{"id":102554,"date":"2019-03-15T13:17:29","date_gmt":"2019-03-15T12:17:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=102554"},"modified":"2022-04-04T13:20:41","modified_gmt":"2022-04-04T11:20:41","slug":"kilmainham-jail","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/03\/15\/kilmainham-jail\/","title":{"rendered":"Kilmainham Jail"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Du grie\u00dfgraues Monster,<\/p>\n<p>Aufpoliert f\u00fcr salbungsvolle Memoiren,<\/p>\n<p>Mich schaudert\u2019s, f\u00fcr einen Zehner geht\u2019s<\/p>\n<p>Durch restauriertes Grauen,<\/p>\n<p>Wer\u2019s nicht glaubt, darf zweimal<\/p>\n<p>In die Zellen schauen<\/p>\n<p>Und an der Henkerst\u00e4tte<\/p>\n<p>F\u00fcr irische Patrioten<\/p>\n<p>Noch einmal eine stille Tr\u00e4ne \u2026.<\/p>\n<p>Ist alles abgesegnet<\/p>\n<p>Im Purgatorium gescheiterter Heldenpflege,<\/p>\n<p>Ist alles inbegriffen mit Blick auf Kerkermauern,<\/p>\n<p>Das schreckt ab, kitzelt unsre Lust,<\/p>\n<p>Auch traditionsbewusste Herren pflegen<\/p>\n<p>Achtzig Jahre sp\u00e4ter solche Br\u00e4uche,<\/p>\n<p>Wie auch Hilton in der Nachbarschaft:<\/p>\n<p>Denn Grauen f\u00f6rdert,<\/p>\n<p>Wie wir wissen, den Profit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zwischen Dublin, Belfast und Skellig Michael<\/strong>\u00a0: poetische Reflexionen \u00fcber eine Insel von Wolfgang Schlott. Bremen\u00a0: Donat, 2018<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-102549\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dublin_Schlott-e1649070556332.jpg\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"300\" \/>Wer sich nach Irland aufmacht, das Tagebuch von Heinrich B\u00f6ll nicht gelesen hat, nur dann und wann vom Irish Whiskey genippt, zu Hause den Schaum aus Guinness-Gl\u00e4sern geschl\u00fcrft hat und dann voller Neugier auf die gr\u00fcne Insel fliegt, der wird nur mit wohlbekannten Schnappsch\u00fcssen sein Bild von Irland zusammenbasteln. Wer nicht auf das Auto verzichten will, der entwirft einen Reiseplan, in dem die Kruzifixe und Gr\u00e4ber auf den vielen Friedh\u00f6fen, die exotischen G\u00e4rten, die Felsen an der Westk\u00fcste, die bizarren Ruinen von Burgen, aber auch die wunderbaren Schl\u00f6sser verzeichnet sind. Mehr noch: wer sich rechtzeitig in die verr\u00fcckte Geschichte der Insel eingelesen hat, \u00fcber die brutale Ausbeutung ihrer Bewohner durch die englischen Herren in Romanen und Erz\u00e4hlungen irischer Schriftsteller eingeweiht worden ist, da und dort etwas \u00fcber die Wiedergeburt der irischen Kultur erfahren hat, den Freiheitskampf der irischen Katholiken, den wirtschaftlichen Aufschwung nach 2000 \u00a0\u2026 Zuviel verlangt von einem Irland-Entdecker?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gedichte \u201aZwischen Dublin, Belfast und Skellig Michael\u2018 zeichnen in rhythmisierten Bildern nicht nur visuelle Eindr\u00fccke von der Insel auf. Sie wechseln vielmehr zwischen vertrauten, gleichsam erstarrten Irland-Klischees und ungew\u00f6hnlichen subversiven Begegnungen mit steingewordener Geschichte und ihren Erben. Sie bem\u00fchen sich ebenso um liebgewordene Zeitgenossen wie auch um die legend\u00e4ren H\u00fcter von Mythen und skurrilen Br\u00e4uchen. Au\u00dferdem greifen sie alte irische Br\u00e4uche auf, bem\u00fchen sich um die Aufzeichnung von komischen Sitten, spielen mit \u00fcberlieferten und digitalen Techniken, erfassen den Alltag in Dublin, m\u00e4keln an irischen Mahlzeiten herum, loben die Bed &amp; Breakfast-Herbergen, h\u00fcten sich vor Vorurteilen. Und sie sind vorsichtig beim Genuss des ber\u00fchmten irischen Whiskeys. Sie geben sich den harschen Winden an der Westk\u00fcste hin, sind verz\u00fcckt beim Anblick wuscheliger Schafe und sanfter K\u00fche, streicheln widerborstige K\u00e4tzchenlauschen dem vielstimmigen Gesang der M\u00f6wen \u2013 aber sie sind ratlos, wenn es um den Subsong der V\u00f6gel geht, die auf den felsigen K\u00fcsten im Westen oder auf dem kleinen Skellig im S\u00fcdwesten der Insel ihre Brutges\u00e4nge anstimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die bitteren Lobges\u00e4nge irischer Dichter und Dichterinnen auf ihr hei\u00df- und hassgeliebtes Geburtsland, das sie oft mit Groll im Herzen, aber auch voller Sehnsucht f\u00fcr immer verlie\u00dfen? Sie tauchen als irische Stimmen in den vorliegenden Gedichten wieder auf. Ihre merkw\u00fcrdigen Verse f\u00fchren ein Eigenleben, denn sie treiben als Strandgut durch die bizarre und karge irische Landschaft. Und wer sie zuf\u00e4llig auff\u00e4ngt, wer sie lauthals vor sich hin spricht, sie in seinem Langzeit-Ged\u00e4chtnis speichert, der wird sich nicht so schnell von ihnen l\u00f6sen k\u00f6nnen, vorausgesetzt, er will unbedingt wiederkommen, so wie die Beiden, die in ihrem motorisierten Puppenwagen dieses magische Irland wieder entdeckt haben. Lassen Sie sich von ihren Zwiegespr\u00e4chen \u00fcberraschen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Du grie\u00dfgraues Monster, Aufpoliert f\u00fcr salbungsvolle Memoiren, Mich schaudert\u2019s, f\u00fcr einen Zehner geht\u2019s Durch restauriertes Grauen, Wer\u2019s nicht glaubt, darf zweimal In die Zellen schauen Und an der Henkerst\u00e4tte F\u00fcr irische Patrioten Noch einmal eine stille Tr\u00e4ne \u2026. 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