{"id":102717,"date":"1995-04-21T07:42:52","date_gmt":"1995-04-21T05:42:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=102717"},"modified":"2022-04-17T08:33:05","modified_gmt":"2022-04-17T06:33:05","slug":"aktionsgruppe-banat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/04\/21\/aktionsgruppe-banat\/","title":{"rendered":"Aktionsgruppe Banat"},"content":{"rendered":"<p class=\"para\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Zum Gl\u00fcck traf ich in der Stadt Freunde, eine Handvoll junge Dichter der <em class=\"marquage italique\">Aktionsgruppe Banat<\/em>. Ohne sie h\u00e4tte ich keine B\u00fccher gelesen und keine geschrieben. Noch wichtiger ist\u00a0: Diese Freunde waren lebensnotwendig. Ohne sie h\u00e4tte ich die Repressalien nicht ausgehalten. Ich denke heute an diese Freunde. Auch an die, die auf dem Friedhof liegen, die der rum\u00e4nische Geheimdienst auf dem Gewissen hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Herta M\u00fcller<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der deutschen [2], rum\u00e4nischen, ungarischen, j\u00fcdischen, serbischen, m\u00f6glicherweise &#8222;mitteleurop\u00e4ischen&#8220; Stadt Temeswar\/Timisoara\/Temesv\u00e1r\/\u0422\u0435\u043c\u0438\u0448\u0432\u0430\u0440 [3], der Hauptstadt des Banat\/B\u00e1ns\u00e1g\/\u0411\u0430\u043d\u0430\u0442, treten ab 1972 die Gymnasiasten und Germanistikstudenten Albert Bohn, Rolf Bossert, Werner Kremm, Johann Lippet, Gerhard Ortinau, Anton Sterbling, William Totok, Richard Wagner und Ernest Wichner als &#8222;Aktionsgruppe Banat&#8220; auf. Alle sind in den fr\u00fchen 1950er Jahren geboren und stammen aus dem weitgehend selben Milieu: Der Dorfwelt der Banater Schwaben, einer deutschsprachigen Minderheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ursprung dieser Gruppe liegt im Lyzeum von Gro\u00df Sanktnikolaus\/S\u00e2nnicolau Mare\/N\u00e1gyszentmikl\u00f3s am westlichsten Zipfel des Banats. Der dortige erste deutschsprachige Jahrgang, dem Kremm, Totok, Lippet, Wagner und Sterbling angeh\u00f6ren, wird im 9. Jahrgang von der &#8222;begeisterten und eigenwilligen&#8220; [4] Deutschlehrerin Dorothea G\u00f6tz unterrichtet. Sie gr\u00fcndet einen Literaturkreis, dem durch eine zeitweise Ann\u00e4herung Rum\u00e4niens an die Bundesrepublik Deutschland auch moderne deutschsprachige Literatur des Westens [5] &#8211; &#8222;nicht nur Lyrik, Prosa und St\u00fccke, sondern auch literaturtheoretische und sozialwissenschaftliche Literatur&#8220; [6] &#8211; zur Verf\u00fcgung steht. Diese wird ebenso diskutiert wie die immer h\u00e4ufiger entstehenden eigenen Texte, die in der Neuen Banater Zeitung, die sich bereits seit 1969 in ihren Sch\u00fcler- und Studentenbeilagen Wir \u00fcber uns &#8222;um neue Talente&#8220; [7] bem\u00fcht und diesen ein Forum f\u00fcr ihre Texte bietet, ver\u00f6ffentlicht werden. Durch diese Ver\u00f6ffentlichungen entstehen weitere Kontakte zu jungen Banater Autoren, die das Lyzeum nicht besuchen:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Es entstand langsam, ohne dass dies gezielt geplant gewesen w\u00e4re, ein mehr oder weniger intensiv kommunizierender, auch lebhaft streitender, \u00fcberaus kritischer Kreis junger Schreibender&#8220; [8].<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hintergrund der \u00d6ffnung der Zeitung wie der Schule ist die Hoffnung, die sich mit den fr\u00fchen Jahren des Parteivorsitzenden der RKP und des Vorsitzenden des Staatsrates Nicolae Ceausescu verbindet, der sich 1968 \u00f6ffentlich vom F\u00fchrungsanspruch der Sowjetunion distanziert und sich nicht nur weigert, mit den Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei einzumarschieren, sondern die Niederschlagung des dortigen Prager Fr\u00fchlings sogar auf einer Bukarester Massenveranstaltung als aggressiven Akt verurteilt [9], was auch zur erw\u00e4hnten kurzzeitigen Ann\u00e4herung an die Bundesrepublik f\u00fchrt. Von Bedeutung f\u00fcr den deutschsprachigen Literaturbetrieb sind dabei insbesondere die im Zuge der Ceausescuschen erweiterten Minderheitenrechte neu etablierten medialen M\u00f6glichkeiten hinsichtlich Rundfunk, Fernsehen und Presse sowie die M\u00f6glichkeiten der Rezeption des Formenpluralismus moderner europ\u00e4ischer Literatur jenseits der bisherigen stalinistischen \u00c4sthetiknormen [10] &#8211; zumindest kurzfristig bis zur sogenannten &#8222;Mini-Kulturrevolution&#8220; [11]: Die &#8222;Juli-Thesen&#8220; von 1971, in denen die Partei die F\u00fchrung und totale Ideologisierung aller erzieherischen und kulturellen Bereiche beansprucht, zeigen im rum\u00e4nischen Kulturbetrieb bereits Wirkung, w\u00e4hrend das Inseldasein der Banatschwaben noch nicht recht betroffen scheint. Feste gemeinsame Nenner der Gruppe sind f\u00fcr Sterbling im R\u00fcckblick &#8222;die Begeisterung f\u00fcr die Moderne und die Neigung zur avantgardistischen Literatur, der Wunsch und Wille zur Ver\u00e4nderung, der sich in einem gro\u00dfen Interesse an den Entwicklungen im Westen und in der Welt, aber auch in der Auseinandersetzung mit der vorgefundenen Realit\u00e4t in der eigenen Gesellschaft Ausdruck verschaffte&#8220; [12].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben dem realsozialistischen Rum\u00e4nien geh\u00f6rt zu dieser vorgefundenen Realit\u00e4t auch die &#8222;noch stark traditional gepr\u00e4gte&#8220; [13] Minderheit der Banater Schwaben, einer Folge der planm\u00e4\u00dfigen habsburgischen Ansiedlungspolitik des Banats nach den Siegen \u00fcber die Osmanen ab 1716 [14]. Durch den Charakter der rei\u00dfbrettartigen absolutistischen Kolonisierung, der sich auch in der Anlage der D\u00f6rfer des Banats zeigt (und in mindestens einer Prosaskizze der Gruppe thematisiert wird), aus denen die Gruppenmitglieder stammen, unterscheidet sich die kulturelle Identit\u00e4t der banatschw\u00e4bische Bev\u00f6lkerungsgruppe von den \u00fcbrigen bedeutenderen rum\u00e4niendeutschen Milieus. Eines davon, wesentlich \u00e4lter und homogener, ist im konfessionell und organisatorisch autonomeren Siebenb\u00fcrgen zu finden, ein anderes ist als Teil des (damals noch) multikulturellen Bukarest deutlich gepr\u00e4gt von der Metropole.