{"id":102475,"date":"2022-08-10T00:01:37","date_gmt":"2022-08-09T22:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=102475"},"modified":"2022-03-31T16:39:56","modified_gmt":"2022-03-31T14:39:56","slug":"novelle-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/08\/10\/novelle-2\/","title":{"rendered":"Novelle"},"content":{"rendered":"<h3><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein dichter Herbstnebel verh\u00fcllte noch in der Fr\u00fche die weiten R\u00e4ume des f\u00fcrstlichen Schlo\u00dfhofes, als man schon mehr oder weniger durch den sich lichtenden Schleier die ganze J\u00e4gerei zu Pferde und zu Fu\u00df durcheinander bewegt sah. Die eiligen Besch\u00e4ftigungen der N\u00e4chsten lie\u00dfen sich erkennen: man verl\u00e4ngerte, man verk\u00fcrzte die Steigb\u00fcgel, man reichte sich B\u00fcchse und Patront\u00e4schchen, man schob die Dachsranzen zurecht, indes die Hunde ungeduldig am Riemen den Zur\u00fcckhaltenden mit fortzuschleppen drohten. Auch hie und da geb\u00e4rdete ein Pferd sich mutiger, von feuriger Natur getrieben oder von dem Sporn des Reiters angeregt, der selbst hier in der Halbhelle eine gewisse Eitelkeit, sich zu zeigen, nicht verleugnen konnte. Alle jedoch warteten auf den F\u00fcrsten, der, von seiner jungen Gemahlin Abschied nehmend, allzulange zauderte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst vor kurzer Zeit zusammen getraut, empfanden sie schon das Gl\u00fcck \u00fcbereinstimmender Gem\u00fcter; beide waren von t\u00e4tig lebhaftem Charakter, eines nahm gern an des andern Neigungen und Bestrebungen Anteil. Des F\u00fcrsten Vater hatte noch den Zeitpunkt erlebt und genutzt, wo es deutlich wurde, da\u00df alle Staatsglieder in gleicher Betriebsamkeit ihre Tage zubringen, in gleichem Wirken und Schaffen jeder nach seiner Art erst gewinnen und dann genie\u00dfen sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sehr dieses gelungen war, lie\u00df sich in diesen Tagen gewahr werden, als eben der Hauptmarkt sich versammelte, den man gar wohl eine Messe nennen konnte. Der F\u00fcrst hatte seine Gemahlin gestern durch das Gewimmel der aufgeh\u00e4uften Waren zu Pferde gef\u00fchrt und sie bemerken lassen, wie gerade hier das Gebirgsland mit dem flachen Lande einen gl\u00fccklichen Umtausch treffe; er wu\u00dfte sie an Ort und Stelle auf die Betriebsamkeit seines L\u00e4nderkreises aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sich nun der F\u00fcrst fast ausschlie\u00dflich in diesen Tagen mit den Seinigen \u00fcber diese zudringenden Gegenst\u00e4nde unterhielt, auch besonders mit dem Finanzminister anhaltend arbeitete, so behielt doch auch der Landj\u00e4germeister sein Recht, auf dessen Vorstellung es unm\u00f6glich war, der Versuchung zu widerstehen, an diesen g\u00fcnstigen Herbsttagen eine schon verschobene Jagd zu unternehmen, sich selbst und den vielen angekommenen Fremden ein eignes und seltnes Fest zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die F\u00fcrstin blieb ungern zur\u00fcck; man hatte sich vorgenommen, weit in das Gebirg hineinzudringen, um die friedlichen Bewohner der dortigen W\u00e4lder durch einen unerwarteten Kriegszug zu beunruhigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Scheidend vers\u00e4umte der Gemahl nicht, einen Spazierritt vorzuschlagen, den sie im Geleit Friedrichs, des f\u00fcrstlichen Oheims, unternehmen sollte. \u00bbAuch lasse ich\u00ab, sagte er, \u00bbdir unsern Honorio als Stall- und Hofjunker, der f\u00fcr alles sorgen wird.