bevor sie in ihrem Aristoteles bis an das Kapitel der M\u00e4\u00dfigung gekommen waren. Cicero sagt, wenn er auch das Alter zweier Menschen leben sollte, w\u00fcrde er sich doch nicht die Zeit nehmen, die lyrischen Dichter zu studieren. Und ich halte die Ergotisten auf eine weit kl\u00e4glichere Weise f\u00fcr unn\u00fctz. Mit unserem Kinde hat es gr\u00f6\u00dfere Eile: nur die ersten f\u00fcnfzehn oder sechzehn Jahre des Lebens geh\u00f6ren der Schulerziehung, das \u00fcbrige geh\u00f6rt f\u00fcrs Handeln. Eine so kurze Zeit m\u00fcssen wir auf den <em>notwendigen<\/em> Unterricht verwenden. Man schaffe den Mi\u00dfbrauch aus dem Wege! Man entferne die verworrenen Spitzfindigkeiten der Disputierkunst, die unser Leben nicht bessern k\u00f6nnen, und halte sich an die einfachen S\u00e4tze der Philosophie; nur verstehe man, sie richtig zu w\u00e4hlen und vorzutragen; sie sind leichter zu fassen als eine Erz\u00e4hlung des Boccaccio. Ein Kind, das eben der Amme entnommen wird, kann sie begreifen, weit leichter als Lesenlernen oder Schreiben. Die Philosophie hat Lehren f\u00fcr die Kindheit des Menschen wie f\u00fcr sein hinf\u00e4lliges Alter. Ich bin der Meinung Plutarchs, da\u00df Aristoteles seinen gro\u00dfen Z\u00f6gling nicht sowohl dabei aufhielt, ihn k\u00fcnstliche Syllogismen drechseln zu lassen oder geometrische Aufgaben zu berechnen, als er ihm vielmehr sichere Anleitung zur Herzhaftigkeit, Tapferkeit, Gr\u00f6\u00dfe der Seele, M\u00e4\u00dfigung und Unerschrockenheit gab. Mit diesen Eigenschaften ausger\u00fcstet, schickte er ihn noch als Kind hin, die Welt zu erobern, mit nicht mehr als drei\u00dfig tausend Mann zu Fu\u00df und viertausend zu Ro\u00df, mit blo\u00df zweiundvierzigtausend Talern im Kriegsschatz. Die \u00fcbrigen K\u00fcnste und Wissenschaften, sagte er, ehrte Alexander zwar und r\u00fchmte ihre Vortrefflichkeit und Vorz\u00fcge, allein, so viel Vergn\u00fcgen er daran fand, so war es doch nicht leicht, ihm die Lust beizubringen, sich mit ihrer Aus\u00fcbung selbst zu befassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Petite hinc, iuvenesque senesque,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Finem animo certum, miserisque viatica canis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist es, was Epikur im Anfang seines Briefes an Menik\u00e4us sagt: La\u00df den J\u00fcngling sich nicht weigern zu philosophieren noch den \u00c4ltesten darob zu erm\u00fcden. Wer das Gegenteil tut, scheint dadurch zu sagen, seine Zeit, gl\u00fccklich zu leben, sei noch nicht gekommen oder sie sei f\u00fcr ihn dahin. Gleichwohl will ich mit diesem allen nicht sagen, da\u00df man den J\u00fcngling einkerkern solle. Ich verlange nicht, da\u00df man ihn dem Zorn und der d\u00fcsteren Laune seines Schulmeisters \u00fcberlasse: meine Meinung ist nicht, seinen Geist ins Joch oder auf die Folter zu spannen oder ihn nach der Weise einiger seine vierzehn bis f\u00fcnfzehn Stunden des Tages wie einen Lasttr\u00e4ger unter den B\u00fcchern schwitzen zu lassen. Ich w\u00fcrde es nicht einmal billigen, wenn er aus d\u00fcsterem, melancholischem Temperament unm\u00e4\u00dfigerweise \u00fcber den B\u00fcchern l\u00e4ge und man ihn darin best\u00e4rken wollte. Dergleichen macht junge Leute ungeschickt zum artigen Umgang und h\u00e4lt sie ab von besseren Besch\u00e4ftigungen. Wie manchen Menschen hab&#8216; ich in meinem Leben wegen zu gro\u00dfer Gier nach Wissenschaft verdummt gesehen! Carneades war darauf so n\u00e4rrisch erpicht, da\u00df er sich dar\u00fcber nicht die Zeit lie\u00df, sich den Bart zu scheren und die N\u00e4gel zu k\u00fcppen. Auch m\u00f6chte ich unserem J\u00fcngling nicht gern die gro\u00dfm\u00fctigen Sitten durch die Rauheit und Grobheit anderer verderben. Ehemals war die franz\u00f6sische Lebensart zum Sprichwort geworden als eine Lebensart, die sich fr\u00fch bei jungen Leuten \u00e4u\u00dferte, aber nicht lange aushielt. In der Tat sehen wir noch, da\u00df nichts so artig sei als die kleinen Kinder in Frankreich; gew\u00f6hnlich aber t\u00e4uschen solche die Hoffnung, die man sich von ihnen machte, und zeigen als erwachsene Menschen gar keine Vortrefflichkeit. Von gar verst\u00e4ndigen Leuten hab&#8216; ich sagen geh\u00f6rt, da\u00df die Erziehungsanstalten, wohin man sie zu senden pflegt und deren es in Frankreich so viele gibt, sie so verdummen sollen. In der unsrigen m\u00fcssen ihm immer Garten, Tisch, Bett, Einsamkeit, Gesellschaft, Vormittag, Nachmittag, alle Stunden einerlei sein. Jeder Ort gut zum Studieren; denn die Philosophie, welche als eine Bildnerin des Verstandes und der Sitten sein haupts\u00e4chlichstes Studium ist, hat das Privilegium, allenthalben gegenw\u00e4rtig zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Isokrates der Orator bei einem Gastmahl ersucht wurde, von seiner Kunst zu sprechen, antwortete er nach jedermanns Urteil sehr richtig: Es ist jetzt nicht die Zeit, von dem zu sprechen, was ich verstehe, und auf dasjenige, wozu es jetzt Zeit w\u00e4re, verstehe ich mich nicht. \u2013 Denn eine Gesellschaft, die sich versammelt hat, um zu lachen und Wohlleben zu treiben, mit zierlichen Reden oder \u00e4sthetischen Abhandlungen unterhalten, hie\u00dfe ein Mischmasch von T\u00f6nen ohne Zusammenhang vortragen. Und dasselbe lie\u00dfe sich von allen \u00fcbrigen Wissenschaften sagen. In Ansehung der Philosophie aber, insofern sie vom Menschen und seinen verschiedenen Pflichten handelt, sind alle Weisen der einstimmigen Meinung gewesen, da\u00df man solcher ihrer anmutigen Unterhaltung wegen zu keiner fr\u00f6hlichen Versammlung oder keinen Spielen den Zutritt versagen d\u00fcrfe. Und wir sehen, wie sie beim Plato, der sie zu seinem Kr\u00e4nzchen als Gast eingeladen hatte, die Gesellschaft auf eine gef\u00e4llige, dem Ort und der Zeit angemessene Weise unterh\u00e4lt, obgleich sie von den erhabensten und n\u00fctzlichsten Sachen spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aeque pauperibus prodest, locupleribus