{"id":103330,"date":"2003-01-08T11:37:23","date_gmt":"2003-01-08T10:37:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103330"},"modified":"2022-05-30T11:44:39","modified_gmt":"2022-05-30T09:44:39","slug":"islam-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/08\/islam-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Islam in Deutschland"},"content":{"rendered":"<h2><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Einflu\u00df des Islams auf Deutschland ist bereits viel geschrieben worden. Hervorzuheben sind zwei B\u00fccher von Sigrid Hunke, \u201eAllahs Sonne \u00fcber dem Abendland\u201c und \u201eKamele auf dem Kaisermantel\u201c, die ausf\u00fchrlich dar\u00fcber berichten, welche Pr\u00e4gungen islamisches Denken und Errungenschaften arabischer oder persischer Kultur im deutschen Geistesleben wie auch im Alltag der Deutschen hinterlassen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angefangen von der M\u00e4rchen der Gebr\u00fcder Grimm, die sufische, also islamisch-mystische Metaphern und Symbole beinhalten, die durch fahrende S\u00e4nger (Troubadure) zu uns gekommen sind, bis hin zu W\u00f6rtern der arabischen Sprache, von \u201eTasse\u201c \u00fcber \u201eKiosk\u201c zum \u201eAlkohol\u201c, die vom Deutschen aus dem Arabischen entlehnt wurden, gibt es eine F\u00fclle von islamischen Spuren oder \u00dcbernahmen aus dem Islam, die in deutschen L\u00e4ndern Eingang gefunden haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders das maurische Spanien, das offen war f\u00fcr Weisheit und Wissen, wo immer sie zu finden waren, hat nachhaltig auf das deutsche Geistesleben eingewirkt. Die Praxis von Kalifen, Bibliotheken und Universit\u00e4ten aufzubauen, wie auch die islamische Gewohnheit, der Erforschung des Menschen und seiner Lebensumst\u00e4nde ganz praktisch zu entsprechen, indem nach den Ursachen f\u00fcr Krankheiten gefragt wurde, was zu medizinischen Entdeckungen und der F\u00f6rderung des Gesundheitswesens durch \u00c4rzte und Krankenh\u00e4user f\u00fchrte, wurden vom Abendland\u00a0 \u00fcbernommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bl\u00fcte der Wissenschaft in den islamischen L\u00e4ndern, die keine Scheu hatte, von anderen V\u00f6lkern zu lernen, fand bald auch Entsprechung unter europ\u00e4ischen Geistesgr\u00f6\u00dfen, die sich, oftmals \u00fcber Jahrhunderte hinweg, den Forschungsergebnissen der Muslime verpflichtet sahen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Br\u00fccken zwischen dem Islam und Deutschland wurden durch Kalifen und Kaiser gebaut, etwa auch durch Friedrich II, der auf Sizilien residierte und vieles aus der islamischen Kultur \u00fcbernommen hatte (deswegen auch Sigrid Hunkes Buchtitel: Kamele auf dem Kaisermantel).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die deutsche Literatur hat sich schon fr\u00fch mit dem Islam und seinen Dichtern besch\u00e4ftigt. Nicht nur Lessings vielger\u00fchmtes Drama \u201eNathan der Weise\u201c mit seiner legend\u00e4ren Ringparabel ist daf\u00fcr Beweis, es gab sogar regelrechte Phasen eines deutschen Orientalismus, durch etwa Heinrich Heine, ganz bedeutsam dann Friedrich R\u00fcckert (der eine Vers\u00fcbersetzung etlicher Passagen aus dem Heiligen Quran verfasste), vor allem aber Goethe gepr\u00e4gt wurden. Es war zum Beispiel das persische Poeten-Genie Hafiz, durch den Goethe zu seinem gr\u00f6\u00dften Alterswerk, dem \u201eWest-\u00d6stlichen Diwan\u201c angeregt wurde. Und Goethe auch war es, der dem Islam eine so gro\u00dfe Sympathie entgegenbrachte, dass man sagen kann, dass er sich eher f\u00fcr einen Muslim hielt, denn einen Christen. Das Werk von Katharina Mommsen \u00fcber Goethe und den Islam spricht diesbez\u00fcglich B\u00e4nde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste \u00dcbersetzung des Heiligen Qurans in Europa erschien 1143, vorgelegt von dem Engl\u00e4nder Robert von Katena und dem Deutschen Hermann von Dalmatien. Sie hatte jedoch wenig \u00c4hnlichkeit mit dem Original und war voller mutwilliger und tendenzi\u00f6ser Entstellungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es folgten weitere \u00dcbersetzungen, immer noch nicht in geb\u00fchrender Genauigkeit, aber dennoch von einer Aussagekraft, die viele Dichter des 19. Jahrhunderts, allen voran Goethe, zur Bewunderung veranla\u00dfte.Goethe hatte \u00fcbrigens schon in seiner Jugend ein Lobesgedicht auf den Heiligen Propheten Muhammad (Mahomet), Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, geschrieben, das sogar noch in unserer Zeit in Leseb\u00fcchern Aufnahme gefunden hat. Das Fragment eines Schauspiels \u00fcber den Propheten des Islams, das Goethe, sich auf ein ziemlich herabw\u00fcrdigendes Drama von Voltaire berufend, niederschrieb, ist indes verschollen. Bemerkenswert sind jedoch Verse von Goethe, die den Islam als Grundwert jeglicher religi\u00f6sen Haltung priesen. Zum Beispiel:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00e4rrisch, da\u00df jeder in seinem Falle<br \/>\nSeine besondere Meinung preist!<br \/>\nWenn Islam Gott ergeben hei\u00dft,<br \/>\nIm Islam leben und sterben wir alle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00fcbrigen hatte Goethe, zusammen mit einigen seiner Bewunderer, vor allem Damen, einmal an einem islamischen Gottesdienst, dem Freitagsgebet (Juma) in Weimar teilgenommen, als muslimische Soldaten dort weilten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 19. Jahrhundert auch gab es einige Deutsche, die den Islam als ihre Religion annahmen, wenngleich nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass bereits zur Zeit der Kreuzz\u00fcge einige der nach Jerusalem ziehenden Ritter so von der Vornehmheit und Sch\u00f6nheit islamischen Lebens und islamischer Gesinnung eingenommen waren, dass sie fasziniert das islamische Glaubensbekenntnis von der absoluten Einheit Gottes und der Gesandtschaft Muhammads (Segen und Frieden Allahs seien auf ihm) im Herzen annahmen. In seinem Buch \u201eDie Sufis\u201c hat Idries Shah dargelegt, wie islamisches Denken und Wissen untergr\u00fcndig von der Mystik zugewandten Europ\u00e4ern aufgenommen und weitergegeben wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der romantischen Begeisterung f\u00fcr muslimische Kultur, vor allem der mystischen Dichtung eines Rumi oder Hafiz, die Niederschlag auch in eigenst\u00e4ndigen deutschsprachigen Gedichten erlebte, die in Stil und Inhalt den Bewunderten nahe zu kommen suchten, waren es dann deutsche Orientalisten, die sich den Erkenntnissen der islamischen Theologie und Philosophie widmeten. Ihnen verdanken wir zahlreiche \u00dcbertragungen islamischer Werke, etwa denen des gro\u00dfen Reformers (Mujaddids) seiner Zeit, Muhammad Al-Ghazzali, mit denen sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts indes meist nur eine Fachwelt konfrontierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Breite Bev\u00f6lkerungsschichten haben eine Ahnung vom Islam dann durch Karl May erhalten, der jedoch auch viel dazu beigetragen hat, dass Verf\u00e4lschungen der originalen Lehre des Heiligen Propheten ins Bewu\u00dftsein der Massen drangen. So hat sich hartn\u00e4ckig seine v\u00f6llig unbegr\u00fcndete Vorstellung bis heute erhalten, der Islam lehre, die Frau habe keine Seele usw. Aber seine B\u00fccher \u00fcber den Mahdi des Sudan, \u00fcber Mekka und Derwische trugen wesentlich dazu bei, dass dem Islam ein gewisses Interesse entgegen gebracht wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem waren es die M\u00e4rchen aus 1001 Nacht,\u00a0 die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in einer un\u00fcberschaubaren Anzahl von B\u00fcchern, meist mit entsprechend malerischen, folkloristischen Bildern versehen, auch in Deutschland gedruckt wurden und bis heute nichts von ihrer Faszination eingeb\u00fc\u00dft haben. In unseren Tagen haben Helden aus 1001-Nacht, Aladin etwa oder Sindbad, in Comics und Zeichentrickfilmen Einzug fast in jedes Haus gehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber erst im Jahre 1923 gab es die erste Bem\u00fchung von muslimischer Seite, Deutsche mit der Botschaft des Islams vertraut zu machen. Der 2. Kalif der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Bashir-du-Din Mahmud Ahmad, sandte von Qadian (Indien) zwei Missionare nach Berlin, die die Aufgabe hatten, eine gro\u00dfe Moschee zu errichten und die islamische Lehre, wie sie von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, dem Verhei\u00dfenen Messias und Mahdi des Islams, Frieden sei auf ihm, unserer Zeit neu