{"id":103197,"date":"2003-04-28T15:43:23","date_gmt":"2003-04-28T13:43:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103197"},"modified":"2022-05-23T15:49:07","modified_gmt":"2022-05-23T13:49:07","slug":"apokalypse-offener-brief-an-das-publikum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/04\/28\/apokalypse-offener-brief-an-das-publikum\/","title":{"rendered":"Apokalypse (Offener Brief an das Publikum)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00bbDen \u00dcberwinder will ich genie\u00dfen lassen von dem Lebensholze, das in meines Gottes Paradiese steht.\u00ab<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 1. April 1909 wird aller menschlichen Voraussicht nach die \u203aFackel\u2039 ihr Erscheinen einstellen. Den Weltuntergang aber datiere ich von der Er\u00f6ffnung der Luftschiffahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Verz\u00f6gerung beider Ereignisse aus \u00e4u\u00dferen Gr\u00fcnden k\u00f6nnte an meiner Berechtigung nichts \u00e4ndern, sie vorherzusagen, und nichts an der Erkenntnis, da\u00df beide ihre Wurzel in demselben ph\u00e4nomenalen \u00dcbel haben: in dem fieberhaften Fortschritt der menschlichen Dummheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist meine Religion, zu glauben, da\u00df Manometer auf 99 steht. An allen Enden dringen die Gase aus der Welthirnjauche, kein Atemholen bleibt der Kultur und am Ende liegt eine tote Menschheit neben ihren Werken, die zu erfinden ihr so viel Geist gekostet hat, da\u00df ihr keiner mehr \u00fcbrig blieb, sie zu n\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir waren kompliziert genug, die Maschine zu bauen, und wir sind zu primitiv, uns von ihr bedienen zu lassen. Wir treiben einen Weltverkehr auf schmalspurigen Gehirnbahnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber siehe, die Natur hat sich gegen die Versuche, eine weitere Dimension f\u00fcr die Zwecke der zivilisatorischen Niedertracht zu mi\u00dfbrauchen, aufgelehnt und den Pionieren der Unkultur zu verstehen gegeben, da\u00df es nicht nur Maschinen gibt, sondern auch St\u00fcrme! \u00bbHinausgeworfen ward der gro\u00dfe Drache, der alle Welt verf\u00fchrt, geworfen ward er auf die Erde &#8230; Er war nicht m\u00e4chtig genug, einen Platz im Himmel zu behaupten.\u00ab Die Luft wollte sich verpesten, aber nicht \u00bberobern\u00ab lassen. Michael stritt mit dem Drachen, und Michel sah zu. Vorl\u00e4ufig hat die Natur gesiegt. Aber sie wird als die Kl\u00fcgere nachgeben und einer ausgeh\u00f6hlten Menschheit den Triumph g\u00f6nnen, an der Erf\u00fcllung ihres Lieblingswunsches zugrundezugehen. Bis zum Betrieb der Luftschiffahrt gedulde sich das Chaos \u2014 dann kehre es wieder! Da\u00df Montgolfieren vor hundert Jahren aufstiegen, war durch die dichterische Verkl\u00e4rung, die ein Jean Paul davon gab, gerechtfertigt f\u00fcr alle Zeiten; doch kein Gehirn mehr, das Eindr\u00fccke zu Bildern formen k\u00f6nnte, wird in den Tagen leben, da eine h\u00f6henstaplerische Gesellschaft zu ihrem Ziel gelangen und der Parven\u00fc ein Ma\u00dfbegriff sein wird. Es ist ein metaphysisches Bubenspiel: aber der Drache, den sie steigen lassen, wird lebendig. Man wird auf die Gesellschaftsordnung spucken k\u00f6nnen, und davon w\u00fcrde sie unfehlbar Schaden nehmen, wenn ihr nicht schlimmere Sendung zugedacht w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Natur mahnt zur Besinnung \u00fcber ein Leben, das auf \u00c4u\u00dferlichkeiten gestellt ist. Eine kosmische Unzufriedenheit gibt sich allenthalben kund, Sommerschnee und Winterhitze demonstrieren gegen den Materialismus, der das Dasein zum Prokrustesbett macht, Krankheiten der Seele als Bauchweh behandelt und das Antlitz der Natur entstellen m\u00f6chte, wo immer er ihrer Z\u00fcge gewahr wird: an der Natur, am Weibe und am K\u00fcnstler. Einer Welt, die ihren Untergang ertr\u00fcge, wenn ihr nur seine