aeque;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aeque neglectum pueris senibusque nocebit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Also wird er auch gewi\u00df weniger Feierstunden machen wie ein anderer. Aber, gleich wie die Schritte, die wir in einer Galerie spazierend tun, uns nicht so erm\u00fcden, t\u00e4ten wir ihrer auch dreimal soviel als auf einem vorgeschriebenen Wege: ebenso werden unsere Lektionen, die wir bei allem unserem Tun so gleichsam als zuf\u00e4lligerweise mitnehmen, ohne an Zeit und Ort gebunden zu sein, hingehen, ohne uns im geringsten zu erm\u00fcden. Selbst unsere Spielstunden und unsere Leibes\u00fcbungen, Laufen, Ringen, Musik, Tanzen, Reiten, Fechten und die Jagd werden einen guten Teil unseres Studierens ausmachen. Ich will, da\u00df ein \u00e4u\u00dferer Anstand des K\u00f6rpers, ein gef\u00e4lliges Wesen der Person im Umgang zu gleicher Zeit gebildet werde als die Seele. Es ist nicht eine Seele, nicht ein K\u00f6rper, den wir erziehen; es ist ein Mensch. Aus dem m\u00fcssen wir keine zwei machen. Und wie Plato sagt: man mu\u00df den einen nicht abrichten ohne den anderen, sondern sie beide gleich f\u00fchren und leiten, wie ein Paar an eine Deichsel gespannter Pferde. Und scheint es nach seiner Meinung nicht mehr Zeit und M\u00fche zu erfordern, den K\u00f6rper auszubilden als den Geist; und nicht umgekehrt? \u00dcbrigens mu\u00df bei unserer Erziehungsmethode mit strenger Sanftmut verfahren werden, und nicht, wie wohl es bisher gew\u00f6hnlich war. Anstatt den Kindern Lust zum Lernen einzufl\u00f6\u00dfen, machte man ihnen davor Furcht und Grauen. Weg mit Zwang und Gewalt! Nichts erniedrigt und verdummt nach meiner Meinung so arg eine sonst gutgeartete Natur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verlangt ihr, da\u00df ein Z\u00f6gling Schimpf und Strafe f\u00fcrchtet, so verh\u00e4rtet solchen nicht dagegen. H\u00e4rtet ihn ab gegen Schwei\u00df, K\u00e4lte, Wind, Sonne und Zuf\u00e4lligkeiten, die er nicht achten lernen mu\u00df. Entw\u00f6hnt ihn aller Weichlichkeit und Verz\u00e4rtelung in Kleidung, Essen, Trinken und Schlafen. Gew\u00f6hnt ihn an alles. Macht daraus kein sch\u00f6nes S\u00f6hnchen und Jungferngesichtchen, sondern einen derben, kr\u00e4ftigen J\u00fcngling. Als Kind, Mann und Greis habe ich immer gleich geglaubt und geurteilt. Unter anderen aber hat mir die innere Einrichtung der meisten Erziehungsanstalten best\u00e4ndig mi\u00dffallen. Man h\u00e4tte gewi\u00df nicht weniger Unheil gestiftet, wenn man mehr der Nachsicht Raum gegeben h\u00e4tte. Es sind wahre Kerker der gefangenen Jugend. Man macht sie faul und liederlich, indem man sie als faul und liederlich bestraft, bevor sie es noch ist. Man komme nur in die Klassen beim Verh\u00f6r der Lektionen! Da h\u00f6rt man nichts als Schreien der Kinder unter Schl\u00e4gen und sieht nichts als zorntrunkene Pr\u00e4zeptoren. Eine vortreffliche Art, den zarten und furchtsamen Seelen der Kinder Lust zum Lernen zu machen, sie mit f\u00fcrchterlicher Kupfernase dazu anzuleiten, die H\u00e4nde bewaffnet mit der gottlosen Rute von abscheulicher Gestalt. Hinzugef\u00fcgt noch, was Quintilian dar\u00fcber sehr richtig bemerkt hat, da\u00df das hochgebietende Ansehen sehr gef\u00e4hrliche Folgen nach sich zieht und vorz\u00fcglich bei unserer Art der Z\u00fcchtigung. Viel anst\u00e4ndiger w\u00e4re es, wenn die Klassen mit Blumen und Bl\u00e4ttern bestreut w\u00e4ren als mit Fasern von blutigen Birken. Ich w\u00fcrde die Munterkeit, die Freude, Flora und Grazien zu den Lehrstunden einladen, so wie es der Philosoph Speusippus mit seiner Schule machte. Wo ihr Gewinn liegt, da la\u00df auch ihr Gesch\u00e4ft walten. Dem Kinde mu\u00df man gesunde Speisen verzuckern, solche aber, die ihm sch\u00e4dlich sind, verg\u00e4llen. Es ist fast unglaublich, wie Plato in den Gesetzen f\u00fcr seine neue Republik so \u00e4u\u00dferst sorgf\u00e4ltig f\u00fcr die Fr\u00f6hlichkeit und den Zeitvertreib der Jugend bedacht ist und wie lange er sich bei ihren Wettlaufen, Spielen, Ges\u00e4ngen, Springen und T\u00e4nzen aufh\u00e4lt, welche, wie er sagt, vom Altertum der Aufsicht und dem Schutz der G\u00f6tter \u00fcbergeben waren, dem Apoll, den Musen und der Minerva. Er breitet sich aus \u00fcber tausenderlei Vorschriften f\u00fcr die gymnastischen Spiele. \u00dcber die gelehrten Wissenschaften sagt er nur sehr wenig und scheint er besonders die Dichtkunst nur blo\u00df der Musik wegen zu empfehlen. Alles Affektierte und Sonderbare in unseren Sitten und St\u00e4nden ist zu vermeiden, weil es der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft nachteilig ist. Wer wundert sich nicht \u00fcber die Komplexion Demophons, des Haushofmeisters Alexanders, welcher im Schatten schwitzte und im Sonnenschein vor Frost zitterte? Ich habe Leute gekannt, welche vor dem Geruch von \u00c4pfeln schneller flohen als vor Flintensch\u00fcssen; andere, die vor einer Maus erschraken; noch andere, die sich \u00fcbergaben, wenn sie Milch abrahmen; andere, wenn sie ein Federbett w\u00e4rmen sahen: wie Germanicus, der so wenig den Anblick eines Hahnes als sein Kr\u00e4hen vertragen konnte. Dergleichen Abscheu mag vielleicht in verborgenen Eigenschaften gegr\u00fcndet sein: man w\u00fcrde ihn aber tilgen, bin ich \u00fcberzeugt, wenn man fr\u00fch genug dazu t\u00e4te. \u00dcber mich hat die Erziehung so viel vermocht, freilich nicht ohn alle M\u00fche, da\u00df ich, Bier ausgenommen, alles \u00fcbrige, was e\u00df- und trinkbar ist, ohne Ekel essen und trinken kann. Noch ist der K\u00f6rper biegsam, deswegen mu\u00df man ihn in alle Falten und Gewohnheiten bringen, und wenn man nur den Willen und die Begierden im Zaume halten kann, so darf man den jungen Menschen dreist f\u00fcr alle Nationen und f\u00fcr alle Gesellschaften zustutzen, selbst, falls es n\u00f6tig sein sollte, zur Unregelm\u00e4\u00dfigkeit und Ausschweifung. Er f\u00fcge sich den Sitten und der Gewohnheit. Er mu\u00df alles mitmachen k\u00f6nnen, nie aber gern etwas mitmachen, was