{"id":103174,"date":"2003-01-31T11:31:14","date_gmt":"2003-01-31T10:31:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103174"},"modified":"2022-06-05T14:06:04","modified_gmt":"2022-06-05T12:06:04","slug":"von-der-angewohnheit-und-von-der-misslichkeit-gewohnte-gesetze-zu-aendern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/31\/von-der-angewohnheit-und-von-der-misslichkeit-gewohnte-gesetze-zu-aendern\/","title":{"rendered":"Von der Angewohnheit und von der Mi\u00dflichkeit, gewohnte Gesetze zu \u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derjenige hat meiner Meinung nach die Macht der Gewohnheit sehr richtig eingesehen, welcher zuerst die Erz\u00e4hlung erfand; eine Bauersfrau habe ein Kalb in der Stunde, da es geboren worden, auf den Arm genommen und gestreichelt, und da sie mit diesen Liebkosungen t\u00e4glich fortgefahren, sei sie durch die Gewohnheit dahin gelangt, da\u00df sie dasselbe Tier noch auf den Armen getragen, zu einem so gro\u00dfen Ochsen es auch herangewachsen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn es ist wahrlich eine heftige und listige Schulmeisterin, diese Gewohnheit! Ganz unvermerkt setzt sie sich bei uns auf den Fu\u00df der Herrschaft; hat sie aber mit Hilfe der Zeit diesen sanften und unvermerkten Anfang genommen, so zeigt sie uns nach und nach ein trotziges und tyrannisches Gesicht, gegen welches wir nicht einmal ferner die Freiheit behalten, unsere Augen aufzuschlagen. Bei jeder Gelegenheit sehen wir sie die Regeln der Natur \u00fcberw\u00e4ltigen. Usus efficacissimus rerum omnium magister.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Angewohnheit+und+von+der+Mi%C3%9Flichkeit#F669\"><sup>2<\/sup><\/a> Dies l\u00e4\u00dft noch an die H\u00f6hle des Plato in seiner Republik glauben und macht es mir begreiflich, wie die \u00c4rzte so oft, ihrer Herrschaft zufolge, die Gr\u00fcnde ihrer Kunst beiseite setzen k\u00f6nnen und wie jener K\u00f6nig durch ihre Hilfe seinen Magen dergestalt einzurichten vermochte, da\u00df er endlich vom Gift sich n\u00e4hren konnte, und wie das M\u00e4dchen, von dem Albertus erz\u00e4hlt, sich gew\u00f6hnen konnte, von Spinnen zu leben. Und wie man in der neuen indischen Welt, unter ganz verschiedenen Himmelsstrichen, gro\u00dfe V\u00f6lkerschaften fand, welchen sie zur Speise dienten, die solche sammelten und einmachten, ebenso wie Heuschrecken, Ameisen, Eidechsen und Flederm\u00e4use, und da\u00df bei einer gro\u00dfen Teuerung eine Kr\u00f6te um sechs Reichstaler verkauft wurde. Man kocht sie dort und richtet sie an mit allerlei Br\u00fchen. Man hat andere V\u00f6lker angetroffen, denen unsere Fleischspeisen giftig und t\u00f6dlich waren. Consuetudinis magna vis est. Pernoctant venatores in nive; in montibus uri se patiuntur; pugiles caestibus contusi ne ingemiscunt quidem.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Angewohnheit+und+von+der+Mi%C3%9Flichkeit#F670\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese wundersamen Beispiele verlieren ihr Wundersames, wenn wir beherzigen, wie es uns ganz gew\u00f6hnlich geht und wie die Gewohnheit unsere Sinne stumpft. Wir d\u00fcrfen nicht erst auf Reisen gehen, um zu erfahren, was man von den Einwohnern in der N\u00e4he der Katarakte des Nils erz\u00e4hlt, und um uns von dem zu \u00fcberzeugen, was die Philosophen von der Harmonie der Sph\u00e4ren meinen. Die K\u00f6rper dieser Kreise, die fest, dicht und glatt sind, k\u00f6nnen, indem sie sich ber\u00fchren und im Vor\u00fcberfahren sich reiben, nicht fehlen, eine bewunderungsw\u00fcrdige Harmonie zu erregen, nach deren Rhythmus sich die Wendungen und G\u00e4nge der Sterne in ihrem Tanz richten; aber das Geh\u00f6r der Gesch\u00f6pfe dieses Erdbodens ist durch die ununterbrochene Dauer dieses Klanges so wie die \u00c4gypter von den Katarakten bet\u00e4ubt, und sie k\u00f6nnen nichts davon vernehmen, so stark er auch \u00fcbrigens sei. Die Schmiede, Tischler, Blechschl\u00e4ger und Fa\u00dfbinder k\u00f6nnten das Ger\u00e4usch, das sie machen, nicht aushalten, wenn es ihnen ebenso stark gellte als uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Riechkissen dient meiner Nase; wenn ich es aber nur drei Tage hintereinander im Busen getragen habe, so dient es nur den Nasen meiner Gesellschafter. Dies hier ist noch seltsamer, da\u00df ungeachtet der langen Zwischenzeiten und gro\u00dfen L\u00fccken die Angewohnheit ihre Eindr\u00fccke auf unsere Sinne fortpflanzen und erhalten kann; wie es diejenigen erfahren, die in der N\u00e4he von einem Glockengel\u00e4ute wohnen. Ich habe meine Wohnung in einem Turm, worin eine gro\u00dfe Glocke h\u00e4ngt, die bei jedem Auf- und Niedergang der Sonne zum Gebet l\u00e4utet. Mein Turm selbst f\u00e4hrt zusammen von dem Get\u00f6ne, und mir schien es die ersten Tage unausstehlich. Nicht lange, so ward ich dergestalt daran gew\u00f6hnt, da\u00df ich&#8217;s h\u00f6re, ohne darauf zu achten und oft nicht einmal davon aufgeweckt werde. Plato gab einem Kinde, das mit N\u00fcssen spielte, dar\u00fcber einen Verweis. Dies antwortete: Du brummst auch mit mir um eine Kleinigkeit. Angewohnheit, versetzte Plato, ist keine Kleinigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich finde, da\u00df unsere gr\u00f6\u00dften Laster schon in unserer zartesten Kindheit ihre Falten legen und da\u00df unsere haupts\u00e4chlichste Erziehung in den H\u00e4nden der S\u00e4ugammen liegt. Den M\u00fcttern ist&#8217;s ein Zeitvertreib, mit anzusehen, wie ein Kind einem H\u00fcndchen den Hals umdreht oder sich brav tummelt, um einen Hund oder eine Katze zu pr\u00fcgeln oder zu plagen; und mancher Vater ist so dumm, es f\u00fcr ein Zeichen einer kriegerischen Seele zu halten, wenn sein Sohn einen Bauern oder einen Lakaien mi\u00dfhandelt, die sich nicht wehren d\u00fcrfen, und f\u00fcr feinen Verstand, wenn er seine Gespielen durch Bosheit und R\u00e4nke \u00fcberlistet. Dies sind gleichwohl die wahren Keime und Wurzeln der Grausamkeit, der Tyrannei und der Treulosigkeit; sie bestocken sich, wachsen lustig in die H\u00f6he und gedeihen gewaltig unter den H\u00e4nden der Gewohnheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine gef\u00e4hrliche Lage, dergleichen sch\u00e4ndliche Neigungen mit der Schw\u00e4che des kindischen Alters oder mit seinem Leichtsinn zu entschuldigen. Erstlich, so ist es die Natur, welche spricht; deren Stimme in diesem Alter um so reiner und inniger t\u00f6nt, je feiner und unausgebildeter sie ist. Zweitens liegt die Scheu\u00dflichkeit des Betruges nicht in dem Verh\u00e4ltnis eines Talers zu einer Nadel, sie liegt im Betruge selbst. Ich halte es f\u00fcr richtiger, folgenderma\u00dfen zu schlie\u00dfen: Warum sollte er nicht bei Talern betr\u00fcgen, wenn er sogar bei Nadeln betr\u00fcgt, als, so wie sie tun: er betr\u00fcgt ja nur um Nadeln, bei Talern wird er sich wohl davor h\u00fcten! Man mu\u00df die Kinder sorgf\u00e4ltig lehren, die Laster hassen ihrer selbst wegen, und ihnen ihre H\u00e4\u00dflichkeit recht anschaulich machen, damit sie