{"id":103213,"date":"2003-11-27T17:56:21","date_gmt":"2003-11-27T16:56:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103213"},"modified":"2022-05-23T18:10:31","modified_gmt":"2022-05-23T16:10:31","slug":"die-kunst-ist-das-sinnesorgan-der-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/11\/27\/die-kunst-ist-das-sinnesorgan-der-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Die Kunst ist das Sinnesorgan der Gesellschaft."},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vil\u00e9m Flussers zentrales Thema war der Untergang der Schriftkultur. Obwohl seine \u00dcberlegungen unentwegt um das Thema \u201eKrise\u201c kreisten, weigerte er sich, ein Pessimist zu sein. Mittelpunkt seiner Welt-, Menschen- und Gesellschaftssicht war stets das Thema Kommunikation.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Nur noch Historiker und andere \u00a0werden in Zukunft Schreiben und Lesen lernen m\u00fcssen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>F<\/strong>lussers Biographie erkl\u00e4rt seine bemerkenswerte Vielsprachigkeit. Er schrieb seine Texte in Englisch, Franz\u00f6sisch, Portugiesisch und Deutsch \u2013 seltener in seiner Muttersprache Tschechisch. Dasselbe Thema in verschiedenen Sprachen zu behandeln, hie\u00df f\u00fcr ihn, dieses von verschiedenen Punkten aus zu betrachten. Flusser lie\u00df sich oft von der Etymologie leiten, und mehrere Sprachen boten ihm auch mehrere Ans\u00e4tze. Er ver\u00f6ffentlichte haupts\u00e4chlich auf Deutsch und Portugiesisch. Sein Nachlass, der neben ca. 2500 Typoskripten auch s\u00e4mtliche erhaltenen Korrespondenzen und viele Tondokumente beinhaltet, befindet sich im Vil\u00e9m-Flusser-Archiv, das zun\u00e4chst von dem Medienarch\u00e4ologen Siegfried Zielinski betreut wurde. Es befand sich von 1998 bis 2006 an der Kunsthochschule f\u00fcr Medien K\u00f6ln und ist seit 2007 an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich, seit 2016 wird es von der Professorin f\u00fcr Kommunikations- und Mediensoziologie Maren Hartmann betreut.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Der Apparat tut, was der Mensch will, aber der Mensch kann nur wollen, was der Apparat kann.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gesamtheit seiner Denkbem\u00fchungen betitelt Flusser mit dem Kunstwort \u201eKommunikologie\u201c, worunter er die Lehre von der menschlichen Kommunikation versteht. Sein Kommunikationsbegriff ist dabei ausufernd und nicht leicht zu fassen. D\u00fcrnberger fasst das Kommunikationsverst\u00e4ndnis von Flusser in vier wesentlichen Punkten zusammen: Die menschliche Kommunikation ist (1) als Ph\u00e4nomen der Freiheit zu interpretieren, (2) ein existentielles Unterfangen, (3) in ihrer symbolischen Vermitteltheit dialektischer Natur und schlie\u00dflich (4) mitentscheidend f\u00fcr unseren Standpunkt in und zur Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hat zum Beispiel ein Fotoapparat mit einem Verwaltungsapparat gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts, und es sieht so aus, als ob wir den gleichen Terminus auf zwei unvergleichliche Dinge anwenden w\u00fcrden. Bei n\u00e4herem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass der Sprachgebrauch berechtigt ist: Beide, Foto- und Verwaltungsapparat, tendieren, immer automatischer zu funktionieren.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die Kommunikation des Menschen ist laut Flusser \u201eunnat\u00fcrlich\u201c. Ihre K\u00fcnstlichkeit zeigt sich im Besonderen an ihrer symbolischen Vermitteltheit. Flusser versteht das Anh\u00e4ufen von Informationen nicht als von Gesetzen ableitbaren Vorgang, sondern f\u00fchrt es auf die menschliche Freiheit, d. h. auf den menschlichen Willen zur\u00fcck.<\/li>\n<li>Die Menschwerdung muss \u2013 im Sinne des Existentialismus \u2013 als Entfremdung verstanden werden: Der Mensch wird aus der Welt versto\u00dfen (oder er entspringt ihr), d. h., er ist nicht l\u00e4nger wie das Tier in ihr aufgehoben, sondern tritt ihr als fremd gegen\u00fcber. Im Geworfensein liegt damit ein Gef\u00fchl der Ohnmacht, der Verlorenheit und der Einsamkeit \u2013 und gegen diese Stimmung, so Flusser, kommuniziert der Mensch: \u201eDie menschliche Kommunikation ist ein Kunstgriff, dessen Absicht es ist, uns die brutale Sinnlosigkeit eines zum Tode verurteilten Lebens vergessen zu lassen.