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zumindest \u00fcber die Umwege der Celan- und Ausl\u00e4nderrezeption eine Rolle spielende, von 1919 bis 1940 gro\u00dfrum\u00e4nische Zentrum der (Nord-)Bukowina Czernowitz bleibt hier ebenso wie Bessarabien als Teil der ukrainischen bzw. moldauischen Sowjetrepublik au\u00dfen vor, weil deren deutschsprachige Bev\u00f6lkerungen bereits 1940 in der Konsequenz des geheimen Zusatzprotokolls des deutsch-sowjetischen Nichtangrifspaktes weitgehend &#8222;heim ins Reich&#8220; geholt [15] bzw. als Mitglieder der j\u00fcdischen Gemeinden weitgehend ausgel\u00f6scht worden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zu den Siebenb\u00fcrger Sachsen genie\u00dfen die Banater Schwaben vor 1918 keine wesentlichen Selbstverwaltungsprivilegien und weisen keine entsprechende soziale oder selbst empfundene Homogenit\u00e4t auf. Zun\u00e4chst bestehen zwischen der l\u00e4ndlichen und st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung wenig Gemeinsamkeiten (und auch praktisch kein Austausch), zumal das kulturelle Leben in der Stadt von h\u00e4ufigen Umz\u00fcgen von und nach Wien und infolge dessen durch personelle und geistige Diskontinuit\u00e4ten gepr\u00e4gt ist. Erst die Magyarisierungspolitik nach dem \u00f6sterreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 f\u00fchrt neben ungarischer Assimilation zur deutschen bzw. deutsch-\u00f6sterreichischen Nationalisierung der Banater Schwaben, die sich schlie\u00dflich in einer Literatur \u00e4u\u00dfert, die ein nationales Identit\u00e4tsbewusstsein als Volksgruppe zu erfinden, zu wahren und zu st\u00e4rken beabsichtigt [16] &#8211; was ebenfalls in Texten der Aktionsgruppe reflektiert wird. Der der Aktionsgruppe freundschaftlich verbundene Temesvarer Journalist und Literaturkritiker Gerhardt Csejka beschreibt die Tradition dieser Literatur, mit der die Gruppe konfrontiert ist, folgenderma\u00dfen: &#8222;Es h\u00e4ngt, versteht sich, aufs engste mit der Geschichte dieser Siedlungen zusammen, da\u00df ihre literarischen Erzeugnisse von Grund auf realistisch sind. Man k\u00f6nnte sie, aufs Ganze genommen, beinahe pragmatisch nennen, auf Selbstbest\u00e4tigung und Selbsterziehung so sehr bedacht [&#8230;]. Es galt vor allem, die sittlichen Eigenschaften zu pflegen, f\u00fcr intellektualistische Spekulationen und unverbindliche Spinnereien hatte man weder Zeit noch Sinn&#8220; [17].<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Am Anfang war das Gespr\u00e4ch&#8220;: Erste Positionen<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anlass des Eintritts in die \u00d6ffenlichkeit ist eine Diskussionsrunde der Neuen Banater Zeitung am 2. April 1972 [18], eines erst kurz zuvor gegr\u00fcndeten Temesvarer Blattes mit umfangreichen Kulturbeilagen, die teils ausdr\u00fccklich an bestimmte Altersgruppen adressiert sind [19]. Kennzeichen dieser Zeitung, offiziell Organ des Kreiskomitees der \u00f6rtlichen RKP, ist die Spannung zwischen der orthodoxen Parteilinie, die auf den ersten Seiten vertreten wird, und der M\u00f6glichkeit f\u00fcr subversive Experimente in den Beilagen und Sonderseiten. Dazwischen stehen mehr oder weniger traditionelle Minderheitenthemen, die auf den Mundartseiten diskutiert werden [20].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Diskussionsrunde unter der Leitung des Redakteurs Eduard Schneider, ver\u00f6ffentlicht unter dem Titel &#8222;Am Anfang war das Gespr\u00e4ch&#8220; [21] in der Studentenbeilage universitas, konstatiert zun\u00e4chst, dass in den letzten Jahren eine neue Generation von Autoren rein &#8222;quantitativ etwas geschaffen hat&#8220;, bevor eine doppelte Standortbestimmung vorgenommen wird: Die Spannung zwischen der &#8222;Bildungssituation&#8220;, der sprachlichen und (&#8222;hoch&#8220;-)kulturellen Pr\u00e4gung durch deutsche Schulbildung und Literatur, und der &#8222;hiesigen Wirklichkeit&#8220;, dem Status als Minderheit im realsozialistischen rum\u00e4nischen Staat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die &#8222;erste Generation Schreibender, die in die sozialistischen Verh\u00e4ltnisse hineingeboren wurde&#8220; und damit &#8222;die heutige Realit\u00e4t vorurteilsloser und komplexer als \u00c4ltere&#8220; sehen kann, steht Berthold Brecht dabei in herausragender Stellung als (in der Diskussion umstrittene) &#8222;einzige Grundlage, von der man hier und jetzt ausgehen kann&#8220;, weil er &#8222;mit den M\u00f6glichkeiten einer sozialistischen Literatur&#8220; experimentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch r\u00e4umliche Trennung und politische Zensur weit ab von den Zentren deutscher Literaturproduktion bef\u00fcrchten die Autoren, &#8222;Vorstellungen von der Literatur [zu] besitzen, die l\u00e4ngst \u00fcberholt sind&#8220; &#8211; sehen aber auch die M\u00f6glichkeit von &#8222;Hybridgew\u00e4chsen&#8220;, indem &#8222;Experimente sp\u00e4t bekannt werden, \u00fcberholte Tendenzen sich mit neuen paaren&#8220;. So fordern sie beispielsweise, Natur durch Landschaft zu ersetzen, &#8222;die Landschaft nicht zuletzt als Baustelle, als Fabrikgel\u00e4nde, als Stra\u00dfenbild&#8220; neu zu entdecken. Gleichzeitig geht es nicht darum, die Landschaft darzustellen, sondern &#8222;ihre Elemente mit der dazugeh\u00f6renden Aussagekraft zu verwerten&#8220; beziehungsweise &#8222;ein Milieu anzugeben, um nicht in Abstraktion zu verfallen&#8220;. Solche Abstraktion lehnen die Autoren ab, denn Literatur dient dem Ausdruck &#8222;des Gef\u00fchls und des logischen Gedankens&#8220; und &#8222;ist geistiges und psychisches Realit\u00e4tssichten&#8220;. Trotz ihrer offen marxistischen Verwurzelung in der Realit\u00e4t lehnen die Autoren den Sozialistischen Realismus in seiner Eigenschaft als Propagandaliteratur, die sich &#8222;eine Papierrealit\u00e4t&#8220; baut, ab, sondern fordern eine kritische Literatur: &#8222;Literatur hier und heute ist ein Auf-der-Grenze-gehen [&#8230;]. Ausschlaggebend ist der Standort des Kritik\u00fcbenden, er kann es innerhalb der Gesellschaft und f\u00fcr diese tun&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im R\u00fcckblick