kinematographische Vorf\u00fchrung nicht versagt bleibt, kann man mit dem Unbegreiflichen nicht bange machen. Aber unsereins nimmt ein Erdbeben als Protest gegen die Sicherheit dieser Ordnung ohneweiters hin und zweifelt keinen Augenblick an der M\u00f6glichkeit, da\u00df ein \u00dcberma\u00df menschlicher Dummheit die Elemente emp\u00f6ren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tragik einer gefallenen Menschheit, die f\u00fcr das Leben in der Zivilisation viel schlechter taugt als eine Jungfer f\u00fcrs Bordell, und die sich mit der Moral \u00fcber die Syphilis tr\u00f6sten m\u00f6chte, ist versch\u00e4rft durch den unaufh\u00f6rlichen Verzicht auf alle seelische Erneuerung. Ihr Leib ist ethisch geschmiert und ihr Hirn ist eine camera obscura, die mit Druckerschw\u00e4rze ausgepicht ist. Sie m\u00f6chte vor der Presse, die ihr das Mark vergiftet hat, in die W\u00e4lder fliehen, und findet keine W\u00e4lder mehr. Wo einst ragende B\u00e4ume den Dank der Erde zum Himmel hoben, t\u00fcrmen sich Sonntagsauflagen. Hat man nicht ausgerechnet, da\u00df eine gro\u00dfe Zeitung f\u00fcr eine einzige Ausgabe eine Papiermasse braucht, zu deren Herstellung zehntausend B\u00e4ume von zwanzig Meter H\u00f6he gefallt werden mu\u00dften? Es ist schneller nachgedruckt als nachgeforstet. Wehe, wenn es so weit kommt, da\u00df die B\u00e4ume blo\u00df t\u00e4glich zweimal, aber sonst keine Bl\u00e4tter tragen! \u00bbUnd aus dem Rauche kamen Heuschrecken \u00fcber die Erde, welchen Macht gegeben wurde, wie die Skorpionen Macht haben &#8230; Menschen \u00e4hnlich waren ihre Gesichter &#8230; Und es ward ihnen geboten, weder das Gras auf der Erde, noch etwas Gr\u00fcnes, noch irgend einen Baum zu besch\u00e4digen, sondern blo\u00df die Menschen, die nicht haben das Siegel Gottes an ihren Stirnen.\u00ab Aber sie besch\u00e4digten die Menschen, und schonten die B\u00e4ume nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da besinnt sich die Menschheit, da\u00df ihr der Sauerstoff vom Fortschritt entzogen wurde und rennt in den Sport. Aber der Sport ist ein Adoptivkind des Fortschritts, er tr\u00e4gt schon auf eigene Faust zur Verdummung der Familie bei. Kein Entrinnen! Auch wenn sie auf dem Misthaufen des Lebens Tennis spielen, die Schmutzflut kommt immer n\u00e4her und das Sausen aller Fabriken \u00fcbert\u00f6nt so wenig ihr Ger\u00e4usch wie die Kl\u00e4nge der Symphoniekonzerte, zu denen die ganz Verlassenen ihre Zuflucht nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen tun die Politiker ihre Pflicht. Es sind M\u00e4rtyrer ihres Berufs. Ich habe geh\u00f6rt, da\u00df \u00d6sterreich Bosnien annektiert hat. Warum auch nicht? Man will alles beisammen haben, wenn alles aufh\u00f6ren soll. Immerhin ist solch ein einigend Band eine gewagte Unternehmung, \u2014 in Amerika, wo man uns so oft verwechselt hat, hei\u00dft es dann wieder, Bosnien habe Osterreich annektiert. Erst die Aufl\u00f6sung unseres Staates, von der in der letzten Zeit so viel die Rede war und die sich separat vollziehen wird, weil die anderen Weltgegenden nicht in solcher Gesellschaft zugrundegehen wollen, d\u00fcrfte allem m\u00fc\u00dfigen Gerede ein Ende machen. Doch es ist eine weitblickende Politik, den Balkan durcheinanderzubringen. Dort sind die Reserven zur Herstellung des allgemeinen Chaos. Aber die eigenen Wanzen mobilisieren bereits gegen die europ\u00e4ische Kultur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufgabe der Religion, die Menschheit zu tr\u00f6sten, die zum Galgen geht, die Aufgabe der Politik, sie lebens\u00fcberdr\u00fcssig zu machen, die Aufgabe der Humanit\u00e4t, ihr die Galgenfrist abzuk\u00fcrzen und gleich die Henkermahlzeit zu vergiften!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Durch Deutschland zieht ein apokalyptischer Reiter, der f\u00fcr viere ausgibt. Er ist Volldampf voraus in allen Gassen. Sein Schnurrbart reicht von Aufgang bis Niedergang und von S\u00fcden gen Norden. \u00bbUnd dem Reiter ward Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, und da\u00df sie sich einander erw\u00fcrgten<\/em>.