gegeben worden ist, allgemein bekannt zu machen. Leider jedoch scheiterte das Vorhaben an der damals grassierenden Inflation, die das mitgebrachte Spendengeld, das vor allem von Frauen der Gemeinde stammte, zerschmelzen lie\u00df. Indes zeigen die seinerzeit erstellten Baupl\u00e4ne, welcher Gro\u00dfmut die Ahmadiyya Muslim Jamaat in jenen Tagen auszeichnete. Andererseits waren es auch die politischen Wirren der Weimarer Republik, die dazu beitrugen, dass eine sinnvolle und friedliche Bekanntmachung des Islams nicht erm\u00f6glicht wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer Abspaltung von der wahren Lehre des Mahdis, die als Lahoris bekannt geworden war, gelang es allerdings dann im Jahre 1925, eine gro\u00dfe Moschee im Moghul-Stil in Berlin zu errichten, deren Schicksal in den Jahren des Nationalsozialismus und dar\u00fcberhinaus aber zeigte, dass die \u00e4u\u00dferen Widrigkeiten jener Jahrzehnte einem vern\u00fcnftigen und gradlinigen muslimischen Leben im Weg standen, von den inneren Schwierigkeiten der Lahoris ganz zu schweigen (heutzutage betr\u00e4gt ihre Anh\u00e4ngerschaft nur einige hundert Gl\u00e4ubige, und als der langj\u00e4hrige Imam der sogenannten Wilmersdorfer Moschee im Sommer 2003 sein Amt aus Altersgr\u00fcnden niederlegen mu\u00dfte, verweigerte das Ausw\u00e4rtige Amt einem Nachfolger die Einreise, weil es offensichtlich keinen Bedarf f\u00fcr ihn in Berlin gebe \u2013 von einer Gemeinde, die sich um diese Moschee, gruppierte, kann in der Tat nicht die Rede sein).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz anders verh\u00e4lt es sich mit der Ahmadiyya Muslim Jamaat, die, im Gegensatz zu den Lahoris, von einem Kalifen geleitet wird. Sie ist mittlerweile in 176 L\u00e4ndern der Erde mit Niederlassungen vertreten und umfa\u00dft heutzutage \u00fcber 200 Millionen Ggl\u00e4ubige. Bald nach Ende des 2. Weltkrieges entsandte sie einen Missionar nach Hamburg, Sheikh Nasir Ahmad. Er hatte sich in der Schweiz angesiedelt und betreute von dort aus die deutsche Niederlassung. Schon 1949 gr\u00fcndete er die Zeitschrift \u201eDer Islam\u201c, die seitdem, von einigen kleinen Pausen abgesehen, regelm\u00e4\u00dfig erscheint, indes 2003 in \u201eIslam Forum\u201c umbenannt wurde. Seiner Arbeit ist es zu verdanken, dass die riesige Aufgabe, eine deutsche \u00dcbersetzung des Heiligen Qurans vorzulegen, die muslimischem Selbstverst\u00e4ndnis entspricht, erfolgreich bew\u00e4ltigt wurde, so dass 1954 eine deutsche Fassung des Heiligen Qurans zusammen mit dem arabischen Original gedruckt werden konnte. Seither ist diese vielgelobte \u00dcbersetzung in zahlreichen Neuauflagen, und auch Verbesserungen, erschienen, sp\u00e4ter auch als Taschenbuchausgabe, die tausende von Lesern f\u00fcr sich einnahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Missionar Abdul Latif, der Sheikh Nasir Ahmad abl\u00f6ste, begann eine neue Phase des Islams in Deutschland. Sein unerm\u00fcdlicher Einsatz f\u00fcr die Lehre des Heiligen Propheten und seine Erl\u00e4uterung durch den Verhei\u00dfenen Messias zeigte bald Erfolge, und wenn auch viele der neuen Konvertiten aus privaten Gr\u00fcnden nicht als Mitglied der Ahmadiyya Muslim Jamaat heimisch wurden, so ist f\u00fcr sie Abdul Latif doch, wie sie noch heute bekennen, \u201eder Vater\u201c des Islams in Deutschland. 1957 dann wurde mit Spendengeldern aus aller Welt in Hamburg unter seiner Leitung die erste Moschee in Westdeutschland erbaut, die Fazle-Omar-Moschee. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde sogar in Frankfurt am Main von Sir Zafrulla Khan, dem ersten Au\u00dfenminister Pakistans, UNO-Vollversammlungspr\u00e4sidenten, Richter und mehrmaligem Pr\u00e4sidenten des Internationalen Gerichtshofs zu Den Haag, die Nuur-Moschee er\u00f6ffnet, die im Lauf der Jahre so illustre G\u00e4ste zum Gebet empfangen durfte wie Muhammad Ali, den Boxweltmeister, oder Prof. Dr. Abdus Salam, den ersten muslimischen Nobelpreistr\u00e4ger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 50ern und bis Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts war die Ahmadiyya Muslim Jamaat die herausragende Vertretung des Islams in Deutschland. Verstreute Sufi-Gruppen und die schiitische Gemeinde in Hamburg, die Anfang der 60er die pr\u00e4chtige Ali-Moschee an der Alster erbaute, blieben weitgehend unter sich. Hingegen kamen Muslime aus allen m\u00f6glichen Denkschulen und Richtungen von weither etwa zu den Id-Gottesdiensten (den Feierlichkeiten am Ende des Fastenmonats Ramadan und der Pilgerfahrt), die in den Ahmadiyya-Moscheen stattfanden, angereist. Es herrschte eine allgemeine Br\u00fcderlichkeit, und von Dissens war nichts zu sp\u00fcren. Die Muslime in Deutschland waren zahlenm\u00e4\u00dfig so klein, dass sie froh waren, Orte zum gemeinsamen Gebet zu haben, ohne \u00fcber theologische Fragen in Streit zu geraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Situation \u00e4nderte sich, als Ende der 60er Jahre Gastarbeiter aus der T\u00fcrkei nach Westdeutschland geholt wurden. Zuvor schon hatte es durchaus auch Muslime gegeben, die sich bewu\u00dft von der Ahmadiyya Muslim Jamaat fern hielten, ja sogar gegen sie agitierten, aber durch den Zustrom von Muslimen aus der T\u00fcrkei kamen auch Angeh\u00f6rige von spezifisch t\u00fcrkischen Gemeinden in die Ballungsr\u00e4ume der Bundesrepublik, die ihre eigenen Vorbeter (Hodschas) bevorzugten und sich darum bem\u00fchten, eigene Gebetsr\u00e4ume einzurichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu einem offenen Bruch zwischen orthodoxen Muslimen und der Ahmadiyya Muslim Jamaat trug im Jahre 1973 und danach der Fanatismus von Mulllahs (Muslimische Priesterschaft) bei, die in ihrem Bem\u00fchen, eine Spaltung zwischen dem aufgekl\u00e4rten Islam der Ahmadiyya Muslim Jamaat und ihren buchstabengl\u00e4ubigen Interpretationen der islamischen Quellen (Quran, Hadith) herbeizuf\u00fchren, erfolgreich waren. Zusammen mit engstirnigen Politikern, die dadurch Macht zu erlangen suchten, wurden somit Beschl\u00fcsse gefa\u00dft, denen zufolge Ahmadi-Muslime zu Ungl\u00e4ubigen erkl\u00e4rt wurden. Dass dieses perfide Unterfangen dem Buchstaben und Geist des Heiligen Qurans sowie den Worten des Heiligen Propheten Muhammads, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, Hohn sprach, focht sie nicht an. Wer die Begr\u00fcndung f\u00fcr ihr sektiererisches Verhalten liest und einigerma\u00dfen mit den Aussagen des Gr\u00fcnders der Ahmadiyya Muslim Jamaat vertraut ist, wird sich erstaunen m\u00fcssen ob der Unverfrorenheit, mit der in ihr L\u00fcgen aufgetischt wurden. Aber der Ha\u00df, der diese selbsternannten Glaubensrichter ausf\u00fcllte, lie\u00df sie blind werden f\u00fcr die Wahrheit, wiewohl es leicht ist, ihren Betrug nachzuweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Heilige Prophet Muhammad Mustafa, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, hatte, wie allen ein wenig in der Religion des Islams Bewanderten bekannt ist, ausdr\u00fccklich gesagt, dass wer immer das islamische Glaubensbekenntnis (Es gibt niemand Anbetungsw\u00fcrdigen au\u00dfer Allah, Muhammad ist der Gesandte Allahs) \u00e4u\u00dfert, als Muslim anerkannt werden mu\u00df. Und er sagte auch, wenn immer ein Muslim einen Muslim einen Ungl\u00e4ubigen nennt, ist er selbst kein Muslim mehr. In diesem Sinne ist der \u201eAusschlu\u00df\u201c der Ahmadi-Muslime aus dem Islam ein anti-islamischer Akt. Kein wie auch immer geartetes Gremium hat die Befugnis, einen Muslim aus dem Islam auszuschlie\u00dfen. Zudem unterscheidet im Wesentlichen Ahmadis und Nicht-Ahmadis nur die Antwort auf die Frage, wie und wann Jesus und der Mahdi erscheinen werden bzw. ob sie bereits erschienen sind. Ahmadis glauben an alle f\u00fcnf Pfeiler des Islams und verhalten sich auch dementsprechend, sie glauben an die Artikel des Glaubens, die seit Jahrhunderten fest im Lehrgeb\u00e4ude des Islams verankert sind. Dass sie dennoch mit l\u00fcgnerischen Beschuldigungen angegriffen und sogar zu Ungl\u00e4ubigen erkl\u00e4rt werden, ist ein Trauerspiel und eines wahren Muslims unw\u00fcrdig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Anti-Ahmadiyya-Unruhen im Pakistan des Jahres 1973, bei denen Ahmadis zu tausenden militant angegriffen wurden, bei denen viele Ahmadis ihr Leben lassen mu\u00dften, bei denen ungez\u00e4hlte Ahmadi-H\u00e4user und Gesch\u00e4fte niedergebrannt und gepl\u00fcndert, gebrandschatzt und zerst\u00f6rt wurden, waren nicht nur deswegen von aufr\u00fchrerischen Gewaltt\u00e4tern lanciert