zeichnet sich diese Gesellschaft, innerhalb der die Autoren arbeiten, durch &#8222;V\u00e4ter, die in der SS waren, sekund\u00e4rtugendhafte katholische M\u00fctter, eine deutschsprachige Bev\u00f6lkerung, die unter Politik Antikommunismus, Auswanderung und nationalen Chauvinismus verstand&#8220; [22] aus. Hinzu kommen die &#8222;dummen und opportunistischen rum\u00e4niendeutschen Funktion\u00e4re: Parteifunktion\u00e4re, die nebenberuflich in den Medien und in der Kultur arbeiteten; Medien- und Kulturangestellte, die hauptberuflich Parteifunktion\u00e4re waren&#8220; [23] und den etablierten Ton der rum\u00e4niendeutschen bzw. banatschw\u00e4bischen Kultur angeben. Wichtige Tr\u00e4ger bisheriger rum\u00e4niendeutscher Literatur, Journalisten und Redakteure der Minderheitenzeitungen, treten &#8211; sofern sie den Experimenten wohlwollend gegen\u00fcberstehen &#8211; als unterst\u00fctzende und philologisch geschulte Kritiker der jungen Autoren auf [24].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Siebenb\u00fcrger Rezensent des zusammengefassten Gespr\u00e4chsbeitrags nennt die aufgetretene Gruppe Aktionsgruppe Banat, was diese selbst \u00fcbernimmt [25] &#8211; trotz der Warnungen einiger \u00e4lterer und mit der Diktatur erfahrenerer Autoren, die die j\u00fcngeren Kollegen auf die Gefahren allzu ostentativer Gruppenbildung und -selbstbezeichung hinweisen [26].<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Drei Jahre produktive Provokation&#8220; [27]: Literarische Praxis<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das &#8222;doppelte Verh\u00e4ltnis zur Realit\u00e4t&#8220; und die &#8222;Kleine Kulturrevolution&#8220; sind au\u00dfergew\u00f6hnliche Entstehungsbedingungen f\u00fcr Literatur. F\u00fcr die zensorische Praxis bedeutet die Umsetzung der Juli-Thesen ein komplexes Geflecht an Kontroll- und Zensurstellen auf jeder Ebene des Literaturbetriebs, die sich als Vor- und Nachzensur aber auch gegenseitig die Verantwortung zuweisen und teils sogar das Entstehen zensurloser Zwischenr\u00e4ume erm\u00f6glichen [28].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst entsteht vor allem Lyrik, die sich wegen des Drucks teils als verdeckt, verschl\u00fcsselt oder doppelb\u00f6dig auszeichnet: &#8222;Die rum\u00e4niendeutsche Literatur hat einfallsreiche und spezifische Techniken der poetischen Camouflage entwickelt&#8220; [29].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rezeption westlicher neomarxistischer gesellschafts- wie literaturkritischer Texte etwa von Adorno, Enzensberger oder Marcuse [30] kollidiert identit\u00e4tsstiftend mit dem erw\u00e4hnten Traditionalismus der banatschw\u00e4bischen Gesellschaft, eine der Realit\u00e4ten, die die Autoren vorfinden. Besonders die Erz\u00e4hlliteratur gestaltet diese Opposition zur Provinzialt\u00e4t beispielsweise als Schweigen \u00fcber verschwundene Au\u00dfenseiter, in surrealen Volksfestszenen oder unromantischen Dorfgeschichten voller Alkoholismus und Gewalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite nach Auffassung der Gruppe ver\u00e4nderbare und ver\u00e4nderungsw\u00fcrdige Realit\u00e4t ist die des realsozialistischen Rum\u00e4nien, die beispielsweise durch Wortspiele (die nichtmuttersprachliche Zensoren nur schwer verstehen k\u00f6nnen) oder verfremdende Nutzung der Zeichen (Buchstaben und Satzzeichen, aber auch Seme oder Phoneme) gestaltet wird. Dieses Verfahren der Semantisierung der formalen Elemente eines Textes bis hin zur Gedichtgestalt selbst ist typisch f\u00fcr eine literarische Moderne, die nicht mehr &#8222;nur&#8220; ein m\u00f6glichst &#8222;kunstvolles&#8220; bzw. \u00e4sthetisches Darstellen eines Signifikats f\u00fcr darstellungsw\u00fcrdig h\u00e4lt, sondern den Blick auf die Signifikanten selbst und deren K\u00f6rperlichkeit lenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres der k\u00fcnstlerischen Moderne zugeschriebenes Merkmal ist die Organisationsstruktur als Gruppe, der eine ausgepr\u00e4gte Gruppenidentit\u00e4t zu Grunde liegt, die sich in Treffen im Rahmen der Germanistik der Temesvarer Universit\u00e4t, aber auch im &#8211; politisch verd\u00e4chtigen bzw. verbotenen &#8211; spontanen Zusammentreffen in Wohnungen und Lokalen abspielt. Diese Gruppenidentit\u00e4t ist selbst wiederum Ausdruck der doppelten Opposition zur Realit\u00e4t, indem sie einerseits der traditionellen b\u00fcrgerlichen bzw. banatschw\u00e4bischen K\u00fcnstler- bzw. Genieauffassung widerspricht, nach der der inspirierte Schriftsteller allein t\u00e4tig ist, andererseits aber auch die Organisations- und Versammlungsverbote au\u00dferhalb der offiziellen staatlichen rum\u00e4nischen Organisationen unterl\u00e4uft. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchlen sich die Gruppenmitglieder in einer &#8222;Au\u00dfenseiter- und Enklavensituation in der tiefsten Provinz [31]&#8220;, die das Gruppenerlebnis n\u00f6tig macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Gruppendiskussionen behandeln \u00fcber das eigene Schaffen hinaus moderne politische und literarische Themen; genannt seien als Stichworte neben der Wiener Gruppe die Namen Handke, B\u00f6ll und wieder Brecht, aber auch Solschenizyn, Dubcek, Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof [32].<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ver\u00e4nderungswille der Aktionsgruppe wird auch in ihrem starken Bem\u00fchen nach \u00d6ffentlichkeit deutlich, die sie aufr\u00fctteln und modernisieren will. Im Rahmen des Bukarester deutschen Literaturkreises, des (eher traditionellen) Temesvarer Adam-M\u00fcller-Guttenbrunn-Kreises und des lokalen Rundfunks und Fernsehens finden Lesungen statt, die teils zu inhaltlich wie formal provokativen Happenings werden: Gruppenlesungen nach dem Vorbild der Wiener Gruppe [33], die Textmontagen performativ entstehen lassen, indem beispielsweise der Vortrag eigener und fremder Texte mit Tonbandaufnahmen und Musik kombiniert und collagiert wird [34], entsprechen in ihrer Eigenart als &#8222;anarchisches Gaukelspiel und politisches Cabaret&#8220; [35] weder der Literaturauffassung der Banatschwaben noch der der kommunistischen Kulturfunktion\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommen viele Ver\u00f6ffentlichungen, allein oder als Gruppe, die in regionalen wie \u00fcberregionalen Literaturzeitschriften und -beilagen die \u00e4sthetischen und politischen Modernisierungsbem\u00fchungen dokumentieren, wie etwa in der Bukarester Zeitschrift &#8222;Neue Literatur&#8220;, die seit Ende der 1960er Jahre von den beiden \u00e4lteren deutschen Autoren Paul Schuster und Dieter Schlesak redigiert wird. Die beiden sehen es als &#8222;ihre vorrangige Aufgabe an, die junge rum\u00e4niendeutsche Literatur zu f\u00f6rdern&#8220; [36], darunter ausdr\u00fccklich sogar mit Sonderheften auch Lyrik. Zwischen 1972 und 1974 ver\u00f6ffentlicht die &#8222;Neue Literatur&#8220; drei gemeinsame &#8222;Anthologien&#8220; [37] der Aktionsgruppe Banat.