vor ihnen fliehen, nicht nur im Handel allein, sondern vorz\u00fcglich auch solche im Herzen verabscheuen; da\u00df ihnen selbst der Gedanke daran zuwider sei, was f\u00fcr eine Larve sie auch vornehmen m\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df recht gut, da\u00df, weil ich mich in meinen Knabenjahren daran gehalten habe, best\u00e4ndig meinen geraden gebahnten Weg fortzugehen, und keinen Spa\u00df daran fand, in meinen kindischen Spielen Pfiffe oder Kniffe zu gebrauchen (wie man denn in der Tat wohl zu merken hat, da\u00df Kinderspiele keine Spiele, sondern an sich betrachtet f\u00fcr Kinder die ernsthaftesten Besch\u00e4ftigungen sind); es noch jetzt keinen leichten Zeitvertreib gibt, bei dem ich nicht, ohne Nachdenken und aus blo\u00df nat\u00fcrlichem Hang, mit Aufrichtigkeit und vollem Widerwillen gegen List zu Werke gehe. Ich spiele meine Karten mit ebensoviel \u00dcberlegung um blo\u00dfe Marken und rechne so scharf, als ob ich um Goldst\u00fccke spielte; selbst dann, wenn es mit meiner Frau und meinen Kindern gleichg\u00fcltig ist, ob ich gewinne oder verliere, bin ich so genau, als wann es im Ernst ginge. Es ist mir durchg\u00e4ngig genug an meinen eigenen Augen, mich vor b\u00f6sen K\u00fcnsten zu h\u00fcten. Keine Fremden k\u00f6nnen mich so genau in Aufsicht halten. Es gibt auch keine anderen, f\u00fcr die ich gr\u00f6\u00dferen Respekt h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe noch neulich einen kleinen Mann, geb\u00fcrtig aus Nantes, in meinem Hause gehabt, der ohne Arme geboren ist, welcher seine F\u00fc\u00dfe dergestalt auf den Dienst abgerichtet hat, den ihm seine H\u00e4nde leisten sollen, da\u00df sie wirklich dar\u00fcber die H\u00e4lfte ihrer nat\u00fcrlichen Verrichtungen vergessen haben. Im \u00fcbrigen nennt er sie seine H\u00e4nde; er handhabt damit Schere und Messer, er ladet eine Pistole und schie\u00dft sie los. Er f\u00e4delt eine Nadel ein, n\u00e4ht und schreibt; er nimmt seinen Hut ab, k\u00e4mmt sich, spielt Karten und W\u00fcrfel und r\u00fcttelt sie im Becher, mit ebensoviel Geschicklichkeit wie irgendein Spieler. Das Geld, welches ich ihm gab, nahm er mit einem Fu\u00df, wie wir&#8217;s in die Hand zu nehmen pflegen. Ich erinnere mich eines anderen, der, schon als Kind noch, da ihm die H\u00e4nde fehlten, zwischen Kinn und Hals einen Degen und eine Hellebarde f\u00fchrte, sie in die Luft warf und wieder auffing, einen Dolch warf und mit der Peitsche knallte wie der beste Fuhrmann im Reich. Man entdeckt aber die Wirkung der Gewohnheiten weit besser an den sonderbaren Eindr\u00fccken, die sie auf unsere Seele macht, wo sie nicht so viel Widerstand zu \u00fcberwinden hat. Was vermag sie nicht \u00fcber unser Urteil und unsern Glauben! Gibt&#8217;s wohl eine Meinung, die seltsam genug sei \u2013 ich spreche nicht von den groben T\u00e4uschungen, womit sich gro\u00dfe Nationen und sehr klug d\u00fcnkende M\u00e4nner haben trunken machen lassen (denn, da dieser Teil au\u00dferhalb den Grenzen unserer menschlichen Vernunft liegt, so ist es zu entschuldigen, wenn man sich hier verirrt, insofern einer nicht au\u00dferordentlicherweise darin durch g\u00f6ttlichen Beistand erleuchtet worden), sondern von anderen Meinungen nur \u2013, gibt es wohl welche, die seltsam genug gewesen w\u00e4ren, um sich nicht allenthalben, wo man es darauf anlegte, als Gesetz, als Wahrheit festzusetzen und fortzupflanzen? Und ist daher die alte Deklamation sehr gerecht: Non pudet physicum, id est, speculatorem venatoremque naturae, ab animis consuetudine imbutis quaerere testimonium veritatis.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Angewohnheit+und+von+der+Mi%C3%9Flichkeit#F671\"><sup>4<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin \u00fcberzeugt, es falle in die menschliche Einbildung keine so sinnlose Grille, die nicht hier oder dort \u00f6ffentlich im Schwange gehe und die also gewisserma\u00dfen von unserer Vernunft gebilligt und gutgehei\u00dfen werde. Es gibt Nationen, bei denen man sich mit dem R\u00fccken gegen denjenigen kehrt, welchen man gr\u00fc\u00dfen will, und den, den man ehren will, niemals ansieht. Es gibt andere, wo, wann der K\u00f6nig ausspuckt, die Dame an seinem Hofe, die am meisten seine Gunst hat, ihm ihre Hand vorh\u00e4lt; und noch eine andere V\u00f6lkerschaft, wo die Vornehmsten, die ihn umgeben, sich zur Erde beugen, um in Leinwand aufzufangen, was er verdaut fallen l\u00e4\u00dft. Ich bitte hier um Raum, um eine Erz\u00e4hlung einzuschalten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Franz\u00f6sischer vom Adel, der wegen seiner witzigen Ausreden ber\u00fchmt war, schneuzte sich best\u00e4ndig mit der Faust, eine Gewohnheit, die sich mit unseren Sitten gar nicht vertr\u00e4gt. Dieser, als er sich eines Tages dar\u00fcber gegen mich rechtfertigen wollte, fragte mich, was f\u00fcr ein Privilegium dieser schmutzige Auswurf h\u00e4tte, da\u00df wir selbigem ein sauberes St\u00fcck Leinwand bereithielten, um ihn aufzufangen und ihn nachher einwickelten und sorgf\u00e4ltig in unseren Taschen aufbewahrten. Das m\u00fc\u00dfte einem Menschen doch mehr Ekel erregen als anzusehen, da\u00df man ihn hinw\u00fcrfe, wo man Platz daf\u00fcr f\u00e4nde, wie wir es mit allen \u00fcbrigen Unreinlichkeiten hielten. Ich f\u00fchlte, da\u00df er nichts weniger als unvern\u00fcnftig sprach und da\u00df nur die Gewohnheit mich das Seltsame im Gebrauch \u00fcbersehen lassen, welches wir gleich so h\u00f6chst abscheulich finden, wenn es von fremden L\u00e4ndern erz\u00e4hlt wird. Die Wunderwerke und Wunderbegebenheiten bestehen in der Unwissenheit, in welcher wir uns \u00fcber die Natur befinden und nicht in der Natur selbst. Was wir immer vor Augen haben, schl\u00e4fert unser Urteil ein. Die ungesitteten Nationen wundern sich ebensosehr \u00fcber uns, als wir uns \u00fcber sie wundern, und zwar mit ebensoviel Recht, wie ein jeder eingestehen w\u00fcrde, wenn er, nachdem er die Beispiele aus der Fremde durchlaufen h\u00e4tte, nun auch die einheimischen durchzupr\u00fcfen und unparteiisch gegeneinander zu halten verst\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die menschliche Vernunft ist eine F\u00e4rberlauge, die ungef\u00e4hr in gleichem Ma\u00dfe allen unseren Meinungen und Sitten beigemischt ist, von welcher Art solche sein m\u00f6gen. Unendlich in der Materie, unendlich in der Abweichung. Ich nehme den Faden wieder auf. \u2013 Es gibt V\u00f6lker, wo niemand mit dem K\u00f6nige redet, seine Frau und Kinder ausgenommen, als durch ein Sprachrohr. Eine Nation, wo die Jungfrauen ihre Geburtsteile \u00f6ffentlich zur Schau tragen, die verheirateten Weiber solche hingegen sorgf\u00e4ltig, bedecken und verbergen. Dahin geh\u00f6rt denn auch die andere mit ihr verwandte Sitte, wobei die Keuschheit nur im Ehestand gesch\u00e4tzt wird, denn die Jungfrauen d\u00fcrfen sich jedem \u00fcberlassen, und wenn sie befruchtet sind, d\u00fcrfen sie nach eigenem Gefallen durch dienliche Mittel die Frucht abtreiben. Und wieder anderw\u00e4rts