{"id":1027,"date":"2012-01-08T00:01:43","date_gmt":"2012-01-07T23:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1027"},"modified":"2021-11-29T15:54:32","modified_gmt":"2021-11-29T14:54:32","slug":"portrat-der-hungertuchpreistragerin-denise-steger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/08\/portrat-der-hungertuchpreistragerin-denise-steger\/","title":{"rendered":"Portr\u00e4t der Hungertuchpreistr\u00e4gerin Denise Steger"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"flnoindnt\" style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Einer fragmentierten Welt eine neue Struktur durch Denkgitter geben, dieser Aufgabe stellt sich die K\u00fcnstlerin Denise Steger. Die Flut der Bilder, die das Internetzeitalter bestimmt: Verkleinerungen und die dem entsprechende Vermehrung optischer Reize sowie die Schnelligkeit der Bild\u00fcbermittlung \u2013 erfordern ein neues Sehen und ein anderes Denken, welches zuk\u00fcnftige Generationen sicher beherrschen werden. Ihre Werke brauchen dieses \u2018neue Hinsehen\u2019 als Voraussetzung f\u00fcr das Bildverst\u00e4ndnis. Stegers Kunst liegt nicht in der Beschr\u00e4nkung, sondern\u00a0darin,\u00a0sich\u00a0der\u00a0Vielfalt\u00a0zu\u00a0stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr Studium der Kunst\u2013, Literatur und Musikwissenschaften an der Universit\u00e4t Bonn f\u00fchrte die Artistin zur Auseinandersetzung mit Kunstprinzipien des Mittelalters und system\u2013theoretischen Interpretationsans\u00e4tzen. In ihren k\u00fcnstlerischen Arbeiten entwickelt sie Konzepte, in denen korrespondierende Bild\u2013 und Objektsysteme unter thematischen und pers\u00f6nlichen Aspekten ausgew\u00e4hlt und auf vielf\u00e4ltige Weise kombiniert werden. Diese T\u00e4tigkeiten erstrecken sich von kleinformatigen Zeichnungen bis zu raumgreifenden Installationen. Die Bildordnung erfolgt im \u2018freien Raum\u2019 \u2013 bestimmt durch Farbfl\u00e4chen und Linienger\u00fcste. Auf einer Meta\u2013Ebene geht es Steger in ihrer Arbeit um die Frage nach der\u00a0Prozessualit\u00e4t\u00a0von\u00a0Kunst:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Wo entsteht Kunst im Gehirn, welchen Prozess durchlaufen die Artisten, bis\u00a0sie\u00a0sichtbar\u00a0wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Wann entsteht die Ideenskizze zu einem Kunstwerk, das irgendwann einmal\u00a0sichtbar\u00a0wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Ist Sprache gleich Denken oder sind Bilder das nicht auch, wenn wir f\u00fcr\u00a0unsere\u00a0Empfindungen\u00a0keine\u00a0Sprache\u00a0haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies \u00fcbertr\u00e4gt sich auch in ihr K\u00fcnstlerbuch. \u201eJonahan und sein Gebet\u201c ist ein Dokument f\u00fcr das ausgek\u00fchlte, abgekl\u00e4rt illusionslose Lebensgef\u00fchl einer Generation. Cool begegnen sich Menschen darin, gefangen im interessiert\u2013desinteressierten Ichbezug, herrscht oft Ber\u00fchrungslosigkeit. Dieser lyrische Roman balanciert auf der ununterscheidbaren Grenze von wahrer und falscher Lebendigkeit, gutem und schlechtem Symptomen. Diese Literatur ist als eine Art Geigerz\u00e4hler zu betrachten, die die psychischen Strahlungen in einer endsolidarisierten Gesellschaft registriert. Steger schildert die entleerende Postmoderne, in der sich Anst\u00f6\u00dfiges mit Vision\u00e4rem vermengt, die Banalit\u00e4t mit der Schwermut. Diese Welt ist bev\u00f6lkert von Egomanen ohne Ego, von Erotomanen ohne Eros. Dabei beschreibt sie die Lebenswelt am ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert mit einer klinischen K\u00fchle und Sterilit\u00e4t als operiere sie den Patienten am offenen Herzen. Steger konstatiert, da\u00df die Folgen der sogenannten Globalisierung auch im Rheinland angekommen sind, sie beschreibt den Zustand des Verschwindens, das aus der Welt und aus dem eigenen Leben.<\/p>\n<p class=\"flnoindnt\" style=\"text-align: justify;\" align=\"left\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1872\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/StegerGitter.jpg\" alt=\"\" width=\"4212\" height=\"2592\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/StegerGitter.jpg 4212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/StegerGitter-300x184.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/StegerGitter-1024x630.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 4212px) 100vw, 4212px\" \/>Stegers Denkgittern liegen Baugitter zugrunde, deren St\u00e4be sie teilweise herausbrach, teilweise mit Objekten und Bildern f\u00fcllte, sie mitten in einen Raum stellt oder h\u00e4ngt. Auf diese Art und Weise ergibt sich ein durchl\u00e4ssiger Bildgrund, der alles, was im Raum geschieht und gesagt wird, sei es Musik, Literatur, Bewegung und nat\u00fcrlich den Raum selbst, in sich aufnimmt und weitergibt. Die Vielfalt der Sch\u00f6pfung in ihren Systemen und in der Verbindung von Systemen ist ein Beweggrund zur Darstellung. Individualit\u00e4t und Einzeldarstellungen treten zur\u00fcck gegen\u00fcber einer Gesamtschau jenseits der real erfassbaren Welt. Ihre Bilder und Objekte stehen nicht f\u00fcr sich selbst, sondern werden unter thematischen oder auch pers\u00f6nlichen Aspekten in gr\u00f6\u00dfere Zusammenh\u00e4nge gestellt.<\/p>\n<p class=\"flnoindnt\" style=\"text-align: right;\" align=\"left\">Werkstattgalerie\u00a0Der\u00a0Bogen,\u00a0Februar\u00a02012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Einer fragmentierten Welt eine neue Struktur durch Denkgitter geben, dieser Aufgabe stellt sich die K\u00fcnstlerin Denise Steger. 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