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;ein pronomen ist verhaftet worden&#8220;: Lyrisch gestalteter totalit\u00e4rer Mord an der Sprache<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerhard Ortinaus Gedicht &#8222;Die Moritat von den 10 Wortarten der traditionellen Grammatik&#8220; [38], 1974 erschienen in der Anthologie &#8222;Wir Wegbereiter&#8220;, ist ein Beispiel f\u00fcr die spielerische, humorvolle und auf mehreren Ebenen hintergr\u00fcndige Lyrik der Gruppe, das viele Elemente moderner Dichtung enth\u00e4lt. In drei Strophen mit den Titeln &#8222;1. Schaltung&#8220;, &#8222;2. Umschaltung&#8220;, &#8222;3. Gleichschaltung&#8220; wird in Analogie an die titelgebende Sonderform des B\u00e4nkelgesang eine Art Mordtat mit moralisierender Tendenz beschrieben, die mit den Wortarten der klassischen Grammatik und ihren Eigenschaften spielt. So verlegt eine Pr\u00e4position ihren Standort und das nicht dazu geeignete Numerale wird beauftragt, ein verhaftetes Pronomen zu ersetzen. Dass dieses Pronomen bereits im ersten Vers verhaftet worden ist &#8211; im Passiv und mit unterdr\u00fccktem Agens &#8211; erzeugt eine Unsicherheit, die durch die in den folgenden Versen wiederholte Satzstruktur verst\u00e4rkt wird. Der erste Satz im Aktiv kann folgerichtig nur im Modus der Ironie erscheinen und spielt mit der Doppeldeutigkeit des Wortes Artikel, den die Auslandspresse verwechselt. Die formale und k\u00fcnstliche grammatische Kategorie der Wortart wird also selbst zu Inhalt wie Gestaltungsmittel des literarischen Kunstwerks. Dar\u00fcber hinaus referiert sp\u00e4testens das Stichwort der Auslandspresse auf den Kalten Krieg und den real existierenden Sozialismus. Dem Adjektiv bleibt am Ende dieser ersten Strophe (&#8222;Schaltung&#8220;) also nichts anderes mehr \u00fcbrig, als z\u00f6gernden &#8222;bei- \/ fall&#8220; zu klatschen. Gewaltsam bek\u00e4mpfen und verdr\u00e4ngen sich die Wortarten im Zuge der zweiten Strophe &#8222;Umschaltung&#8220; nun gegenseitig. Nichts steht mehr an der Stelle, in der es funktioniert, denn eher attributive Wortarten ersetzen die, die als Sinntr\u00e4ger oder T\u00e4tigkeiten fungieren k\u00f6nnen. Eines der Mittel innerhalb dieses Kampfes ist die Anzeige &#8211; bei wem ist unerheblich -, durch die dieser Prozess in Gang gebracht wird. Der Artikel (eben noch korreliert mit der Auslandspresse) prostituiert sich, muss auf den Strich gehen, und schlie\u00dflich besteigt die Interjektion, ein blo\u00dfer und mutma\u00dflich nicht bedeutsamer Einwurf &#8211; in der traditionellen Grammatik etwa markiert durch den einen Gedankenstrich &#8211; den Thron: Eine blo\u00dfe Episode, in keinem Zusammenhang mit dem &#8222;richtigen&#8220; Lauf der Geschichte: F\u00fcr die real auf dem Thron sitzende RKP und ihren F\u00fchrer sicherlich keine charmante Beschreibung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Umschaltung folgt nun die dritte Strophe &#8222;Gleichschaltung&#8220;, die die nominelle Bezeichnung der einzelnen Wortarten als Substantive sachlich richtig in fast gleich lautenden Versen wiederholt. Die wenig \u00fcberraschende abschlie\u00dfende Erkenntnis, selbst das Wort Substantiv sei ein Substantiv, gewinnt dadurch an Brisanz, dass Substantive prototypisch besonders zeitstabile Begriffe bezeichnen &#8211; im Gegensatz zur Interjektion der vorigen Strophe. Au\u00dferdem hat das Substantiv in dieser Strophe alle \u00fcbrigen genannten Wortarten \u00fcberfl\u00fcssig gemacht und durch sich selbst ersetzt, also einen totalen Anspruch innerhalb der Sprache durchgesetzt. Dieser Anspruch wird in den letzten Versen mit Hilfe des bekannten Sonnenk\u00f6nig-Zitates als Idealtyp einer auf eine Person zentrierte Herrschaft realisiert: &#8222;die sprache \/ c&#8217;est \/ moi \/\u00a0!&#8220;. Die in der Moritat beschriebene(n) Mordtat(en) betreffen also alle gef\u00e4hrlich dynamischen Elemente der Sprache, die selbst auf die blo\u00dfe Stabilisierung eines totalit\u00e4ren status quo reduziert wird. Durch Gestaltung und Neukombination dessen, was traditionell dazu dient, Sprache und ihre Bestandteile kategorial zu fassen und zu beschreiben, wird hier zun\u00e4chst spielerisch und ironisch ein Zustand erzeugt, der zur totalen Verarmung und letztlichen Zerst\u00f6rung aller ihrer k\u00fcnstlerischen und \u00fcberhaupt lebenswichtigen Voraussetzungen f\u00fchrt. Am Ende einer so dynamischen Entwicklung wie der der Sprache bleibt nur noch das aussagefreie und statische, aber obrigkeitlich eingebl\u00e4ute Ausrufezeichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der sp\u00e4ter erfolgen Verhaftung einiger der Gruppenmitglieder ist gerade dieses Gedicht eines der wichtigsten Beweisst\u00fccke f\u00fcr deren staatsfeindliche Einstellung &#8211; obwohl es die Zensur vor Erscheinen in der Beilage der Neuen Banater Zeitung nicht beanstandet hat. Gerhard Csejka vermutet nachtr\u00e4glich: &#8222;Offenbar hatte der Zensor, der es genehmigte, in seiner Allgemeinbildung gerade dort eine L\u00fccke, wo ihm [&#8230;] das ber\u00fchmte Diktum Ludwigs XIV. [&#8230;] h\u00e4tte einfallen m\u00fcssen; w\u00e4hrend die Fachgelehrten von der Universit\u00e4t nat\u00fcrlich sofort den Nachweis parat hatten, dass Ortinau mit dem obersten Sprachregler praktisch nur den Einen meinen konnte, dessen Ikone unbefleckt zu erhalten heiligste Pflicht der Staatssch\u00fctzer war&#8220; [39].