werden, wenn derjenige, der eine Frau nimmt, ein Kaufmann ist, alle Kaufleute zur Hochzeit geladen, um vor dem Br\u00e4utigam die Braut zu erkennen, und die Braut gewinnt um so mehr Ehre und Ansehen wegen ihrer Dauer und F\u00e4higkeit, um so gr\u00f6\u00dfer die Anzahl der G\u00e4ste ist. Ist nun der Br\u00e4utigam ein Offizier, nun so werden die G\u00e4ste von seinen Kameraden genommen. Ebenso, wenn es einer vom Adelstand ist und so immer fortan. Ausgenommen, wenn es ein Bauer oder sonst einer aus der niederen Volksklasse ist; denn in diesem Falle liegt das Werk dem Gutsherrn ob. Bei alledem wird bei diesem Volk die eheliche Treue im Ehestand aufs nachdr\u00fccklichste empfohlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man wei\u00df von L\u00e4ndern, wo man J\u00fcnglinge auf der Streu h\u00e4lt, ja von Ehen zwischen Mann und Mann. Von L\u00e4ndern, wo die Weiber ebensogut als ihre M\u00e4nner in den Krieg ziehn und ihren Rang haben, nicht nur in der Schlacht, sondern auch zu Befehlshaberstellen; bei denen man nicht nur in der Nase, in den Lippen, in den Wangen, an den Zehen Ringe tr\u00e4gt, sondern goldene Spangen von schwerem Gewicht durch die Br\u00fcste und Lenden; wo man beim Essen die Finger an den H\u00fcften, an gewissen behaarten Teilen und an den Fu\u00dfsohlen abwischt. Bei anderen erben die Kinder nicht, sondern die Br\u00fcder und Vettern; und anderw\u00e4rts allein die Vettern, ausgenommen bei der Erbfolge des F\u00fcrsten; von anderen noch, wo, um die Gemeinschaft der G\u00fcter, die bei ihnen eingef\u00fchrt ist, in Kraft zu erhalten, gewisse hohe, obrigkeitliche Personen gesetzt sind, die Aufsicht \u00fcber den gesamten Ackerbau zu f\u00fchren und die Fr\u00fcchte des Landes nach eines jeden Bed\u00fcrfnis zu verteilen. Wo man \u00fcber den Tod der Kinder trauert und \u00fcbler den Tod der Greise Freudenfeste veranstaltet. Wo ihrer zehn oder zw\u00f6lf mit ihren Weibern in einem Bett schlafen. Wo die Weiber, die ihre M\u00e4nner durch einen gewaltsamen Tod verlieren, wieder heiraten d\u00fcrfen, die anderen aber nicht. Wo man den Zustand der Weiber f\u00fcr so elend achtet, da\u00df man die M\u00e4gdlein, welche unter ihnen geboren werden, t\u00f6tet und von den benachbarten Nationen die Weiber kauft, deren man ben\u00f6tigt ist. Wo die M\u00e4nner sich von ihren Weibern scheiden k\u00f6nnen, ohne eine Ursache anzugeben, die Weiber aber gar nicht, was f\u00fcr Ursach sie auch h\u00e4tten. Wo die M\u00e4nner nach dem Gesetz ihre Weiber verkaufen k\u00f6nnen, wenn sie unfruchtbar sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00e4nder, wo sie die Leichname der Verstorbenen kochen und hernach so lange stampfen, bis es eine Art von Br\u00fche gibt, die sie zu ihrem Wein mischen und trinken. Wo das w\u00fcnschensw\u00fcrdigste Begr\u00e4bnis ist, von Hunden gefressen zu werden: so wie anderw\u00e4rts von den V\u00f6geln. Wo man glaubt, da\u00df die Seelen der Verstorbenen in aller Freiheit leben, in angenehmen Gefilden, mit allen erw\u00fcnschten Bequemlichkeiten versehen, und da\u00df diese es sind, welche das Echo machen, das wir h\u00f6ren. Wo sie im Wasser fechten und schwimmend mit ihren Pfeilen sicher treffen. Wo man, zum Zeichen der Untert\u00e4nigkeit, die Schultern in die H\u00f6he ziehn, den Kopf senken und die Schuhe von den F\u00fc\u00dfen ziehen mu\u00df, wenn man in die Wohnung des K\u00f6nigs tritt. V\u00f6lker, die den Beschnittenen, die ihre Priesterinnen bewachen, auch noch Nase und Lippen wegschneiden, damit sie nicht geliebt werden k\u00f6nnen, und bei denen die Priester sich die Augen ausstechen, um Geister zu sehn und die Orakel fragen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6lker, wo jedermann aus jedem ihm beliebigen Ding einen Gott machen kann. Der J\u00e4ger aus einem L\u00f6wen oder aus einem Fuchs; der Fischer aus gewissen Fischen, und G\u00f6tzenbilder aus jeder Handlung und Leidenschaft des Menschen. Sonne, Mond und Erde sind die vornehmsten G\u00f6tter. Wo die Eidesformel darin liegt, da\u00df man die Erde ber\u00fchrt und die Sonne anschaut; wo man Fleisch und Fisch roh und ungekocht i\u00dft. Wo der heiligste Eid darin besteht, da\u00df man den Namen eines Verstorbenen ausspricht, der im Lande einen guten Nachruhm hat, und sein Grab mit der Hand ber\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo das Neujahrsgeschenk, das der K\u00f6nig jedesmal seinen Prinzen und Gro\u00dfen des Reiches sendet, in Feuer besteht, bei dessen Ankunft alles alte Feuer ausgel\u00f6scht werden mu\u00df und alles Volk umher gehalten ist, davon f\u00fcr sich zu holen, bei Strafe des Verbrechens der beleidigten Majest\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo, wenn der K\u00f6nig sich ganz der Andacht widmen will und den Zepter niederlegt, wie oft der Fall ist, sein erster Thronerbe gen\u00f6tigt ist, eben dasselbe zu tun und der Thron, nach dem Recht, auf den dritten Erben f\u00e4llt. Wo man die Reichsverfassung ver\u00e4ndert, je nachdem es die Umst\u00e4nde zu erheischen scheinen. Wo man den K\u00f6nig absetzt, wenn es gut zu sein scheint; wo man an seiner Statt \u00c4lteste ernennt, um das Staatsruder zu f\u00fchren, und es gar zuweilen in den H\u00e4nden der Gemeinde l\u00e4\u00dft. Wo M\u00e4nner und Weiber beschnitten und ebenfalls getauft werden. Wo ein Soldat, der in einer oder mehr Schlachten es so weit gebracht hat, dem K\u00f6nige sieben feindliche K\u00f6pfe zu \u00fcberreichen, in den Adelstand erhoben wird. Wo man unter der so ungeselligen und so seltenen Meinung von der moralischen W\u00fcrde der Seele lebt, da\u00df man sie f\u00fcr sterblich h\u00e4lt. Wo die Weiber ohne Klagen und ohne Furcht geb\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo das Frauenzimmer an beiden Beinen Stiefel von Kupfer tr\u00e4gt und aus Pflicht der Seelengr\u00f6\u00dfe verbunden ist, wenn es eine Laus bei\u00dft, solche wieder zu bei\u00dfen, und sich nicht unterwinden d\u00fcrfen, zu heiraten, bevor sie ihrem K\u00f6nig, wenn er&#8217;s verlangt, ihre Jungferschaft angeboten haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo man gr\u00fc\u00dft, indem man mit dem Finger die Erde ber\u00fchrt und ihn darauf wieder gegen den Himmel ausstreckt. Wo die Mannspersonen Lasten auf dem Kopf, Frauenzimmer solche aber auf den Schultern tragen. Wo die Weiber stehend, die M\u00e4nner aber hockend die Blasen erleichtern. Wo man zum Zeichen der Freundschaft etwas von seinem eigenen Blut schenkt und denjenigen wie einen Gott r\u00e4uchert, den man ehren will. Wo man nicht nur bis zum vierten Grad, sondern auch bis zu allen ferneren Graden der Verwandtschaft die Heirat verbietet. Wo man die Kinder vier Jahre an der Brust l\u00e4\u00dft, oft auch zw\u00f6lf, und ebendaselbst es f\u00fcr t\u00f6dlich h\u00e4lt, das Kind den ganzen ersten Tag an die Brust zu nehmen. Wo die V\u00e4ter das Amt haben, die S\u00f6hne zu z\u00fcchtigen, und die M\u00fctter allein wieder die T\u00f6chter, und die Strafe darin besteht, die mutwilligen bei