{"id":103355,"date":"2003-08-28T16:36:52","date_gmt":"2003-08-28T14:36:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103355"},"modified":"2022-05-30T16:46:20","modified_gmt":"2022-05-30T14:46:20","slug":"lyrische-gedichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/08\/28\/lyrische-gedichte\/","title":{"rendered":"Lyrische Gedichte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem wir die Verzeichnisse s\u00e4mtlicher Gedichte, wie solche den B\u00e4nden regelm\u00e4\u00dfig vorgedruckt sind, am Eing\u00e4nge betrachten, so finden wir die Oden und Elegieen des ersten Bandes, imgleichen die Oden und Lieder der drei folgenden, nicht weniger die \u00fcbrigen kleineren Gedichte unter sich durchaus nach der Jahrzahl geordnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Zusammenstellung der Art, die schon mehreren Dichtern gefiel, deutet, besonders bei dem unsrigen, auf ruhige, gleichf\u00f6rmige, stufenweis erfolgte Bildung, und gibt uns ein Vorgef\u00fchl, da\u00df wir in dieser Sammlung, mehr vielleicht als in irgend einer anderen, das Leben, das Wesen, den Gang des Dichters abgebildet empfangen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder Schriftsteller schildert sich einigerma\u00dfen in seinen Werken, auch wider Willen, selbst; der <em>gegenw\u00e4rtige<\/em> bringt uns, vors\u00e4tzlich, inneres und \u00e4u\u00dferes, Denkweise, Gem\u00fctsbewegungen, mit freundlichem Wohlwollen dar, und verschm\u00e4ht nicht, uns durch beigef\u00fcgte Noten \u00fcber Zust\u00e4nde, Gesinnungen, Absichten und Ausdr\u00fccke, vertraulich aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun, auf eine so freundliche Weise eingeladen, treten wir ihm n\u00e4her, suchen ihn bei sich selbst auf, schlie\u00dfen uns an ihn, und versprechen uns im Voraus reichen Genu\u00df, und mannigfaltige Belehrung und Bildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ebener, n\u00f6rdlicher Landschaft finden wir ihn sich seines Daseins freuend, unter einem Himmelsstrich, wo die Alten kaum noch Lebendes vermuteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und freilich \u00fcbt denn auch daselbst der Winter seine ganze Herrschaft aus. Vom Pole her st\u00fcrmend bedeckt er die W\u00e4lder mit Reif, die Fl\u00fcsse mit Eis, ein st\u00f6bernder Wirbel treibt um den hohen Giebel, indes sich der Dichter, wohlverwahrt, h\u00e4uslicher Wohnlichkeit freut, und wohlgemut solchen Gewalten Trotz bietet. Bepelzte, bereifte Freunde kommen an, die, herzlich empfangen, unter sicherem Obdach, in liebevollem vertraulich-gespr\u00e4chigem Kreise, das h\u00e4usliche Mahl durch den Klang der Gl\u00e4ser, durch Gesang beleben, und sich einen geistigen Sommer zu verschaffen wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann finden wir ihn auch pers\u00f6nlich den Unbilden des Winterhimmels trotzend. Wenn die Achse mit Brennholz befrachtet knarrt, wenn selbst die Fu\u00dftritte des Wanderers t\u00f6nen, sehen wir ihn bald rasch durch den Schnee, nach fernen Freundeswohnungen hintraben, bald zu gro\u00dfem Schlittenzuge gesellt, durch die weiten Ebenen hinklingeln, da denn zuletzt eine trauliche Herberge die halberstarrten aufnimmt, eine lebhafte Flamme des Kamins die eindringenden G\u00e4ste begr\u00fc\u00dft, Tanz, Chorgesang, und mancher erw\u00e4rmende Genu\u00df, der Jugend sowohl als dem Alter genugtut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schmilzt aber von einer zur\u00fcckkehrenden Sonne der Schnee, befreit sich ein erw\u00e4rmter Boden nur einigerma\u00dfen von dieser l\u00e4stigen Decke; so eilt mit den Seinen der Dichter alsbald ins Freie, sich an dem ersten Lebenshauche des Jahres zu erquicken, und die zuerst erscheinenden Blumen aufzusuchen. Vielfarbiger G\u00fcldenklee wird gepfl\u00fcckt, zu Str\u00e4u\u00dfern gebunden und im Triumph nach Hause gebracht, wo diese Vorboten k\u00fcnftigen Genusses ein hoffnungsvolles Familienfest zu kr\u00f6nen gewidmet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tritt sodann der Fr\u00fchling selbst herein, so ist von Dach und Fach gar die Rede nicht mehr, immer findet man den Dichter drau\u00dfen, auf sanften Pfaden, um seinen See herstreichen. Jeder Busch entwickelt sich im einzelnen, jede Bl\u00fctenart bricht einzeln in seiner Gegenwart hervor. Wie auf einem