\u201c<\/li>\n<li>Symbole sollen die Kluft, wie sie die Reflexion zwischen Welt und Mensch auftut, \u00fcberbr\u00fccken, indem sie die Welt bedeuten. Sie sollen die Welt darstellen, sie strukturieren und Orientierung schaffen. Symbole sind, so Flusser, ihrem Wesen nach dabei jedoch dialektischer Natur, d. h., ein Symbol besitzt nicht nur das Potential, die Welt darzustellen, es tr\u00e4gt auch die Tendenz inne, die Welt zu verdecken. F\u00fcr Flusser ist mit diesem Befund die M\u00f6glichkeit angesprochen, dass ein Code als System von Symbolen die Welt mehr verdeckt als er sie bedeutet.<\/li>\n<li>Kommunikation ist schlie\u00dflich laut Flusser mitentscheidend f\u00fcr unseren Standpunkt in und zur Welt. Symbole sind nicht als Spiegel der Wirklichkeit zu verstehen, sie bilden die Welt nicht eins zu eins ab, sondern nehmen in ihrem abstrahierenden Abbilden und akzentuierenden Beschreiben stets eine Konstruktion vor. Diese Konstruktion ist dabei, so Flusser, nicht unabh\u00e4ngig von der Art der Symbole, vielmehr gilt, dass jeder Code eine f\u00fcr ihn typische Pr\u00e4gung mit sich bringt.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die menschliche Kommunikation ist ein Kunstgriff gegen die Einsamkeit zum Tode.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Flusser geht von einem f\u00fcnfstufigen historischen Modell aus. Die erste Stufe wird einem Naturmenschen zugeordnet, der in einer vierdimensionalen Umwelt des unmittelbaren und \u201ekonkreten Erlebens\u201c lebt. Die zweite Stufe bezieht sich auf das Interesse des Menschen an Gegenst\u00e4nden, also an einer dreidimensionalen Umwelt. Mit der dritten Stufe wird die zweidimensionale Umwelt pr\u00e4gend f\u00fcr die Kultur: Traditionelle Bilder, die \u201eanschaulich und imagin\u00e4r\u201c sind, schieben sich zwischen den Menschen und seine Lebenswelt. Seit etwa viertausend Jahren sind lineare Texte zunehmend kulturpr\u00e4gend. Diese Art der Vermittlungstechnik von Informationen, bei der ein \u201eBegreifen mittels Begriffen\u201c erm\u00f6glicht wird, l\u00e4sst eine eindimensionale Umwelt entstehen. Die heutige Gesellschaft befindet sich auf dem Weg in eine nachalphabetische Phase der nulldimensionalen technischen Bilder, bei der die Texte ihre Funktion verlieren. Diesen gegenw\u00e4rtigen \u201eUmbruch der Codes\u201c charakterisiert Flusser als eine Situation der Krise. Wobei Flusser nicht nur die Herausforderungen, sondern ebenso die Produktivit\u00e4t eines solchen Umbruchs erkennt: In seinem Aufsatz <em>Wonach?<\/em> versucht er bruchst\u00fcckhaft Ausblick auf eine neue Wissenschaftlichkeit und Kultur jenseits der Dominanz der Schriftlichkeit zu geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Stufenmodell verweist das Zeichen der h\u00f6heren Stufe jeweils auf das Erlebte der n\u00e4chsttieferen Stufe. Ein Bild bedeutet die dargestellten dreidimensionalen Gegenst\u00e4nde; ein Text bedeutet ein Bild, welches seinerseits die Gegenst\u00e4nde bedeutet. Indem der Text den Bildinhalt auf eine Dimension reduziert, kann dieser Inhalt analysiert und kopiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Unterschied zwischen <em>traditionellen Bildern<\/em> und technischen bzw. \u201e<em>Technobildern<\/em>\u201c, wie Fotografien, Filmen, Video, statistischen Kurven, Diagrammen und Verkehrszeichen und -symbolen, sieht Flusser auf der Bedeutungsebene: W\u00e4hrend traditionelle Bilder Szenen darstellen, bedeuten Technobilder Texte. Ein traditionelles Frauenportr\u00e4t stellt eine (reale oder fiktive) Person dar; ein Technobild einer Frau dagegen bedeutet einen Satz (oder einen l\u00e4ngeren Text), z.\u00a0B. bedeutet das Technobild einer Frau auf einer WC-T\u00fcr: \u201eDieses WC d\u00fcrfen nur Frauen betreten!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Flusser sagt voraus, dass das Alphabet als dominierender Code von den Technobildern abgel\u00f6st werden wird. Dadurch w\u00fcrde sich auch die Auffassung von Raum und Zeit \u00e4ndern, denn der lineare Zeitverlauf und der geometrische Raum sind nur f\u00fcr die Menschen eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, die mit Texten aufgewachsen und von Texten gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei seinem Informationsbegriff spielt das Konzept der Entropie aus der Physik eine entscheidende Rolle, wobei er Informieren als eine universell-nat\u00fcrliche Verhaltensweise