\u00ab Und im Gefolg dieser Worte gab er im Hinabsteigen einem wohlgebildeten jungen Mann die n\u00f6tigen Auftr\u00e4ge, verschwand sodann bald mit G\u00e4sten und Gefolge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die F\u00fcrstin, die ihrem Gemahl noch in den Schlo\u00dfhof hinab mit dem Schnupftuch nachgewinkt hatte, begab sich in die hintern Zimmer, welche nach dem Gebirg eine freie Aussicht lie\u00dfen, die um desto sch\u00f6ner war, als das Schlo\u00df selbst von dem Flusse herauf in einiger H\u00f6he stand und so vor- als hinterw\u00e4rts mannigfaltige bedeutende Ansichten gew\u00e4hrte. Sie fand das treffliche Teleskop noch in der Stellung, wo man es gestern abend gelassen hatte, als man, \u00fcber Busch, Berg und Waldgipfel die hohen Ruinen der uralten Stammburg betrachtend, sich unterhielt, die in der Abendbeleuchtung merkw\u00fcrdig hervortraten, indem alsdann die gr\u00f6\u00dften Licht- und Schattenmassen den deutlichsten Begriff von einem so ansehnlichen Denkmal alter Zeit verleihen konnten. Auch zeigte sich heute fr\u00fch durch die ann\u00e4hernden Gl\u00e4ser recht auffallend die herbstliche F\u00e4rbung jener mannigfaltigen Baumarten, die zwischen dem Gem\u00e4uer ungehindert und ungest\u00f6rt durch lange Jahre emporstrebten. Die sch\u00f6ne Dame richtete jedoch das Fernrohr etwas tiefer nach einer \u00f6den, steinigen Fl\u00e4che, \u00fcber welche der Jagdzug weggehen mu\u00dfte. Sie erharrte den Augenblick mit Geduld und betrog sich nicht, denn bei der Klarheit und Vergr\u00f6\u00dferungsf\u00e4higkeit des Instruments erkannten ihre gl\u00e4nzenden Augen deutlich den F\u00fcrsten und den Oberstallmeister; ja sie enthielt sich nicht, abermals mit dem Schnupftuche zu winken, als sie ein augenblickliches Stillhalten und R\u00fcckblicken mehr vermutete als gewahr ward.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcrst Oheim, Friedrich mit Namen, trat sodann, angemeldet, mit seinem Zeichner herein, der ein gro\u00dfes Portefeuille unter dem Arm trug. \u00bbLiebe Cousine,\u00ab sagte der alte, r\u00fcstige Herr, \u00bbhier legen wir die Ansichten der Stammburg vor, gezeichnet, um von verschiedenen Seiten anschaulich zu machen, wie der m\u00e4chtige Trutz- und Schutzbau von alten Zeiten her dem Jahr und seiner Witterung sich entgegenstemmte und wie doch hie und da sein Gem\u00e4uer weichen, da und dort in w\u00fcste Ruinen zusammenst\u00fcrzen mu\u00dfte. Nun haben wir manches getan, um diese Wildnis zug\u00e4nglicher zu machen, denn mehr bedarf es nicht, um jeden Wanderer, jeden Besuchenden in Erstaunen zu setzen, zu entz\u00fccken.