ausf\u00fchrlichen Gem\u00e4lde erblickt man, im Sonnenschein um ihn her, Gras und Kraut so gut als Eichen und Buchen, und an dem Ufer des stillen Wassers fehlt weder das Rohr noch irgend eine schwellende Pflanze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier begleitet ihn nicht jene verwandelnde Phantasie, durch deren ungeduldiges Bilden sich der Fels zu g\u00f6ttlichen M\u00e4dchen ausgestaltet, der Baum seine \u00c4ste zur\u00fcckzieht und mit jugendlichen weichen Armen den J\u00e4ger zu locken scheint. Einsam vielmehr geht der gem\u00fctvolle Dichter, als ein Priester der Natur umher, ber\u00fchrt jede Pflanze, jede Staude mit leiser Hand, und weiht sie zu Gliedern einer liebevoll \u00fcbereinstimmenden Familie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um ihn, als einen Paradiesbewohner, spielen harmlose Gesch\u00f6pfe, das Lamm auf der Wiese, das Reh im Walde. Zugleich versammelt sich das ganze Chor von V\u00f6geln, und \u00fcbert\u00f6nt das Leben des Tags mit vielfachen Akzenten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann am Abend, gegen die Nacht hin, wenn der Mond in ruhiger Pracht am Himmel heraufsteigt, und sein bewegliches Bild auf der leisewogenden Wasserfl\u00e4che einem jeden schl\u00e4ngelnd entgegenschickt, wenn der Kahn sanft dahin wallt, das Ruder im Takte rauscht, und jede Bewegung den Funken eines Wiederscheins hervorruft, von dem Ufer die Nachtigall ihre himmlischen T\u00f6ne verbreitet und jedes Herz zum Gef\u00fchle aufruft, dann zeigt sich Neigung und Leidenschaft in gl\u00fccklicher Zartheit, von den ersten Ankl\u00e4ngen einer vom h\u00f6chsten Wesen selbst vorgeordneten Sympathie, bis zu jener stillen, anmutigen, sch\u00fcchternen L\u00fcsternheit, wie sie aus den engern Umgebungen des b\u00fcrgerlichen Lebens hervorsprie\u00dft. Ein wallender Busen, ein feuriger Blick, ein H\u00e4ndedruck, ein geraubter Ku\u00df beleben das Lied. Doch ist es immer der Br\u00e4utigam, der sich erk\u00fchnt, immer die Braut, welche nachgibt, und so beugt selbst alles Gewagte sich unter ein gesetzliches Ma\u00df; dagegen erlaubt er sich manches innerhalb dieser Grenze. Frauen und M\u00e4dchen wetteifern keck und ohne Scheu \u00fcber ihre nun einmal anerkannten Zust\u00e4nde, und eine be\u00e4ngstete Braut wird, unter lebhaften Zudringlichkeiten mutwilliger G\u00e4ste, zu Bette gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sogleich aber f\u00fchrt er uns wieder unter freien Himmel ins Gr\u00fcne, zur Laube, zum Geb\u00fcsch, und da ist er auf die heiterste, herzlichste und zarteste Weise zu Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sommer hat sich wieder eingefunden, eine heilsame Schw\u00fcle weht durch das Lied, Donner rollen, Wolken tr\u00e4ufeln, Regenbogen erscheinen, Blitze leuchten abw\u00e4rts und ein k\u00fchler Segen wallt \u00fcber die Flur. Alles reift, keine der verschiedenen Ernten vers\u00e4umt der Dichter, alle feiert er durch seine Gegenwart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und hier ist wohl der Ort, zu bemerken, welchen Einflu\u00df auf Bildung der untern deutschen Volksklasse unser Dichter haben k\u00f6nnte, vielleicht in einigen Gegenden schon hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Gedichte, bei Gelegenheit l\u00e4ndlicher Vorf\u00e4lle, stellen zwar mehr die Reflexion eines dritten, als das Gef\u00fchl der Gemeine selbst dar: aber wenn wir uns denken m\u00f6gen, da\u00df ein Harfener sich bei der Heu- Korn- und Kartoffelernte finden wollte, wenn wir uns vorstellen, da\u00df er die Menschen, die sich um ihn versammeln, aufmerksam auf dasjenige macht, was ihnen als etwas allt\u00e4gliches wiederf\u00e4hrt, wenn er das Gemeine, indem er es betrachtet, dichterisch ausspricht, erh\u00f6ht, jeden Genu\u00df der Gaben Gottes und der Natur mit w\u00fcrdiger Darstellung sch\u00e4rft; so darf man sagen, da\u00df er seiner Nation eine gro\u00dfe Wohltat erzeige. Denn der erste Grad einer wahren Aufkl\u00e4rung ist, wenn der Mensch \u00fcber seinen Zustand nachzudenken, und ihn dabei w\u00fcnschenswert zu finden gew\u00f6hnt wird. Man singe das Kartoffellied wirklich auf dem Acker, wo die v\u00f6llig wundergleiche, den Naturforscher selbst zu hohen Betrachtungen leitende Vermehrung, nach langem stillem Weben und Wirken