{"id":103049,"date":"2024-03-15T00:01:54","date_gmt":"2024-03-14T23:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103049"},"modified":"2022-05-13T15:02:39","modified_gmt":"2022-05-13T13:02:39","slug":"lakonie-mit-sprengstoff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/03\/15\/lakonie-mit-sprengstoff\/","title":{"rendered":"lakonie mit sprengstoff"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die gedichte von frank sch\u00e4fer sind knappe, lakonische, oft intellektuelle und philosophische texte, mit nur wenigen strichen gezeichnet. der autor aus allenbach im hunsr\u00fcck, geboren 1966, studierte philosophie in stuttgart und freiburg, was man seinen texten durchaus anmerkt. das wort feiung, das eine immunologische bedeutung hat, ist verwandt mit gefeit. und gefeit sein, also gesichert und gesch\u00fctzt, mu\u00df der mensch wohl k\u00fcnftig gegen manches, das er selbst verursacht. in mehreren gedichten finden sich worte, die an jean pauls oder arno schmidts wortpr\u00e4gungen erinnern, so \u00bbunverpilgert\u00ab in \u00bbAllenfalls\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNach innen auf\u00ab: \u00bbIn einigen Sch\u00e4deln \/ brennt immerzu Licht. Einer, der starrt damit bis \/ zur \/ Wand. Er \/ muss damit aufh\u00f6ren, der dehnt so das Auge \/ nach Innen \/ Auf.\u00ab das klingt schmerzhaft. wom\u00f6glich entsteht das sch\u00e4dellicht auch durch tr\u00e4ume, die raum brauchen, damit die seele \u00fcber gro\u00dfe entfernungen und jahrtausende hinweg reisen kann. es gibt menschen, die nicht nicht denken k\u00f6nnen, im schlaf aktiver tr\u00e4umen und das getr\u00e4umte teils schon im traum verarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEine andere Art Gl\u00fcck\u00ab: \u00bbUnd manchmal geht \/ Einer ganz \/ ins Scheitern, und eine andere \/ Art \/ Gl\u00fcck \/ triumphiert.\u00ab bewu\u00dftes scheitern kann von vielen zw\u00e4ngen befreien, die einengen und abh\u00e4ngig machen. ein selber denkender und kreativer mensch entspricht h\u00e4ufig nicht den ma\u00dfst\u00e4ben f\u00fcr erfolg. menschen sehen h\u00e4ufig in der anerkennung an sich mehr ein qualit\u00e4tsmerkmal als in einer leistung. denn sie urteilen gemeinhin nach etiketten, die konventionen entsprechen, und nicht begabungen und f\u00e4higkeiten. karl kraus indes schrieb: \u00bbPhilosophie ist oft nicht mehr als der Mut, in einen Irrgarten einzutreten. Wer aber dann auch die Eingangspforte vergi\u00dft, kann leicht in den Ruf eines selbst\u00e4ndigen Denkers kommen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAbgel\u00e4utet\u00ab: \u00bbSchwer \/ ist, die Bilder zu teilen in \/ Abgrund und \/ Grund; \/\/ mitunter \/ wirbelt eins die Stirn auf \/ bis \/ abgel\u00e4utet \/ wird.\u00ab das benennt, erneut auf den kopf bezogen, die schmerzlichkeit des denkens, schicksalsmomente sowie endpunkte von wahrnehmungen und erfahrungen. brunnen geben lebenswasser und k\u00f6nnen zugleich zur h\u00f6lle f\u00fchren, sind also grund und abgrund, lebensquell und unterwelt. \u00bbGezinkt\u00ab: \u00bbEs stechen die Zeichen \/ die Welt, studieren die W\u00fcrfel, sie \/ w\u00fcrfeln, sie werfen Kunst, sie \/ werfen \/ uns \/ Unspielbares.\u00ab es gab orakelw\u00fcrfel, die ein schicksal voraussagten. das heutige wahrsagen ist eine verflachte profane nachfolgeform davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">in \u00bbBrisanz\u00ab, dem letzten gedicht des bandes, hei\u00dft es \u00bbDiese Zeit ist \/ reif, die Zukunft in den Kopf zu werfen, \/ mit \/ Sprengstoff.\u00ab wir befinden uns in einer lage, insbesondere \u00f6kologisch, in der inzwischen zwar viele menschen erkennen, oder zumindest ahnen, da\u00df sich etwas grundlegendes \u00e4ndern mu\u00df, doch aus angst vor privaten verlusten oder prinzipieller skepsis gegen\u00fcber ver\u00e4nderungen und neuerungen, individuell und gesellschaftlich nicht imstande sind, den n\u00f6tigen wandel aus eigenem antrieb vorzunehmen und mitzugestalten, der dann sp\u00e4ter notgedrungen und mit verwerfungen geschieht, und wom\u00f6glich auch mit sprengstoff in k\u00f6pfen und seelen zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stille Feiung<\/strong>, Gedichte von Frank Sch\u00e4fer. Allenbach, 2021<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-103050 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Stille-Feiung_Cover-300x267.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"267\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; die gedichte von frank sch\u00e4fer sind knappe, lakonische, oft intellektuelle und philosophische texte, mit nur wenigen strichen gezeichnet. der autor aus allenbach im hunsr\u00fcck, geboren 1966, studierte philosophie in stuttgart und freiburg, was man seinen texten durchaus anmerkt. das&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/03\/15\/lakonie-mit-sprengstoff\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":103050,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3675,94],"class_list":["post-103049","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-frank-schaefer","tag-holger-benkel"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103049","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103049"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103049\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103053,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103049\/revisions\/103053"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103050"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103049"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103049"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103049"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}