<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;was mit Herrn Buchwald geschah&#8220;: Eine Parabel \u00fcber Dorf, Nation und imagined community<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ebenfalls 1974 erschiene Prosaskizze &#8222;Was mit Herrn Buchwald geschah&#8220; von Albert Bohn [40] erforscht in kurzen, zumeist parataktischen S\u00e4tzen einen Fall, von dem die sich angegriffen f\u00fchlenden Zeugen konstatieren: &#8222;Hier ist nichts geschehen.&#8220; Der Ich-Erz\u00e4hler fragt sich zun\u00e4chst, ob und warum das Wissen \u00fcber ein solches Geschehen von Bedeutung sein k\u00f6nnte, bevor er seine Umgebung und die Quellen f\u00fcr dieses Geschehen (sowie dessen Beteiligte) beschreibt: &#8222;Zufrieden und wohlgeordnet&#8220;, mit feststehendem w\u00f6chentlichem Speise-, Aktivit\u00e4ten- und Saufplan, denn &#8222;das musste so sein, wenn sie sich nicht kleinkriegen lassen wollten&#8220;. Sie, das sind die durch Ungarn und Rum\u00e4nen bedrohten Deutschen im Banat, die sich ihrer Existenz durch eben diese Rituale vergewissern. Geschehen &#8211; oder nicht geschehen &#8211; ist etwas mit einem, der nicht recht in dieses Muster der v\u00f6lkischen Parallelexistenzen hineinpasst: Herr Buchwald, Deutscher, aber &#8222;Lehrer an einer nichtdeutschen Schule&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1940, so der Erz\u00e4hler, kehrt der M\u00fchlenbesitzer Reindl von einem Aufenthalt in der Stadt mit Stiefeln und Uniform zur\u00fcck und empfiehlt einigen seiner durch die Nachnamen als Deutsche &#8222;ausgewiesene&#8220;, aber seit Generationen magyarisierten Mitb\u00fcrgern, in die &#8222;Volksgruppe&#8220; einzutreten. Reindl selbst erwartet dadurch Gesch\u00e4ftsvorteile und ben\u00f6tigt diese zu bildenden Volksgenossen, um \u00fcberhaupt erst eine Volksgruppe gr\u00fcnden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Atmosph\u00e4re wird nun Herrn Buchwald dringend empfohlen, von den staatlichen rum\u00e4nischen zu einer der konfessionellen deutschen Schulen zu wechseln, was dieser ablehnt. Kurz darauf wird Herr Buchwald &#8222;trotz seiner 46 Jahre&#8220; zur rum\u00e4nischen Armee einberufen, von der er aber bereits &#8222;nach acht Monaten, h\u00f6herem Befehl folgend&#8220; entlassen wird. Seine Stelle an der nichtdeutschen Schule ist inzwischen anderweitig besetzt und Herr Buchwald muss nun das &#8222;Deutschtum&#8220; der &#8222;Kinder der ungarischen Familien Aufmuth, Keller und Tittinger&#8220; pflegen. 1944 wird Herr Buchwald schlie\u00dflich verhaftet und &#8222;in ein Lager f\u00fcr aktive Nazis \u00fcberf\u00fchrt&#8220;. Zwar wird er ein dreiviertel Jahr sp\u00e4ter wieder entlassen, doch seine Frau und Tochter trifft er im Dorf nicht mehr an. &#8222;Er klopft an jedes Haus. Keiner \u00f6ffnet ihm. Herr Buchwald verl\u00e4sst das Dorf.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gestus des Fragens und Gegenfragens, der beispielsweise an die bundesdeutschen 68er und ihre Auseinandersetzung mit der NS-verwickelten Elterngeneration erinnert, r\u00fcckt der Erz\u00e4hler &#8211; &#8222;Ich k\u00f6nnte Albert Bohn hei\u00dfen oder auch nicht&#8220; &#8211; den Text ins Parabelhafte. Die Parabel wirft selbst prototypisch Fragen auf, deren Bildebene zun\u00e4chst &#8211; wie dem oder den Befragten im Text (&#8222;Sie sollten das Fragen sein lassen&#8220;) &#8211; nicht unbedingt von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung erscheint, deren Sachebene aber allgemeing\u00fcltige moralische Grunds\u00e4tze behandelt. So wird aus dem scheinbar unbedeutenden Wegzug eines Mitb\u00fcrgers eine Erz\u00e4hlung \u00fcber uneindeutige ethnische Identit\u00e4ten, die sich einer Nationalisierung entziehen, eine \u00fcber Verstrickungen von sich ungerecht behandelt f\u00fchlenden B\u00fcrgern in ein Verbrecherregime, sowie eine \u00fcber sich durch sinnlose und oberfl\u00e4chliche Rituale sowie Nationalismus definierende d\u00f6rfliche Gesellschaft, deren Substanz eben fragw\u00fcrdig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne ein idealisiertes multikulturelles Mitteleuropa als Gegenfolie hineinzuprojizieren, berichtet der Text nicht nur von den br\u00fcchigen und oberfl\u00e4chlichen Ersatzidentit\u00e4ten nach dessen Untergang, sondern konstituiert seine Welt als vorgestellte, sogar erfundene Gemeinschaften auf mehreren Ebenen. Nicht nur nationalistisches &#8222;Deutschtum&#8220; wird so als inhaltsleere und substanzlose imagined community entlarvt, sondern auch die traditionelle Dorfwelt der Banater Schwaben mit ihren sinnlosen, &#8222;existenzsichernden&#8220; Ritualen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;konnte praktisch \u00fcberhaupt nichts mehr machen&#8220; [41]: Verfolgung und Ende<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wenig die banatschw\u00e4bischen Adressaten der Gruppe eine Ver\u00e4nderung ihrer Gesellschaft in Angriff nehmen, so gro\u00df wird das Interesse der Staatsmacht an den organisatorisch (als autonome und sich zunehmend festigende Eigeninitiative), performativ (durch die Happenings und den Aktionscharakter) und inhaltlich-thematisch als wenig ideologie- und regimestabilisierend wahrgenommenen Autoren, zu deren Selbstbeschreibung ja die Provokation geh\u00f6rt [42] und deren Sozialismus eher aus der Rezeption westlicher Neomarxisten denn aus einer &#8222;Identifikation mit der Arbeiterschaft&#8220; stammt. Und schlie\u00dflich ist ja eine der zu ver\u00e4ndernden Realit\u00e4ten das gerade nicht affirmativ besungene realsozialistische Rum\u00e4nien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst werden die offiziellen und regelm\u00e4\u00dfigen Treffen der Gruppe im Temesvarer Studentenkulturhaus abgeh\u00f6rt, was den Gruppenmitgliedern bewusst ist [43]. Schon bald treten jedoch Bespitzelung, Bedrohung und Drangsalierung von Seiten der Securitate hinzu [44]. Die zunehmende Zensur, die sich sowohl vor der Ver\u00f6ffentlichung als auch als nachtr\u00e4gliche Zensur immer offener zumindest als Damoklesschwert in die Textproduktion der Autoren einmischt, tut sich jedoch schwer, konkrete Verst\u00f6\u00dfe