vegetabilischer Kr\u00e4fte, zum Vorschein kommt, und ein ganz unbegreiflicher Segen aus der Erde quillt; so wird man erst das Verdienst dieser und anderer \u00e4hnlichen Gedichte f\u00fchlen, worin der Dichter den rohen, leichtsinnigen, zerstreuten, alles f\u00fcr bekannt annehmenden Menschen auf die ihn allt\u00e4glich umgebenden, alles ern\u00e4hrenden hohen Wunder aufmerksam zu machen unternimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum aber ist alles dieses Gute in des Menschen Gewahrsam gebracht, so schleicht auch der Herbst schon wieder heran, und unser Dichter nimmt r\u00fchrenden Abschied von einer, wenigstens in der \u00e4u\u00dferen Erscheinung hinf\u00e4lligen Natur. Doch seine geliebte Vegetation \u00fcberl\u00e4\u00dft er nicht ganz dem unfreundlichen Winter. Der zierliche Topf nimmt manchen Strauch, manche Zwiebel auf, um in winterhafter H\u00e4uslichkeit den Sommer zu heucheln, und auch in dieser Jahreszeit kein Fest ohne Blumen und Kr\u00e4nze zu lassen. Selbst ist gesorgt, da\u00df es dem zur Familie geh\u00f6renden Vogel nicht an gr\u00fcnem, frischem Dache seiner K\u00e4fichtlaube fehle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist es die sch\u00f6nste Zeit f\u00fcr kurze Spazierg\u00e4nge, f\u00fcr trauliches Gespr\u00e4ch an schaurigen Abenden. Jede h\u00e4usliche Empfindung wird rege, freundschaftliche Sehnsucht vermehrt sich, das Bed\u00fcrfnis der Musik l\u00e4\u00dft sich lebhafter f\u00fchlen, und nun mag sich der Kranke selbst gern an den traulichen Zirkel anschmiegen, und ein verscheidender Freund kleidet sich in die Farbe der scheidenden Jahrszeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn so gewi\u00df nach \u00fcberstandenem Winter ein Fr\u00fchling zur\u00fcckkehrt, so gewi\u00df werden sich Freunde, Gatten, Verwandte in allen Graden wiedersehen, sie werden sich in der Gegenwart eines alliebenden Vaters wiederfinden und alsdann erst unter sich und mit allem Guten ein Ganzes bilden, wornach sie in dem St\u00fcckwerk der Welt nur vergebens hinstrebten. Eben so ruht auch schon hier des Dichters Gl\u00fcckseligkeit auf der \u00dcberzeugung, da\u00df alles der Vorsorge eines weisen Gottes sich zu erfreun habe, der mit seiner Kraft jeden erreicht, und sein Licht \u00fcber alle leuchten l\u00e4\u00dft. So bewirkt auch die Anbetung dieses Wesens im Dichter die h\u00f6chste Klarheit und Vern\u00fcnftigkeit und zugleich eine Versicherung, da\u00df jene Gedanken, jene Worte, mit denen er unendliche Eigenschaften fa\u00dft und bezeichnet, nicht leere Tr\u00e4ume noch Kl\u00e4nge sind, ein Wonnegef\u00fchl eigener und allgemeiner Seligkeit, in welcher alles Widerstrebende, Besondere, Abweichende, aufgel\u00f6st und verschlungen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben bisher die sanfte, ruhige, gefa\u00dfte Natur unseres Dichters mit sich selbst, mit Gott, mit der Welt in Frieden gesehen; sollte denn aber nicht eben jene Selbstst\u00e4ndigkeit, aus der sich ein so heiteres Leben nach den inneren Kreisen verbreitet, \u00f6fter von au\u00dfen best\u00fcrmt, verletzt und zu leidenschaftlicher Bewegung aufgeregt werden? Auch die Frage l\u00e4\u00dft sich vollst\u00e4ndig aus den vorliegenden Gedichten beantworten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00dcberzeugung, durch eigent\u00fcmliche Kraft, durch festen Willen, aus beengenden Umst\u00e4nden sich hervorgehoben, sich aus sich selbst ausgebildet zu haben, sein Verdienst sich selbst schuldig zu sein, solche Vorteile nur durch ein ungefesseltes Emporstreben des Geistes erhalten und vermehren zu k\u00f6nnen, erh\u00f6ht das nat\u00fcrliche Unabh\u00e4ngigkeitsgef\u00fchl, das, durch Absonderung von der Welt, immer mehr gesteigert, in den unausweichlichen Lebensverh\u00e4ltnissen manchen Druck, manche Unbequemlichkeit erfahren mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn daher der Dichter zu bemerken hat, da\u00df so manche Glieder der h\u00f6heren St\u00e4nde ihre angeborenen gro\u00dfen Vorrechte und unsch\u00e4tzbaren Bequemlichkeiten vernachl\u00e4ssigen, und hingegen Ungeschick, Rohheit, Mangel an Bildung bei ihnen obwaltet; so kann er einen solchen Leichtsinn nicht verzeihen. Und wenn sie noch \u00fcberdies mit anma\u00dfendem D\u00fcnkel dem Verdienst begegnen, entfernt er sich mit Unwillen, verbannt