worden, damit sie ihre Wut \u00fcber die Friedensbotschaft des Mahdis auslassen konnten, sie waren auch Teil eines politischen R\u00e4nkespiels des damaligen pakistanischen Premierministers Zulfikar Ali Bhutto. Er war es, der das Parlament, also eine rein weltliche Organisation, dar\u00fcber abstimmen lie\u00df, ob Ahmadis weiterhin wie Muslime zu behandeln seien. Im Zuge der ausgebrochenen Pogrome und der damit einhergehenden Verfolgungen flohen tausende von Ahmadis, vom Tode bedroht, aus Pakistan und suchten Zuflucht in L\u00e4ndern, die bereit waren, ihnen Asyl zu gew\u00e4hren. Mit einem Male sah sich die deutsche Ahmadiyya Muslim Jamaat vor die Situation gestellt, diesen Fl\u00fcchtlingen Obdach und geistlichen Beistand zu geben. Dank verst\u00e4ndnisvoller Rechtsprechung konnte sich die Mehrzahl der Gefl\u00fcchteten auf Dauer in Westdeutschland niederlassen. Und so wuchs die deutsche Gemeinde um ein Vielfaches, was neue Anforderungen mit sich brachte. Lokale Gemeinden wurden gegr\u00fcndet, die Struktur der Jamaat wurde auf jenes Niveau gehoben, die in L\u00e4ndern, in denen sehr viele Ahmadis leben, \u00fcblich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1970 war der deutsche Schriftsteller Hadayatullah (ehemals Paul-Gerhard) H\u00fcbsch nach einer abenteuerlichen Reise durch die Wirren der 60er Jahre mit ihren Umw\u00e4lzungen und Ver\u00e4nderungen, wie sie die Studentenrevolte und die Hippie-Bewegung mit sich brachten, der Ahmadiyya Muslim Jamaat beigetreten. Ebenfalls auf wundersame Weise war ein Bekannter von ihm, Uwe (sp\u00e4ter Abdullah) Wagishauser 1976 zur Annahme des islamischen Glaubens gelangt. Beide wurden innerhalb der Gemeinde bald mit vielf\u00e4ltigen Aufgaben betraut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als 1984 in Pakistan General Zia ul Haq an die Macht kam und seinen Vorg\u00e4nger, Bhutto, hinrichten lie\u00df, war dies f\u00fcr die Ahmadiyya Muslim Jamaat auch ein gewisser Meilenstein. Zia ul Haq, ein Mullah-Sohn, erlie\u00df bald darauf die ber\u00fcchtigten Anti-Ahmadiyya-Gesetze, aufgrund derer tausende von Ahmadis gefangengenommen wurden und durch die es immer wieder zu Ermordungen von Ahmadis kam. Das seinerzeitige Geistliche Oberhaupt der Gemeinde, Hazrat Mirza Tahir Ahmad, der 4. Kalif nach Erscheinen des Mahdis und Messias, mu\u00dfte Pakistan verlassen und nach London ins Exil gehen. Abertausende pakistanischer Ahmadis suchten ebenfalls Asyl. Somit kamen wiederum viele tausend Ahmadis nach Deutschland (mittlerweile sind es \u00fcber 25.000). Dadurch ver\u00e4nderte sich die Situation der deutschen Ahmadiyya Muslim Jamaat erneut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die in L\u00e4ndern, in denen es eine Vielzahl von Ahmadis gibt, bestehende Unterorganisationen wurden auch in Deutschland eingerichtet. So die Frauenorganisation Lajna Ima-Allah (Frauen Gottes), die eigenst\u00e4ndig unter dem Vorsitz ihrer Pr\u00e4sidentinnen arbeitet. Es gibt in ihr lokale Pr\u00e4sidentinnen, Pr\u00e4sidentinnen auf regionaler sowie eine Pr\u00e4sidentin auf der nationalen Ebene. Die Organisation der jungen M\u00e4nner zwischen 15 und 40, Khuddamul Ahmadiyya genannt, hat gleicherma\u00dfen diese Struktur, und so verh\u00e4lt es sich auch mit der Organisation der \u00e4lteren, \u00fcber 40 Jahre alten M\u00e4nner, die Ansarullah hei\u00dft. Weiterhin gibt es die Kinderorganisationen Nasirat (f\u00fcr M\u00e4dchen) und Atfal (f\u00fcr Jungen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im lokalen Bereich werden jeweils Pr\u00e4sidenten (Sadr) gew\u00e4hlt, die f\u00fcr die lokale Gemeinde insgesamt zust\u00e4ndig sind, ohne dass sie sich jedoch in die Angelegenheiten der Unterorganisationen einmischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf regionaler Ebene sind regionale Amire (Verwalter) eingesetzt, und auf der nationalen Ebene fungiert der Nationale Amir (Vorsitzender), derzeit Abdullah Wagishauser (der dieses Amt nunmehr seit rund 18 Jahren bekleidet). Er tr\u00e4gt die Verantwortung f\u00fcr die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der gesamten Gemeinde im Bereich der Verwaltung aller ihrer Zweige.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der nationale Amir, aber auch die regionalen Amire sowie die Pr\u00e4sidenten (Sadr genannt) arbeiten, sowohl auf der Frauen- als auch auf der M\u00e4nnerebene, mit einem Kabinett zusammen, Aamla genannt, das zumeist aus gew\u00e4hlten Verantwortlichen f\u00fcr die unterschiedlichen internen und \u00e4u\u00dferen Aufgaben der Gemeinde besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In jedem Jahr tagt unter seinem Vorsitz die sogenannte Schura (beratende Versammlung, zu der alle lokalen Gemeinden je nach ihrer Gr\u00f6\u00dfe eine bestimmte Anzahl von Repr\u00e4sentanten entsenden. Alle drei Jahre w\u00e4hlen die Teilnehmer der Schura den nationalen Amir als auch die meisten Mitglieder der Aamla. Dem Geistlichen Oberhaupt der Gemeinde, dem Kalifen, obliegt es aber, die Gew\u00e4hlten zu best\u00e4tigen oder auch nicht. Auf der Schura werden au\u00dferdem Fragen des Gemeindelebens diskutiert und das Budget beraten, das wiederum dem Kalifen zur Annahme oder Ab\u00e4nderung vorgelegt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gemeinde finanziert sich ausschlie\u00dflich durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge, die 1\/16 vom Netto-Einkommen jedes Mitglieds betragen. Abgesehen davon tragen die Gemeindemitglieder durch weitere finanzielle Opfer zur Verwirklichung von bestimmten Projekten bei, etwa dem Bau von Moscheen oder dem Betrieb des gemeindeeigenen Fernsehsenders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gemeinde ist als gemeinn\u00fctzig anerkannt und mu\u00df somit jedes Jahr dem Finanzamt genaue Rechenschaft \u00fcber Einnahmen und Ausgaben ablegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vielzahl der neuen, eingewanderten Ahmadis wurde im Lauf der Jahre erg\u00e4nzt durch zahlreiche \u00dcbertritte von Deutschen, Arabern, T\u00fcrken und Angeh\u00f6rigen anderer Nationen. Als im Verlauf der Balkankriege ungez\u00e4hlte Bosnier und Albaner nach Deutschland kamen, nahmen tausende von ihnen Baiat, d.h. sie gaben ihr Treuegel\u00fcbde gegen\u00fcber dem Kalifen ab und wurden Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der unterschiedlichen Nationen wurden nunmehr auch eigene Publikationen herausgegeben, und es gibt \u00fcberdies regelm\u00e4\u00dfige Treffen der Deutschen, T\u00fcrken etc., auf denen ihre spezifischen Probleme diskutiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den \u201eVerlag Der Islam\u201c und einige deutschsprachige Zeitschriften ist seit zwei Jahrzehnten weitgehend Hadayatullah H\u00fcbsch zust\u00e4ndig, Herstellung und Vertrieb ausgenommen. Mittlerweile sind in diesem Verlag \u00fcber 100 B\u00fccher und Brosch\u00fcren ver\u00f6ffentlicht worden, und zudem erscheinen die deutschsprachigen Zeitschriften \u201eWei\u00dfes Minarett\u201c (halbj\u00e4hrliches Magazin), \u201eIslam im Brennpunkt\u201c (Zeitschrift mit Anmerkungen zu aktuellen Themen, wie sie z.B. durch Leserbriefe den Medien von Ahmadis usw. zugesandt wurden) und \u201eIslam Forum\u201c (mit jeweils einem langen Artikel\u00a0 theologischer Natur).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem gibt eine Redaktion aus deutschen Ahmadi-Musliminnen die Zeitschrift \u201eNuur \u2013 f\u00fcr Frauen\u201c heraus. Eine weitere Publikation ist intern f\u00fcr die deutschen Muslime gedacht, das \u201eDeutsche Bulletin\u201c. Zudem gibt die Ahmadiyya Muslim Jamaat regelm\u00e4\u00dfig zwei Jugendzeitschriften in deutscher Sprache heraus, \u201eNurudin\u201c und das \u201eJugend Journal der Jamaat\u201c (JJJ). Alle Gemeindemitglieder (bzw. die Familien) erhalten kostenlos einmal monatlich das \u201eAhmadiyya Bulletin\u201c, das zweisprachig, in Deutsch und Urdu (der Landesprache Pakistans), abgefa\u00dft ist und auch das monatliche TV-Programm der deutschen Sendungen des gemeindeeigenen Fernsehsenders MTA enth\u00e4lt. Zudem ist sie im Internet auf \u201ewww.ahmadiyya.de\u201c pr\u00e4sent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fast alle der durch ein Amt in Verantwortung stehenden Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und ohne finanzielle Verg\u00fctung. Eine Ausnahme bilden die Moballighs (Botschafter des Islams), die auch Missionare genant werden k\u00f6nnen. Sie haben ihr Leben dem Islam geweiht und eine siebenj\u00e4hrige Ausbildeung an einer der Universit\u00e4ten der Gemeinde durchlaufen. F\u00fcr ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien kommt die Gemeinde auf. Sie sind sowohl im seelsorgerischen Bereich, als auch als Imame (Leiter des Gebets und vor allem des freit\u00e4glichen Hauptgottesdienstes, bei dem sie auch eine Predigt halten) t\u00e4tig, \u00fcberdies aber bisweilen auch in anderen Metiers, zum Beispiel als Verantwortliche f\u00fcr das deutschsprachige Fernsehprogramm oder \u00dcbersetzungsarbeiten und die Herstellung von Literatur. Insgesamt gibt es in der deutschen Ahmadiyya Muslim Gemeinde zur Zeit (2003) acht Moballighs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Aktivit\u00e4ten der Gemeinde z\u00e4hlen neben monatlichen Versammlungen in den lokalen Gemeinden auch Ausfl\u00fcge, Pickniks, Reisen, Sportturniere sowie Informations-Veranstaltungen, zu denen Freunde, Bekannte und die allgemeine \u00d6ffentlichkeit eingeladen werden. Nach den gro\u00dfen Feiertagen des Islams werden vielerorts ebenfalls B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu Festessen eingeladen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Besonderheit der Gemeinde ist der interreligi\u00f6se Dialog, bei dem Vertreter des Christentums, Judentums, Buddhismus etc. gebeten werden, zu einem vereinbarten Thema ohne jegliche Scheu einen Kurzvortrag zu halten, dem dann ein Co-Referat durch einen\u00a0 Vertreter des Islams folgt. Nach einer Erfrischungspause wird dann in gro\u00dfer Runde diskutiert. Zu erw\u00e4hnen ist in diesem Zusammenhang auch der \u201eTag der offenen Moschee\u201c, der seit einigen Jahren von der Ahmadiyya Muslim Jamaat begangen wird, womit sie sich einer Initiative angeschlossen hat, die bundesweit f\u00fcr eine \u00d6ffnung von Moscheen f\u00fcr Besucher am 3. Oktober eintritt. In die Nuur-Moschee Frankfurts kamen beispielsweise im Jahr der Attentate auf Zentren der USA \u00fcber 400 Besucher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein H\u00f6hepunkt des Gemeindelebens ist die gro\u00dfe J\u00e4hrliche Versammlung (Jalsa Salana), zu der sich in den letzten Jahren stets etwa 30.000 Besucher auf dem Maimarkt-Gel\u00e4nde in Mannheim einfanden. Zu diesem religi\u00f6sen Fest der Br\u00fcderlichkeit und Schwesterlichkeit kommt \u00fcblicherweise auch der Kalif der Gemeinde angereist. Neben dieser Jalsa Salana, die f\u00fcr alle Ahmadis sowie G\u00e4ste offensteht, organisieren die Unterorganisationen auch ihre eigenen regionalen und nationalen Versammlungen, zu denen ebenfalls tausende anzureisen pflegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Feste sehen neben gemeinsamen Gebeten, und im Falle der Versammlungen der Unterorganisationen geistigen und sportlichen Wettbewerben, vor allem auch Ansprachen von Gelehrtinnenund Gelehrten vor, die vom gemeindeeigenen Fernsehteam aufgezeichnet und bisweilen auch live vom in London ans\u00e4ssigen Sender der Gemeinde, Muslim Television Ahmadiyya International (MTA) ausgestrahlt werden. MTA sendet 24 Stunden t\u00e4glich und ist weltweit zu empfangen. Die Station wurde vom 4. Kalifen der Gemeinde, Hazrat Mirza Tahir Ahmad, ins Leben gerufen, sie bringt ausschlie\u00dflich Programme: Reden, Diskussionen, Frage-und-Antwort-Veranstaltungen, Gedichtvortr\u00e4ge, Quran-Rezitation, Sprachlehrstunden, aber auch \u00dcbertragungen von sportlichen Ereignissen, Kochanleitungen und Reiseberichte. Die Freitagsansprache des Kalifen wird live \u00fcbertragen und simultan in etliche Sprachen, darunter auch Deutsch, \u00fcbersetzt. T\u00e4glich bringt MTA auch ein deutschsprachiges, einst\u00fcndiges Programm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um ihren Mitgliedern Gebete und Versammlungen auf lokaler Ebene in w\u00fcrdevoller Umgebung zu erm\u00f6glichen, hat der 4. Kalif auch einen Plan ausgerufen, durch den im Lauf der Jahre Dutzende von Moscheen erbaut werden sollen. Somit ist es bereits m\u00f6glich geworden, eine ganze Reihe von kleinen Moscheen zu errichten, bzw. Grundst\u00fccke f\u00fcr Moscheen zu kaufen. Zusammen mit den Gottesh\u00e4usern, die schon seit Jahren in Hamburg, K\u00f6ln, Frankfurt, bei M\u00fcnchen und in Berlin unterhalten werden, kann die Ahmadiyya Muslim Jamaat rund 12 Moscheen ihren Mitgliedern und allen, die beten wollen, zur Verf\u00fcgung stellen. Gottesh\u00e4user gibt es inzwischen auch in Wittlich (bei Trier), Gro\u00df-Gerau, Darmstadt, Bremen, M\u00fcnster, Osnabr\u00fcck und Wabern (bei Kassel). In Hannover, Schl\u00fcchtern (Hessen) und etlichen anderen Orten sind die Planungen bereits weit gediehen. Zus\u00e4tzlich hat die Ahmadiyya Muslim Jamaat an \u00fcber 70 Orten kleinere Gebetszentren (Wohnungen etc.) angemietet oder gekauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zentrum der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland e.V. befindet sich in Frankfurt am Main (Genferstr. 11). Es ist ein gro\u00dfr\u00e4umiger Geb\u00e4udekomplex, in dem die Verwaltung untergebracht ist, das Planungsb\u00fcro f\u00fcr die Moscheenbauten, sowie der Verlag Der Islam, das Auslieferungslager des Verlags, das Fernsehstudio und Gebetsr\u00e4ume.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit rund 30.000 aktiven Mitgliedern (von den Schlafenden zu schweigen) ist sie eine der gro\u00dfen islamischen Gemeinden in Deutschland. Dazu ist zu bemerken, dass von den \u00fcber 3 Millionen Muslimen, die Deutschland beherbergt, nur etwa 10 \u2013 15% auch organisiert ist. Nach einer Erhebung des Islam-Archivs Deutschland (Soest) vom Fr\u00fchjahr 2003 k\u00f6nnen von den etwa 3.112.000 Muslimen in Deutschland nur 309.000\u00a0 Organisationen zugeordnet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der bekanntesten Gruppierungen ist die DITIB (T\u00fcrkisch Islamische Union der Anstalt f\u00fcr Religion), die dem Religionsministerium der T\u00fcrkei unterstellt ist, das auch die Entsendung von Hodschas (Geistlichen) organisiert. Sie werden f\u00fcr etwa 3 Jahre nach Deutschland entsandt. Der DITIB werden etwa 118.000 Mitglieder zugerechnet. Sie unterh\u00e4lt insgesamt 116 \u201eklassische\u201c Moscheen, also Geb\u00e4ude, die als Moschee erkenntlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der sogenannte \u201eIslamrat\u201c ist zwar mit 136.000 Mitgliedern gr\u00f6\u00dfer als DITIB, aber er ist nur eine Dachorganisation, die verschiedene Verb\u00e4nde versammelt. Zu ihnen z\u00e4hlt Milli Gor\u00fcs (IGMG), eine stark politische ausgerichtete Gruppierung, die\u00a0 eng mit Politikern aus der T\u00fcrkei verbunden ist und der der Geruch der Militanz anhaftet. Sie stand bislang im Visier des Verfassungschutzes, indes gibt es in ihr starke Bestrebungen, sich der deutschen, politischen Realit\u00e4t gegen\u00fcber zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den anderen Organisationen z\u00e4hlt die orthodoxe t\u00fcrkische Nurculuk Vereinigung und der \u201eZentralrat der Muslime\u201c, sowie, wenngleich in geringerem Ma\u00dfe, was konkrete Arbeit betrifft, die sogenannte IRH (Islamische Religionsgemeinschaft Hessen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zentralrat der Muslime hatte nach den Ereignissen vom 11. September eine gewisse Ber\u00fchmtheit erlangt, als ihr Vorsitzender, Elyas, von Politik und den Medien hofiert wurde. Dies vielleicht auch deswegen, weil der Name dieses Zusammenschlusses verschiedener Vereinigungen sehr symbolkr\u00e4ftig ist und eine \u00c4hnlichkeit mit dem \u201eZentralrat der Juden\u201c aufweist, der ja allgemein als Ansprechpartner, was die j\u00fcdische Religion betrifft, angesehen wird. Indes sind im Sommer 2003 erhebliche Zweifel am Image des Zentralrates, vor allem an dem seines Vorsitzenden, in den Medien laut geworden, weil Untersuchungen ergeben h\u00e4tten, dass Elyas Verbindungen zu radikalen saudi-arabischen und anderen Gruppierungen habe, die seine politische Unbedenklichkeit, was eine Absage an Gewalt und eine Anerkennung des Rechtsstaates betrifft, in Frage stellten. Auch die beiden Gro\u00dfkirchen haben Bedenken an einem gewissen Anspruch des Zentralrats ge\u00e4u\u00dfert, f\u00fcr die in Deutschl\u00f6and lebenden Muslime sprechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bekannt geworden ist der Zentralrat der Muslime auch durch die Ver\u00f6ffentlichung einer sog. Islam-Charta, die ein Gegenst\u00fcck zur UN-Charta der Menschenrechte darstellen soll. Jedoch ist diese Islam-Charta auch heftiger Kritik, sowohl durch kirchliche als auch islamische Verb\u00e4nde unterzogen worden, weil sie in bestimmten Kernfragen allzu schwammig formuliere. Eines aber ist in ihr hervorzuheben. Sie bekennt sich freim\u00fctig zur uneingeschr\u00e4nkten Religionsfreiheit, also auch dem Wechsel von einer Religion zu einer anderen. Dies war bislang in dieser Offenheit von einem orthodoxen islamischen Verband noch nicht ge\u00e4u\u00dfert worden, weil man in solchen Kreisen bislang an der mittelalterlichen Vorstellungen klebte, dass der \u00dcbertritt eines Muslims in eine andere Religion als Abfall vom Glauben zu brandmarken und mit dem Tode zu bestrafen sei. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat hat immer klar darauf hingewiesen, dass der Heilige Quran, die Grundlage f\u00fcr die Scharia, also die islamische Rechtssprechung, v\u00f6llige Religionsfreiheit garantiert. So hei\u00dft es in Sure 2 Vers 257: \u201eIn Glaubensdingen darf es keinen Zwang geben\u201c, und in Sure 18 Vers 30: \u201eLa\u00df den gl\u00e4ubig sein, der will, und den ungl\u00e4ubig sein, der will\u201c, von vielen anderen Versen abgesehen, die gleiches bekunden. In diesem Sinne ist die Gew\u00e4hrung von Glaubensfreiheit durch die Islam-Charta eine bemerkenswerte Neuheit unter den zeitgen\u00f6ssischen Vorstellungen von Geistlichen des Islams.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von ihrer Medienpr\u00e4senz abgesehen, ist der \u201eZentralrat der Muslime\u201c eher eine kleine und im Gesamtspektrum des Islams in Deutschland relativ unbedeutende Gruppierung. Er hat, nach Aussage des Islam-Archivs, nur 12.000 Mitglieder. Dass ihm von dpa eine Mitgliederzahl von 800.000 nachgesagt wurde, hat der \u201eZentralrat\u00a0 der Muslime\u201c am 25. M\u00e4rz 2002 selbst dementiert. Entsprechend einer Ausgabe des Wochenspiegels der epd (evangelischen presse agentur) vom 1. August 2002 hat er etwa 20.000 Mitglieder, die in 500 Moschee-Gemeinden und 19 Verb\u00e4nden organisiert sind. Seine Bedeutung hat er, wie bereits angedeutet, erlangt, weil er und sein Vorsitzender von einigen Politikern und Medien zum Repr\u00e4sentanten des Islams in Deutschland schlechthin gek\u00fcrt wurden. Dies aber spiegelt nicht die Realit\u00e4t muslimischen Lebens in Deutschland wider.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits kennzeichnet dieser Umstand eine Schwierigkeit, die immer wieder von Regierungsvertretern, den Kirchen und anderen Verb\u00e4nden beklagt wird: dass es f\u00fcr die 3 Millionen in Deutschland lebenden Muslime nicht eine \u00fcbergreifende Instanz gibt, mit der man sich auseinandersetzen k\u00f6nnte. In der Tat gibt es weder f\u00fcr die Sunniten, noch f\u00fcr die Schiiten jeweils eine, einzige Pers\u00f6nlichkeit, oder zumindest eine Institution, die von allen Sunniten bzw. Schiiten anerkannt w\u00fcrde. Hierzulande ist man es aber gewohnt, auf einer Ebene miteinander zu reden bzw. zu verhandeln, die eine allgemein akzeptierte Repr\u00e4sentanz voraussetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Denkschemata hat dem \u201eZentralrat der Muslime\u201c zu einer gewissen Bl\u00fcte verholfen. Realit\u00e4t ist jedoch, dass solch eine Repr\u00e4sentanz nicht existiert. Hand in Hand mit diesem Umstand geht die Tatsache, dass die jeweiligen Gruppierungen voneinander unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich bestimmter religi\u00f6ser Fragen haben. W\u00e4hrend, zum Beispiel, orthodoxe Muslime glauben, dass Allah die Welt vor etwa 6000 Jahren aus dem Nichts heraus geschaffen hat, leiten aufgekl\u00e4rte Muslime aus dem Heiligen Quran ab, dass seine Lehre in \u00dcbereinstimmung mit der weithin anerkannten wissenschaftlichen Theorie steht, dass vor etwa 18 Milliarden Jahren das Universum durch einen Urknall (Big Bang) zu existieren begann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evolutionstheorie ist also ein Streitpunkt der Theologen verschiedener islamischer Schulen. \u00c4hnlich kontrovers werden viele Verse des Heiligen Qurans diskutiert. Grunds\u00e4tzliche Gegens\u00e4tze gibt es hinsichtlich der Frage, ob bestimmte Verse, etwa die \u00fcber die Beschaffenheit von Paradies und H\u00f6lle, \u00fcber die Himmelfahrt des Propheten, seine Reise nach Jerusalem in einer Nacht, buchst\u00e4blich und wortw\u00f6rtlich, oder im metaphorischen Sinne zu interpretieren seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besondere Bedeutung hat auch die Frage nach dem Schicksal von Jesus, ob er tats\u00e4chlich gekreuzigt wurde oder nicht, ob er noch lebt oder auf Erden gestorben ist, indes nicht am Kreuz. Und vor allem, wie die Prophezeiungen des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, zu verstehen ist, in denen von der Wiederkunft Jesu die Rede ist, vom Mahdi und vom Dajjal (Anti-Christen). Hinzu kommen verschiedenartige Vorstellungen \u00fcber die Beschaffenheit der Dschinn, von denen im Quran in verschiedener Bedeutung die Rede ist. Sind es nun tats\u00e4chlich Geister, oder aber wird mit diesem Wort nur ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Verhalten gewisser Menschen zum Ausdruck gebracht ?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Meinungen zu diesen Fragen gehen weit auseinander, wenngleich ein inner-islamischer Dialog, eine Debatte, dazu so gut wie nicht gef\u00fchrt wird, was \u00e4u\u00dferst bedauernswert ist und zeigt, wie sehr die islamischen Organisationen sich in Isolation zu begeben w\u00fcnschen, was ein Zeichen von gro\u00dfer Schw\u00e4che ist. Zeitschriften, die von Muslimen herausgegeben werden, etwa die \u201eIslamische Zeitung\u201c, die sogar im Bahnhofsbuchhandel erh\u00e4ltlich ist und monatlich erscheint, oder \u201eAl-Islam\u201c, die der in einer M\u00fcnchner Moschee t\u00e4tige Deutsche Ahmad von Denffer viertelj\u00e4hrlich herausgibt, sparen Diskussionen zu solchen brisanten Themen aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und selbst im Internet, wo die Gelegenheit zur freim\u00fctigen Auseinandersetzung doch gegeben sein m\u00fc\u00dfte, werden Gespr\u00e4che hier\u00fcber von den orthodoxen Betreibern, zum Beispiel dem \u201eHaus des Islams\u201c, das auch Treffen deutschsprachiger Muslime (TDM genannt) organisiert, abgeblockt bzw. verhindert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Ausnahme bildete die Website \u201eIslam Today\u201c, die von Mitgliedern der Ahmadiyya Muslim Jamaat gestaltet wurde, auf der im Verlauf von 3 Jahren \u00fcber 3000 Fragen aus allen erdenklichen Schichten der Bev\u00f6lkerung eingingen, gerade auch von muslimischer Seite. Hier war es m\u00f6glich, selbst sehr heikle Fragen offen zu besprechen, und dies in einer Freim\u00fctigkeit, die im gesamten muslimischen Bereich unseres Landes ihresgleichen sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang sei auf die seit Jahren gef\u00fchrte Diskussion hingewiesen, ob ein islamischer Religionsunterricht an den Schulen eingef\u00fchrt werden m\u00fcsse. Indes haben sich Vertreter von Kirchen und Politik bislang fast ausschlie\u00dflich mit den Formalien besch\u00e4ftigt, und nicht mit den Inhalten, die zu lehren w\u00e4ren. Angesichts der Tatsache, dass der \u00fcberwiegende Teil der Muslime in Deutschland stark konservativ und orthodox ausgepr\u00e4gt ist und somit in den Augen fortschrittlich denkender Muslime zum Teil recht abergl\u00e4ubische Vorstellungen bez\u00fcglich der Interpretation gewisser Quran-Verse, wie bereits ausgef\u00fchrt, hegt, ist aber nicht davon auszugehen, dass das Hauptargument der Verantwortlichen von Gesellschaft, Kirche und Staat trifft. Es besagt, dass mit Hilfe des Islam-Unterrichtes an den Schulen den argw\u00f6hnisch be\u00e4ugten Quran-Schulen an den Moscheen entgegengewirkt werden k\u00f6nne. Tats\u00e4chlich aber w\u00fcrde, wenn denn die an Universit\u00e4ten auszubildenden Islam-Lehrer einen vernunftgem\u00e4\u00df argumentierenden Islam zu lehren beg\u00e4nnen, das Mi\u00dftrauen seitens der orthodoxen Hodschas und Imame extrem wachsen, die den staatlich verordneten Islam-Unterricht als Gefahr f\u00fcr ihre Glaubensvorstellungen ansehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ergebnis einer solchen Konfrontation w\u00e4re, dass entweder muslimische Eltern ihre Kinder nicht zum Islam-Unterricht schicken w\u00fcrden (was gesetzlich ja m\u00f6glich ist), oder aber dass die Hodschas Front gegen den Schul-Unterricht machen w\u00fcrden. Dadurch aber w\u00fcrde der Indoktrination im schlechten Sinne Tor und T\u00fcr ge\u00f6ffnet. Es k\u00e4me nicht zu einer Integration, sondern zu Ghetto-Verhalten, Isolierungskampagnen oder aber Heuchlerei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wem w\u00e4re damit geholfen ? Die L\u00f6sung f\u00fcr das so produzierte