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann aber sehe ich ihn wieder als das Tier mit den zehn H\u00f6rnern und den sieben K\u00f6pfen und einem Maul gleich dem Rachen eines L\u00f6wen. \u00bbMan betete das Tier an und sprach: Wer ist dem Tiere gleich? Und wer vermag mit ihm zu streiten? Ein Maul ward ihm zugelassen, gro\u00dfe Dinge zu reden.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben diesem aber steht die gro\u00dfe Hure, \u00bbdie mit ihrer Hurerei die Welt verdarb\u00ab. Indem sie sich allen, die da wollten, t\u00e4glich zweimal hingab. \u00bbVon dem Wollustwein ihrer Unzucht haben alle V\u00f6lker getrunken, und die K\u00f6nige der Erde buhlten mit ihr.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie werden die Leute aussehen, deren Gro\u00dfv\u00e4ter Zeitgenossen des Max Nordau gewesen sind? Am Tage B\u00f6rsengesch\u00e4fte abgewickelt und am Abend Feuilletons gelesen haben? Werden sie aussehen?! Weh dir, da\u00df du der Enkel eines alten Lesers der Neuen Freien Presse bist! Aber so weit l\u00e4\u00dft es die Natur nicht kommen, die ihre Beziehungen zur Presse streng nach deren Verhalten gegen die Kultur eingerichtet hat. Einer journalisierten Welt wird die Schmach eines lebensunf\u00e4higen Nachwuchses erspart sein: das Geschlecht, dessen Fortsetzung der Leser mit Spannung entgegensieht, bleibt im \u00dcbersatz. Die Sch\u00f6pfung versagt das Imprimatur. Der intellektuelle Wechselbalg, den eine Ratze an innerer Kultur besch\u00e4men m\u00fc\u00dfte, wird abgelegt. Der Jammer ist so gro\u00df, da\u00df er gleich den Trost mitbringt, es komme nicht so weit. Nein, der Bankert aus Journalismus und Hysterie pflanzt sich nicht fort! \u00dcber die Vorstellung, da\u00df es ein Verbrechen sein soll, der heute vorr\u00e4tigen Menschensorte die Frucht abzutreiben, lacht ein Totengr\u00e4ber ihrer Mi\u00dfgeburten. Aber die Natur arbeitet schon daraufhin, den Hebammen jede Versuchung zu ersparen! Die Vereinfachung der Gehirnwindungen, die ein Triumph der liberalen Bildung ist, wird die Menschen selbst zu jener geringf\u00fcgigen Arbeit unf\u00e4hig machen, deren Leistung die Natur ihnen eigens schmackhaft gemacht hat. So k\u00f6nnte die Auff\u00fchrungsserie des \u00bbWalzertraums\u00ab einen j\u00e4hen Abbruch erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber glaubt man, da\u00df die Erfolgsziffern der neuen Tonwerke ohne Einflu\u00df auf die Gestaltung dieser Verh\u00e4ltnisse bleiben werden? Da\u00df sie noch vor zwanzig Jahren m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren? Eine Welt von Wohllaut ist versunken, und ein kr\u00e4hender Hahn bleibt auf dem Repertoire; der Geist liegt auf dem Schindanger, und jeder Dreckhaufen ist ein Kristallpalast. Hat man den Parallelismus bemerkt, mit dem jedesmal ein neuer Triumph der \u00bbLustigen Witwe\u00ab und ein Erdbeben gemeldet werden? Wir halten bei der apokalyptischen 666 &#8230; Die mi\u00dfhandelte Urnatur grollt; sie emp\u00f6rt sich dagegen, da\u00df sie die Elektrizit\u00e4t zum Betrieb der Dummheit geliefert haben soll. Habt ihr die Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten der Jahreszeiten wahrgenommen? Kein Fr\u00fchling kommt mehr, seitdem die Saison mit solcher Schmach erf\u00fcllt ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Kultur besteht aus drei Schubf\u00e4chern, von denen zwei sich schlie\u00dfen, wenn eines offen ist: aus Arbeit, Unterhaltung und Belehrung. Die chinesischen Jongleure bew\u00e4ltigen das ganze Leben mit einem Finger. Sie werden leichtes Spiel haben. Die gelbe Hoffnung! &#8230; Meinen Anspr\u00fcchen auf Zivilisation w\u00fcrden allerdings die Schwarzen gen\u00fcgen. Nur, da\u00df wir ihnen in der Sittlichkeit \u00fcber sind. In Illinois hat es eine wei\u00dfe Frau mit einem Neger gehalten. Das Verh\u00e4ltnis blieb nicht ohne Folgen: \u00bbNachdem eine Menge Wei\u00dfer zahlreiche H\u00e4user im Negerviertel in Brand gesteckt und verschiedene Gesch\u00e4fte erbrochen hatten, ergriffen sie einen Neger, sch\u00f6ssen zahlreiche Kugeln auf ihn ab und kn\u00fcpften die Leiche an einem Baum auf. Die Menge tanzte dann unter ungeheurem Jubelgeschrei um die Leiche herum.