sie launicht von heiteren Gastm\u00e4hlern und Trinkzirkeln, wo offene Menschlichkeit vom Herzen ins Herz str\u00f6men, und gesellige Freude das liebensw\u00fcrdigste Band kn\u00fcpfen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit heiligem, feierlichen Ernst zeigt er das wahre Verdienst dem falschen gegen\u00fcber, straft ausschlie\u00dfenden D\u00fcnkel bald mit Spott, bald sucht er den Irrungen mit Liebe entgegenzuwirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo aber angeborene Vorteile durch eigenes Verdienst erh\u00f6ht werden, da tritt er mit aufrichtiger Achtung hinzu, und erwirbt sich die sch\u00e4tzenswertesten Freunde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner nimmt er einigen vor\u00fcbergehenden Anteil an jenem dichterischen Freiheitssinn, der in Deutschland im Genu\u00df zehnj\u00e4hrigen Friedens durch poetische Darstellungen geweckt und unterhalten wurde. Mancher wohlgesinnte J\u00fcngling, der das Gef\u00fchl akademischer Unabh\u00e4ngigkeit ins Leben und in die Kunst hin\u00fcbertrug, mu\u00dfte in der Verkn\u00fcpfung b\u00fcrgerlicher Administration so manches dr\u00fcckende und unregelm\u00e4\u00dfige finden, da\u00df er, wo nicht im besonderen, doch im allgemeinen, auf Herstellung von Recht und Freiheit zu sinnen f\u00fcr Pflicht hielt. Kein Feind drohte dem Vaterlande von au\u00dfen, aber man glaubte sie zu Hause, auf dieser und jener Gerichtsstelle, auf Rittersitzen, in Kabinetten, an H\u00f6fen zu finden; und da nun gar Klopstock, durch Einf\u00fchrung des Bardenchors in den heiligen Eichenhain, der deutschen Phantasie zu einer Art von Boden verhalf, da er die R\u00f6mer wiederholt mit H\u00fclfe des Gesanges geschlagen hatte: so war es nat\u00fcrlich, da\u00df unter der Jugend sich berufene und unberufene Barden fanden, die ihr Wesen und Unwesen eine Zeitlang vor sich hintrieben, und man wird unserem Dichter, dessen reines Vaterlandsgef\u00fchl sich sp\u00e4ter auf so manche edle Weise wirksam zeigte, nicht verargen, wenn er auch an seinem Teil, um die Sklavenfessel der Wirklichkeit zu zersprengen, den Rhein gelegentlich mit Tyrannenblut f\u00e4rbt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch ist in der Folge die Ann\u00e4herung zum franz\u00f6sischen Freiheitskreise nicht heftig, noch von langer Dauer, bald wird unser Dichter durch die Resultate des ungl\u00fccklichen Versuchs abgesto\u00dfen, und kehrt ohne Harm in den Scho\u00df sittlicher und b\u00fcrgerlicher Freiheit zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Innerhalb des Kunstkreises l\u00e4\u00dft er denn auch manchmal seinen Unmut sehen, besonders \u00e4u\u00dfert er sich kr\u00e4ftig, ja man kann sagen hart gegen jene vielfachen unsicheren Versuche, durch die das deutsche Dichterwesen eine Zeitlang in Verwirrung geriet. Hier scheint er nicht genugsam zu sondern, alles mit gleicher Verdammnis zu strafen, da doch selbst aus diesem chaotischen Treiben manches sch\u00e4tzenswerte hervorging. Doch sind Gedichte und Stellen dieser Art wenige, gleichnisweise gefa\u00dft, und ohne Schl\u00fcssel kaum verst\u00e4ndlich; deswegen man des Dichters sonstige billige Denkweise auch hier unterlegen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df \u00fcberhaupt eine so zarte, in sich gekehrte, von der Welt weggewandte Natur, auf ihrem Lebenswege nicht durchaus gef\u00f6rdert, erleichtert und in heiterer T\u00e4tigkeit gekr\u00e4ftigt worden, l\u00e4\u00dft sich wohl vermuten. Doch wer kann sagen, da\u00df ihm ein solches Los gefallen sei! Und so finden wir schon in manchen fr\u00fcheren Gedichten ein gewisses zartes Unbehagen, das durch den Jubel des Rundgesanges, wie durch die heitere Feier der Freundschaft und Liebe, unvermutet hindurchblickt, und manches herrliche Gedicht stellenweis einer allgemeineren Teilnahme entzieht. Nicht weniger bemerken wir sp\u00e4tere Ges\u00e4nge, in denen gehindertes Streben, verk\u00fcmmerter Wachstum, gest\u00f6rtes Erscheinen nach au\u00dfen, Kr\u00e4nkungen mancher Art mit leisen Lauten bedauert, und verlorene Lebensepochen beklagt werden. Dann aber tritt er mit Macht und Gewalt auf, k\u00e4mpft hartn\u00e4ckig wie um sein eigenes Dasein, dann l\u00e4\u00dft er es an Heftigkeit der Worte, am Gewicht der Invektiven nicht fehlen, wenn die erworbene heitere