Dilemma liegt, denke ich, in einem allgemeinen Ethik-Unterricht, der die Sch\u00f6nheit moralischen Lebens aus den Perspektiven aller Religionen verst\u00e4ndnisvoll lehren m\u00fc\u00dfte. Dies w\u00fcrde sich als Ma\u00dfnahme der Friedensstiftung erweisen und hitzige Kontroversen unterbinden. Das Hessische Kultusministerium ist in dieser Hinsicht als Vorreiter aktiv geworden und hat einen Beirat zur Ethik des Islams im Ethik-Unterricht einberufen, dem neben Schulfachkr\u00e4ften auch Vertreter unterschiedlicher islamischer Gruppierungen angeh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber zur\u00fcck zur Darstellung der wichtigsten islamischen Organisationen in unserem Lande. Neben DITIB, dem Islamrat (d.h. vor allem Milli Gor\u00fcs), dem Zentralrat und der Ahmadiyya Muslim Jamaat mu\u00df noch auf die Nurculuk Vereinigung eingegangen werden, die sich auf einen einst in der T\u00fcrkei predigenden Hodscha beruft, der als Reformer verehrt wird. Nurculuk umfa\u00dft ca. 12.000 Mitglieder, die in 12o Medresen (Schulmoscheen) unterwiesen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere gro\u00dfe Organisation ist der Verband Islamischer Kulturzentren, er hat etwa 20.000 Mitglieder und nennt zwei Moscheen sein eigen, zudem unterh\u00e4lt er 6 Internate.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben diesen gr\u00f6\u00dferen Gruppierungen existieren in Deutschland ungez\u00e4hlte, sogenannte \u201efreie\u201c islamische Vereinigungen oder Moschee-Vereine, die sich nicht gebunden f\u00fchlen an eine der gro\u00dfen, genannten Richtungen. Das Islam-Archiv erw\u00e4hnt dazu, dass in ihnen weitgehend ein \u201emoderner\u201c Islam gepredigt w\u00fcrde, was wohl auch eine gewisse Abkehr von manchen Normen bedeutet, die urspr\u00fcnglich durch das vorbildliche Leben des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf, gesetzt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Sonderfall ist die sogenannte IRH, ein Zusammenschlu\u00df von 25 Moschee-Vereinen und Organisationen, die vor allem zum Zweck der Einf\u00fchrung eines islamischen Religionsunterrichtes in Hessen gegr\u00fcndet worden war. Anfangs sehr aktiv und an Mitgliedern (es werden rund 11.000 genannt, die alle in Hessen wohnen) stark, sorgte die \u201eIRH\u201c f\u00fcr Pr\u00e4senz an den Universit\u00e4ten und anderen Orten, zum Beispiel indem sie dort die Zeitschrift \u201eFreitagsblatt\u201c verteilte oder verkaufte. Eine der ersten Aktivit\u00e4ten dieser Gruppierung bestand darin, die Alewiten und die Ahmadiyya-Muslime zu Ungl\u00e4ubigen (Kafir) zu erkl\u00e4ren. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat hat darauf mit dem Buch \u201eWer sind die Ungl\u00e4ubigen ?\u201c geantwortet, in dem jeder einzelne Punkt, den die Repr\u00e4sentanten der \u201eIRH\u201c als Beweis oder Grund f\u00fcr den Ausschlu\u00df in einem Papier angegeben hatten, widerlegt wurde. Der eigenm\u00e4chtige Ausschlu\u00df, f\u00fcr den es eigentlich im Islam keine Rechtfertigung gibt, verursachte jedoch auch den Widerstand von Politikern, die der Bem\u00fchung der \u201eIRH\u201c, als Repr\u00e4sentant der Muslime in Hessen anerkannt zu werden und somit berechtigt zu sein, Islam-Unterricht zu erteilen, eine Abfuhr erteilten. Das Hessische Kultusministerium gab einige Gutachten zur \u201eIRH\u201c in Auftrag und beschied in der Folge den Antrag auf Erteilung von Religionsunterricht abschl\u00e4gig. Derzeit, also im August 2003, klagt die \u201eIRH\u201c dagegen, ohne dass dies Erfolg verspricht. Als Institution war sie \u00fcberdies wegen ihrer reaktion\u00e4ren, an mittelalterlichem Denken festhaltenden Auffassungen in den Medien ins Gerede gekommen. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Kapitels spielt die \u201eIRH\u201c in Hessen zumindest in der \u00d6ffentlichkeit so gut wie keine Rolle mehr. Und ihre Aktivit\u00e4ten sind ziemlich erloschen. So war schon vor einiger Zeit sang- und klanglos ihre Zeitung \u201eFreitagsblatt\u201c eingestellt worden und Presseerkl\u00e4rungen oder Stellungsnahmen zu aktuellen Ereignissen sind seit langem nicht mehr von ihr ver\u00f6ffentlicht worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den eben erw\u00e4hnten Alewiten sei gesagt, dass sie selbst sich als Muslime f\u00fchlen, w\u00e4hrend sie jedoch grundlegende Gebote des Islams f\u00fcr nicht mehr g\u00fcltig erkl\u00e4rt haben. Sie gr\u00fcnden auf den Ideen eines Derwischs, halten jedoch nicht l\u00e4nger an der Pflicht aller Muslime, die t\u00e4glichen Gebete zu verrichten, fest, und auch das Fasten im Monat Ramadan hat f\u00fcr sie keine Bedeutung mehr. Nach eigenen Angaben z\u00e4hlen sie \u00fcber 600.000 Mitglieder, manche von ihnen sprechen gar von etwa 1 Millionen Alewiten in Deutschland. Das Islam-Archiv gibt ihre Anzahl mit etwas \u00fcber 400.000 an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zahl der hierzulande wohnenden Schiiten berechnet es mit 622.000, sie haben mit der Ali-Moschee in Hamburg ihr bekanntestes Zentrum, von dem aus auch die deutschsprachige Zeitschrift \u201eAl-Fadschr\u201c herausgegeben wird. An Sunniten sieht das Islam-Archiv in seiner Erhebung vom Fr\u00fchjahr 2003 rund 2.490.000 Muslime. Unter allen Muslimen haben 732.000 einen deutschen Pa\u00df, und 12.400 von ihnen sind deutschst\u00e4mmig, also Konvertiten oder Kinder von Konvertiten. Das Islam-Archiv berichtet im Fr\u00fchjahr 2003 zudem, dass es 2002\/2003 insgesamt nur 412 \u00dcbertritte zum Islam gegeben habe, darunter 63% Frauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gesamt\u00fcberblick gibt es f\u00fcr all diese Muslime in Deutschland derzeit rund 2.380 Versammlungs- und Beth\u00e4user, zudem 141 \u201eklassische\u201c Moscheen, also Gottesh\u00e4user, die auch \u00e4u\u00dferlich als muslimische Gebetsst\u00e4tten erkennbar sind. Hinzuzuz\u00e4hlen sind noch die 120 Medresen (Schulmoscheen) der Nurculuk-Vereinigungen, 6 Internate und etwa 150 Bildungsst\u00e4tten der Gruppe der G\u00fclen-Nurculuk. Dar\u00fcberhinaus\u00a0 befanden sich im Fr\u00fchjahr 2003 weitere 154 Moscheen \u201eklassischer Art\u201c im Bau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen solche Bauvorhaben richten sich oftmals B\u00fcrgerinitiativen, in denen rechtsextreme Kr\u00e4fte h\u00e4ufig t\u00e4tig sind. Die verantwortlichen Politiker in den St\u00e4dten, in denen Muslime eine Moschee bauen m\u00f6chten, verhalten sich unterschiedlich. Ein CDU-B\u00fcrgermeister aus der bei Frankfurt gelegenen Kleinstadt Oberursel indes hat sogar gesagt: \u201eSolange in Mekka keine Kirche steht, wird es in Oberursel keine Moschee geben\u201c. Andererseits beweisen viele B\u00fcrgermeister und Stadtparlamente Weitblick.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Hannover, beispielsweise, waren die Regierenden f\u00fcr den Bau einer Moschee, die die Ahmadiyya Muslim Jamaat errichten wollte. Einem B\u00fcrgerbegehren zu Folge lud man dann f\u00fcnf Experten vor den Bauausschu\u00df, der dar\u00fcber zu beschlie\u00dfen hatte, ob man trotz des bereits seitens der Stadt der Gemeinde verkauften Grundst\u00fcckes den Bebauungsplan \u00e4ndern solle. Nach Anh\u00f6rung von F\u00fcr und Wider wurde dann im Sinne einer Bebauungserlaubnis sowohl seitens des Bauauschusses, als auch des Stadtparlamentes votiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im oberhessischen Schl\u00fcchtern hingegen gab es ein z\u00e4hes und mehrj\u00e4hriges Ringen um den Bau einer Moschee, gegen den sich ein rechtsgerichtetes B\u00fcndnis stark machte, das sogar die\u00a0 Parole \u201eSchl\u00fcchtern bleibt Moscheenfrei\u201c ausgab, die fatal an den Nazispruch, das diese oder jene Stadt judenfrei sei, erinnerte. Fernsehen und Zeitungen nahmen sich des Falles an, der letztlich mit einem Sieg der Ahmadiyya Muslim Jamaat endete, als eine knappe Mehrheit der zur B\u00fcrgerbefragung aufgerufenen Schl\u00fcchtener dem Moschee-Projekt zustimmte. Aber Meldungen von derartigen B\u00fcrgerinitiativen, die durchaus fremdenfeindliche Z\u00fcge aufweisen, sind immer wieder zu lesen, und es scheint manchen B\u00fcrgern nicht in den Kopf zu gehen, dass es auch in Deutschland so etwas wie eine vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Abwehrhaltung gegen\u00fcber Muslimen, ja, ein Ha\u00df auf den Islam und eine Angst vor dem Islam ist vermehrt seit den Ereignissen vom 11. September zu sp\u00fcren. Dazu haben manche Medien nicht gerade wenig beigetragen. Im Entsetzen vor den Terror-Anschl\u00e4gen wurde selten Ausgewogenheit gezeigt und zwischen