\u00ab In der Sittlichkeit sind wir ihnen \u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Humanit\u00e4t, Bildung und Freiheit sind kostbare G\u00fcter, die mit Blut, Verstand und Menschenw\u00fcrde nicht teuer genug erkauft sind. Nun, bis zu dem Chinesentraum versteige ich mich nicht; aber einem gelegentlichen Barbarenangriff auf die Bollwerke unserer Kultur, Parlamente, Redaktionen und Universit\u00e4ten, k\u00f6nnte man zustimmen, wenn er nicht selbst wieder eine politische Sache w\u00e4re, also eine Gemeinheit. Als die Bauern eine Hochschule st\u00fcrmten, wars nur der andere P\u00f6bel, der seines Geistes Losung durchsetzen wollte. Die Dringlichkeit, die Universit\u00e4ten in Bordelle zu verwandeln, damit die Wissenschaft wieder frei werde, sieht keine politische Partei ein. Aber die Professoren w\u00fcrden als Portiers eine Anstellung finden, weil die Vollbarte ausgen\u00fctzt werden k\u00f6nnen und die W\u00fcrde nun einmal da ist, und die Kollegiengelder w\u00e4ren reichlich hereingebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDen Verzagten aber, und Ungl\u00e4ubigen, und Verruchten, und Totschl\u00e4gern, und G\u00f6tzendienern, und allen L\u00fcgnern, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was vermag nun ein Satirenschreiber vor einem Getriebe, dem ohnedies schon in jeder Stunde ein Hohngel\u00e4chter der H\u00f6lle antwortet? Er vermag es zu h\u00f6ren, dieweil die anderen taub sind. Aber wenn er nicht geh\u00f6rt wird? Und wenn ihm selbst bange wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er versinkt im Heute und hat von einem Morgen nichts zu erwarten, weil es kein Morgen mehr gibt, und am wenigsten eines f\u00fcr die Werke des Geistes. Wer heute noch eine Welt hat, mit dem mu\u00df sie untergehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso sicherer, je l\u00e4nger die \u00e4u\u00dfere Welt Stand h\u00e4lt. Der wahre Weltuntergang ist die Vernichtung des Geistes, der andere h\u00e4ngt von dem gleichgiltigen Versuch ab, ob nach Vernichtung des Geistes noch eine Welt bestehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum glaube ich einige Berechtigung zu dem Wahnwitz zu haben, da\u00df die Fortdauer der \u203aFackel\u2039 ein Problem bedeute, w\u00e4hrend die Fortdauer der Welt blo\u00df ein Experiment sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die tiefste Bescheidenheit, die vor der Welt zur\u00fccktritt, ist in ihr als Gr\u00f6\u00dfenwahn verrufen. Wer von sich selbst spricht, weil kein anderer von ihm spricht, ist l\u00e4stig. Wer niemand mit seiner Sache zu belasten wagt und sie selbst f\u00fchrt, damit sie nur einmal gef\u00fchrt sei, ist anma\u00dfend. Und dennoch wei\u00df niemand besser als ich, da\u00df mir alles Talent fehlt, mitzutun, da\u00df mich auf jedem Schritt der absolute Mangel dessen hemmt, was unentbehrlich ist, um sich im Ged\u00e4chtnis der Mitlebenden zu erhalten, der Mangel an Konkurrenzf\u00e4higkeit. Aber ich wei\u00df auch, da\u00df der Gr\u00f6\u00dfenwahn vor der Bescheidenheit den Vorzug der Ehrlichkeit hat und da\u00df es eine untr\u00fcgliche Probe auf seine Berechtigung gibt: seinen k\u00fcnstlerischen Ausdruck. Dar\u00fcber zu entscheiden, sind freilich die wenigsten Leser sachverst\u00e4ndig, und man ist auch hier wieder auf den Gr\u00f6\u00dfenwahn angewiesen. Er sprach: Selbstbespiegelung ist erlaubt, wenn das Selbst sch\u00f6n ist; aber sie erw\u00e4chst zur