den Beinen aufgeh\u00e4ngt zu ber\u00e4uchern. Wo man das weibliche Geschlecht beschneidet. Wo man alle Arten von Kr\u00e4utern i\u00dft, ohne anderen Unterschied, als da\u00df man nur die verwirft, welche schlecht zu riechen scheinen. Wo alles offensteht, wo in den H\u00e4usern, sie m\u00f6gen noch so pr\u00e4chtig sein, weder Fenster noch T\u00fcren sind, auch keine Schr\u00e4nke oder dergleichen, was man verschlie\u00dfen k\u00f6nne; und wo die Diebe doppelt bestraft werden wie anderw\u00e4rts. Wo sie die L\u00e4use mit den Z\u00e4hnen t\u00f6ten, gleich Hunden und Affen und es f\u00fcr grausam halten, sie mit dem Daumen zu knicken. Wo man sich lebenslang weder Haar noch N\u00e4gel beschneidet, und anderw\u00e4rts, wo man die N\u00e4gel nur an der Rechten abschneidet und aus Staat die an der Linken wachsen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo man das Haupthaar an der rechten Seite des K\u00f6rpers verpflegt, zum besten Wachstum, und an der anderen Seite unterm Schermesser h\u00e4lt. Wo, in benachbarten Provinzen, diese hier das Haupthaar vorne, jene das hintere wachsen lassen und die Gegenseite scheren. Wo die V\u00e4ter ihre Kinder und die M\u00e4nner ihre Eheweiber ihren G\u00e4sten gegen Bezahlung zum Gebrauch verleihen. Wo man seine eigene Mutter mit allen Ehren fruchtbar machen kann und die V\u00e4ter sich mit ihren T\u00f6chtern und S\u00f6hnen begatten. Wo sie bei festlichen Versammlungen einander ihre Kinder leihen und keine R\u00fccksicht auf Verwandtschaft nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier lebt man von Menschenfleisch, dort ist es kindliche Pflicht, seinen Vater in einem gewissen Alter zu t\u00f6ten. Anderw\u00e4rts verordnen die V\u00e4ter \u00fcber ihre noch ungeborenen Kinder, welche auferzogen und erhalten und welche davon ausgesetzt oder get\u00f6tet werden sollen. Bei anderen V\u00f6lkern verleihen die alten Ehem\u00e4nner ihre Weiber der Jugend zum Gebrauch, und bei wieder anderen sind solche ohne S\u00fcnde allen gemeinschaftlich. Ja in einigen Provinzen tragen sie als Ehrenzeichen so viele Troddeln auf dem Saum ihrer R\u00f6cke, als so manche Mannspersonen ihrer Gunst teilhaftig geworden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat die Gewohnheit nicht auch ein \u00f6ffentliches blo\u00dfes Weiberregiment eingef\u00fchrt? Hat solche ihnen nicht die Waffen in die H\u00e4nde gegeben? Haben sie nicht Kriegsheere errichtet und Schlachten geliefert? Und lehrt sie nicht durch ihre blo\u00dfe Anordnung den gr\u00f6bsten gemeinen Haufen, was alle Philosophie den weisesten K\u00f6pfen nicht einpr\u00e4gen k\u00f6nnen? Denn wir wissen von ganzen Nationen, wo der Tod nicht blo\u00df verachtet, sondern gefeiert wird; wo die Kinder von sieben Jahren sich auf den Tod st\u00e4upen lie\u00dfen, ohne eine Miene zu verziehn. Wo der Reichtum in solcher Verachtung war, da\u00df der \u00e4rmlichste B\u00fcrger der Stadt nicht die Hand ausgestreckt h\u00e4tte, um einen Beutel voll Gold aufzuheben. Wir wissen von L\u00e4ndern, die sehr ergiebig an allerlei Lebensmitteln waren, wo gleichwohl die gew\u00f6hnlichste und schmackhafteste Nahrung in blo\u00dfem Brot, K\u00fcmmel und Wasser bestand. Tat sie nicht noch das Wunder in Chio, da\u00df daselbst siebenhundert Jahre verflossen, ohne da\u00df man erfahren, da\u00df eine Frau oder ein M\u00e4dchen einen Fehltritt gegen ihre Ehre gemacht h\u00e4tte! Kurz, nach meinem Daf\u00fcrhalten kann sie alles tun und tut alles. Und Pindar nennt sie daher, wie man mir gesagt hat, mit Recht die K\u00f6nigin und Herrscherin der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derjenige, den man dabei antraf, da\u00df er seinen Vater schlug, verantwortete sich damit: Es sei in seiner Familie so Gewohnheit; also habe sein Vater seinen Gro\u00dfvater und sein Gro\u00dfvater seinen Urgro\u00dfvater geschlagen; der dort, indem er auf seinen Sohn wies, wird auch mich schlagen, wenn er zu meinem Alter gelangt sein wird. Und der Vater, der den Sohn auf die Gasse schleppte und mit F\u00fc\u00dfen trat, befahl ihm an einer Ecke einzuhalten, denn weiter hab&#8216; er es mit seinem Vater nicht getrieben! Hier w\u00e4re die Grenze der erblichen Mi\u00dfhandlungen, welche die Kinder in ihrer Familie an ihren V\u00e4tern zu ver\u00fcben pflegten. Aristoteles sagt, die Weiber rei\u00dfen sich ebensowohl aus Gewohnheit als wegen Krankheit ihr Haupthaar aus und k\u00e4uen an ihren N\u00e4geln und essen Kreide, Kohlen und Erde; und es ist mehr aus Gewohnheit als Naturtrieb, da\u00df der Mann sich zum Manne tut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gesetze des Gewissens, die nach unserer Sage in der Natur liegen, entspringen aus der Gewohnheit. Ein jeglicher Mann, der in seinem Inneren die Meinungen und Sitten verehrt, die um ihn her gebilligt werden und im Schwange gehen, kann sich ihnen nicht entziehen, ohne da\u00df ihn sein Gewissen dar\u00fcber bestrafe, noch sich demselben gem\u00e4\u00df betragen, ohne da\u00df er ihnen Beifall g\u00e4be. Wenn vor alters die Cretenser jemand fluchen wollten, so baten sie die G\u00f6tter, ihn in eine b\u00f6se Gewohnheit fallen zu lassen. Die vornehmste Wirkung aber ihrer Macht ist, uns dergestalt zu unterwerfen und zu beherrschen, da\u00df wir kaum das Verm\u00f6gen behalten, uns ihr wieder zu entrei\u00dfen und uns der Freiheit zu bem\u00e4chtigen, \u00fcber ihre Verordnungen nachzudenken und vern\u00fcnftige Betrachtungen anzustellen. In Wahrheit, weil wir solche von unserer Geburt an mit der Muttermilch einsaugen und sich das Antlitz der Welt unserem Blicke also darstellt, wie wir zuerst die Augen er\u00f6ffnen: so scheint es, als ob wir dazu geboren sind, in diesem Joch zu gehn. Und die allgemeine Einbildung, die wir um uns her in Ansehen erblicken und welche schon in dem Samen wirkte, aus dem wir erzeugt wurden, kann uns nicht wohl anders als nat\u00fcrlich und verbindend vorkommen. Daher es denn auch kommt, da\u00df alles, was nicht in die Fugen der Gewohnheit pa\u00dft, sich auch nicht mit der Vernunft zu vertragen scheint; obgleich, Gott wei\u00df, dieser Glaube oft sehr vern\u00fcnftig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ein jeder, der einen Sittenspruch h\u00f6rt, wie wir, die wir uns selbst studieren, zu tun gelernt haben, alsobald nachforschte, von welcher Seite ihn derselbe eigentlich treffe: so w\u00fcrde ein jeder finden, da\u00df dieser nicht sowohl eine h\u00fcbsch gerundete Maxime als vielmehr ein Peitschenhieb sei, der auf die tr\u00e4ge Dummheit seines Urteils f\u00e4llt. Aber man nimmt die Lehren der Wahrheit und ihre Warnungen als ans Volk gerichtet und gar nicht an uns selbst; und anstatt solche auf die eigenen Sitten anzuwenden, fa\u00dft sie jedermann blo\u00df ins Ged\u00e4chtnis, und das ist ebenso dumm, als es unn\u00fctz und vergebens ist. Aber la\u00df uns zur\u00fcckkehren zur Macht der Gewohnheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die V\u00f6lker, die an die Freiheit gewohnt sind, sich selbst zu beherrschen, halten