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem nun der F\u00fcrst die einzelnen Bl\u00e4tter deutete, sprach er weiter: \u00bbHier, wo man, den Hohlweg durch die \u00e4u\u00dfern Ringmauern heraufkommend, vor die eigentliche Burg gelangt, steigt uns ein Felsen entgegen von den festesten des ganzen Gebirgs; hierauf nun steht gemauert ein Turm, doch niemand w\u00fc\u00dfte zu sagen, wo die Natur aufh\u00f6rt, Kunst und Handwerk aber anfangen. Ferner sieht man seitw\u00e4rts Mauern angeschlossen und Zwinger terrassenm\u00e4\u00dfig herab sich erstreckend. Doch ich sage nicht recht, denn es ist eigentlich ein Wald, der diesen uralten Gipfel umgibt. Seit hundertundfunfzig Jahren hat keine Axt hier geklungen, und \u00fcberall sind die m\u00e4chtigsten St\u00e4mme emporgewachsen. Wo ihr euch an den Mauern andr\u00e4ngt, stellt sich der glatte Ahorn, die rauhe Eiche, die schlanke Fichte mit Schaft und Wurzeln entgegen; um diese m\u00fcssen wir uns herumschl\u00e4ngeln und unsere Fu\u00dfpfade verst\u00e4ndig f\u00fchren. Seht nur, wie trefflich unser Meister dies Charakteristische auf dem Papier ausgedr\u00fcckt hat, wie kenntlich die verschiedenen Stamm- und Wurzelarten zwischen das Mauerwerk verflochten und die m\u00e4chtigen \u00c4ste durch die L\u00fccken durchgeschlungen sind! Es ist eine Wildnis wie keine, ein zuf\u00e4llig einziges Lokal, wo die alten Spuren l\u00e4ngst verschwundener Menschenkraft mir der ewig lebenden und fortwirkender Natur sich in dem ernstesten Streit erblicken lassen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderes Blatt aber vorlegend, fuhr er fort: \u00bbWas sagt Ihr nun zum Schlo\u00dfhofe, der, durch das Zusammenst\u00fcrzen des alten Torturmes unzug\u00e4nglich, seit undenklichen Jahren von niemand betreten ward? Wir suchten ihm von der Seite beizukommen, haben Mauern durchbrochen, Gew\u00f6lbe gesprengt und so einen bequemen, aber geheimen Weg bereitet. Inwendig bedurft es keines Aufr\u00e4umens, hier findet sich ein flacher Felsgipfel von der Natur gepl\u00e4ttet, aber doch haben m\u00e4chtige B\u00e4ume hie und da zu wurzeln Gl\u00fcck und Gelegenheit gefunden; sie sind sachte, aber entschieden aufgewachsen, nun erstrecken sie ihre \u00c4ste bis in die Galerien hinein, auf denen der Ritter sonst auf und ab schritt, ja durch T\u00fcren durch und Fenster in die gew\u00f6lbten S\u00e4le, aus denen wir sie nicht vertreiben wollen; sie sind eben Herr geworden und m\u00f6gens bleiben. Tiefe Bl\u00e4tterschichten wegr\u00e4umend, haben wir den merkw\u00fcrdigsten Platz geebnet gefunden, dessengleichen in der Welt vielleicht nicht wieder zu sehen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach allem diesem aber ist es immer noch bemerkenswert und an Ort und Stelle zu beschauen, da\u00df auf den Stufen, die in den Hauptturm hinauff\u00fchren, ein Ahorn Wurzel geschlagen und sich zu einem so t\u00fcchtigen Baume gebildet hat, da\u00df man nur mit Not daran vorbeidringen kann, um die Zinne, der unbegrenzten Aussicht wegen, zu besteigen. Aber auch hier verweilt man bequem im Schatten, denn dieser Baum ist es, der sich \u00fcber das Ganze wunderbar hoch in die Luft hebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danken wir also dem wackern K\u00fcnstler, der uns so l\u00f6blich in verschiedenen Bildern von allem \u00fcberzeugt, als wenn wir gegenw\u00e4rtig w\u00e4ren; er hat die sch\u00f6nsten Stunden des Tages und der Jahrszeit dazu angewendet und sich wochenlang um diese Gegenst\u00e4nde herumbewegt. In dieser Ecke ist f\u00fcr ihn und den W\u00e4chter, den wir ihm zugegeben, eine kleine, angenehme Wohnung