Pflicht, wenn der Spiegel gut ist. Und jedenfalls w\u00e4re es sogar ehrlicher, zum dionysischen Praterausrufer seiner selbst zu werden, als sich von dem Urteil der zahlenden Kundschaft abh\u00e4ngig zu machen. Die Journalisten sind so bescheiden, die Keime geistiger Saat f\u00fcr alle Zeiten totzutreten. Ich bin gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig: ich wei\u00df, da\u00df meine Zeit nicht kommen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Leser! Wir gehen jetzt zusammen ins zehnte Jahr, wir wollen nicht nebeneinander \u00e4lter werden, ohne uns \u00fcber die wichtigsten Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse geeinigt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die falsche Verteilung der Respekte, die der Journalismus durchf\u00fchrte, hat auch das Publikum zu einer verehrungsw\u00fcrdigen Standesperson gemacht. Das ist es nicht. Oder ist es blo\u00df f\u00fcr den Sprecher, dem es die unmittelbare Wirkung des Worts best\u00e4tigt, nicht f\u00fcr den Schreibenden; f\u00fcr den Redner und Theatermann, nicht f\u00fcr den K\u00fcnstler der Sprache. Der Journalismus, der auch das geschriebene Wort an die Pflicht unmittelbarer Wirkung band, hat die Gerechtsame des Publikums erweitert und ihm zu einer geistigen Tyrannis Mut gemacht, der sich jeder K\u00fcnstler selbst dann entziehen mu\u00df, wenn er sie nur in den Nerven f\u00fchlt. Die Theaterkunst ist die einzige, vor der die Menge eine sachverst\u00e4ndige Meinung hat und gegen jedes literarische Urteil behauptet. Aber das Eintrittsgeld, das sie bezahlt, um der Gaben des geschriebenen Wortes teilhaft zu werden, berechtigt sie nicht zu Beifalls- oder Mi\u00dffallsbezeigungen. Es ist blo\u00df eine l\u00e4cherliche Verg\u00fcnstigung, die es dem einzelnen erm\u00f6glicht, um den Preis eines Schinkenbrots ein Werk des Geistes zu beziehen. Da\u00df die Masse der zahlenden Leser den Gegenwert der schriftstellerischen Leistung bietet, wie die Masse der zahlenden H\u00f6rer den des Theatergenusses, w\u00e4re mir schon eine unertr\u00e4gliche Fiktion. Aber gerade sie schl\u00f6sse ein Zensurrecht des einzelnen Lesers aus und lie\u00dfe blo\u00df Kundgebungen der gesamten Leserschar zu. Der vereinzelte Zischer wird im Theater \u00fcberstimmt, aber der Briefschreiber kann ohne akustischen Widerhall seine Dummheit bet\u00e4tigen. Worunter ein Schriftsteller, der mit allen Nerven bei seiner Kunst ist, am tiefsten leidet, das ist die Anma\u00dfung der Banalit\u00e4t, die sich ihm mit individuellem Anspruch auf Beachtung aufdr\u00e4ngt. Sie schafft ihm das furchtbare Gef\u00fchl, da\u00df es Menschen gibt, die sich f\u00fcr den Erlag zweier Nickelm\u00fcnzen an seiner Freiheit vergreifen wollen, und seine Phantasie \u00f6ffnet ihm den Prospekt einer Welt, in der es nichts gibt als solche Menschen. Dagegen empf\u00e4nde er tats\u00e4chlich den organisierten Einspruch der Masse als eine logische Beruhigung, als die Aus\u00fcbung eines wohlerworbenen Rechtes, als die kontraktliche Erf\u00fcllung einer M\u00f6glichkeit, auf die er vorbereitet sein mu\u00dfte und die demnach weder seinem Stolz noch seinem Frieden ein Feindliches zumutet. Wenn sich die Entt\u00e4uschungen, die meine Leser in den letzten Jahren an mir erleben, eines Tages in einem Volksgemurmel Luft machten, ich w\u00fcrde mich in diesem eingerosteten Leben an der Bereicherung der Verkehrsformen freuen. Aber da\u00df ein Chorist der \u00f6ffentlichen Meinung sich vorschieben darf, meine Arie st\u00f6rt und da\u00df ich die Nuancen einer Stupidit\u00e4t kennen lernen mu\u00df, die doch nur in der Gesamtheit imposant wirkt, ist wahrhaft gr\u00e4\u00dflich. Es ist eine liberale Wohlfahrtsinstitution, da\u00df der Leser seine Freiheit gegen den Autor hat und da\u00df seine Privilegien \u00fcber das Naturrecht hinausreichen, den Bezug einer unangenehmen Zeitschrift aufzugeben; da\u00df Menschen, mit