betrachtet. Informieren hei\u00dft bei ihm immer, etwas (amorphes Material) in Form bringen, wobei bei diesem Vorgang Energie genutzt wird. Bei der Nutzung von Energie wird allerdings unweigerlich Energie irreversibel zerstreut. W\u00e4hrend die Zerstreuung der Energie wahrscheinlich ist, ist der Zustand der Ordnung, also der Information, unwahrscheinlich. Folglich ist Information das Auftauchen des Unwahrscheinlichen und entspricht der Negentropie, einer negativen Entropie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er entwickelte eine positive Utopie der zuk\u00fcnftigen <em>telematischen Gesellschaft<\/em> (Telematik) als Gegenentwurf zu zeitgen\u00f6ssischen pessimistischen Medientheorien und Medienkritiken. Bei dieser <em>Konstruktion<\/em> nahm er an, dass jede Gesellschaft vom Zusammenspiel zweier Kommunikationsformen gepr\u00e4gt wird:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dialoge, die Informationen erzeugen, und Diskurse, durch die Informationen weitergegeben werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Sieht man die Schriftkultur in ihrer Gesamtheit als eine einzige, dreitausend Jahre lang laufende Zeile, so erkennt man sie als eine Schleife, die von Bildern ausgeht, um zu ihnen zur\u00fcckzukehren.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grunds\u00e4tzlich sind drei Formen der Gesellschaft aus dieser Annahme ableitbar:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die bisherige \u201eideale Gesellschaft\u201c, bei der Dialoge und Diskurse sich im Gleichgewicht befinden.<\/li>\n<li>Die \u201eautorit\u00e4re Gesellschaft\u201c, bei der die Diskurse dominieren. Das Fehlen der Dialoge zieht eine Informationsarmut nach sich. Diskurse werden nicht mehr durch Dialoge mit Informationen gespeist.<\/li>\n<li>Die zuk\u00fcnftige und \u201erevolution\u00e4re Gesellschaft\u201c, bei der Dialoge \u00fcberwiegen, welche st\u00e4ndig Informationen erzeugen. Bedingt durch die so entstehende Informationsflut zerbrechen die alten Diskurse. Dementsprechend gibt es in der telematischen Gesellschaft keine Autorit\u00e4ten. Sie ist, aufgrund ihrer vernetzten Struktur, v\u00f6llig undurchsichtig und lenkt sich selbst kybernetisch. So wird Telematik von ihm auch als \u201ekosmisches Hirn\u201c bezeichnet.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Flusser war nicht der Meinung, dass das Auftauchen neuer Medien zu Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchre. Vielmehr wies er auf die Gefahr hin, die Chancen, die sich durch die neuen Medien ergeben, zu verpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gepr\u00e4gt durch sein wechselhaftes Leben betrachtete Flusser Wohnen und Heimat als Zeichen der Gebundenheit des Menschen, der von Natur aus eigentlich Nomade ist. In der \u00dcberwindung der r\u00e4umlichen Distanzen durch die neuen Medien schafft sich der Mensch einen Zugang zu einer neuen Freiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass alle tats\u00e4chlichen Revolutionen technische Revolutionen sind.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Flusser hat seine eigene Situation als intellektueller Einwanderer in Brasilien in seinem 1994 erschienenen Werk &#8222;Brasilien oder die Suche nach dem neuen Menschen. F\u00fcr eine Ph\u00e4nomenologie der Unterentwicklung&#8220; reflektiert. Anders als Stefan Zweig, der ebenso wie Flusser aufgrund der nationalsozialistischen Machtergreifung aus Mitteleuropa emigriert war, sah Flusser sich jedoch nicht als Fl\u00fcchtling, sondern als Ank\u00f6mmling, als Immigrant. Seine Lebenslauf berechtigte ihn zu dieser Perspektive, denn er lebte drei Jahrzehnte lang in Brasilien und lernte Land und Leute gr\u00fcndlich kennen. Seine scharfe Beobachtung der brasilianischen Gesellschaft stellt eine der wichtigsten Reflexionen \u00fcber dieses Land da, nur vergleichbar in ihrem Realismus mit Claude L\u00e9vi-Strauss&#8216; &#8222;Traurige Tropen&#8220;. Die Grundlage seiner Betrachtungen \u00fcber Brasilien bildet die Erkenntnis, dass der Fremde, sofern er in der Lage ist, von allen mitgebrachten Klischees abzusehen, nicht etwa eine kulturelle Einheit vorfindet, die durch das Portugiesische begr\u00fcndet und gef\u00f6rdert wird, sondern eine fast amorphe Masse, die sich des Portugiesischen als einer Art Lingua Franca bedient. Aus diesem Grund auch gibt es f\u00fcr den Einwanderer keine andere Barriere als die sprachliche zu \u00fcberwinden. F\u00fcr Zweig lag genau darin ein Gegenpol zum Rassismus europ\u00e4ischer Pr\u00e4gung, er postulierte, Brasilien sei &#8222;ein Land der Zukunft&#8220;. Flusser indes lie\u00df sich nicht t\u00e4uschen. Auch er verglich die brasilianische Gesellschaft mit den Gesellschaften, die er aus Europa kannte, kam aber zu dem entgegengesetzten Schluss, dass Brasilien noch keine Gesellschaft im eigentlich Sinn entwickelt hatte. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer &#8222;falschen Oberfl\u00e4chenkultur&#8220; (S. 224), unter der sich stark divergierende Realit\u00e4ten verbergen. In diesem Sinne geht er weit \u00fcber Gilberto Freyres &#8222;Herrenhaus und Sklavenh\u00fctte&#8220; (1936) hinaus, der die Doktrin aufgestellt hatte, Brasilien habe bereits die &#8222;Rassendemokratie&#8220; verwirklicht, indem es zu einer harmonischen Vermischung von indianischer, afrikanischer und europ\u00e4ischer Bev\u00f6lkerung und Kultur gelangt sei. Dieser Ansatz entspringt laut Flusser einer &#8222;romantischen Ideologie&#8220; (S. 35), die durch Einwanderungswellen aus dem mittleren Osten, aus Japan und erneut aus Europa im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts ihre Berechtigung verloren habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Der Nationalismus ist eben deshalb so attraktiv, weil er verantwortungslos macht.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Flusser hatte eine doppelte Fachorientierung sowohl in die Philosophie als auch in die Kommunikationswissenschaft. Diese Interdisziplinarit\u00e4t kann in der Rolle der menschlichen Kommunikation gesehen werden, welche in Flussers Theorie eine zentrale Bedeutung einnimmt: Der Zweck der Kommunikation liegt darin, den Tod durch Speicherung von Informationen zu negieren. Sie ist ein Akt der Freiheit und hat das Ziel, Codes zu erschaffen, um die Sinnlosigkeit und Einsamkeit des Menschen zu vergessen. Dadurch, dass der Mensch die Bedeutungslosigkeit seines zum Tod verurteilten Lebens vergessen will, wird er ein geselliges Tier, ein zoon politikon. Die Kommunikation ist somit ein intentionaler, dialogischer und intersubjektivischer Akt, da der Mensch nicht einsam und allein leben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>T\u00fcren sind Mauerl\u00f6cher zum Ein- und Ausgehen. Man geht aus, um die Welt zu erfahren, und verliert sich dort drinnen, und man kehrt heim, um sich wiederzufinden, und verliert dabei die Welt, die man erobern wollte.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-103210 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Helferlein.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"297\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Helferlein.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Helferlein-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Helferlein-160x158.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>KUNO hat ein Faible f\u00fcr die frei drehende Phantasie. Wir begreifen die Gattung des Essays als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Auch ein Essay handelt ausschliesslich mit Fiktionen, also mit Modellen der Wirklichkeit. Wir betrachten Michel de Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>. Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/12\/walden-life-in-the-woods\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauer\u00adbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/29\/die-fackel\/\">Kultur-Blog<\/a>. Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Enrik Lauer zieht die Dusche dem Wannenbad vor. Warum erstere im Sp\u00e4tkapitalismus \u2013 zum Beispiel als Zeit und Ressourcen sparend \u2013 zweiteres als Form der K\u00f6rperreinigung weitgehend verdr\u00e4ngt hat, ist einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/25\/wohlbefinden\/\">eigenen Betrachtung<\/a> wert. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">weitere Betrachtungen<\/a> von J.C. Albers. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Vil\u00e9m Flussers zentrales Thema war der Untergang der Schriftkultur. Obwohl seine \u00dcberlegungen unentwegt um das Thema \u201eKrise\u201c kreisten, weigerte er sich, ein Pessimist zu sein. Mittelpunkt seiner Welt-, Menschen- und Gesellschaftssicht war stets das Thema Kommunikation. 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