Geistesfreiheit, dieser aus dem Frieden mit sich selbst hervorleuchtende ruhige Blick \u00fcber das Weltall, \u00fcber die sittliche Ordnung desselben, wenn die kindliche Neigung gegen den, der alles leitet und regiert, einigerma\u00dfen getr\u00fcbt, gehindert, gest\u00f6rt werden k\u00f6nnte. Will man dem Dichter dieses Gef\u00fchl allgemeinen heiligen Behagens rauben, will man irgend eine besondere Lehre, eine ausschlie\u00dfende Meinung, einen beengenden Grundsatz aufstellen, dann bewegt sich sein Geist in Leidenschaft, dann steht der friedliche Mann auf, greift zum Gewehr, und schreitet gewaltig gegen die ihn so f\u00fcrchterlich bedrohenden Irrsale, gegen Schnellglauben und Aberglauben, gegen alle, den Tiefen der Natur und des menschlichen Geistes entsteigenden Wahnbilder, gegen Vernunftverfinsternde, den Verstand beschr\u00e4nkende Satzungen, Macht- und Bannspr\u00fcche, gegen Verketzerer, Baalspriester, Hierarchen, Pfaffengez\u00fccht, und gegen ihren Urahn, den leibhaftigen Teufel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte man denn aber solche Empfindungen einem Manne verargen, der ganz von der freudigen \u00dcberzeugung durchdrungen ist, da\u00df er jenem heiteren Lichte, das sich seit einigen Jahrhunderten, nicht ohne die gr\u00f6\u00dften Aufopferungen der Bef\u00f6rderer und Bekenner im Norden verbreitete, mit vielen anderen, das eigentliche Gl\u00fcck seines Daseins schuldig sei? Sollte man zu jener scheinbar gerechten, aber parteis\u00fcchtig grundfalschen Maxime stimmen? welche, dreist genug, fodert: wahre Toleranz m\u00fcsse auch gegen Intoleranz tolerant sein. Keineswegs! Intoleranz ist immer handelnd und wirkend, ihr kann auch nur durch intolerantes Handeln und Wirken gesteuert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, wir begreifen um so mehr die leidenschaftlichen Besorgnisse des Dichters, da ihm noch von einer anderen Seite jene d\u00fcsteren \u00dcberm\u00e4chte drohen; sie drohen, ihm einen Freund zu rauben, einen Freund in dem wichtigsten Sinne des Wortes. Wenn unser Dichter, wie wir gesehen, so liebevoll an allem hangen kann, was nicht einmal seine Neigung zu erwiedern vermag, wie mu\u00df er sich erst ans Teilnehmende, an Menschen, an seines Gleichen, an vorz\u00fcgliche Naturen anschlie\u00dfen, und sie zu seinen kostbarsten G\u00fctern z\u00e4hlen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gebildete, nach Bildung strebende M\u00e4nner sucht fr\u00fche sein Geist, sein Gef\u00fchl auf. Schon schweben <em>Hagedorn<\/em> und <em>Kleist<\/em>, die erstverschiedenen, gleichsam selig gesprochenen deutschen Dichtergestalten, in die \u00e4therischen Wohnungen voraus, auf sie ist der Blick j\u00fcngerer Nachk\u00f6mmlinge gerichtet, ihre Namen werden in frommen Hymnen gefeiert. Nicht weniger sieht man die lebendig vorstehenden, vorantretenden gebildeten Meister und Kenner, <em>Klopstock, Lessing, Gleim, Gerstenberg, Bodmer, Ramler<\/em>, von den neu aufsprie\u00dfenden, im Hochgef\u00fchl eigenen Verm\u00f6gens, mit kraftvoller Selbstsch\u00e4tzung und w\u00fcrdiger Demut verehrt. Schon erscheinen die Namen <em>Stolberg, B\u00fcrger, Boie, Miller, H\u00f6lty<\/em>, in freundschaftlicher Anerkennung des Ruhmes wert, den ihnen das Vaterland bald best\u00e4tigen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Chor von Freunden, von Verehrten setzt der Dichter ohne bedeutenden Verlust lange sein Leben fort; ja, es gelingt ihm, die F\u00e4den akademischer Fr\u00fchzeit, durch Freundschaft, Liebe, Verwandtschaft, eheliche Verbindung, durch fortgesetzte Teilnahme, durch Reisen, Besuch und Briefwechsel, in seinen \u00fcbrigen Lebensgang zu verweben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie mu\u00df es daher den liebensw\u00fcrdig Verw\u00f6hnten schmerzen, wenn, nicht der Tod, sondern abweichende Meinung, R\u00fcckschritt in jenes alte, von unseren V\u00e4tern mit Kraft bek\u00e4mpfte, seelenbedr\u00fcckende Wesen, ihm einen der geliebtesten Freunde auf ewig zu entrei\u00dfen droht! Hier kennt er kein Ma\u00df des Unmuts, der Schmerz ist grenzenlos, den er bei so trauriger Zerst\u00fcckelung seiner sch\u00f6nen Umgebungen empfindet. Ja, und er w\u00fcrde sich aus Kummer und Gram nicht zu retten wissen, verlieh ihm die Muse nicht auch zu diesem Falle die unsch\u00e4tzbare