nachzuweisen [45]. Daf\u00fcr werden sogar Dichter verpflichtet, die dem Geheimdienst nicht nur als Informanten dienen, sondern auch durch philologische Arbeit helfen sollen, die Texte zu entschl\u00fcsseln und hinsichtlich m\u00f6glicher verbotener Abweichungen zu interpretieren. Das tats\u00e4chliche Ausma\u00df dieser geheimdienstlichen Bem\u00fchungen und die m\u00f6glichen Verwicklungen konkreter Personen tritt erst langsam zu Tage und ist noch nicht abzusehen[46]. Bis heute scheint sich zumindest bei dem Lyriker Werner S\u00f6llner &#8211; selbst als damaliger Redakteur des deutschsprachigen Teils der dreisprachigen Studentenzeitung Echinox in Klausenburg\/Cluj\/Kolozsv\u00e1r nicht Mitglied, aber &#8222;durchaus vergleichbar mit den Texten&#8220; [47] der Aktionsgruppe &#8211; best\u00e4tigt zu haben, dass er unter Druck f\u00fcr die Securitate t\u00e4tig war oder sein musste [48] und Texte f\u00fcr den Geheimdienst interpretiert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der Begr\u00fcndungen des rum\u00e4nischen Regimes zur Verfolgung der Gruppe erinnert an deutsche CSU-Politiker, die ebenfalls eine geistige Mitt\u00e4terschaft der von den Autoren rezipierten linken Schriftstellern am Terror der RAF unterstellen, indem von staatlicher Seite ein Vergleich mit der Baader-Meinhof-Gruppe vollzogen [49] und somit die Verfolgung der Gruppe auch durch den Terrorismusvorwurf begr\u00fcndet wird: Eine Methode, die Devianz zu kriminalisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das einzig \u00fcberraschende an den folgenden Verhaftungen ist also ihr sp\u00e4ter Zeitpunkt: Erst im Oktober 1975 werden Ortinau, Wagner, Totok und der zuf\u00e4llig anwesende, als F\u00f6rderer und Kritiker fungierende Redakteur der &#8222;Neuen Literatur&#8220; Gerhard Csejka w\u00e4hrend einer Reise mit dem Vorwurf der (im Grenzgebiet zu Jugoslawien h\u00e4ufigen) illegalen Ausreise verhaftet. Die Konsequenzen sind zun\u00e4chst Verh\u00f6re, Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmung von Manuskripten und B\u00fcchern, bevor William Totok unter dem Verdacht staatsfeindlicher Aktivit\u00e4ten stellvertretend f\u00fcr die Gruppe acht Monate lang in Untersuchungshaft bleibt. Auch den entlassenen Mitgliedern wird neben einem halbj\u00e4hrlichen Publikationsverbot zu verstehen gegeben, besser nicht mehr als Gruppe aufzutreten. Totok selbst wird von der Universit\u00e4t Temesvar exmatrikuliert und erst auf Druck von Amnesty International freigelassen [50].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Verlauf der Verh\u00f6re wird den Verhafteten mehrfach Ortinaus &#8222;Moritat von den 10 Wortarten der traditionellen Grammatik&#8220; als &#8222;eines der wichtigsten Beweisst\u00fccke f\u00fcr die staatsfeindliche\/majest\u00e4tsbeleidigende Einstellung&#8220; [51] vorgelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Vorgehen bedeutet das Ende der Gruppe. Einerseits wird klar, dass die nun alarmierten Beh\u00f6rden die bisherige kollektive T\u00e4tigkeit nicht mehr zulassen w\u00fcrde, andererseits ist auch die Gruppenatmosph\u00e4re zerst\u00f6rt. Der Verdacht nach einem oder mehreren Spitzeln innerhalb der Gruppe l\u00e4sst das Vertrauen zwischen den Autoren erl\u00f6schen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich zerfasert die Gruppe auch physisch, indem bereits 1975 Bohn, Sterbling und Wichner ausreisen, denen im Jahr darauf Ortinau folgt, nachdem ein Kurzprosaband von ihm v\u00f6llig entstellt erscheint [52]. Werner Kremm beendet unter dem Druck der Ereignisse seine literarische T\u00e4tigkeit und wird in einem abgelegenen Dorf Deutschlehrer, sp\u00e4ter Lokaljournalist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Nach der Verfolgung: &#8222;engagierte Subjektivit\u00e4t&#8220; [53]<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bleiben Richard Wagner, Johann Lippet, Rolf Bossert und nach seiner Haftentlassung William Totok zur\u00fcck, die als ausgepr\u00e4gte, dezidiert kritische Einzelstimmen h\u00f6rbar bleiben. Das Ph\u00e4nomen und der Kollektivautor &#8222;Aktionsgruppe Banat&#8220; ist jedoch zu Ende, die Sorglosigkeit (und vermutlich auch Naivit\u00e4t) und die damit einhergehende Souver\u00e4nit\u00e4t und Experimentierfreude kreativer Gemeinsamkeit sind dahin. Thematisch treten Bitterkeit, Unbehagen und Desillusionierung in den Vordergrund; das gesellschaftliche Engagement, die als doch nicht so einfach ver\u00e4nderbar wahrgenommene Realit\u00e4t wird bitter-ironisch gebrochen und verschiebt politische Verh\u00e4ltnisse ins Existenzielle, oftmals in Alltagsskizzen. Abgesehen von diesen erneut wenig opportunen Werken sind auch die bisherigen Publikationsorgane der Gruppe verschreckt, sodass die bisherigen und nun im Entstehen begriffenen Texte zun\u00e4chst f\u00fcr unbedeutend erkl\u00e4rt oder g\u00e4nzlich verschwiegen werden [54].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgerechnet mit der Beteiligung am Adam M\u00fcller Guttenbrunn-Kreis, benannt nach dem deutsch-nationalen Heimatdichter, entsteht f\u00fcr die im Banat gebliebenen erstmals wieder ein literarischer Gruppenzusammenhang. Der Beitritt zu diesem offiziellen, traditionsverbundenen und zu Aktionsgruppenzeiten stark kritisierten Literaturzirkel wird durch das Bed\u00fcrfnis nach Diskussion und literarischem Erlebnis in der Gemeinschaft begr\u00fcndet. Der urspr\u00fcnglich so radikale Richard Wagner leitet diesen Kreis sogar von 1981-1983, st\u00e4rkt aber damit sowohl den Einfluss der jungen Autoren in der offiziellen Literaturszene als auch deren Publikationsm\u00f6glichkeiten. Allerdings bleibt ein Grundkonflikt bestehen zwischen den Anh\u00e4ngern der traditionellen ethnozentristischen Heimatliteratur der Minderheit und dem Anspruch einer kritischen Literatur, &#8222;die den traditionellen Selbstbet\u00e4tigungstrieb der Minderheitenliteratur \u00fcberwindet und dem gesellschaftlichen Diskussionsstand gewachsen ist&#8220; [55]. In einer Laudatio Wagners anl\u00e4sslich eines Preises f\u00fcr die inzwischen selbst literarisch hervortretende Herta M\u00fcller begr\u00fcndet Wagner seine noch immer bestehenden Vorbehalte gegen den banatschw\u00e4bischen Mainstream mit deren Revisionismus als &#8222;die ersten Nazis unseres Lebens. Sie sassen abends [&#8230;] und sprachen von Verrat und verlorenen Schlachten, und der Konjunktiv half ihnen \u00fcber das Nachdenken hinweg. [&#8230;] mitten in diesem Volk sagten wir: Schaut euch doch selbst an!