friedliebenden Muslime, die sich der Verhaltensweise des Heiligen Propheten verpflichtet f\u00fchlen, und Terroristen, die eben diese Verhaltensweisen pervertieren, oftmals kein Unterschied gemacht. Bem\u00fchungen, die Sch\u00f6nheit\u00a0 der eigentlichen islamischen Lehre darzustellen, waren selten zu verzeichnen. Stattdessen wurden Quran-Zitate aus dem Zusammenhang gerissen und als Beispiel f\u00fcr einen angeblichen m\u00f6rderischen Kampfbefehl des Islams, alle \u201eUngl\u00e4ubigen\u201c zu t\u00f6ten, in Schlagzeilen pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sieht man sich jedoch diese Zitate genau an, d.h. \u00fcberpr\u00fcft man, in welchem Zusammenhang sie im Heiligen Quran stehen, kann man feststellen, dass sie alles in allem dem entsprechen, was der Auftrag jeder Armee eines Staates ist, der die Freiheit seiner B\u00fcrger bewahren will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist zu bef\u00fcrchten, dass die meisten jener Journalisten oder Politiker, die mit solchen Zitaten Angst einfl\u00f6\u00dften, gar nicht im Heiligen Quran nachgesehen haben, sondern willig gewissen Leuten nachplapperten, die, aus welchem dunklen Grund auch immer, die segensreiche und friedensstiftende Botschaft des Islams hassen, oder sie zumindest nicht verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei allen Warnungen vor der Gefahr, die vom Islam, bzw., wie man neudeutsch zu sagen pflegt, den Islamisten ausgehe, wird leider meist \u00fcbersehen, dass Kenner des islamischen Spektrums in Deutschland und auch der Welt von h\u00f6chstens 1% militanter Muslime reden. Indes beherrscht die \u00f6ffentliche Meinung ein Bild vom mit Feuer und Schwert auftretenden Anh\u00e4nger des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm. Dieses Bild jedoch ist seit Jahrhunderten im Westen gepflegt worden. Man ben\u00f6tigt h\u00e4ufig offensichtlich ein Feindbild und will dabei zu gerne \u00fcbersehen, welche Schreckenstaten auch schon im Namen Jesu begangen worden waren: Von den Kreuzz\u00fcgen \u00fcber die Inquisition und die Hexenverbrennungen bis hin zur Ausrottung der Inkas und der Indianer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicherlich ist es zutreffend, dass manch ein Machthaber aus islamisch beeinflu\u00dften L\u00e4ndern sich nur allzugerne die Massen gef\u00fcgig zu machen suchte, indem er sie zu einem \u201eJihad\u201c aufrief, einem blutigen Kampf gegen tats\u00e4chliche oder angebliche Feinde des Islams. Aber in unseren Tagen, in denen es leicht ist, sich Aufkl\u00e4rung \u00fcber die wirklichen Umst\u00e4nde solcher kriegerischen Auseinandersetzungen zu verschaffen, m\u00fc\u00dfte doch verst\u00e4ndlich geworden sein, dass die Lehre des Heiligen Qurans nur besagt, dass gegen jene, die die Freiheit abschaffen wollen, ein Verteidigungskampf erlaubt ist, eben ein Jihad (d.h. eine Anstrengung im Namen Allahs). Nicht aber, dass willk\u00fcrliche Aggression, um der Macht oder der Beute willen, ein Gebot Allahs ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die Diskussion um den Islam entz\u00fcndete sich nach dem 11. September nicht nur am Jihad, sondern an vielen anderen Fragen au\u00dferdem. Zum gro\u00dfen Teil wurde die Debatte \u00e4u\u00dferst irrational gef\u00fchrt. Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse oder ersichtlich falsche Interpretationen etwa \u00fcber das, was der Islam zur Position der Frau im Islam sagt, waren an der Tagesordnung. Und es gab nur wenige Artikel in den Zeitschriften und Zeitungen, die in der Lage waren, einigerma\u00dfen die Philosophie des Islams zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum eines der Medien bem\u00fchte sich darum, von sachkundigen Muslimen selbst Erkl\u00e4rungen zu den umstrittenen Punkten zu erhalten. Einseitigkeit triumphierte weitgehend. Und \u00fcble Beleidigungen des Glaubens der Muslime durch Politiker oder Schriftsteller blieben nicht aus. Die angeblich freie Presse wollte zumeist jene Meinungen nicht zur Kenntnis nehmen, die in der Lage gewesen w\u00e4ren, dazu zu verhelfen, den Islam zu verstehen. Man ergab sich vielmehr einer Anti-Haltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzum, die Masse an Artikeln und B\u00fcchern zum Thema Islam, die seit den Angriffen auf das Pentagon und das WTC publiziert wurde, trug nicht viel dazu bei, Frieden zu stiften, Verst\u00e4ndnis zu erwecken und Br\u00fccken zu bauen. Ein aufkeimender Dialog zwischen Christen und Muslimen wurde durch Aufs\u00e4tze im \u201eSpiegel\u201c und anderen Zeitschriften sogar so brutal niedergewalzt, dass man sich fragen mu\u00dfte, wer eigentlich ein Interesse daran hatte, ein Sich-Kennen-Lernen, ein Voneinander-Lernen zu verhindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben derlei Ungereimtheiten ist aber auch zu bemerken, dass es vielerorts eine Gelassenheit, ja sogar Unbefangenheit zu beobachten gibt, was den Umgang mit Muslimen betrifft. So suchen h\u00e4ufig Lehrerinnen und Lehrer Kontakt mit Moscheen, um ihre Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern durch einen Besuch im Gotteshaus der Muslime aus erster Hand mit dem Islam bekannt zu machen. An den Informationst\u00e4nden, die beispielsweise die Ahmadiyya Muslim Jamat in vielen kleinen und gro\u00dfen St\u00e4dten regelm\u00e4\u00dfig aufstellt, finden sich viele ein, die gerne Brosch\u00fcren mitnehmen oder mit den Musliminnen und Muslimen, die die St\u00e4nde betreuen, diskutieren m\u00f6chten. Bemerkenswert ist auch die Einrichtung der Offenen Kan\u00e4le in vielen St\u00e4dten Deutschlands, durch die es B\u00fcrgern, und damit eben auch Muslimen, m\u00f6glich ist, ihre eigenen Fernsehsendungen \u00fcber Kabel, von der Kassette oder auch\u00a0 Live, den Zuschauern zug\u00e4nglich zu machen. Dieses Angebot wird von etlichen muslimischen Gruppierungen gerne genutzt. Einige nehmen die Gelegenheit wahr, ihre Landsleute in ihrer Muttersprache zu informieren, andere sehen die Offenen Kan\u00e4le als Chance, ihren deutschen Mitb\u00fcrgern den Islam n\u00e4her zu bringen. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat, beispielsweise, engagiert sich seit Jahren in den Einrichtungen des Offenen Kanals in vielen St\u00e4dten \u2013 und erntet damit Wohlgefallen seitens Deutscher, die ihr Interesse und ihre Sympathie f\u00fcr diesen Weg der Aufkl\u00e4rung und zur Ausr\u00e4umung von Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen und Vorurteilen bekunden. Vor allem in Live-Sendungen, bei denen Zuschauer im Studio anrufen und Fragen stellen k\u00f6nnen, haben viel zur Beschwichtigung der Gem\u00fcter beigetragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wichtigste Thema, das neben der Frage zur Einstellung der Muslime zu Terrorismus und Gewalttat in den letzten Jahren \u00fcberall im Lande er\u00f6rtert wurde, betrifft die islamischen Bekleidungsvorschriften, vor allem die sogenannte Verschleierung der Frau, beziehungsweise das Kopftuch. Die von Allah im Heiligen Quran erlassene Vorschrift, dass Frauen ihre Haare bedeckt halten m\u00fcssen, es sei denn, sie haben das heiratsf\u00e4hige Alter \u00fcberschritten, erregt die Gem\u00fcter wie kaum ein anderes islamisches Gebot. Besonders ins \u00f6ffentliche Interesse geraten ist die Auffassung, dass Frauen ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen, um den M\u00e4nern keinen Anla\u00df zu unsittlichen Gedanken zu geben, seit die afghanisch-deutsche Lehrerin Ludhin vor Gerichten darum streitet, im Schulunterricht ein Kopftuch tragen zu d\u00fcrfen, was ihr von Beh\u00f6rden Baden-W\u00fcrtembergs mit dem Hinweis auf das staatliche Neutralit\u00e4tsgebot in Erziehungseinrichtungen verwehrt worden war. In anderen Bundesl\u00e4ndern indes hat man gegen Kopftuch tragende Lehrerinnen keine Bedenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Diskussion um das Kopftuch hat aber wohl vor allem psychologische Gr\u00fcnde, die in der Einstellung zur Sexualit\u00e4t zu sauchen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass ein bewu\u00dftes Bekenntnis zur Keuschheit als Ausdruck religi\u00f6ser Identit\u00e4t so die Gem\u00fcter erregt, ist, denke ich, wahrscheinlich im Wesentlichen dadurch zu erkl\u00e4ren, dass seit knapp 30 Jahren allenthalben eine sexuelle \u201eFreiheit\u201c propagiert wird, die sich in der \u00d6ffentlichkeit durch aufreizende Bekleidung sichtbar macht und, in den Medien, durch noch schamlosere Darstellung von sexuellen Reizen. Die meisten Menschen von heute, so scheint es, sehen in der Aus\u00fcbung und Darstellung von Sexualit\u00e4t das