jede andere Regierungsform f\u00fcr ungeheuer und der Natur zuwider. Solche V\u00f6lker aber, welche an die monarchische Regierung gewohnt sind, machen es gerade ebenso. Und welche g\u00fcnstige Veranlassung ihnen Gl\u00fcck und Umst\u00e4nde an die Hand geben m\u00f6gen, selbst dann, wenn sie mit gro\u00dfen Schwierigkeiten sich eines Despoten entledigt haben, haben sie nichts Angelegentlicheres am Herzen, als einen anderen mit ebenso gro\u00dfen Schwierigkeiten auf den Thron zu pflanzen, weil sie sich nicht entschlie\u00dfen k\u00f6nnen, die Gewalt des Despotismus zu hassen. Es ist die Macht der Gewohnheit, die es bewirkt, da\u00df ein jeder gern an dem Ort bleibt, wo er geboren worden. Die Wilden in Schottland bek\u00fcmmern sich wenig um das s\u00fcdliche Frankreich, und die Skythen machten sich nichts aus Thessalien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darius tat an einige Griechen die Frage: Um wieviel sie wohl die Gewohnheit der Indianer annehmen w\u00fcrden, ihre verstorbenen V\u00e4ter zu essen? Denn dies war dort der Brauch, nach der Meinung, sie k\u00f6nnten solchen kein ehrenvolleres Begr\u00e4bnis geben als in ihren eigenen Eingeweiden. Die Griechen antworteten: Um keinen Preis in der Welt w\u00fcrden sie das tun. Als er aber bei den Indianern versucht hatte, sie zu bereden, sie m\u00f6chten ihren Brauch fahrenlassen und daf\u00fcr den griechischen annehmen, der darin bestand, die Leichen ihrer V\u00e4ter zu verbrennen, erregte es bei diesen einen noch gr\u00f6\u00dferen Greuel. So geht es mit allem! Um so mehr, da uns die t\u00e4gliche Gewohnheit den wahren Gesichtspunkt der Sachen verbirgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Nil adeo magnum, nec tam mirabile quicquam<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Principio, quod non minuant mirarier omnes<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paullatim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich einst die Beobachtung gewisser Sitten einf\u00fchren sollte, die weit und breit um uns her in der Nachbarschaft in voller Achtung standen und doch, wie wohl zu geschehen pflegt, nicht mit blo\u00dfer Gewalt der Gesetze oder Beispiele dabei verfahren wollte, so forschte ich sehr emsig nach ihrem ersten Ursprung und fand sie bei diesem Forschen auf so schwachen Gr\u00fcnden, da\u00df sie mich fast anekelten; mich, der ich sie doch anderen anpreisen sollte. Dies Rezept ist es, wodurch Plato sich zutraut, die widernat\u00fcrliche und heillose Knabenliebe zu verbannen, die er zu seiner Zeit f\u00fcr allgemein und herrschend h\u00e4lt. N\u00e4mlich, sie durch die \u00f6ffentliche Meinung zu verschreien. Die Dichter, und wer sonst noch k\u00f6nnte, sollten schlimme Erz\u00e4hlungen davon machen. Ein Rezept, vermittelst dessen jetzt die lieblichsten T\u00f6chter nicht mehr ihre V\u00e4ter noch die sch\u00f6nst gewachsenen J\u00fcnglinge ihre Schwestern zur Liebe reizen. Selbst die Fabeln von Thyest, von Oedip und Makareus h\u00e4tten, meint er, neben dem Vergn\u00fcgen an den Versen, dem biegsamen Gehirn der Kinder diesen n\u00fctzlichen Glauben eingepr\u00e4gt. Wirklich ist die z\u00fcchtige Schamhaftigkeit eine sch\u00f6ne Tugend, deren n\u00fctzlicher Einflu\u00df auf die Sitten anerkannt genug ist. Solche aber nach ihrer nat\u00fcrlichen Beschaffenheit abzuhandeln und anzupreisen, das ist ebenso schwer, als es leicht ist, sie durch eingef\u00fchrte Gewohnheiten, Gesetze und Vermahnungen im Gange zu erhalten. Die ersten und allgemeinen Grundursachen sind schwer zu entwickeln. Auch fahren unsere P\u00e4dagogen ganz leise dar\u00fcber hin und getrauen sich kaum, sie zu ber\u00fchren, und st\u00fcrzen sich um so zuverl\u00e4ssiger auf allgemein bekannte Gewohnheiten; da bl\u00e4hen sie sich dann mit ihrem leichten Sieg. Diejenigen, welche aus diesem seichten Grund des Ursprungs nicht herausgehen, und diejenigen, welche in gr\u00f6\u00dfere Tiefe gehn wollen, fehlen noch \u00e4rger und unterwerfen sich eingebildeten Meinungen. Zum Beispiel Chrysippus, welcher in so h\u00e4ufigen Stellen seiner Schriften \u00e4u\u00dferte, wie wenig Gewicht er auf blutsch\u00e4nderische Vermischung legte, ohne R\u00fccksicht sogar auf Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich von diesem m\u00e4chtigen Vorurteil der Gewohnheit lossagen will, der wird auf manche Dinge sto\u00dfen, die mit unbezweifelbarem Entschlu\u00df aufgenommen sind und gleichwohl keine andere St\u00fctze haben als den grauen Bart und die Stirnrunzeln, der Gewohnheit, die sie begleitet. Hat er aber diese Larve abgerissen, indem er jedes Ding auf Wahrheit und Vernunft zur\u00fcckf\u00fchrt, so wird er sein Urteil wie auf den Kopf gestellt und dennoch viel sicherer und fester befinden. Zum Beispiel, ich w\u00fcrde ihn in jener Lage fragen, was wohl befremdlicher sein k\u00f6nne, als zu sehn, da\u00df ein Volk gen\u00f6tigt sei, sich nach Gesetzen richten zu lassen, die es nicht einmal versteht; das in allen seinen h\u00e4uslichen Gesch\u00e4ften, Eheverbindungen, Verm\u00e4chtnissen, Testamenten, Kauf und Verkauf an Vorschriften gebunden ist, die es nicht wissen kann, weil sie in seiner Landessprache weder abgefa\u00dft noch bekanntgemacht worden, und die es also gen\u00f6tigt ist, sich f\u00fcr Geld, um nicht dagegen zu s\u00fcndigen, bekanntmachen und erkl\u00e4ren zu lassen. Nicht etwa nach der scharfsinnigen Meinung des Isokrates, der seinem K\u00f6nig den Rat gab, Handel und Gewerbe seinen Untertanen ganz frei zu geben und so eintr\u00e4glich zu machen als m\u00f6glich; hingegen auf ihre Streitigkeiten starke Lasten zu legen und solche beschwerlich zu machen, sondern nach einer unbegreiflichen Meinung, die Vernunft selbst zu einer verk\u00e4uflichen Ware zu machen und die Gesetze zu Artikeln auf der Preiskurrente. Ich wei\u00df es dem Gl\u00fcck viel Dank, welches, wie unsere Geschichtsschreiber sagen, einen gaskognischen Edelmann aus meiner Gegend erweckte, da\u00df er der erste wurde, der sich Karl dem Gro\u00dfen widersetzte, als er uns die r\u00f6mischen, in Latein verfa\u00dften Gesetze geben wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Findet man etwas wilderes als eine Nation, bei der nach wohlhergebrachter Gewohnheit das Richteramt gekauft wird und die Urteile mit barem Geld bezahlt werden und wo es gesetzlich ist, da\u00df demjenigen die Gerechtigkeit versagt werde, der nicht verm\u00f6gend ist, sie zu bezahlen? Und da\u00df dieser Handel in solchem Ansehn stehe, da\u00df er von den Leuten, welche die Prozesse handhaben, eine vierte Ordnung im Staat mache, um solche den drei alten der Kirche, des Adels und des Volks anzuschlie\u00dfen? Und da\u00df diese Ordnung, weil sie \u00fcber die Anwendung der Gesetze gesetzt ist und die h\u00f6chste Macht \u00fcber Eigentum und Leben aus\u00fcbt, einen verschiedenen Stand von Adel ausmache? Woraus erfolgt, da\u00df es zweierlei Gesetze gibt, Gesetze der Ehre und Gesetze der Gerechtigkeit, die sich in verschiedenen Dingen einander widersprechen. Jene verdammen ebenso streng das Nichtahnden einer beschuldigten L\u00fcge als diese die Rache wegen einer beschuldigten L\u00fcge. Nach den Gesetzen der Ehre und der Waffen geht derjenige seines Adels und seiner Ehrenstellen verlustig, wer eine Beleidigung einsteckt; und nach den b\u00fcrgerlichen Gesetzen ist derjenige, welcher deswegen Rache nimmt, Leib- und Lebensstrafen ausgesetzt.