&#8220; [56]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kleine Erfolge der banatschw\u00e4bischen Schriftsteller, besonders Herta M\u00fcllers, in der Bundesrepublik f\u00fchren zu einer paradoxen staatlichen Reaktion: Einerseits ist das Regime bem\u00fcht, den liberalen Schein aufrecht zu erhalten und sich mit den Federn der einheimischen Autoren zu schm\u00fccken, andererseits nehmen Repressionen wegen der wenig schmeichelhaften Texte zu. F\u00fcr Rolf Bossert eine &#8222;schizophrene Situation. Einerseits d\u00fcrfen sie nicht arbeiten, man wirft ihnen vor, sie seien politisch unzuverl\u00e4ssig, andererseits d\u00fcrfen sie auch nicht ausreisen, obwohl sie es wollen&#8220; [57]. Bossert selbst wird kurz nach seiner Ausreise Anfang 1986 tot unter dem Fenster seines Aussiedlerheimes in Frankfurt a. M. aufgefunden [58].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die in Rum\u00e4nien verbliebenen Autoren resignieren schlie\u00dflich angesichts des Erlebens ihrer totalen Wirkungslosigkeit und des Entzugs nicht nur der literarischen Publikations-, sondern auch der blo\u00dfen Erwerbsm\u00f6glichkeiten. Johann Lippet, William Totok, Richard Wagner und dessen Frau Herta M\u00fcller d\u00fcrfen schlie\u00dflich 1987 in die Bundesrepublik ausreisen; lediglich Werner Kremm verbleibt zun\u00e4chst als Deutschlehrer [59], sp\u00e4ter als literarisch zur\u00fcckgezogener Redakteur der Neuen Banater Zeitung in Rum\u00e4nien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00f6ffentliche Wahrnemung der Gruppenmitglieder (nicht Herta M\u00fcllers) in der Bundesrepublik bleibt zun\u00e4chst eher auf die als Rum\u00e4nienexperten und politische Kommentatoren des Ostblocks statt als Autoren moderner Literatur beschr\u00e4nkt [60].<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ein mitteleurop\u00e4ischer Nekrolog<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte der Aktionsgruppe Banat k\u00f6nnte ein w\u00fcrdigender Epilog zu dem sein, was idealisierend als das &#8222;alte Mitteleuropa&#8220; bezeichnet wird. Man k\u00f6nnte sagen, dass sie die letzten Kommentatoren einer Welt sind, deren grenzenlose Multikulturalit\u00e4t durch nationalistischen Totalitarismus waidwund geschossen worden ist und durch stalinistischen Totalitarismus den endg\u00fcltigen Fangschuss erhalten hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Autoren wie Joseph Roth, Stefan Zweig oder Robert Musil haben einem alten Mitteleuropa &#8211; durchaus doppelb\u00f6dig &#8211; Denkm\u00e4ler gesetzt (und es m\u00f6glicherweise erst erfunden), indem sie in der Auseinandersetzung mit dem nationalistischen Totalitarismus eine (wenn auch nicht naive oder gar widerspruchslose) traditionelle Welt der kulturellen Diversit\u00e4t der nationalen Einfalt entgegen gesetzt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Aktionsgruppe Banat fehlt jedoch jede idealisierende &#8222;mitteleurop\u00e4ische&#8220; Projektionsfl\u00e4che, denn ihre Mitglieder erleben jenseits der eigenen Totalitarismus-Erfahrungen nur dumpfen Provinzialismus. Ideell beeinflusst durch die Kritische Theorie westlicher Neomarxisten, \u00e4sthetisch ge\u00fcbt an einer (nicht realistisch-) sozialistischen Moderne um Bertold Brecht hat f\u00fcr sie diese Welt, als deren letzte Gestalter und Kommentatoren sie h\u00e4tten auftreten k\u00f6nnen, nie existiert. Die Kritik, die sie an der stalinistischen Unfreiheit \u00fcben, f\u00fchrt in Opposition zu ihrem Herkunftsmilieu eben nicht zu einer hochkulturellen Wiederverzauberung bzw. -erfindung einer &#8222;guten alten Welt&#8220;, sondern entlarvt diese selbst als eine Art kultureller Unfreiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt eines w\u00fcrdigend-zur\u00fcckblickenden Epiloges ist die Aktionsgruppe Banat ein formal wie inhaltlich blo\u00dfstellender Nekrolog auf ein Mitteleuropa, das nur aus Errata besteht. \u00c4sthetisch besteht diese Blo\u00dfstellung aus verschl\u00fcsselter und komplexer Lyrik sowie stechend scharfer Kurzprosa, die beide in ihrer im weitesten Sinne &#8222;modernen&#8220; Radikalit\u00e4t sowohl beim Gro\u00dfteil der deutschen Minderheiten-Repr\u00e4sentanten als auch bei der realsozialistischen Exekutive auf Ablehnung, Ausschluss und Verfolgung sto\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<div id=\"attachment_101074\" style=\"width: 233px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-101074\" class=\"wp-image-101074 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Traian-Pop_FranciscaRicinski-e1645979018827.jpg\" alt=\"\" width=\"223\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-101074\" class=\"wp-caption-text\">Der Autor und Verleger Traian Pop<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Verleger zeigt Traian Pop ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr starke Manuskripte: Mit B\u00fcchern wie Francisca Ricinskis lyrischer Prosa <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=235\">Auf silikonweichen Pfoten<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/kollegen\/rauschan.htm\">Ioona Rauschans<\/a> Roman<em> Abhauen<\/em> oder Theo Breuers Gedichtbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8072\">Das gewonnene Alphabet<\/a> (um nur drei Titel aus aus einem reichhaltigen Programm zu benennen) sind ihm Publikationen gelungen, die in ihrer Eindringlichkeit zeigen, wie unverzichtbar Literatur f\u00fcr die Gesellschaft ist. Literatur ist nicht nur Dekor des Lebens, das neue Gesellschaftsmodell ben\u00f6tigt neue Literaturformen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>Die reale Welt der D\u00f6rfler im Banat stellt Wolfgang Schlott <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/11\/20\/die-reale-welt-der-doerfler-im-banat\/\">vor<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>Eine Magische Zeitreise durch das Banat <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/09\/25\/magische-zeitreise-durch-das-banat\/\">unternimmt<\/a> Wolfgang Schlott.