denen ich wirklich nicht mehr als Essen und Verdauen und auch dies nur ungern gemeinsam habe, es wagen d\u00fcrfen, mir ihr Mi\u00dffallen an meiner \u00bbRichtung\u00ab kundzutun oder gar zu begr\u00fcnden. Es schafft blo\u00df augenblickliche Erleichterung, wenn ich in solchem Fall sofort das Abonnement auf die \u203aFackel\u2039 aufgebe und die Entziehung, so weit sie m\u00f6glich ist, durchf\u00fchren lasse. Deprimierend bleibt die Z\u00e4higkeit, mit der diese Leute auf ihrem Recht bestehen, meine Feder als die Dienerin ihrer Lebensauffassung und nicht als die Gef\u00e4hrtin meiner eigenen zu betrachten; vernichtend wirkt die Hoffnung, die sie noch am Grabe ihrer W\u00fcnsche aufpflanzen, dies l\u00e4stige Zureden ihrer stofflichen Erwartungen. Wie weit es erst, wie unerme\u00dflich weit es mich all den Sachen entr\u00fcckt, die zu vertreten oder zu zertreten einst mir inneres Gebot war, ahnt keiner. Dem Publikum gilt die \u00bbSache\u00ab. Ob ich mich \u00fcber oder unter die Sache gestellt habe, das zu beurteilen, ist kein Publikum der Erde f\u00e4hig; aber wenn es verurteilt, da\u00df ich au\u00dferhalb der Sache stehe, so ist es berechtigt, schweigend seine Konsequenz zu ziehen. Da\u00df ich die publizistische Daseinsberechtigung verloren habe, ist hoffentlich der Fall; die Form periodischen Erscheinens dient blo\u00df meiner Produktivit\u00e4t, die mir in jedem Monat ein Buch schenkt. Zieht mir der periodische Schein dauernd Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse zu, bringt er mir Querulanten ins Haus und die unertr\u00e4glichen Scharen jener, denen Unrecht geschieht und denen ich nicht helfen kann, und jener, die mir Unrecht tun und denen ich nicht helfen will, so mache ich ihm ein Ende. Jetzt ist die Zeit zur Aussprache gekommen, aber ich bin immer noch nachgiebig genug, den Lesern die Entscheidung zu \u00fcberlassen. Ich betr\u00fcge ihren Appetit, indem ich ihre Erwartung, Pikantes f\u00fcr den Nachtisch zu kriegen, entt\u00e4usche und ihnen Gedanken serviere, die der Nachtruhe gef\u00e4hrlich sind. Mich selbst bedr\u00fcckt ihr Alp; denn es ist nicht meine Art, ahnungslose G\u00e4ste zu mi\u00dfhandeln. Aber sie sollen im zehnten Jahr nicht sagen, da\u00df sie ungewarnt zu Schaden gekommen sind. Wer dann noch mit dem Vorurteil zu mir kommt, da\u00df ich ein Enth\u00fcller stofflicher Sensationen sei, da\u00df ich berufsm\u00e4\u00dfig die Decken von den H\u00e4usern hebe, um lichtscheue Wahrheiten oder gar nur versteckte Peinlichkeiten emporzuziehen \u2014 der hat das Kopfweh seiner eigenen Unvorsichtigkeit zuzuschreiben. Ein Teil dieser Leser will \u00bbdie Wahrheit\u00ab h\u00f6ren um ihrer selbst willen, der andere will Opfer bluten sehen. Das Instinktleben beider Gruppen ist plebejisch. Aber ich t\u00e4usche sie, weil meine Farbe rot ist und mit der Verhei\u00dfung lockt, zu erz\u00e4hlen, wie sichs ereignet hat. Da\u00df ich l\u00e4ngst heimlich in eine Betrachtungsweise abgeglitten bin, die als das einzige Ereignis gelten l\u00e4\u00dft: wie ichs erz\u00e4hle, \u2014 das ist die letzte Enth\u00fcllung, die ich meinen Lesern schuldig bin. Ich t\u00e4uschte, und war allemal tief betroffen, allemal wu\u00dfte ich, da\u00df ich mir dergleichen nicht zugetraut h\u00e4tte; aber ich blieb dabei, Aphorismen zu sagen, wo ich Zust\u00e4nde enth\u00fcllen sollte. So schmarotze ich nur mehr an einem alten Renommee. Glaubt einer, da\u00df es auf die Dauer ein angenehmes Bewu\u00dftsein ist? Nun, ich wollte den Lesern helfen und ihnen den Weg zeigen, der zur Entsch\u00e4digung f\u00fcr den Ausfall an Sensationen f\u00fchrt. Ich wollte sie zu einem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Angelegenheiten der deutschen Sprache erziehen, zu jener H\u00f6he, auf der man das geschriebene Wort als die naturnotwendige Verk\u00f6rperung des Gedankens und nicht blo\u00df als die gesellschaftspflichtige H\u00fclle