eingerichtet. Sie sollten nicht glauben, meine Beste, welch eine sch\u00f6ne Aus- und Ansicht er ins Land, in Hof und Gem\u00e4uer sich dort bereitet hat! Nun aber, da alles so rein und charakteristisch umrissen ist, wird er es hier unten mit Bequemlichkeit ausf\u00fchren. Wir wollen mit diesen Bildern unsern Gartensaal zieren, und niemand soll \u00fcber unsere regelm\u00e4\u00dfige Parterre, Lauben und schattigen G\u00e4nge seine Augen spielen lassen, der nicht w\u00fcnschte, dort oben in dem wirklichen Anschauen des Alten und Neuen, des Starren, Unnachgiebigen, Unzerst\u00f6rlichen und des Frischen, Schmiegsamen, Unwiderstehlichen seine Betrachtungen anzustellen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Honorio trat ein und meldete, die Pferde seien vorgef\u00fchrt; da sagte die F\u00fcrstin, zum Oheim gewendet: \u00bbReiten wir hinauf, und lassen Sie mich in der Wirklichkeit sehen, was Sie mir hier im Bilde zeigten! Seit ich hier bin, h\u00f6r ich von diesem Unternehmen und werde jetzt erst recht verlangend, mit Augen zu sehen, was mir in der Erz\u00e4hlung unm\u00f6glich schien und in der Nachbildung unwahrscheinlich bleibt.\u00ab \u2013 \u00bbNoch nicht, meine Liebe,\u00ab versetzte der F\u00fcrst; \u00bbwas Sie hier sahen, ist, was es werden kann und wird; jetzt stockt noch manches, die Kunst mu\u00df erst vollenden, wenn sie sich vor der Natur nicht sch\u00e4men soll.\u00ab \u2013 \u00bbUnd so reiten wir wenigstens hinaufw\u00e4rts, und w\u00e4r es nur bis an den Fu\u00df; ich habe gro\u00dfe Lust, mich heute weit in der Welt umzusehen.\u00ab \u2013 \u00bbGanz nach Ihrem Willen.\u00ab versetzte der F\u00fcrst. \u2013 \u00bbLassen Sie uns aber durch die Stadt reiten,\u00ab fuhr die Dame fort, \u00bb\u00fcber den gro\u00dfen Marktplatz, wo eine zahllose Menge von Buden die Gestalt einer kleinen Stadt, eines Feldlagers angenommen hat. Es ist, als w\u00e4ren die Bed\u00fcrfnisse und Besch\u00e4ftigungen s\u00e4mtlicher Familien des Landes umher nach au\u00dfen gekehrt, in diesem Mittelpunkt versammelt, an das Tageslicht gebracht worden, denn hier sieht der aufmerksame Beobachter alles, was der Mensch leistet und bedarf; man bildet sich einen Augenblick ein, es sei kein Geld n\u00f6tig, jedes Gesch\u00e4ft k\u00f6nne hier durch Tausch abgetan werden, und so ist es auch im Grunde. Seitdem der F\u00fcrst gestern mir Anla\u00df zu diesen \u00dcbersichten gegeben, ist es mir gar angenehm zu denken, wie hier, wo Gebirg und flaches Land aneinandergrenzen, beide so deutlich aussprechen, was sie brauchen und was sie w\u00fcnschen. Wie nun der Hochl\u00e4nder das Holz seiner W\u00e4lder in hundert Formen umzubilden wei\u00df, das Eisen zu einem jeden Gebrauch zu vermannigfaltigen, so kommen jene dr\u00fcben mit den vielf\u00e4ltigsten Waren ihm entgegen, an denen man den Stoff kaum unterscheiden und den Zweck oft nicht erkennen mag.