nicht gut und heilsam ist. Selbst die Philosophen wollen es nicht loben, da\u00df Callisthenes dadurch die Gunst des Alexander verscherzte, da\u00df er nicht ein Glas Wein \u00fcber den Durst mit ihm trinken wollte. Mein Z\u00f6gling m\u00fc\u00dfte mit dem Prinzen lachen, scherzen und zechen. Ich verlange sogar, da\u00df er selbst in einer Schwelgerei seinen Gesellen in Festigkeit und Ausdauer \u00fcberlegen sein soll und da\u00df er nicht aus Mangel an Kraft oder Mangel an Wissen tolle Streiche vermeide, sondern aus blo\u00dfem Mangel an Willen. Multum interest, utrum peccare aliquis nolit, an nesciat. Ich meinte wirklich einen Herrn vom Stande, der sowenig als nur irgendein Mensch in ganz Frankreich zur Unm\u00e4\u00dfigkeit geneigt war, dadurch zu ehren, da\u00df ich ihn in guter Gesellschaft fragte, wie oft er sich wohl in Deutschland, aus Notwendigkeit wegen der Gesch\u00e4fte des K\u00f6nigs, betrunken h\u00e4tte. Er nahm es auch im rechten Sinn auf und antwortete, es sei dreimal geschehen, und erz\u00e4hlte dabei die Umst\u00e4nde. Ich kenne Personen, die aus Mangel dieser F\u00e4higkeit sich, weil sie mit dieser Nation zu verhandeln hatten, in schlimmer Verlegenheit befunden haben. Oft habe ich mit gro\u00dfer Bewunderung die vortreffliche Natur des Alcibiades bemerkt, der sich so geschmeidig in ganz verschiedene Lagen f\u00fcgen konnte, ohne da\u00df seine Gesundheit dabei litt, indem er zuweilen die persische Pracht und \u00dcppigkeit \u00fcbertraf und zuweilen die M\u00e4\u00dfigkeit und Strenge der Laked\u00e4monier, ebenso n\u00fcchtern in Sparta war als schlemmend in Ionien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Omnis Aristippum decuit color, et status, et res.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">So m\u00fc\u00dfte mein J\u00fcngling erzogen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2013 \u2013 quem duplici panno patientia velat<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mirabor, vitae via si conversa decebit,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Personamque feret non inconcinnus utramque.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">So sind meine Lehren beschaffen. Der hat sie besser studiert, der sie aus\u00fcbt, als der sie auswendig gelernt hat. Wenn man ihn sieht, so h\u00f6rt man ihn: wenn man ihn h\u00f6rt, so sieht man ihn. Gott wolle nicht, sagt jemand beim Plato, da\u00df Philosophieren soviel hei\u00dfe als Dinge lernen und sich der K\u00fcnste beflei\u00dfigen! Hanc amplissimam omnium artium bene vivendi disciplinam, vita magis, quam litteris, persecuti sunt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Leo, F\u00fcrst der Phliasier, sich beim Heraclides Ponticus erkundigte, von welcher Kunst oder Wissenschaft er eigentlich Profession mache, antwortete ihm dieser: \u00bbIch wei\u00df weder Kunst noch Wissenschaft, sondern ich bin ein Philosoph.\u00ab Man machte dem Diogenes den Vorwurf, da\u00df er als ein Ungelehrter sich mit der Philosophie abg\u00e4be. \u00bbEben darum\u00ab, sagte er, \u00bbbin ich dazu f\u00e4higer.\u00ab Hegesias bat ihn, er m\u00f6chte ihm aus einem Buche vorlesen. \u00bbDu bist doch sonderbar\u00ab, sagt er zu ihm, \u00bbdu w\u00e4hlst wahre, nat\u00fcrliche und nicht gemalte Feigen: warum w\u00e4hlst du nicht zu deiner Geistesnahrung wahre, nat\u00fcrliche und nicht geschriebene Sachen?\u00ab Mein Sch\u00fcler soll seine Lektion nicht sowohl aufsagen als aus\u00fcben. Er wird solche durch Handlungen in sein Ged\u00e4chtnis pr\u00e4gen. Man wird sehen, ob er bei seinen Unternehmungen Klugheit braucht; ob bei seinem Betragen G\u00fcte und Gerechtigkeit vorwaltet; ob in seinen Reden Verstand und Anmut herrscht; ob Standhaftigkeit in seinen Krankheiten; ob Bescheidenheit in seinen Spielen; ob M\u00e4\u00dfigkeit in seiner Wollust; Ordnung in seiner Haushaltung; ob Gleichg\u00fcltigkeit in seinem Geschmack an Fleisch oder Fischen, an Wein oder Wasser. Qui disciplinam suam non ostentationem scientiae, sed legem vitae putet, quique obtemperet ipse sibi, et decretis pareat. Der wahre Spiegel unserer Vernunft ist der Lauf unseres Lebens. Zeuxidamus antwortete jemand, der ihn fragte, warum die Laked\u00e4monier die Verordnungen \u00fcber die Kriegszucht nicht schriftlich abfa\u00dften und ihrer Jugend zu lesen g\u00e4ben, das geschehe deswegen nicht, weil sie solche an Taten und nicht an Worte gew\u00f6hnen wollten. Hiermit vergleiche man nach f\u00fcnfzehn oder sechzehn Jahren einen von diesen Latinisten aus den Schulklassen, der ebensoviel Zeit daran gewendet hat, blo\u00df sprechen zu lernen. Die Welt treibt nichts als Schwatzen, und ich habe noch keinen Menschen gesehen, der nicht eher mehr als weniger gesprochen h\u00e4tte, als n\u00f6tig war. Gleichwohl geht unsere halbe Lebenszeit damit hin. Man h\u00e4lt uns f\u00fcnf bis sechs Jahre dabei auf, Worte verstehn zu lernen und solche aneinanderzureihen; noch ebenso lange, einen gro\u00dfen Haufen derselben, welcher in vier oder f\u00fcnf Teile ausgedehnt wird, in ein richtiges Verh\u00e4ltnis zu stellen. Nun noch andere f\u00fcnf, aufs wenigste, um die Kunst zu wissen, sie behende und geschickt durcheinanderzumischen und zu verweben. Das k\u00f6nnen wir aber denen \u00fcberlassen, die davon ausdr\u00fccklich Profession machen. Eines Tages, als ich nach Orl\u00e9ans reiste, traf ich in der Ebene diesseits Cl\u00e9ry f\u00fcnfzig Schritte entfernt hintereinander zwei Schullehrer an, die nach Bordeaux gingen; weiter hinter ihnen sah ich einen Haufen Reiter mit einem Offizier an der Spitze, welches der Comte de Rochefoucault war. Einer meiner Leute erkundigte sich bei dem ersten Schulmann, wer dieser Kavalier sei. Dieser, der den Trupp nicht gesehen hatte, der hinter ihm war und meinte, man spr\u00e4che von seinem Kollegen, antwortete gar drollig: \u00bbEs ist kein Kavalier; er ist ein Grammatikus, und ich bin ein Logikus.