der Meinung begreift. Ich wollte sie entjournalisieren. Ich riet ihnen, meine Arbeiten zweimal zu lesen, damit sie auch etwas davon haben. Sie waren entr\u00fcstet und sahen im n\u00e4chsten Heft nach, ob nicht doch etwas gegen die Zust\u00e4nde bei der L\u00e4nderbank darin stehe &#8230; Nun wollen wir sehen, wie lange das so weiter geht. Ich sage, da\u00df der einzige \u00f6ffentliche \u00dcbelstand, den noch aufzudecken sich lohnt, die Dummheit des Publikums ist. Das Publikum w\u00fcnscht so allgemeine Themen nicht und schickt mir Aff\u00e4ren ins Haus. Aber wie selten ist es, da\u00df das Interesse der Skandalsucht mit meinen separatistischen Bestrebungen zusammentrifft! Wenns einen Fall Riehl gibt, verzeiht mir das Publikum die Gedanken, die ich mir dazu mache, und freut sich, da\u00df es einen Fall Riehl gibt. Es ist ein schmerzliches Gef\u00fchl, eine Wohltat nicht zu verdienen; aber es ist geradezu tragisch, sein eigener Parasit zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn das ist es ja eben, da\u00df von meinem Wachstum, welches die Reihen meiner Anh\u00e4nger so stark gelichtet hat, die Zahl meiner Leser im Durchschnitt nicht ber\u00fchrt wurde, und da\u00df ich zwar kein guter Gesch\u00e4ftsmann bin, solange ich die \u203aFackel\u2039 bewahre, aber gewi\u00df ein schlechter, wenn ich sie im \u00dcberdru\u00df hinwerfe. Ziehe ich es vor, kein guter zu sein, so wird noch weniger als Gewinnsucht die Lust der Beweggrund sein, diesen Kunden zu gefallen. Sie m\u00f6gen sich vermindern. In Tabakgesch\u00e4ften neben dem Kleinen Witzblatt liegen zu m\u00fcssen und neben all dem tristen Pack, das mit talentlosen Enth\u00fcllergeb\u00e4rden auf den K\u00e4ufer wartet, es wird immer h\u00e4rter und es ist eine Schmach unseres Geisteslebens, an der ich nicht allzulange mehr Teil haben m\u00f6chte. Um den wenigen, die es angeht, zug\u00e4nglich zu sein, lohnt es nicht, sich den vielen Suchern des Stoffes hinzugeben. Und weil es toll ist, auf die Flucht aus der Aktualit\u00e4t Wiener Zeitungsleser mitzunehmen, so ist es anst\u00e4ndig, sie dann und wann vor die Frage zu stellen, ob sie sich die Sache auch gr\u00fcndlich \u00fcberlegt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Politikern bin ich ein \u00c4sthet, den \u00c4stheten ein Politiker. Der Unterschied ist geringer, als beide denken: dem \u00c4stheten l\u00f6st sich alles in eine Linie auf, dem Politiker in eine Fl\u00e4che. Ich glaube, da\u00df das nichtige Spiel, welches beide treiben, beide gleich weit vom Leben f\u00fchrt, in eine Ferne, in der sie \u00fcberhaupt nicht mehr in Betracht kommen. Es ist tragisch, f\u00fcr jene Partei reklamiert zu werden, wenn man von dieser nichts wissen will, und zu dieser geh\u00f6ren zu m\u00fcssen, weil man jene verachtet. Aus der H\u00f6he wahrer Geistigkeit aber sieht man die Politik nur mehr als \u00e4sthetischen Tand und die Orchidee als eine Parteiblume. Es ist derselbe Mangel an Pers\u00f6nlichkeit, der die einen treibt, das Leben im Stoff, und die andern, das Leben in der Form zu suchen. Ich meine es anders als beide, wenn ich, fern den Tagen, da ich in \u00e4u\u00dferen K\u00e4mpfen lebte, fern aber auch den sch\u00f6nen K\u00fcnsten des Friedens, mir heute den Gegner nach meinem Pfeil zurechtschnitze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Realit\u00e4t nicht suchen und nicht fliehen, sondern erschaffen und im Zerst\u00f6ren erst recht erschaffen: wie sollte man damit Gehirne begl\u00fccken, durch deren Windungen zweimal im Tag der Mist der Welt gekehrt wird? \u00dcber nichts f\u00fchlt sich das Publikum erhabener als \u00fcber einen Autor, den es nicht versteht, aber Kommis, die sich hinter einer Budel nicht bew\u00e4hrt h\u00e4tten oder haben, sind seine Heiligen. Den Journalisten nahm ein Gott, zu leiden, was sie sagen. Mir aber wird das Recht bestritten werden, meiner tiefsten Verbitterung Worte zu