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Angewohnheit+und+von+der+Mi%C3%9Flichkeit#F673\"><sup>6<\/sup><\/a> Wer sich an die Gesetze wendet und f\u00fcr eine seiner Ehre zugef\u00fcgte Beleidigung Genugtuung begehrt, beschimpft sich, und wer diese \u00fcbergeht und sich die Genugtuung selbst nimmt, den strafen und z\u00fcchtigen die Gesetze! Und da\u00df von diesen zwei so verschiedenen St\u00e4nden, die gleichwohl in einem einzigen Oberhaupt zusammenlaufen, der eine den Auftrag des Friedens, der andere des Krieges habe? Die von dem einen den Gewinn, die vom anderen die Ehre, jene Gelehrsamkeit, diese die Tugend, jene die Worte, diese die Taten, jene die Gerechtigkeit, diese die Tapferkeit, jene die Vernunft, diese die Gewalt, jene den langen Mantel, diese die kurze Uniform zum Anteil haben? In R\u00fccksicht auf gleichg\u00fcltigere Dinge, als zum Beispiel Kleidung \u2013 wer solche auf ihre wahre Bestimmung zur\u00fcckf\u00fchren will: welches die bequeme Deckung des K\u00f6rpers ist, wovon ihre urspr\u00fcngliche Zierlichkeit und Schicklichkeit abh\u00e4ngt, sie mag auch, nach meiner Meinung, noch so seltsam ausgedacht und erfunden sein, so verweise ich ihn unter anderem auf unsere viereckigen M\u00fctzen; auf diese lange Schleppe von gefaltetem Samt, die nebst anderen seltsamen Zieraten an den K\u00f6pfen unserer Damen flattert; und auf den eitlen, unn\u00fctzen Bausch eines Gliedes, das wir nicht einmal mit Ehren nennen k\u00f6nnen und womit wir gleichwohl in \u00f6ffentlichen Gesellschaften einherstolzieren. Diese Betrachtungen halten indessen keinen verst\u00e4ndigen Menschen ab, dem gemeinen Brauch zu folgen; im Gegenteil d\u00fcnkt mich, da\u00df jede Abweichung von der eingef\u00fchrten Mode mehr hochm\u00fctige und t\u00f6richte Ziererei verrate als einen gesunden Verstand und da\u00df der Weise seine Seele in sich selbst, aus dem Gedr\u00e4nge zur\u00fcckziehen m\u00fcsse, um ihr die Freiheit und das Verm\u00f6gen zu erhalten, \u00fcber alle Dinge unbefangen zu urteilen; da\u00df er aber, in Absicht auf das \u00c4u\u00dferliche, ohne weiteres den eingef\u00fchrten Moden und Formen folgen m\u00fcsse. Was geht die \u00f6ffentliche Gesellschaft unserer Art zu denken an? Im \u00fcbrigen aber sind wir schuldig, unsere Handlungen, unsere Bem\u00fchungen, unser Verm\u00f6gen und unsere Lebensart zu ihrem Dienst zu widmen und nach der allgemeinen Meinung zu bequemen, wie der gute und gro\u00dfe Sokrates es ausschlug, sein Leben zu retten, wenn er der Obrigkeit ungehorsam w\u00fcrde \u2013 obgleich einer sehr ungerechten und gottlosen Obrigkeit. Denn, das ist die Regel aller Regeln und das Hauptgesetz aller Gesetze, da\u00df ein jeglicher sich denen unterwerfe, die in dem Lande gelten, wo er sich befindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u039d\u03cc\u03bc\u03bf\u03b9\u03c2 <\/em><em>\u1f15<\/em><em>\u03c0\u03b5\u03c3<\/em><em>\u03d1<\/em><em>\u03b1\u03b9 \u03c4\u03bf<\/em><em>\u1fd6<\/em><em>\u03c3\u03b9\u03bd <\/em><em>\u1f10<\/em><em>\u03b3\u03c7\u03c9\u03c1\u03af\u03bf\u03b9\u03c2 \u03ba\u03b1\u03bb\u03cc\u03bd.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">La\u00df uns ein ander Fa\u00df anstecken. Es ist \u00e4u\u00dferst zweifelhaft, ob sich ein so gro\u00dfer und reiner Gewinn dabei findet, irgendein eingef\u00fchrtes Gesetz zu ver\u00e4ndern, sei es beschaffen, wie es wolle, als Nachteil aus seiner Ver\u00e4nderung entsteht: um so mehr, da es mit einer Landesverfassung ist wie mit einem Geb\u00e4u, das aus verschiedenen St\u00fccken zusammengesetzt worden und in so genauer Verbindung steht, da\u00df es unm\u00f6glich ist, eins zu verr\u00fccken, ohne da\u00df es das Ganze empfinde. Der Gesetzgeber von Thurien verordnete, da\u00df ein jeder, der ein altes Gesetz abgeschafft oder ein neues eingef\u00fchrt wissen wollte, sich mit dem Strick um den Hals dem Volk darstellen solle, damit, wenn sein neues Gesetz nicht von jedermann gebilligt w\u00fcrde, er auf der Stelle erdrosselt w\u00fcrde. Und der laked\u00e4monische Legislator setzte sein Leben daran, um von seinen Mitb\u00fcrgern die feste Zusage zu erhalten, da\u00df sie von seinen Verordnungen keine \u00fcbertreten wollten. Der Ephorus, welcher so unerbittlich die zwei Musikintervalle, wegschnitt, die Phrinys dem alten Modum hinzutun wollte, bek\u00fcmmerte sich nicht darum, ob die Modulation dadurch wohlklingender w\u00fcrde oder die Akkorde zusammenh\u00e4ngender; ihm war es genug, um sie zu verwerfen, da\u00df es eine Ver\u00e4nderung in der alten, bekannten Tonleiter sei; das ist es auch, was das alte verrostete Schwert der Gerechtigkeit zu Marseille andeutete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe eine Abneigung vor aller Neuerung, unter welcher Gestalt sie auch auftritt; und meine nicht unrecht zu haben, nachdem ich davon so sch\u00e4dliche Folgen erlebt habe. Jene, die uns seit so vielen Jahren dr\u00fcckt, hat zwar nicht alles selbst gewirkt. Man kann aber doch mit Schein behaupten, da\u00df sie zuf\u00e4lliger weise alle die \u00dcbel und Nachteile erzeugt und hervorgebracht hat, die vorher ohne und wider sie geschehn sind; mag sie sich daf\u00fcr die Nase zwicken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Heu, patior telis vulnera facta meis!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Diejenigen, welche einen Staat aus den Fugen heben, sind gew\u00f6hnlich die ersten, denen er auf den Kopf st\u00fcrzt. Die Frucht der Verwirrung ist selten der Lohn dessen, der sie angestiftet hat; er r\u00fchrt und tr\u00fcbt das Wasser f\u00fcr andere Fischer. Der Zusammenhang und das Gewebe dieser Monarchie, und dies gro\u00dfe Geb\u00e4ude, das durch die Neuerung in seinen alten Jahren so sichtlich zerr\u00fcttet und aufgel\u00f6st worden, vermag dem Unheil so viel \u00d6ffnung und Eingang verschaffen, als man wolle; man wird es dennoch schwerer finden, die Majest\u00e4t von ihrer H\u00f6he bis zur Mitte zu erniedrigen, als sie von der Mitte bis zum Boden zu st\u00fcrzen. Um so sch\u00e4dlicher aber die Erfinder sind, um so sch\u00e4ndlicher sind die Nachahmer, da\u00df sie sich auf Beispiele einlassen, deren Nachteil und Abscheulichkeit sie empfunden und bestraft haben. Und, wenn noch selbst beim Unheilstiften ein gewisser Grad von Ehre stattfindet, so m\u00fcssen diese letzten den ersten den Ruhm der Erfindung und Herzhaftigkeit beim ersten Wagen \u00fcberlassen. Alle Arten von neuer Z\u00fcgellosigkeit sch\u00f6pfen leicht und lustig aus dieser ersten unversiegbaren Quelle die Bilder und Muster zur St\u00f6rung unserer Staatsverfassung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man liest in unseren Gesetzen selbst, die dazu gemacht sind, diesem ersten \u00dcbel zu steuern, die Methode und die Entschuldigung aller Arten von heillosen Unternehmungen, und geht es uns damit, wie Thucydides von den b\u00fcrgerlichen Kriegen sagt: um \u00f6ffentliche Gebrechen zu besch\u00f6nigen, belege man sie mit neuen, sanftklingenden Benennungen und mildere und verkleistere ihre wahren Namen; dennoch will man unser Gewissen und unseren Glauben reformieren; honesta oratio est. Sicher, aber der beste Vorwand bei jeder Neuerung ist gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Adeo nihil motum ex antiquo, probabile est.