\u00ab Wir nun aber, die wir nicht darauf ausgehen, weder einen Grammatikus noch einen Logikus zu bilden, sondern einen wackeren Edelmann, wir wollen sie ihre Mu\u00dfe mi\u00dfbrauchen lassen, wie sie wollen; wir haben wohl sonst was zu tun! Wenn unser Z\u00f6gling nur einen guten Vorrat von Sachen hat, die Worte werden von selbst kommen, und wollen sie nicht kommen, so wird er sie schon herbeiholen. Ich h\u00f6re einige sich damit entschuldigen, da\u00df sie sich nicht geh\u00f6rig ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, wobei sie merken lassen wollen, als h\u00e4tten sie den Kopf voll sch\u00f6ner Sachen, die sie aber aus Mangel an Beredsamkeit nicht von sich geben k\u00f6nnten. Das sind Luftstreiche! Soll ich sagen, was ich davon halte? Es sind Wolkenbilder, die sie sich von dunkeln Begriffen in den Kopf setzen, die sie nicht in ihrer Seele auseinandersetzen, sich nicht deutlich machen und folglich anderen nicht mitteilen k\u00f6nnen. Sie verstehen sich selbst noch nicht. Man sehe sie nur ein wenig dar\u00fcber stottern, wenn sie solche zur Welt bringen wollen, so wird man leicht urteilen, da\u00df es nicht Schmerzen der Geburt sind, sondern der Schwangerschaft, und da\u00df sie h\u00f6chstens an ein Mondkalb lecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meinerseits halt&#8216; ich daf\u00fcr, und Sokrates behauptet, da\u00df jedermann, der in seinem Geist eine lebhafte, deutliche Idee hat, solche darstellen wird, sei&#8217;s durch Provinzialismen, sei&#8217;s auch nur durch Geb\u00e4rden, wenn er stumm ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Verbaque praevisam rem non invita sequentur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wie jener in seiner Prosa ebenso poetisch sagte: quum res animum occupavere, verba ambiunt, und jener andere: ipsae res verba rapiunt. Er wei\u00df so wenig von Ablativ, Konjunktiv, Substantiv oder Grammatik als sein Schuhputzer oder Heringsh\u00f6kerin an der Ecke eines G\u00e4\u00dfchens, und doch werden uns diese genug vorschwatzen, wenn uns danach gel\u00fcstet, und werden sich vielleicht dabei ebensowenig von den Regeln ihrer Muttersprache entfernen als der beste Schulmagister im Lande. Er wei\u00df nichts von der Redekunst, nicht wie man eingangsweise das Wohlwollen des g\u00fcnstigen Lesers erschleichen m\u00fcsse, und wei\u00df auch nicht, wozu es n\u00f6tig w\u00e4re. Im Ernst, diese ganze sch\u00f6ne Malerei verbleicht gar schnell vor dem Glanze einer ungeschm\u00fcckten Wahrheit. Dergleichen Ku\u00dfhandk\u00fcnste dienen zu nichts weiter, als dem gro\u00dfen Haufen Honig ums Maul zu schmieren, der noch nicht imstande ist, kr\u00e4ftigere und derbere Speisen zu verdauen, wie Afer dies beim Tacitus deutlich zeigt. Die Abgeordneten von Samos waren zum K\u00f6nig Cleomenes von Sparta gekommen, vorbereitet auf eine sch\u00f6ne lange Rede, die ihn zum Kriege gegen den Tyrannen Polykrates aufreizen sollte. Nachdem Cleomenes solche der L\u00e4nge nach angeh\u00f6rt hatte, gab er ihnen zur Antwort: \u00bbDes Anfangs und Eingangs euerer Rede erinnere ich mich nicht mehr, folglich auch nicht des Hauptteils derselben; was aber eueren Beschlu\u00df anlangt, so kann ich mich darauf nicht einlassen.\u00ab \u2013 Das war, deucht mich, eine sch\u00f6ne Antwort und machte die Nasen der Redner um viele Zoll l\u00e4nger. Und wie ging&#8217;s jenen anderen? Die Athenienser hatten einen gro\u00dfen Bau aufzuf\u00fchren und versammelten sich, unter zwei Baumeistern einen zu w\u00e4hlen. Der erste davon, voller Anma\u00dfungen, trat mit einer wohlstudierten Rede auf, \u00fcber den Gegenstand dieser Unternehmung und ri\u00df das Urteil des Volkes f\u00fcr sich dahin. Der andere aber hatte nur drei Worte: \u00bbIhr Herrn von Athen\u00ab, sagt er, \u00bbwas mein Mitwerber da gesagt hat, das will ich leisten.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Cicero einst eine wohlausgearbeitete Rede hielt, traten viele mit Bewunderung auf seine Seite. Cato aber tat dabei nichts als lachen und sagte: \u00bbWir haben da einen redseligen Konsul.\u00ab \u2013 Vor- oder nachher gesagt, ein n\u00fctzlicher Spruch, ein sch\u00f6ner Zug stehen immer am rechten Orte. Schickten sie sich nicht auf das Vorgehende oder Nachfolgende, so sind sie doch sch\u00f6n an und f\u00fcr sich selbst. Ich bin keiner von denen, welche daf\u00fcr halten, der h\u00fcbsche Reim mache das gute Gedicht. Mag unser junger Mann eine lange Silbe kurz brauchen, was h\u00e4ngt daran? Wenn seine Erfindung sinnreich ist, wenn Witz und Verstand dabei ihre Pflicht getan haben, so werde ich sagen: Es ist ein guter Dichter, obgleich ein schlechter Versemacher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Emunctae naris, durus componere versus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man nehme, sagt Horaz, seinem Gedicht Silbenma\u00df und Klangfu\u00df,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Tempora certa modosque, et, quod prius ordine verbum est,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Posterius facias, praeponens ultima primis &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Invenias etiam disiecti membra poetae,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">dadurch wird es nicht aufh\u00f6ren, Poesie zu sein; selbst die einzelnen Brocken davon werden sch\u00f6n bleiben. Das ist es, was Menander dem antwortete, der ihn ausforschen wollte, als der Tag annahte, an dem er ein Schauspiel versprochen, an welches er aber noch keine Hand gelegt hatte: \u00bbDas Schauspiel ist fertig und bereit; ich mu\u00df nur erst noch die Verse dazu machen.