geben, denn nur den Stimmungen des Lesers darf eine Feder dienen, die f\u00fcr Leser schreibt. Meine Leser sind jene Wei\u00dfen, die einen Neger lynchen, wenn er etwas Nat\u00fcrliches getan hat. Ich leiste feierlichen Verzicht auf die Rasse und will lieber \u00fcberhaupt nicht gelesen sein, als von Leuten, die mich f\u00fcr ihre R\u00fcckst\u00e4ndigkeit verantwortlich machen. Sie ist im Fortschritt begriffen \u2014 wie wird es mir ergehen? Die intellektuelle Presse macht dem Schwachsinn des Philisters Mut und erhebt die Plattheit zum Ideale: so sind die Folgen meiner T\u00e4tigkeit unabsehbar. Der letzte Tropf, der sich am sausenden Webstuhl der Zeit zu schaffen macht, wird mich als M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger verachten. Ich wollte nach Deutschland gehen, denn wenn man unter \u00d6sterreichern lebt, lernt man die Deutschen nicht so sehr hassen als unbedingt notwendig ist. Ich wollte meine Angstrufe in Deutschland aussto\u00dfen, denn in Osterreich bezieht man sie am Ende auf die Kappen und nicht auf die K\u00f6pfe. Aber ein satanischer Trieb verlockt mich, die Entwicklung der Dinge hier abzuwarten und auszuharren, bis der gro\u00dfe Tag des Zornes kommt und die tausend Jahre vollendet sind. Bis der Drache losgelassen ist und mir eine Stimme aus den Wolken ruft: \u00bbFlieg&#8217;n m&#8217;r, Euer Gnaden?\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_102191\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-102191\" class=\"wp-image-102191 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1999\/11\/Fakel_Cover-199x300.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-102191\" class=\"wp-caption-text\">Die Fakel, ein analoger Blog<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr die frei drehende Phantasie. Wir begreifen die Gattung des Essays als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Auch ein Essay handelt ausschliesslich mit Fiktionen, also mit Modellen der Wirklichkeit. Wir betrachten Michel de Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>. Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/12\/walden-life-in-the-woods\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauer\u00adbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/29\/die-fackel\/\">Kultur-Blog<\/a>. Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Enrik Lauer zieht die Dusche dem Wannenbad vor. Warum erstere im Sp\u00e4tkapitalismus \u2013 zum Beispiel als Zeit und Ressourcen sparend \u2013 zweiteres als Form der K\u00f6rperreinigung weitgehend verdr\u00e4ngt hat, ist einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/25\/wohlbefinden\/\">eigenen Betrachtung<\/a> wert. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">weitere Betrachtungen<\/a> von J.C. Albers. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbDen \u00dcberwinder will ich genie\u00dfen lassen von dem Lebensholze, das in meines Gottes Paradiese steht.\u00ab &nbsp; Am 1. April 1909 wird aller menschlichen Voraussicht nach die \u203aFackel\u2039 ihr Erscheinen einstellen. Den Weltuntergang aber datiere ich von der Er\u00f6ffnung der Luftschiffahrt.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/04\/28\/apokalypse-offener-brief-an-das-publikum\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":102,"featured_media":102191,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[202],"class_list":["post-103197","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-karl-kraus"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/102"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103197"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103197\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103198,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103197\/revisions\/103198"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/102191"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}