Gabe, jenes bedr\u00e4ngende Gef\u00fchl, am Busen eines teilnehmenden Freundes, harmonisch gewaltig auszust\u00fcrmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenden wir uns nun von dem, was unser Dichter als allgemeines und besonderes Gef\u00fchl ausspricht, wieder zur\u00fcck zu seinem darstellenden Talent, so dr\u00e4ngen sich uns mancherlei Betrachtungen auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine, vorz\u00fcglich der Natur, und man kann sagen der Wirklichkeit gewidmete Dichtungsweise nimmt schon da ihren Anfang, wo der \u00fcbrigens unpoetische Mensch dem, was er besitzt, dem, was ihn unmittelbar umgibt, einen besonderen Wert aufzupr\u00e4gen geneigt ist. Diese liebensw\u00fcrdige \u00c4u\u00dferung der Selbstigkeit, wenn uns die Erzeugnisse des eigenen Grundes und Bodens am besten schmecken, wenn wir glauben durch Fr\u00fcchte, die in unserem Garten reiften, auch Freunden das schmackhafteste Mahl zu bereiten, diese \u00dcberzeugung ist schon eine Art von Poesie, welche der k\u00fcnstlerische Genius in sich nur weiter ausbildet, und seinem Besitz nicht nur durch Vorliebe einen besondern, vielmehr durch sein Talent einen allgemeinen Wert, eine unverkennbare W\u00fcrde verleiht, und sein Eigentum dergestalt den Zeitgenossen, der Welt und Nachwelt zu \u00fcberliefern und anzueignen versteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese gleichsam zauberische Wirkung bringt eine tieff\u00fchlende, energische Natur durch treues Anschauen, liebevolles Beharren, durch Absonderung der Zust\u00e4nde, durch Behandlung eines jeden Zustandes in sich als eines Ganzen, schaffend hervor, und befriedigt dadurch die unerl\u00e4\u00dflichen Grundfoderungen an inneren Gehalt; aber damit ist noch nicht alles geschehen, auch \u00e4u\u00dferer Mittel bedarf es, um aus jenem Stoff einen w\u00fcrdigen K\u00f6rper zu bilden. Diese sind Sprache und Rhythmus! Und auch hier ist es, wo unser Dichter seine Meisterschaft aufs h\u00f6chste bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu einem liebevollen Studium der Sprache scheint der Niederdeutsche den eigentlichsten Anla\u00df zu finden. Von allem, was undeutsch ist, abgesondert, h\u00f6rt er nur um sich her ein sanftes behagliches Urdeutsch, und seine Nachbarn reden \u00e4hnliche Sprachen. Ja, wenn er ans Meer tritt, wenn Schiffer des Auslandes ankommen, t\u00f6nen ihm die Grundsylben seiner Mundart entgegen, und so empf\u00e4ngt er manches eigene, das er selbst schon aufgegeben, von fremden Lippen zur\u00fcck, und gew\u00f6hnt sich deshalb mehr als der Oberdeutsche, der an V\u00f6lkerst\u00e4mme ganz verschiedenen Ursprungs angrenzt, im Leben selbst auf die Abstammung der Worte zu merken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen ersten Teil der Sprachkunde l\u00e4\u00dft sich unser Dichter gewissenhaft angelegen sein. Die Ableitung f\u00fchrt ihn auf das Bedeutende des Wortes, und so stellt er manches gehaltvolle wieder her, setzt ein mi\u00dfbrauchtes in den vorigen Stand, und wenn er dabei mit stiller Vorsicht und Genauigkeit verf\u00e4hrt: so fehlt es ihm nicht an K\u00fchnheit, sich eines harten, sonst vermiedenen Ausdrucks an rechter Stelle zu bedienen. Durch eine so genaue Sch\u00e4tzung der Worte, durch den bestimmten Gebrauch derselben entsteht eine gefa\u00dfte Sprache, die sich, von der Prosa weg, unmerklich in die h\u00f6heren Regionen erhebt, und daselbst poetisch f\u00fcr sich zu schalten verm\u00f6gend ist. Hier erscheinen die dem Deutschen sich darbietenden Wortf\u00fcgungen, Zusammensetzungen und Stellungen zu ihrem gr\u00f6\u00dften Vorteil, und man kann wohl sagen, da\u00df sich darunter unsch\u00e4tzbare Beispiele finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nicht blo\u00df diesen ans Licht gef\u00f6rderten Reichtum einer im tiefsten Grunde edlen Sprache bewundern wir, sondern auch, was der Dichter bei seiner hohen Foderung an die Rhythmik durch Befolgung der strengsten Regeln geleistet hat. Ihn befriedigte nicht allein jene Gediegenheit des Ausdrucks, wo jedes Wort richtig gew\u00e4hlt ist, keines einen Nebenbegriff zul\u00e4\u00dft, sondern bestimmt und einzig seinen Gegenstand bezeichnet; er verlangt zur Vollendung Wohllaut der T\u00f6ne, Wohlbewegung des Periodenbaues, wie sie der gebildete Geist aus seinem