\u00ab Nachdem er Materie und Plan in seinen Gedanken geordnet hatte, hielt er das \u00fcbrige f\u00fcr sehr leicht. Seitdem Ronsard und Bellay unsere franz\u00f6sische Dichtkunst in Aufnahme gebracht haben, w\u00fc\u00dfte ich nicht den geringsten Lehrling, der nicht Worte aufblase und nicht, ungef\u00e4hr wie jene, einen Vers auf seine F\u00fc\u00dfe stelle. Aber plus sonat quam valet<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/%C3%9Cber+die+Kinderzucht%3A+an+Madame+Diane+de+Foix,+Gr%C3%A4fin+de+Gurson#F728\"><sup>30<\/sup><\/a>; es ist Theaterdonner. F\u00fcr den gro\u00dfen Haufen haben wir niemals so viele Dichter gehabt. So leicht es ihnen aber geworden ist, ihre Reime nachzuklingeln, so weit sind sie zur\u00fcck, wenn sie die unersch\u00f6pfliche Darstellungskunst des einen und die so gro\u00dfe Feinheit der Erfindungen des anderen nachahmen wollen. Recht gut! Aber, was wird unser J\u00fcngling tun, wenn man ihm mit der Spitzfindigkeit sophistischer Syllogismen auf den Leib r\u00fcckt? Wie z.B. Schinken essen reizt zum Trinken; trinken l\u00f6scht den Durst: ergo l\u00f6scht Schinkenessen den Durst! La\u00df ihn dar\u00fcber lachen; dr\u00fcber lachen ist viel gescheiter, als darauf antworten. La\u00df ihn vom Aristipp die spa\u00dfhafte Gegenlist borgen: \u00bbWarum sollte ich <em>euer<\/em> R\u00e4tsel aufl\u00f6sen, da es mir gebunden schon so viel zu schaffen macht?\u00ab Chrysippus sagte zu jemand, der den Cleanthes mit logischen Spitzfindigkeiten zerren wollte: \u00bbNecke die Kinder mit deinen Foppereien, aber komm damit den ernsthaften Gedanken eines verst\u00e4ndigen Mannes nicht in die Quere!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn solche gelehrten Schw\u00e4nke, contorta et aculeata sophismata, ihm Unwahrheit zur Wahrheit machen sollten, so w\u00e4ren sie freilich gef\u00e4hrlich. Wenn sie aber ohne Wirkung abglitschen und ihm blo\u00df zu lachen geben, so seh&#8216; ich nicht, warum er dagegen so \u00e4ngstlich auf seiner Hut zu sein braucht. Es gibt so dumme H\u00e4nse, die zu halben Meilen von ihrem geraden Wege abschweifen k\u00f6nnen, um einen witzigen Einfall zu haschen. Aut qui non verba rebus aptant, sed res extrinsecas arcessunt quibus verba conveniant und der andere: qui alicuius verbi decore placentis vocentur ad id quod non proposuerant scribere. Ich mag lieber einem anderen einen brav gesagten Gedanken abdrehn und solchen den meinigen einflicken, als den Faden meiner eigenen auftrieseln, um ihn einzudrillen. Umgekehrt, sag&#8216; ich, die Worte m\u00fcssen nachtreten und das Buch tragen, und wenn der Franzose nicht dahin reichen kann, der Gaskogner kann alles. Ich fordere, da\u00df ein H\u00f6rer oder Leser von den Sachen \u00fcberw\u00e4ltigt und seine Imagination davon solcherma\u00dfen angef\u00fcllt werde, da\u00df er sich der Worte dar\u00fcber gar nicht bewu\u00dft sei. Die Sprache, die ich vorz\u00fcglich liebhabe, ist eine Sprache ohne k\u00fcnstliche Ziererei, aber von nat\u00fcrlichem Ausdruck, gleichviel abgeschrieben oder gesprochen, eine kr\u00e4ftige, nachdr\u00fcckliche Sprache, kurz und gedrungen, nicht sowohl zart, geschm\u00fcckt und gekr\u00fcmmt, als andringlich und hastig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Haec demum sapiet dictio, quae feriet,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">lieber schwer, als langweilig; ohne Affektation, ohne Rute, den Z\u00fcgel der Regel leicht tragend und k\u00fchn. Jeder Wurf mu\u00df darin seine Stelle f\u00fcllen; sie mu\u00df nicht pedantisch sein, nicht m\u00f6nchisch, nicht zungendrescherisch, sondern vielmehr soldatisch, wie Sueton die Sprache des Julius C\u00e4sar nennt, ob ich gleich nicht recht einsehe, warum. Ich habe mit Flei\u00df diese Ungebundenheit nachgeahmt, die man an unserer Jugend, in ihrer Art die Kleidung zu tragen, wahr nimmt. Das tr\u00e4gt seinen Mantel quer \u00fcber Brust und R\u00fccken, l\u00e4\u00dft die Kappe herunterh\u00e4ngen bis auf die Schultern und l\u00e4\u00dft die Str\u00fcmpfe am Beine schlottern, und das zeigt dann in dieser sonderbaren Zier und k\u00fcnstlichen Nachl\u00e4ssigkeit so ein gewisses stolzes Freiheitsgef\u00fchl. Ich finde diese Ungebundenheit aber noch besser angebracht in der Form der Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Affektation, besonders bei der franz\u00f6sischen Lebhaftigkeit und Freiheit, kann einem Hofmann wohl anstehn; und in einer Monarchie mu\u00df jeder von Adel auf den Hofton gestimmt sein. Deshalb tun wir wohl, ein wenig auf der Seite des Ungezwungenen und des Kopfwerfens zu hinken. Ich habe ein Gewebe nicht gern, worin die Weberknoten und N\u00e4hte sichtbar sind; sowenig wie man an einem sch\u00f6nen K\u00f6rper die Knochen und Adern mu\u00df z\u00e4hlen k\u00f6nnen. Quae veritati operam dat oratio, incomposita sit et simplex. Quis accurate loquitur, nisi qui vult putide loqui?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beredsamkeit, welche uns auf sich selbst zieht, tut den Sachen Gewalt und Unrecht. So wie es bei unsern Kleidungen kindisch ist, sich durch irgend etwas Besonderes und Auffallendes auszuzeichnen, so ist es auch mit der Sprache; das Haschen nach neuen Wendungen und wenig bekannten Worten bezeichnet einen sch\u00fclerhaften kindischen Ehrgeiz. M\u00f6chte mir doch nie ein ander Wort oder andere Redensarten entfahren, als die man in der Residenz auf dem Fischmarkte versteht! Aristophanes der Grammatiker wu\u00dfte nicht, was er wollte, da er am Epikur die Kunstlosigkeit seiner Worte tadelte und den Zweck seiner Kunst zu reden, welcher blo\u00df auf Deutlichkeit der Sprache zielte. Das Nachahmen der Sprache ist so leicht, da\u00df es sich ohne Anstand unter einem ganzen Volke verbreitet. Mit dem Nachahmen im Urteilen, im Erfinden geht es nicht so geschwind. Die meisten Leser irren gewaltig, wenn sie meinen, sie h\u00e4tten einerlei K\u00f6rper, weil sie Kleider von einerlei Schnitt tragen. Mark und Sehnen borgt man nicht, wie man wohl Mantel und Kleid borgt. Die meisten Personen, mit denen ich umgehe, sprechen wie mein Buch. Ob sie aber ebenso denken wie ich, das wei\u00df ich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Athenienser, sagt Plato, haben zu ihrem Anteil die Sorge f\u00fcr den Reichtum und die Zierlichkeit der Sprache; die Laked\u00e4monier f\u00fcr ihre K\u00fcrze; die von Kreta aber f\u00fcr die Fruchtbarkeit der Gedanken vielmehr als f\u00fcr die Sprache. Diese letzten sind die besten. Zenon sagt, er habe zwei Gattungen von Sch\u00fclern: die einen, die