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch wei\u00df,\u00ab versetzte der F\u00fcrst, \u00bbda\u00df mein Neffe hierauf die gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit wendet, denn gerade zu dieser Jahreszeit kommt es haupts\u00e4chlich darauf an, da\u00df man mehr empfange als gebe; dies zu bewirken, ist am Ende die Summe des ganzen Staatshaushaltes so wie der kleinsten h\u00e4uslichen Wirtschaft. Verzeihen Sie aber, meine Beste, ich reite niemals gern durch den Markt und Messe; bei jedem Schritt ist man gehindert und aufgehalten, und dann flammt mir das ungeheure Ungl\u00fcck wieder in die Einbildungskraft, das sich mir gleichsam in die Augen eingebrannt, als ich eine solche G\u00fcter- und Warenbreite in Feuer aufgehen sah. Ich hatte mich kaum \u2013\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbLassen Sie uns die sch\u00f6nen Stunden nicht vers\u00e4umen!\u00ab fiel ihm die F\u00fcrstin ein, da der w\u00fcrdige Mann sie schon einigemal mit ausf\u00fchrlicher Beschreibung jenes Unheil ge\u00e4ngstigt hatte, wie er sich n\u00e4mlich, auf einer gro\u00dfen Reise begriffen, abends im besten Wirtshause auf dem Markte, der eben von einer Hauptmesse wimmelte, h\u00f6chst erm\u00fcdet zu Bette gelegt und nachts durch Geschrei und Flammen, die sich gegen seine Wohnung w\u00e4lzten, gr\u00e4\u00dflich aufgeweckt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die F\u00fcrstin eilte, das Lieblingspferd zu besteigen, und f\u00fchrte, statt zum Hintertore bergauf, zum Vordertore bergunter ihren widerwillig bereiten Begleiter; denn wer w\u00e4re nicht gern an ihrer Seite geritten, wer w\u00e4re ihr nicht gern gefolgt! Und so war auch Honorio von der sonst so ersehnten Jagd willig zur\u00fcckgeblieben, um ihr ausschlie\u00dflich dienstbar zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie vorauszusehen, durften sie auf dem Markte nur Schritt vor Schritt reiten; aber die sch\u00f6ne Liebensw\u00fcrdige erheiterte jeden Aufenthalt durch eine geistreiche Bemerkung. \u00bbIch wiederhole\u00ab, sagte sie, \u00bbmeine gestrige Lektion, da denn doch die Notwendigkeit unsere Geduld pr\u00fcfen will.\u00ab Und wirklich dr\u00e4ngte sich die ganze Menschenmasse dergestalt an die Reitenden heran, da\u00df sie ihren Weg nur langsam fortsetzen konnten. Das Volk schaute mit Freuden<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Goethe-HA+Bd.+6\">[496]<\/a> die junge Dame, und auf so viel l\u00e4chelnden Gesichtern zeigte sich das entschiedene Behagen, zu sehen, da\u00df die erste Frau im Lande auch die sch\u00f6nste und anmutigste sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Untereinander gemischt standen Bergbewohner, die zwischen Felsen, Fichten und F\u00f6hren ihre stillen Wohnsitze hegten, Flachl\u00e4nder von H\u00fcgeln, Auen und Wiesen her, Gewerbsleute der kleinen St\u00e4dte, und was sich alles versammelt hatte. Nach einem ruhigen \u00dcberblick bemerkte die F\u00fcrstin ihrem Begleiter, wie alle diese, woher sie auch seien, mehr Stoff als n\u00f6tig zu ihren Kleidern genommen, mehr Tuch und Leinwand, mehr Band zum Besatz. \u00bbIst es doch, als ob die Weiber nicht brauschig und die M\u00e4nner nicht pausig genug sich gefallen k\u00f6nnten!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir wollen ihnen das ja lassen,\u00ab versetzte der Oheim; \u00bbwo auch der Mensch seinen \u00dcberflu\u00df hinwendet, ihm ist wohl dabei, am wohlsten, wenn er sich damit schm\u00fcckt und aufputzt.