h\u00f6chste der Gef\u00fchle, sie haben kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die gl\u00fcckseligen Empfindungen, die der Gl\u00e4ubige in Aus\u00fcbung seiner Religion, im Gebet oder dem Studium heiliger Schriften, erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Islam hingegen lehrt, dass Sexualit\u00e4t nicht in die \u00d6ffentlichkeit, sondern in den privaten Bereich geh\u00f6rt. Er verurteilt au\u00dfereheliche Beziehungen, weil sie h\u00f6here Bereiche der Liebe nicht erreichen lassen und zudem zumeist dazu beitragen, dass Ehen und Familien wegen der Untreue des einen oder anderen Partners zerst\u00f6rt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche Auffassung steht in der Tat im sch\u00e4rfsten Gegensatz zu den hierzulande gutgehei\u00dfenen und praktizierten Vorstellungen von Sexualit\u00e4t. Ein Kompromi\u00df zwischen ihnen und der islamischen Lehre zur Funktion der Sexualit\u00e4t ist nicht m\u00f6glich. Andererseits bleibt zu fragen, warum jene, die sich \u00fcber Musliminnen aufregen, die durch Kopftuch oder Schleier kund tun, dass sie an Flirts usw. nicht interessiert sind, nicht die<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Toleranz aufbringen k\u00f6nnen, den Frauen zu \u00fcberlassen, wie sie sich anziehen wollen. Wenn die W\u00fcrde des Menschen, wie das Gerundgesetz der Bundesrepublik Deutschland an erster Stelle verlautbart, unantastbar ist, warum d\u00fcrfen dann muslimische Frauen nicht ihre W\u00fcrde durch eine Bedeckung eines der gr\u00f6\u00dften sexuellen Reize, der Haare, wahren ? Ist es so schwer einzusehen, dass in den Augen der Musliminnen der Schleier keineswegs, wie immer wieder behauptet wird, ein Symbol der Unfreiheit ist, sondern im Gegenteil, ein Zeichen ihres Selbstwertgef\u00fchls ?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist noch keine f\u00fcnfzig Jahre her, seit in Deutschland eine Frau, die etwas auf sich hielt, nur mit einer Kopfbedeckung aus dem Haus ging, und f\u00fcr den Mann galt das Motto: \u201eMan(n) geht nicht ohne Hut\u201c. Meint man denn tats\u00e4chlich, dass die Verwilderung der Sitten ein Ausdruck von Moderne, also gr\u00f6\u00dferer Selbstverwirklichung und erhellender Bewu\u00dftseinserweiterung ist ? \u201eDer Verlust der Scham ist der Beginn der Barbarei\u201c, schrieb der Begr\u00fcnder der Psychoanalyse, Sigmund Freud. Der Islam zieht die Grenze, an der der Verlust der Scham beginnt, dort, wo Mann und Frau am deutlichsten der Verf\u00fchrung zum Mi\u00dfbrauch der Sexualit\u00e4t ausgesetzt sind: im \u00f6ffentlichen Leben, auf der Stra\u00dfe. Das Bedecken der Haare, das gem\u00e4\u00df der Gewohnheit des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, der nie ohne Kopfbedeckung aus dem Haus ging, auch f\u00fcr muslimische M\u00e4nner, die sich vorbildlich verhalten m\u00f6chten, gilt, das Verh\u00fcllen des auf den ersten Blick hervorstechensten Merkmals \u00e4u\u00dferer Sch\u00f6nheit, ist eine gro\u00dfe Segnung. Wenn Nicht-Muslime dies nicht nachvollziehen k\u00f6nnen oder wollen, m\u00f6chten wir nicht mit ihnen streiten. Indes stimmt bedenklich, dass viele von ihnen so aggressiv auf Frauen oder M\u00e4nner des Islams reagieren, die sich in der \u00d6ffentlichkeit mit einer Kopfbedeckung zeigen. F\u00fcr ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen in Deutschland mu\u00df von beiden Seiten die F\u00e4higkeit bewiesen werden, nicht \u00fcber den anderen bestimmen zu wollen. Die vielgeforderte Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft kann nicht so aussehen, dass Muslime wohl begr\u00fcndbare moralische Grunds\u00e4tze preisgeben oder aufgeben. Deutschland kann seine 3 Millionen Muslime nicht wegw\u00fcnschen oder wegdenken. Es mu\u00df sich bem\u00fchen, mit diesen Menschen, die zum gro\u00dfen Teil als ersehnte Arbeitskr\u00e4fte ins Land geholt wurden, friedlich auszukommen. Das bedeutet auch, friedliches Miteinander dadurch zu erm\u00f6glichen, dass man dem Mitb\u00fcrger seine vernunftgem\u00e4\u00dfe Eigenart l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Islam in Deutschland, das h\u00f6rt sich in manchen Ohren wie ein Fremdk\u00f6rper an. Bei genauerem Hinschauen aber k\u00f6nnten die Nichtmuslime in Deutschland viel von den Muslimen lernen. Was selbstredend auch bedeutet, dass Muslime von Nichtmuslimen dieses Landes viel lernen k\u00f6nnen. In diesem Sinne steht es Muslimen und Nicht-Muslimen in Deutschland wie auch in den anderen Teilen der Welt gut an, die Ermahnung Allahs zu beherzigen, die Er in Sure 49, Verse 12-14, an die Menschheit gerichtet hat. Seine Worte lauten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eO die ihr glaubt ! lasset nicht ein Volk \u00fcber das andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch Frauen (eines Volkes) \u00fcber Frauen (eines anderen Volkes), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebet einander nicht Schimpfnamen. Schlimm ist das Wort: Ungehorsam nach dem Glauben; und wer nicht abl\u00e4\u00dft, das sind die Frevler. O die ihr glaubt ! Vermeidet h\u00e4ufigen Argwohn, denn mancher Argwohn ist S\u00fcnde. Und belauert nicht und f\u00fchrt nicht \u00fcble Nachrede \u00fcbereinander. W\u00fcrde wohl einer von euch gerne das Fleisch seines toten Bruders essen ? Sicherlich w\u00fcrdet ihr es verabscheuen. So f\u00fcrchtet Allah. Wahrlich, Allah ist langm\u00fctig, barmherzig. O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und euch zu V\u00f6lkern und St\u00e4mmen gemacht, dass ihr einander kennen m\u00f6chtet. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch der Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_97921\" style=\"width: 288px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-97921\" class=\"wp-image-97921 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Hadayatullah_Huebsch-278x300.jpg\" alt=\"\" width=\"278\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-97921\" class=\"wp-caption-text\">Der Urvater des Social-Beat. Hadayatullah H\u00fcbsch. Photo: Masroor-ahmad<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr die frei drehende Phantasie. Wir begreifen die Gattung des Essays als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Auch ein Essay handelt ausschliesslich mit Fiktionen, also mit Modellen der Wirklichkeit. Wir betrachten Michel de Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>. Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/12\/walden-life-in-the-woods\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauer\u00adbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/29\/die-fackel\/\">Kultur-Blog<\/a>. Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Enrik Lauer zieht die Dusche dem Wannenbad vor. Warum erstere im Sp\u00e4tkapitalismus \u2013 zum Beispiel als Zeit und Ressourcen sparend \u2013 zweiteres als Form der K\u00f6rperreinigung weitgehend verdr\u00e4ngt hat, ist einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/25\/wohlbefinden\/\">eigenen Betrachtung<\/a> wert. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">weitere Betrachtungen<\/a> von J.C. Albers. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n<p>Im Blick auf den Geistreichtum eines guten Essays kann man den Essay als den gro\u00dfen Bruder der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/09\/twitteratur-eine-neue-literaturgattung\/\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> auffassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Einflu\u00df des Islams auf Deutschland ist bereits viel geschrieben worden. Hervorzuheben sind zwei B\u00fccher von Sigrid Hunke, \u201eAllahs Sonne \u00fcber dem Abendland\u201c und \u201eKamele auf dem Kaisermantel\u201c, die ausf\u00fchrlich dar\u00fcber berichten, welche Pr\u00e4gungen islamisches Denken und Errungenschaften arabischer&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/08\/islam-in-deutschland\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":201,"featured_media":97921,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[249],"class_list":["post-103330","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-hadayatullah-hubsch"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/201"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103330"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103330\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103332,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103330\/revisions\/103332"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97921"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}