Innern entwickelt, um einen Gegenstand, ein Empfundenes v\u00f6llig entsprechend und zugleich bezaubernd anmutig auszudr\u00fccken. Und hier erkennen wir sein unsterbliches Verdienst um die deutsche Rhythmik, die er, aus so manchen schwankenden Versuchen, einer f\u00fcr den K\u00fcnstler so erw\u00fcnschten Gewi\u00dfheit und Festigkeit entgegen hebt. Aufmerksam horchte derselbe den Kl\u00e4ngen des griechischen Altertums, und ihnen f\u00fcgte sich die deutsche Sprache zu gleichem Wohllaute. So enth\u00fcllte sich ihm das Geheimnis der Sylbenma\u00dfe, so fand er die innigste Vereinigung zwischen Poesie und Musik, und ward, unter dem Einflusse eines freundschaftlichen Zusammenlebens mit <em>Schulz<\/em>, in den Stand gesetzt, solche Fr\u00fcchte einer gemeinsamen Anstrengung seinem Vaterlande auf praktischem und theoretischem Wege mitzuteilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders angenehm ist das Studium jener Gedichte, die sich der Form nach als eine Nachbildung der aus dem Altertume geretteten ank\u00fcndigen. Belehrend ist es zu beobachten, wie der Dichter verf\u00e4hrt. Hier zeigt sich nicht etwa nur ein \u00e4hnlicher K\u00f6rper notd\u00fcrftig wiederhergestellt; derselbe Geist vielmehr scheint ebendieselbe Gestalt abermals hervorzubringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie nun der Dichter den Wert einer bestimmten und vollendeten Form lebhaft anerkennt, die er bei seinen letzten Arbeiten v\u00f6llig in der Gewalt hat: so wendet er eben diese Forderung auch gegen seine fr\u00fcheren Gedichte, und bearbeitet sie musterhaft nach den Gesetzen einer in ihm sp\u00e4ter gereiften Vollkommenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haben daher Grammatiker und Techniker jene Leistungen besonders zu w\u00fcrdigen: so liegt uns ob, da\u00df wir das \u00fcbernommene Gesch\u00e4ft den Dichter aus dem Gedicht, das Gedicht aus dem Dichter zu entwickeln, mit wenigen Z\u00fcgen vollenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch innerhalb des geschlossenen Kreises der diesmal anzuzeigenden vier B\u00e4nde, finden wir ihn, wie er sich zum vorz\u00fcglichen \u00dcbersetzer jener Werke des Altertums nach und nach ausbildet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den entschiedenen, obengepriesenen Sieg der Form \u00fcber den Stoff, durch manches, von \u00e4u\u00dferer Veranlassung v\u00f6llig unabh\u00e4ngige Gedicht, zeigt uns der Dichter, da\u00df es ihm frei stehe, das Wirkliche zu verlassen und ins M\u00f6gliche zu gehen, das Nahe wegzuweisen und das Ferne zu ergreifen, das Eigene aufzugeben und das Fremde in sich aufzunehmen. Und wie man zu sagen pflegte, da\u00df neben dem r\u00f6mischen Volke noch ein Volk von Statuen die Stadt verherrliche: so l\u00e4\u00dft sich von unserem Dichter gleichfalls aussprechen, da\u00df in ihm, zu einer echt deutschen wirklichen Umgebung eine echt antike geistige Welt sich geselle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihm war das gl\u00fcckliche Los beschieden, da\u00df er den alten Sprachen und Literaturen seine Jugend widmete, sie zum Gesch\u00e4ft seines Lebens erkor. Nicht zerst\u00fcckeltes, buchst\u00e4bliches Wissen war sein Ziel, sondern er drang bis zum Anschauen, bis zum unmittelbaren Ergreifen der Vergangenheit in ihren wahresten Verh\u00e4ltnissen, er vergegenw\u00e4rtigte sich das Entfernte, und fa\u00dfte gl\u00fccklich den kindlichen Sinn, mit welchem die ersten gebildeten V\u00f6lker sich ihren gro\u00dfen Wohnplatz die Erde, den \u00fcbergew\u00f6lbten Himmel, den verborgenen Tartarus mit beschr\u00e4nkter Phantasie vorgestellt, er ward gewahr, wie sie diese R\u00e4ume mit G\u00f6ttern, Halbg\u00f6ttern und Wundergestalten bev\u00f6lkerten, wie sie jedem einen Platz zur Wohnung, zur Wanderung den Pfad bezeichneten. Sodann, aufmerksam auf die Fortschritte des menschlichen Geistes, der nicht aufh\u00f6rte zu beobachten, zu schlie\u00dfen, zu dichten, lie\u00df der Forscher die vollkommene Vorstellung, die wir Neuern von dem Erd- und Weltgeb\u00e4ude, so wie von seinen Bewohnern besitzen, aus ihren ersten Keimen sich nach und nach entwickeln und auferbauen. Wie sehr dadurch Fabel und Geschichte gef\u00f6rdert worden, ist niemand mehr verborgen, und sein Verdienst wird sich immer gl\u00e4nzender zeigen, je mehr