\u00ab Die sch\u00f6ne Dame winkte Beifall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So waren sie nach und nach auf einen freiern Platz gelangt, der zur Vorstadt hinf\u00fchrte, wo am Ende vieler kleiner Buden und Kramst\u00e4nde ein gr\u00f6\u00dferes Brettergeb\u00e4ude in die Augen fiel, das sie kaum erblickten, als ein ohrzerrei\u00dfendes Gebr\u00fclle ihnen entgegent\u00f6nte. Die F\u00fctterungsstunde der dort zur Schau stehenden wilden Tiere schien herangekommen; der L\u00f6we lie\u00df seine Wald- und W\u00fcstenstimme aufs kr\u00e4ftigste h\u00f6ren, die Pferde schauderten, und man konnte der Bemerkung nicht entgehen, wie in dem friedlichen Wesen und Wirken der gebildeten Welt der K\u00f6nig der Ein\u00f6de sich so furchtbar verk\u00fcndige. Zur Bude n\u00e4her gelangt, durften sie die bunten, kolossalen Gem\u00e4lde nicht \u00fcbersehen, die mit heftigen Farben und kr\u00e4ftigen Bildern jene fremden Tiere darstellten, welche der friedliche Staatsb\u00fcrger zu schauen un\u00fcberwindliche Lust empfinden sollte. Der grimmig ungeheure Tiger sprang auf einen Mohren los, im Begriff ihn zu zerrei\u00dfen, ein L\u00f6we stand ernsthaft majest\u00e4tisch, als wenn er keine Beute seiner w\u00fcrdig vor sich s\u00e4he; andere wunderliche, bunte Gesch\u00f6pfe verdienten neben diesen m\u00e4chtigen weniger Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir wollen\u00ab, sagte die F\u00fcrstin, \u00bbbei unserer R\u00fcckkehr doch absteigen und die seltenen G\u00e4ste n\u00e4her betrachten!\u00ab \u2013 \u00bbEs ist wunderbar,\u00ab versetzte der F\u00fcrst, \u00bbda\u00df der Mensch durch Schreckliches immer aufgeregt sein will. Drinnen liegt der Tiger ganz ruhig in seinem Kerker, und hier mu\u00df er grimmig auf einen Mohren losfahren, damit man glaube, dergleichen inwendig ebenfalls zu sehen; es ist an Mord und Totschlag noch nicht genug, an Brand und Untergang: die B\u00e4nkels\u00e4nger m\u00fcssen es an jeder Ecke wiederholen. Die guten Menschen wollen eingesch\u00fcchtert sein, um hinterdrein erst recht zu f\u00fchlen, wie sch\u00f6n und l\u00f6blich es sei, frei Atem zu holen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was denn aber auch B\u00e4ngliches von solchen Schreckensbildern mochte \u00fcbriggeblieben sein, alles und jedes war sogleich ausgel\u00f6scht, als man, zum Tore hinausgelangt, in die heiterste Gegend eintrat. Der Weg f\u00fchrte zuerst am Flusse hinan, an einem zwar noch schmalen, nur leichte K\u00e4hne tragenden Wasser, das aber nach und nach als gr\u00f6\u00dfter Strom seinen Namen behalten und ferne L\u00e4nder beleben sollte. Dann ging es weiter durch wohlversorgte Frucht- und Lustg\u00e4rten sachte hinaufw\u00e4rts, und man sah sich nach und nach in der aufgetanen, wohlbewohnten Gegend um, bis erst ein Busch, sodann ein W\u00e4ldchen die Gesellschaft aufnahm und die anmutigsten \u00d6rtlichkeiten ihren Blick begrenzten und erquickten. Ein aufw\u00e4rts leitendes Wiesental, erst vor kurzem zum zweiten Male gem\u00e4ht, sammet\u00e4hnlich anzusehen, von einer oberw\u00e4rts lebhaft auf einmal reich entspringenden Quelle gew\u00e4ssert, empfing sie freundlich, und so zogen sie einem h\u00f6heren, freieren Standpunkt entgegen, den sie, aus dem Walde sich bewegend, nach einem lebhaften Stieg erreichten, alsdann aber vor sich noch in bedeutender Entfernung \u00fcber neuen