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich deucht auch, um es frei heraus zu sagen, es sei ein gut Teil Eigenliebe und nicht wenig Eigend\u00fcnkel erforderlich, seine eigene Meinung f\u00fcr wichtig genug zu halten, um solche auf Gefahr des \u00f6ffentlichen Friedens einzuf\u00fchren und dagegen die mannigfaltigen, unvermeidlichen \u00dcbel und diese tiefe Verderbnis der Sitten f\u00fcr nichts zu achten, welche b\u00fcrgerliche Kriege nach sich ziehen, und also seine Ansichten f\u00fcr wichtiger anzusehn als die Umkehrung der Staatsverfassung in so wichtigen Dingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hei\u00dft das nicht verkehrt zu Werke gehn, wenn man so viele gewisse und bekannte Laster herbeif\u00fchrt, um Irrt\u00fcmer zu bestreiten, die nicht einmal zugegeben werden und \u00fcber welche sich reden l\u00e4\u00dft? Gibt es eine schlimmere Art von Lastern als solche, welche gegen unser eigenes Wissen und Gewissen anlaufen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Senat zu Rom wagte es, dem Volk, das mit ihm \u00fcber den Dienst der Religion uneinig war, folgende Ausflucht f\u00fcr bar Geld zu geben: Ad Deos id magis quam ad se pertinere; ipsos visuros ne sacra sua polluantur<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Angewohnheit+und+von+der+Mi%C3%9Flichkeit#F678\"><sup>11<\/sup><\/a>; ebenso wie das Orakel den Delphiern antwortete, welche im Medischen Krieg den Einfall der Perser f\u00fcrchteten. Sie fragten den Gott, wie sie es mit den heiligen Sch\u00e4tzen seines Tempels halten, ob sie solche verbergen oder wegbringen sollten. Er antwortete ihnen, sie sollten alles unangetastet lassen und sich um sich selbst bek\u00fcmmern. Er werde sein Eigentum schon zu besch\u00fctzen wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die christliche Religion tr\u00e4gt alle Kennzeichen einer gro\u00dfen Gerechtigkeit und N\u00fctzlichkeit an sich. Das deutlichste darunter aber ist die angelegentliche Empfehlung des Gehorsams gegen alle weltliche Obrigkeit und Befolgung aller b\u00fcrgerlichen Gesetze. Welch ein bewunderungsw\u00fcrdiges Beispiel hat uns davon die g\u00f6ttliche Weisheit gegeben, die, um das Heil des menschlichen Geschlechts zu begr\u00fcnden und den glorreichen Sieg \u00fcber S\u00fcnde und Tod hinauszuf\u00fchren, keine gewaltt\u00e4tige Umkehrung der Reiche und Regierungen zugelassen, sondern vielmehr ihre F\u00fchrung und Leitung eines so gro\u00dfen und heilsamen Werkes der Blindheit und Ungerechtigkeit unserer Gewohnheiten und Gebr\u00e4uche unterworfen hat; das Blut so mancher auserw\u00e4hlten Lieblinge lie\u00df sie flie\u00dfen und gab zu, da\u00df eine Reihe von Jahren dahinfl\u00f6sse, bevor die unsch\u00e4tzbare Frucht zur Reife gediehe. Die Sache desjenigen, der den Gewohnheiten und Gesetzen seines Landes folgt, ist von der Sache desjenigen sehr unterschieden, der solche zu meistern und abzu\u00e4ndern sich erk\u00fchnt. Jener f\u00fchrt Einfalt, Gehorsam und Beispiel zu seiner Entschuldigung an, und bei seinem Tun, es bestehe worin es wolle, mag Ungl\u00fcck stattfinden, aber Bosheit nie. Quis est enim, quem non moveat clarissimis monumentis testata consignataque antiquitas?<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Angewohnheit+und+von+der+Mi%C3%9Flichkeit#F679\"><sup>12<\/sup><\/a> Au\u00dferdem noch, was Isokrates sagt, da\u00df das Zuwenig sich n\u00e4her an die M\u00e4\u00dfigung f\u00fcgt als das Zuviel. Dieser andere wandelt einen viel h\u00f6ckerigeren Weg. Denn, wer sich&#8217;s anma\u00dft zu w\u00e4hlen und zu \u00e4ndern, greift nach dem Ansehn des Richteramtes und mu\u00df beweisen, da\u00df er das Fehlerhafte dessen, was er verdr\u00e4ngen will, erkennt, so wie das Bessere in dem, was er einf\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese so allt\u00e4gliche Betrachtung hat mich auf meiner Bank stetig erhalten und selbst der K\u00fchnheit meiner Jugend einen Zaum angelegt; damit ich meine Schultern nicht mit einer so schweren Last dr\u00fcckte, als die, eine so wichtige Wissenschaft zu verantworten und hierin etwas zu wagen, was ich bei gesundem Verstand in derjenigen nicht wagen m\u00f6chte, welche viel leichter ist, wozu ich auferzogen worden und in welcher K\u00fchnheit im Urteilen keine nachteiligen Folgen hat. Mich deucht es Verwegenheit, wenn man \u00f6ffentlich eingef\u00fchrte und eingewurzelte Gewohnheiten und Verfassungen der schwankenden Phantasie eines einzelnen Menschen unterwerfen will. Eine eingeschr\u00e4nkte Vernunft kann nur eine eingeschr\u00e4nkte Gerichtsbarkeit haben: so, wie keiner Herrscher \u00fcber seinesgleichen ist und es sich herausnehmen darf, \u00fcber g\u00f6ttliche Gesetze zu richten, welches nicht einmal bei b\u00fcrgerlichen Gesetzen verstattet wird, obgleich letztere bei alledem, da\u00df die menschliche Vernunft dabei viel mehr mitwirkt, doch allemal entscheidende Richter \u00fcber ihre Richter sind: und die \u00e4u\u00dferste Anma\u00dfung es nur wagt, sie zu erkl\u00e4ren und ihre Anwendung zu bestimmen, nicht aber ihnen auszuweichen oder sie zu \u00e4ndern. Wenn die g\u00f6ttliche Vorsehung zuweilen \u00fcber die Regeln hinausgegangen ist, an welche sie notwendigerweise ihre Gesetze hat binden m\u00fcssen, so geschah das nicht, um uns davon freizusprechen. Das sind Verf\u00fcgungen ihres unerforschlichen Ratschlusses, die wir nicht nachzuahmen, sondern zu bewundern haben, es sind au\u00dferordentliche Beispiele einer besonderen und eigenen Zulassung! Es ist dies eine Art von Wundern, welche die Hand Gottes uns darlegt, um ihre Allmacht zu beweisen, welche \u00fcber unsere Einrichtungen und Kr\u00e4fte hinausreicht und welche nachzuahmen zu suchen Gottlosigkeit und Narrheit w\u00e4re; der wir nicht folgen, sondern mit Erstaunen nachsinnen wollen. Es sind Handlungen der Gottheit, nicht der Menschheit. Cotta l\u00e4\u00dft sich dar\u00fcber sehr vern\u00fcnftig heraus: Quum de religione agitur, Tib. Coruncanium, P. Scipionem, P. Scaevolam, pontifices maximos, non Zenonem aut Cleanthem aut Chrysippum sequor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott mag wissen, wie viele bei unserem gegenw\u00e4rtigen Zwist, wo hundert Artikel, und zwar sehr wichtige und schwer zu entscheidende, wegzuschaffen und einzuf\u00fchren sind, wie viele sich finden m\u00f6gen, die sich r\u00fchmen k\u00f6nnen, die Ursachen und Gr\u00fcnde der einen und der anderen