er <em>\u03c6\u03b9\u03bb\u03cc\u03bb\u03bf\u03b3\u03bf\u03c2,<\/em> gierig Sachen zu lernen, nannte, w\u00e4ren seine Lieblinge; die anderen <em>\u03bb\u03bf\u03b3\u03cc\u03c6\u03b9\u03bb\u03bf\u03c2,<\/em> d\u00e4chten auf nichts als auf die Sprache. Das hei\u00dft aber nicht soviel gesagt, als sei es nicht eine recht h\u00fcbsche Sache um die Reinheit und Richtigkeit der Sprache! Nur ist es nicht so wichtig, als wozu man&#8217;s macht, und ich \u00e4rgere mich nur dar\u00fcber, da\u00df wir unser ganzes Leben darauf verwenden sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcrde erstlich meine Muttersprache und die Sprache meiner Nachbarn, mit denen ich gew\u00f6hnlich den meisten Verkehr habe, gut wissen wollen. Es ist allerdings ein fein und lieblich Ding um das Griechische und das Latein, nur kauft man es gar zu teuer. Ich will hier eine Art und Weise sagen, wie man es wohlfeileren Kaufs wie gew\u00f6hnlich haben kann. Man hat solche mit mir selbst eingeschlagen. Wer will, mag sich derselben bedienen. Nachdem sich mein Vater seliger auf alle menschenm\u00f6gliche Weise bei gelehrten und sachkundigen M\u00e4nnern nach einer vorz\u00fcglichen Erziehungsart erkundigte, ward er von dem Nachteil belehrt, der sich bei der gew\u00f6hnlichen Weise befindet, und ward ihm gesagt, da\u00df diese L\u00e4nge der Zeit, welche wir darauf verwenden, die Sprachen der Griechen und R\u00f6mer zu lernen, die ihnen nichts kostete, die einzige Ursache sei, warum wir uns nicht bis zur Gr\u00f6\u00dfe der Seele und der H\u00f6he der Wissenschaften erheben k\u00f6nnten, die man bei diesen alten V\u00f6lkern wahrn\u00e4hme. Ich glaube gleichwohl nicht, da\u00df das die einzige Ursache sei. Indessen war das Mittel, welches mein Vater ergriff, folgendes: Noch an der Brust und noch bevor sich meine Zunge gel\u00f6st hatte, \u00fcbergab er mich einem Deutschen, der nachmals als ein ber\u00fchmter Arzt in Frankreich starb. Dieser verstand gar kein Franz\u00f6sisch, aber um so besser das Lateinische. Er hatte ihn ausdr\u00fccklich verschrieben und sehr gute Bedingungen gemacht, und dieser hatte mich best\u00e4ndig auf den Armen. Neben sich hatte er noch zwei andere von minderer Wissenschaft, die best\u00e4ndig um mich sein mu\u00dften, um es dem ersten zu erleichtern. Diese nun sprachen kein ander Wort mit mir als Latein. F\u00fcr die \u00fcbrigen Personen des Hauses war es eine unverbr\u00fcchliche Regel, da\u00df weder mein Vater noch meine Mutter, weder m\u00e4nnliche noch weibliche Bediente in meiner Gegenwart ein Wort sprechen durfte als die paar lateinischen Brocken, die jeder gelernt hatte, um mit mir zu pappeln. Gro\u00df bis zum Bewundern waren die Fortschritte, die ein jeder darin machte. Mein Vater und meine Mutter lernten dar\u00fcber Latein genug, um es zu verstehn, und selbst genug, um sich im Notfall darin auszudr\u00fccken, ebenso wie diejenigen von den Bedienten, welche am meisten mit mir zu tun hatten. Kurz, wir latinisierten uns derma\u00dfen, da\u00df noch f\u00fcr die D\u00f6rfer um uns her etwas abkr\u00fcmmelte, woselbst man noch \u00dcberbleibsel findet und wo es zur Gewohnheit geworden ist, verschiedene Handwerker und ihr Ger\u00e4t mit lateinischen Namen zu nennen. Mich selbst anlangend, so wu\u00dfte ich in meinem siebenten Jahre ebensowenig von der franz\u00f6sischen oder perigordischen Sprache als von der arabischen; und ohne Kunst, ohne Buch, ohne Grammatik oder Vokabelbuch, ohne Rute und ohne Tr\u00e4nen hatte ich ein so echtes, reines Latein gelernt, als mein Lehrer es wu\u00dfte; denn wodurch h\u00e4tte ich es vermischen oder verderben sollen? Wenn man mir zur \u00dcbung, wie es in Schulen gebr\u00e4uchlich ist, ein Thema aufgeben wollte, so gab man es mir, wie sonst den andern auf franz\u00f6sisch, in schlechtem Latein, um es in gutes zu bringen. Und Nicolas Grouchi, der de comitiis Romanorum geschrieben hat, Wilhelm Guerente, der den Aristoteles kommentiert hat, Georg Buchanan, der gro\u00dfe schottl\u00e4ndische Dichter, Marc Anton Muret (welchen Frankreich und Italien f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Redner seinerzeit erkennen), meine Hauslehrer haben mir oft gesagt, da\u00df ich in meiner Kindheit diese Sprache solchergestalt am Schn\u00fcrchen gewu\u00dft habe, da\u00df sie sich f\u00fcrchteten, mir zu nahezukommen. Buchanan, den ich nachher wieder im Gefolge des verstorbenen Marschalls de Brissac gefunden habe, sagte mir, er arbeite an einem Plan der Erziehung der Kinder und da\u00df er die meinige zum Muster n\u00e4hme; denn ihm war damals die Erziehung dieses Grafen de Brissac aufgetragen, der sich hernach so brav und so tapfer bewiesen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betreffend das Griechische, das ich nun fast ganz wieder ausgeschwitzt habe, so machte mein Vater den Plan, solches mich durch einen Sprachmeister lehren zu lassen; jedoch nach einer neuen Methode; spielend und im Spazierengehen. Wir warfen uns die Deklinationen zu, so wie diejenigen zu tun pflegen, welche vermittelst gewisser Karten und Spielzeuge die Arithmetik und die Geometrie lernen. Denn unter anderem war auch meinem Vater geraten worden, meinen Willen ohne Zwang so zu leiten, da\u00df ich aus eigenem Antrieb die Wissenschaften und meine Pflichten liebte, und meine Seele mit Liebe und Sanftmut zu bilden, ohne Strenge und H\u00e4rte. Das ging bis zu der, m\u00f6cht&#8216; ich sagen, Schw\u00e4rmerei, da\u00df, weil einige Menschen der Meinung sind, es schade dem zarten Gehirne der Kinder, wenn man sie des Morgens pl\u00f6tzlich und mit Gewalt aus dem Schlafe wecke, indem sie tiefer und fester schlafen als erwachsene Personen, er mich immer durch Musik aufwecken lie\u00df und also best\u00e4ndig jemand im Dienste hatte, der ein Instrument spielen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Zug mag hinreichend sein, um vom \u00fcbrigen zu urteilen, und auch die F\u00fcrsorge und z\u00e4rtliche Liebe eines so guten Vaters zu preisen, dem man die Schuld nicht beimessen kann, wenn