dieser Methode gem\u00e4\u00df nach allen Seiten hin gewirkt, und das Gesammelte geordnet und aufgestellt werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf die Weise ward sein gro\u00dfes Recht begr\u00fcndet, sich vorz\u00fcglich an den Urbarden anzuschlie\u00dfen, von ihm die Dichterweihe zu empfangen, ihn auf seinen Wanderungen zu begleiten, um gest\u00e4rkt und gekr\u00e4ftigt unter seine Landsleute zur\u00fcckzukehren. So, mit festhaltender Eigent\u00fcmlichkeit, wu\u00dfte er das Eigent\u00fcmliche jedes Jahrhunderts, jedes Volkes, jedes Dichters zu sch\u00e4tzen, und reichte die \u00e4lteren Schriften uns mit ge\u00fcbter Meisterhand dergestalt her\u00fcber, da\u00df fremde Nationen k\u00fcnftig die deutsche Sprache, als Vermittlerin zwischen der alten und neuen Zeit, h\u00f6chlich zu sch\u00e4tzen verbunden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so werde zum Schlu\u00df das Hochgef\u00fchl gelungener uns\u00e4glicher Arbeit, und die Einladung zum Genusse des Bereiteten mit des Dichters eigenen Worten ausgesprochen:<\/p>\n<p>Mir trug Ly\u00e4os, mir der begeisternden<br \/>\nWeinrebe Spr\u00f6\u00dfling; als, dem Verst\u00fcrmten gleich<br \/>\nAuf \u00f6dem Eiland&#8216;, ich mit Sehnsucht<br \/>\nWandte den Blick zur Hellenenheimat.<\/p>\n<p>Schamhaft ergl\u00fchend, nahm ich den heiligen<br \/>\nRebscho\u00df, und hegt&#8216; ihn, nahe dem Nordgestirn,<br \/>\nAbwehrend Luft und Ungeschlachtheit,<br \/>\nUnter dem Glas&#8216; in erkargter Sonne.<\/p>\n<p>Vom Trieb der Gottheit, siehe, beschleuniget,<br \/>\nStieg Rankenwaldung \u00fcbergew\u00f6lbt, mich bald<br \/>\nMit Bl\u00fcte, bald mit gr\u00fcnem Herling,<br \/>\nBald mit ger\u00f6teter Traub&#8216; umschwebend.<\/p>\n<p>Im s\u00fc\u00dfen Anhauch tr\u00e4umt&#8216; ich, der Zeit entflohn,<br \/>\nWettkampf mit altert\u00fcmlichem Hochgesang.<br \/>\nWer lauter ist, der koste freundlich,<br \/>\nOb die Ambrosiafrucht gereift sei.<\/p>\n<h1><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lyrische Gedichte<\/strong> von Johann Heinrich Vo\u00df. 1802. K\u00f6nigsberg, b. Nikolovius. <em>Erster Band<\/em>, Oden und Elegieen. 1\u20133\u00a0Buch 340\u00a0S. <em>Zweiter Band<\/em>, Oden und Lieder. 1\u20133\u00a0Buch 326\u00a0S. <em>Dritter Band<\/em>, Oden und Lieder, 4\u20136\u00a0Buch 346\u00a0S. <em>Vierter Band<\/em>, Oden und Lieder. 7\u00a0Buch. Vermischte Gedichte, Fabeln und Epigramme. 399\u00a0S. 8.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Johann_Wolfgang_Goethe_1811.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-81943 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Johann_Wolfgang_Goethe_1811-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Johann_Wolfgang_Goethe_1811-231x300.jpg 231w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Johann_Wolfgang_Goethe_1811-260x337.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Johann_Wolfgang_Goethe_1811-160x208.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Johann_Wolfgang_Goethe_1811.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Indem wir die Verzeichnisse s\u00e4mtlicher Gedichte, wie solche den B\u00e4nden regelm\u00e4\u00dfig vorgedruckt sind, am Eing\u00e4nge betrachten, so finden wir die Oden und Elegieen des ersten Bandes, imgleichen die Oden und Lieder der drei folgenden, nicht weniger die \u00fcbrigen kleineren&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/08\/28\/lyrische-gedichte\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":246,"featured_media":98301,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[425],"class_list":["post-103355","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-johann-wolfgang-goethe"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103355","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/246"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103355"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103355\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103358,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103355\/revisions\/103358"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98301"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103355"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103355"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}