<\/p>\n<div class=\"entry-meta\" style=\"text-align: justify;\"><strong><\/strong><strong>\u2192 <\/strong>Rum\u00e4niendeutsche Literatur, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/06\/rumaeniendeutsche-literatur\/\">vorgestellt<\/a> von Wolfgang Schlott.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>Die Literaturzeitschrift <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/06\/21\/matrix\/\"><em>Matrix<\/em><\/a> hat sich zum Ziel gesetzt, junge Autoren zu entdecken und bedeutende Schriftsteller der Vergessenheit zu entrei\u00dfen.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Fu\u00dfnoten:<span id=\"Anmerkungen\" class=\"mw-headline\"><\/span><\/p>\n<p>2 der Begriff &#8222;(rum\u00e4nien-)deutsch&#8220; bezeichnet hier ein Modell, das sich auf die gesamte deutschsprache Bev\u00f6lkerung Rum\u00e4niens nach 1945 (also nicht Gro\u00dfrum\u00e4niens 1920) bezieht, aber deren Heterogenit\u00e4t ausdr\u00fccklich nicht auf eine gemeinsame Abstammungsgeschichte reduziert werden soll.<\/p>\n<p>3 die im Deutschen ebenfalls gel\u00e4ufige Bezeichnung Temeschburg ist eine in der Fr\u00fchen Neuzeit nachweisbare, aber seltene Bezeichnung, die erst in deutsch-v\u00f6lkischen und nationalsozialistischen Zeiten wieder aufgegriffen wird. Auch die deutsche Schreibweise Temeschwar scheint einen nationalen Standpunkt zu vertreten. Im t\u00e4glichen Verkehr auch der Schwaben in Temesvar ist die ungarische Schreibweise ohne Akut im 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert die am wenigsten ideologisierte, die auch von den Mitgliedern der Aktionsgruppe gebraucht und deswegen hier genutzt wird.<\/p>\n<p>4 Csejka 1992: 228<\/p>\n<p>5 vgl. Schuster 2004: 31<\/p>\n<p>6 Sterbling 2008: 12<\/p>\n<p>7 Predoiu 2001: 30<\/p>\n<p>8 Sterbling 2008: 12 f.<\/p>\n<p>9 vgl. Kegelmann 1995: 27<\/p>\n<p>10 vgl. Schuster 2008: 31<\/p>\n<p>11 vgl. Spiridon 2002: 150<\/p>\n<p>12 Sterbling 2008: 13<\/p>\n<p>13 Sterbling 2008: 13<\/p>\n<p>14 vgl. Fata 1995<\/p>\n<p>15 Sch\u00f6dl 1995: 622<\/p>\n<p>16 vgl. Tudorica 1997: 22 f.<\/p>\n<p>17 Csejka 1973, zit. nach Tudorica 1997: 23<\/p>\n<p>18 Wichner 1992: 9<\/p>\n<p>19 vgl. Spiridon 2002: 133<\/p>\n<p>20 vgl. Krause 1998: 57<\/p>\n<p>21 vgl. Anthologie Pronomen 1992: 31-35, s\u00e4mtliche folgende Zitate von dort<\/p>\n<p>22 Wichner 1992: 8<\/p>\n<p>23 ebd.<\/p>\n<p>24 vgl. Predoiu 2001: 30<\/p>\n<p>25 vgl. Spiridon 2002: 132 f.<\/p>\n<p>26 vgl. Sterbling 2008: 87<\/p>\n<p>27 Sterbling 2008: 15<\/p>\n<p>28 vgl. Spiridon 2002: 158<\/p>\n<p>29 Motzan 1980: 90<\/p>\n<p>30 vgl. Sterbling 2008: 86<\/p>\n<p>31 Sterbling 2008: 38<\/p>\n<p>32 vgl. Wichner 1992: 9<\/p>\n<p>33 vgl. Krause 1998: 76 sowie 82; auch der Titel der dritten Gruppenpublikation in der Zeitschrift &#8222;Neue Literatur&#8220; &#8222;Wire Wegbegleiter&#8220; ist ein Wiener-Gruppe-Zitat.<\/p>\n<p>34 vgl. Krause 1998: 85 sowie Csejka 1992: 241<\/p>\n<p>35 Csejka 1992: 241<\/p>\n<p>36 Kegelmann 1995: 22<\/p>\n<p>37 so bezeichnet im Inhaltsverzeichnis in der Anthologie Pronomen 1992; die Titel sind &#8222;\u00dcbungen f\u00fcr Gleichg\u00fcltige&#8220;, &#8222;Welt ins Haus&#8220; und &#8222;Wire Wegbereiter&#8220;<\/p>\n<p>38 Anthologie Pronomen 1992: 114 f.<\/p>\n<p>39 Csejka 1992: 241. Csejka vermutet die Securitate-Interpretatoren damals noch in den Reihen der Universit\u00e4t Temesvar; inzwischen steht fest, dass auch Autoren Gedichte f\u00fcr die Securitate analysiert haben, s. u. 6.<\/p>\n<p>40 Anthologie Pronomen 1992: 108-113<\/p>\n<p>41 Wagner 1987, zit. in Langer 2010: 54<\/p>\n<p>42 vgl. Sterbling 2008: 15<\/p>\n<p>43 vgl. Wichner 1992: 9<\/p>\n<p>44 vgl. Sterbling 2008: 88 f.<\/p>\n<p>45 vgl. Krause 1998: 82<\/p>\n<p>46 vgl. insbesondere Lippet 2009 sowie Langer 2010: 45<\/p>\n<p>47 vgl. Kegelmann 1995: 33<\/p>\n<p>48 vgl. Nachtrag in NZZ Online 2009, au\u00dferdem Linksammlung im Wikipedia-Artikel zu Werner S\u00f6llner<\/p>\n<p>49 vgl. Wichner 1992: 10, Sterbling 2008: 87<\/p>\n<p>50 vgl. Spiridon 2002: 139<\/p>\n<p>51 Csejka 1992: 241<\/p>\n<p>52 Csejka 1992: 243<\/p>\n<p>53 Spiridon 2009: 139<\/p>\n<p>54 vgl. Krause 1998: 117<\/p>\n<p>55 Wagner 1990,, zit. nach Langer 2010: 52<\/p>\n<p>56 zit. nach Krause 1998: 132<\/p>\n<p>57 Bossert 1986, zit. nach Langer 2010: 53 f.<\/p>\n<p>58 vgl. Nachruf im Spiegel 9\/1986: 276<\/p>\n<p>59 vgl. Czejka 1992: 243<\/p>\n<p>60 vgl. Schuster 2004: 201<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Gl\u00fcck traf ich in der Stadt Freunde, eine Handvoll junge Dichter der Aktionsgruppe Banat. Ohne sie h\u00e4tte ich keine B\u00fccher gelesen und keine geschrieben. Noch wichtiger ist\u00a0: Diese Freunde waren lebensnotwendig. Ohne sie h\u00e4tte ich die Repressalien nicht ausgehalten.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/04\/21\/aktionsgruppe-banat\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":101074,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3588,3583,1593,3589,3590,3585,3582,3305,3586,427,934,36,443,137,1223,3587,502,839,301,3581,3560,3584],"class_list":["post-102717","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-albert-bohn","tag-anton-sterbling","tag-dieter-schlesak","tag-dorothea-goetz","tag-eduard-schneider","tag-ernest-wichner","tag-gerhard-ortinau","tag-gerhardt-csejka","tag-helmuth-frauendorfer","tag-herta-muller","tag-horst-samson","tag-ioona-rauschan","tag-johann-lippet","tag-paul-celan","tag-richard-wagner","tag-roland-kirsch","tag-rolf-bossert","tag-rose-auslander","tag-traian-pop","tag-werner-kremm","tag-werner-soellner","tag-william-totok"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=102717"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":102719,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102717\/revisions\/102719"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/101074"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=102717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=102717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=102717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}