er keine Fr\u00fcchte eingeerntet hat, die einer so sorgf\u00e4ltigen Kultur entspr\u00e4chen. Das lag an zwei Ursachen: Die erste war die Unfruchtbarkeit und Ungeschlachtheit des Ackers; denn ob ich gleich von guter und fester Gesundheit war und dabei zugleich von mildem und biegsamem Naturell, so war ich doch mitunter so tr\u00e4ge, weichlich und schl\u00e4frig, da\u00df man mich dem M\u00fc\u00dfiggang nicht zu entrei\u00dfen vermochte, nicht einmal um zu spielen. Das was ich sah, sah ich richtig; und unter dieser schwerf\u00e4lligen Komplexion unterhielt ich k\u00fchne Ideen und solche Meinungen, die \u00fcber mein Alter gingen. Mein Witz war langsam und ging nicht weiter, als man ihn leitete; von Begriff war ich schleppend, meine Erfindungskraft war schlaff, und dabei war noch mein Ged\u00e4chtnis unglaublich schwach. Zweitens: so wie diejenigen, welche ein heftiger Wunsch treibt, von irgendeinem \u00dcbel zu genesen, endlich jeden Rat ohne Unterschied befolgen, so lie\u00df sich endlich mein guter Vater bei seiner gewaltigen Furcht, ich m\u00f6chte ihm mit einer Sache fehlschlagen, die ihm so sehr am Herzen lag, vom allgemeinen Wahne hinrei\u00dfen, welcher immer demjenigen nachschlendert, welcher vorangeht (wie die Kraniche), und f\u00fcgte sich in die gew\u00f6hnliche Weise; denn er hatte die M\u00e4nner nicht mehr um sich, die ihm den ersten Erziehungsplan an die Hand gegeben, den er aus Italien mitgebracht hatte, und sandte mich, da ich ungef\u00e4hr sechs Jahre alt war, ins Guyenner Kolleg, das damals sehr bl\u00fchend und das beste in Frankreich war. Hier wendete er alle m\u00f6gliche Sorgfalt an, sowohl um mir die gelehrtesten Privatlehrer auszuw\u00e4hlen, als die \u00fcbrigen Umst\u00e4nde meines Unterhalts einzurichten, worin er sich verschiedene besondere Punkte vorbehielt, die in der Schulanstalt nicht gew\u00f6hnlich waren. Unterdessen war&#8217;s und blieb&#8217;s eine \u00f6ffentliche Schule. Mein Latein ward von Stund an verdorben, und nachher hab&#8216; ich all meine Fertigkeit darin aus Mangel an \u00dcbung verloren. Und meine bisherige ungew\u00f6hnliche Erziehung diente weiter zu nichts, als mich gleich bei meiner Ankunft den Sprung in die ersten Klassen tun zu lassen. Denn mit dreizehn Jahren, da ich das Kollegium verlie\u00df, hatte ich meinen Kursum (wie sie es nennen) vollendet; und zwar ohne irgendeinen Nutzen, den ich gegenw\u00e4rtig in Rechnung zu bringen w\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Neigung, die ich zum Lesen bekam, entsprang aus dem Vergn\u00fcgen an den Fabeln der Verwandlungen von Ovid. Denn in meinem siebenten oder achten Jahre entzog ich mich jedem andern Vergn\u00fcgen, um solche zu lesen; um so mehr, da die Sprache gleichsam meine Muttersprache war und das Buch das leichteste f\u00fcr mich, das ich kannte, und zugleich, wegen seines Inhalts, f\u00fcr mein Alter das angemessenste. Denn die Lancelots du Lac, die Amadis, die Huons de Bordeaux und dergleichen alte Tr\u00f6ster von Romanen, woran sich die leselustige Jugend erfreute, kannte ich nicht einmal dem Titel nach, wie ich solche noch bis auf diese Stunde dem Inhalt nach nicht kenne; so genau war die Enteilung meiner Zeit. Ich ward dadurch nachl\u00e4ssiger, meine andern mir vorgeschriebenen Lektionen zu treiben. Hierbei kam es mir au\u00dferordentlich zustatten, da\u00df ich es mit einem verst\u00e4ndigen Manne von Pr\u00e4zeptor zu tun hatte, der bei dieser und \u00e4hnlichen Ausschweifungen auf eine sehr feine Art ein Auge zuzudr\u00fccken wu\u00dfte. Denn dadurch las ich die Aeneis des Vergil in einem Zuge ganz durch, und dann den Lukrez, hierauf den Plautus und italienische Kom\u00f6dien, die mich alle durch den Reiz der Fabel anlockten. W\u00e4re er t\u00f6richt genug gewesen, mich in diesem Gang zu st\u00f6ren, so h\u00e4tte ich, wie ich glaube, aus dem Collegio nichts mitgebracht als die B\u00fccherscheu, wie es fast mit unserem ganzen Adel der Fall ist. Er betrug sich dabei sehr kl\u00fcglich und tat, als ob er davon nichts merkte; er versch\u00e4rfte meinen Hunger, indem er mich diese B\u00fccher nur verstohlenerweise verschlingen lie\u00df und mich sanfterweise zu meiner Schuldigkeit f\u00fcr die \u00fcbrigen regelm\u00e4\u00dfigen Studien anhielt. Denn das vornehmste, was mein Vater bei denjenigen suchte, welchen er mich anvertraute, war Gutm\u00fctigkeit und ein sanfter Charakter; auch hatte mein eigener keine anderen Fehler als Langsamkeit und Tr\u00e4gheit. Es war nicht zu befahren, da\u00df ich etwas B\u00f6ses t\u00e4te, sondern da\u00df ich nichts t\u00e4te. Niemand prophezeite, da\u00df ich ein schlechter Mensch werden w\u00fcrde, aber wohl ein unn\u00fctzer Mann. Man sah voraus, ich w\u00fcrde ein Faulenzer werden, aber kein b\u00f6ser Mensch. Ich f\u00fchle wohl, da\u00df es so eingetroffen sei. Die Klagen, die mir in den Ohren gellen, laufen darauf hinaus: er tut nichts; er ist kalt in den Pflichten der Freundschaft, der Verwandtschaft und des b\u00fcrgerlichen Lebens; ist zu eigenwillig, zu wegwerfend. Die Beleidigendsten selbst sagen nicht, warum hat er gekauft, warum hat er nicht bezahlt?, sondern: warum quittiert er nicht, warum gibt er nicht? \u2013 Ich w\u00fcrde es f\u00fcr eine gro\u00dfe G\u00fcte aufnehmen, wenn man keine anderen Wirkungen von meinen verdienstlichen Werken verlangte. Aber sie sind ungerecht, da\u00df sie, was ich nicht schuldig bin, viel strenger fordern, als von sich selbst zu fordern, wof\u00fcr sie Schuldner sind. Indem sie mich dazu verdammen, tilgen sie den Wert der Handlung und den Dank, der mir daf\u00fcr geb\u00fchrte, da erzeigte Wohltaten von meiner l\u00e4ssigen Hand um so wichtiger sein sollten, in R\u00fccksicht dessen, da\u00df die Reihe des Nehmens noch niemals an mir gewesen ist. Ich kann um so freier \u00fcber das meinige schalten, weil es mehr mein ist, und \u00fcber mich selbst, weil ich mehr der meinige bin. W\u00e4re ich indessen der Mann, der sein Tun h\u00fcbsch herausstreichen m\u00f6chte, so k\u00f6nnte ich vielleicht diese Vorw\u00fcrfe zur\u00fcckgeben und k\u00f6nnte einigen der guten Leute begreiflich machen, da\u00df sie eigentlich nicht dar\u00fcber b\u00f6se sind, da\u00df ich nicht genug tue, sondern dar\u00fcber, da\u00df ich mehr tun k\u00f6nnte, als ich wirklich tue.