Partei reiflich erwogen und erforscht zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein Haufen, wenn&#8217;s einmal ein Haufen w\u00e4re, der eben nicht sonderlich imstande ist, uns zu beunruhigen. Die andere Schar aber, was beginnt sie? Unter was f\u00fcr einem Panier zeichnet sie sich aus? Mit ihrer Arznei geht es geradeso wie mit anderen unkr\u00e4ftigen, \u00fcbel angebrachten Abf\u00fchrungsmitteln: die verdorbenen S\u00e4fte, die sie aus unserem K\u00f6rper schaffen sollte, hat sie aufger\u00fchrt, versch\u00e4rft und in G\u00e4rung gesetzt und ist selber im K\u00f6rper steckengeblieben. Sie war zum Abf\u00fchren zu schwach und hat uns gleichwohl entkr\u00e4ftet, so da\u00df wir sie selbst nicht wieder loswerden k\u00f6nnen und von ihrer Wirkung nichts weiter haben als langes schmerzliches Bauchgrimmen. Die Sache ist, da\u00df das Gl\u00fcck, welches immer sein Ansehen \u00fcber unsere Klugheit behauptet, uns zuweilen in solche dringende Notwendigkeit versetzt, die es unvermeidlich macht, da\u00df die Gesetze einigen Spielraum zulassen m\u00fcssen; und da\u00df, wenn man einer \u00fcberhandnehmenden Neuerung widersteht, die sich mit Gewalt uns aufdr\u00e4ngen will, man in allen St\u00fccken und durchaus gegen diejenigen gerade und behutsam verfahren m\u00fcsse, welche die Gewalt in H\u00e4nden haben und denen alles das erlaubt ist, was ihr Vorhaben bef\u00f6rdern kann; die keine anderen Gesetze oder Verordnungen haben, als ihrem Vorteil nachzujagen. Es w\u00e4re eine gef\u00e4hrliche Pflicht und eine gro\u00dfe Ungleichheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Aditum nocendi perfido praestat fides.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Um so mehr, da die gew\u00f6hnliche Verfassung eines Staates, in seiner Gesundheit, keine Vorkehrungen gegen solche au\u00dferordentliche Zuf\u00e4lle zu machen pflegt. Sie setzt einen K\u00f6rper voraus, der sich in seinen vornehmsten Gliedern und Wirkungen festh\u00e4lt, und im allgemeinen Einverst\u00e4ndnis \u00fcber Folgsamkeit und Gehorsam. Der gesetzm\u00e4\u00dfige Gang ist kalt, bed\u00e4chtig und abgemessen und vertr\u00e4gt sich nicht mit dem ausgelassenen Gang der Z\u00fcgellosigkeit. Es ist bekannt, wie man den zwei gro\u00dfen M\u00e4nnern, Octavius und Cato, noch jetzt dar\u00fcber Vorw\u00fcrfe macht, da\u00df sie in den b\u00fcrgerlichen Kriegen gegen Sulla und C\u00e4sar ihre Partei lieber die \u00e4u\u00dferste Gefahr laufen lassen, als solche auf Kosten der Gesetze retten und \u00c4nderung in der Staatsverfassung leiden wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn in Wahrheit, in dieser h\u00f6chsten Not, wo fast nichts mehr zu retten ist, da w\u00e4re es doch wohl weiser gehandelt, den Kopf zu b\u00fccken und dem Streich ein wenig auszuweichen, als gegen die Unm\u00f6glichkeit anrennen, nichts nachgeben wollen und lieber der Gewaltt\u00e4tigkeit Anla\u00df geben, alles unter die F\u00fc\u00dfe zu treten. Und w\u00e4re es doch auch wohl besser, die Gesetze das wollen zu lassen, was sie k\u00f6nnen, weil sie nicht k\u00f6nnen, was sie wollen. So machte es jener, welcher befahl, sie sollten vierundzwanzig Stunden schlafen; und jener, der f\u00fcr das Mal einen Tag aus dem Kalender strich und der andere auch, der aus dem Monat Juni den zweiten Mai machte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst die Laked\u00e4monier, diese so strengen Bewahrer der Verordnungen ihres Landes, als ihnen das Gesetz, welches verbot, einen und denselben Mann zweimal zum Admiral zu w\u00e4hlen, im Wege stand und auf der andern Seite ihre Lage es als die h\u00f6chste Notwendigkeit erforderte, da\u00df Lysander diese Stelle abermals bekleidete, so machten sie zwar einen gewissen Arachus zum Admiral, setzten aber Lysander zum Oberaufseher \u00fcber das Seewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit eben der Gewandheit riet einer ihrer Gesandten bei den Atheniensern (der eine \u00c4nderung in gewissen Verordnungen bewirken sollte), dem Perikles, der zur Entschuldigung der Weigerung anf\u00fchrte, es sei im Gesetz verboten, eine Tafel wegzunehmen, worauf ein einmal gegebenes Gesetz geschrieben st\u00e4nde: er solle sie dann nur umwenden, denn das sei nicht verboten. Plutarch lobt am Philopoemen, da\u00df er zum Regieren geboren gewesen und nicht nur nach den Gesetzen, sondern wenn es die Not des Gemeinwesens erfordert, selbst die Gesetze zu regieren verstanden habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_98980\" style=\"width: 285px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98980\" class=\"wp-image-98980 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98980\" class=\"wp-caption-text\">Michel de Montaigne, ein analoger Blogger<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr die frei drehende Phantasie. Wir begreifen die Gattung des Essays als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Auch ein Essay handelt ausschliesslich mit Fiktionen, also mit Modellen der Wirklichkeit. Wir betrachten Michel de Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>. Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/12\/walden-life-in-the-woods\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauer\u00adbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/29\/die-fackel\/\">Kultur-Blog<\/a>. Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Enrik Lauer zieht die Dusche dem Wannenbad vor. Warum erstere im Sp\u00e4tkapitalismus \u2013 zum Beispiel als Zeit und Ressourcen sparend \u2013 zweiteres als Form der K\u00f6rperreinigung weitgehend verdr\u00e4ngt hat, ist einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/25\/wohlbefinden\/\">eigenen Betrachtung<\/a> wert. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">weitere Betrachtungen<\/a> von J.C. Albers. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Derjenige hat meiner Meinung nach die Macht der Gewohnheit sehr richtig eingesehen, welcher zuerst die Erz\u00e4hlung erfand; eine Bauersfrau habe ein Kalb in der Stunde, da es geboren worden, auf den Arm genommen und gestreichelt, und da sie mit&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/31\/von-der-angewohnheit-und-von-der-misslichkeit-gewohnte-gesetze-zu-aendern\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":70,"featured_media":98980,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1083],"class_list":["post-103174","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-michel-de-montaigne"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103174","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/70"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103174"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103174\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103428,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103174\/revisions\/103428"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98980"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103174"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}