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Seele war nichtsdestoweniger dabei f\u00fcr sich, in der Stille, ganz gesch\u00e4ftig und urteilte sicher und frei \u00fcber die Dinge, die sie kannte, und dachte f\u00fcr sich selbst nach, ohne sich g\u00e4ngeln zu lassen. Und unter anderem glaub&#8216; ich wirklich, da\u00df sie ganz und gar unf\u00e4hig gewesen sein w\u00fcrde, der Gewalt und dem Zwange nachzugeben. Darf ich aus meiner Kindheit dies noch anf\u00fchren, da\u00df es mir leicht ward, ohne Bl\u00f6digkeit aufzutreten, und da\u00df ich Biegsamkeit genug in Stimme und Geb\u00e4rden besa\u00df, um die Rollen gut auszuf\u00fchren, die ich \u00fcbernahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Alter ab undecimo tum me vix ceperat annus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe die Hauptrollen aus Buchanans, aus Guerentes und Murets lateinischen Trag\u00f6dien gespielt, welche in unserm Collegio zu Guyenne mit W\u00fcrde vorgestellt wurden. In diesem Punkte war Andreas Goveanus, wie in allen \u00fcbrigen seines Amtes, ohn allen Vergleich der gr\u00f6\u00dfte Schuldirektor in Frankreich; und mich hielt man darin f\u00fcr Meister oder wenigstens f\u00fcr einen Altgesellen. Es ist eine \u00dcbung, auf welche ich f\u00fcr vornehmer Leute Kinder nichts zu sagen habe; und habe ich seitdem unsere Prinzen selbst damit abgeben gesehen; nach edlem, ehrlichem und l\u00f6blichem Beispiel einiger unter den Alten, bei denen es Leuten von Stand und Ehre sogar erlaubt war, daraus ein Gewerbe zu machen; und in Griechenland Aristoni tragico actori rem aperit: huic et genus et fortuna honesta erant; nec ars, quia nihil tale apud Graecos pudori est, ea deformabat. Denn ich habe immer die Leute f\u00fcr unbesonnen gehalten, welche diese Erg\u00f6tzlichkeit verdammen; und diejenige f\u00fcr ungerecht, welche solchen Schauspielern, die Verdienste haben, keine Erlaubnis erteilen wollen, in unseren guten St\u00e4dten zu spielen, und den Einwohnern diese \u00f6ffentliche Lustbarkeiten nicht g\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gute Polizeianstalten sorgen daf\u00fcr, die B\u00fcrger zu versammeln und zu vereinigen, sowohl zur feierlichen \u00dcbung der \u00f6ffentlichen Andacht als auch zur \u00dcbung fr\u00f6hlicher Spiele; dadurch wird Geselligkeit und Freundschaft bef\u00f6rdert, und \u00fcberdem k\u00f6nnte man dem Volke keinen besser geordneten Zeitvertreib verstatten als einen solchen, der in aller Gegenwart und selbst unter den Augen obrigkeitlicher Personen stattfindet. Ich w\u00fcrde es nicht mehr als billig finden, wenn der Landesherr zuweilen, zum Zeichen seiner v\u00e4terlichen Huld und Gewogenheit, auf seine Kosten den Untertanen damit ein Vergn\u00fcgen machte und wenn man in volkreichen St\u00e4dten besondere Anstalten und Geb\u00e4ude f\u00fcr solche Schauspiele errichtete; dadurch w\u00fcrden schlimmere Gelage und heimliche Lustarten sich vermindern. Aber wieder auf meine Materie zu kommen: Man mu\u00df haupts\u00e4chlich darauf arbeiten, Lust und Liebe zum Studieren zu erregen; sonst erzielt man weiter nichts als mit B\u00fcchern bepackte Esel. Man gibt ihnen mit Karbatschenhieben den ganzen Schulbeutel voll Wissenschaft zum Aufheben und Bewahren, welche man, um es recht zu machen, nicht blo\u00df bei sich zur Herberge nehmen, sondern als trautes Gemahl heimf\u00fchren mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-16327 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg 275w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/a><span style=\"color: #999999;\">Anmerkung der Redaktion<\/span>: W\u00fcrde Michel de Montaigne im 21. Jahrhundert leben, so er w\u00e4re wahrscheinlich der beliebteste Blogger. Nicht nur in Frankreich. Wir kommen ihm n\u00e4her, indem wir seine <em>Essais<\/em> lesen. Und zwar Wort f\u00fcr Wort. Oder wir nehmen einen charmanten Umweg und lesen Sarah Bakewells <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/01\/michel-de-montaigne-ein-blogger-aus-dem-16-jahrhundert\/\">Wie soll ich leben?<\/a>. Dies ist nicht nur der Titel ihrer ungew\u00f6hnlichen Biographie, sondern zeigt zugleicht die Methode an, mit der sich die Autorin dem Denken Montaignes n\u00e4hert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Lesen Sie auch einen<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12856\"> KUNO-Beitrag <\/a>zu\u00a0 Gattung des Essays.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Niemals hab&#8216; ich einen Vater gesehn, der seinen Sohn, wenn er auch gleich bucklig oder grindig war, nicht f\u00fcr sein Kind erkannt h\u00e4tte; obwohl er, wenn er nicht ganz von Z\u00e4rtlichkeit berauscht ist, schon merkt, wo&#8217;s ihm fehlt; aber&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/12\/06\/ueber-die-kinderzucht-an-madame-diane-de-foix-graefin-de-gurson\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":70,"featured_media":98980,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1083],"class_list":["post-103429","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-michel-de-montaigne"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103429","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/70"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103429"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103429\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103433,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103429\/revisions\/103433"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98980"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103429"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103429"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103429"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}