Baumgruppen das alte Schlo\u00df, den Zielpunkt ihrer Wallfahrt, als Fels- und Waldgipfel hervorragen sahen. R\u00fcckw\u00e4rts aber \u2013 denn niemals gelangte man hierher, ohne sich umzukehren \u2013 erblickten sie durch zuf\u00e4llige L\u00fccken der hohen B\u00e4ume das f\u00fcrstliche Schlo\u00df links, von der Morgensonne beleuchtet, den wohlgebauten h\u00f6hern Teil der Stadt, von leichten Rauchwolken ged\u00e4mpft, und so fort nach der Rechten zu die untere Stadt, den Flu\u00df in einigen Kr\u00fcmmungen mit seinen Wiesen und M\u00fchlen, gegen\u00fcber eine weite nahrhafte Gegend.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Goethe-HA+Bd.+6\">[498]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem sie sich an dem Anblick ers\u00e4ttigt oder vielmehr, wie es uns bei dem Umblick auf so hoher Stelle zu geschehen pflegt, erst recht verlangend geworden nach einer weitern, weniger begrenzten Aussicht, ritten sie eine steinige, breite Fl\u00e4che hinan, wo ihnen die m\u00e4chtige Ruine als ein gr\u00fcngekr\u00f6nter Gipfel entgegenstand, wenig alte B\u00e4ume tief unten um seinen Fu\u00df; sie ritten hindurch, und so fanden sie sich gerade vor der steilsten, unzug\u00e4nglichsten Seite. M\u00e4chtige Felsen standen von Urzeiten her, jedem Wechsel unangetastet, fest, wohlgegr\u00fcndet voran, und so t\u00fcrmte sichs aufw\u00e4rts; das dazwischen Herabgest\u00fcrzte lag in m\u00e4chtigen Platten und Tr\u00fcmmern unregelm\u00e4\u00dfig \u00fcbereinander und schien dem K\u00fchnsten jeden Angriff zu verbieten. Aber das Steile, J\u00e4he scheint der Jugend zuzusagen; dies zu unternehmen, zu erst\u00fcrmen, zu erobern, ist jungen Gliedern ein Genu\u00df. Die F\u00fcrstin bezeigte Neigung zu einem Versuch, Honorio war bei der Hand, der f\u00fcrstliche Oheim, wenn schon bequemer, lie\u00df sichs gefallen und wollte sich doch auch nicht unkr\u00e4ftig zeigen; die Pferde sollten am Fu\u00df unter den B\u00e4umen halten, und man wollte bis zu einem gewissen Punkte gelangen, wo ein vorstehender m\u00e4chtiger Fels einen Fl\u00e4chenraum darbot, von wo man eine Aussicht hatte, die zwar schon in den Blick des Vogels \u00fcberging, aber sich doch noch malerisch genug hintereinander schob.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sonne, beinahe auf ihrer h\u00f6chsten Stelle, verlieh die klarste Beleuchtung; das f\u00fcrstliche Schlo\u00df mit seinen Teilen, Hauptgeb\u00e4uden, Fl\u00fcgeln, Kuppeln und T\u00fcrmen erschien gar stattlich, die obere Stadt in ihrer v\u00f6lligen Ausdehnung; auch in die untere konnte man bequem hineinsehen, ja durch das Fernrohr auf dem Markte sogar die Buden unterscheiden. Honorio war immer gewohnt, ein so f\u00f6rderliches Werkzeug \u00fcberzuschnallen; man schaute den Flu\u00df hinauf und hinab, diesseits das bergartig terrassenweis unterbrochene, jenseits das aufgleitende flache und in m\u00e4\u00dfigen H\u00fcgeln abwechselnde fruchtbare Land, Ortschaften unz\u00e4hlige; denn es war l\u00e4ngst herk\u00f6mmlich, \u00fcber die Zahl zu streiten, wieviel man deren von hier oben gewahr werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die gro\u00dfe Weite lag eine heitere Stille, wie es am Mittag zu sein pflegt, wo die Alten sagten, Pan schlafe und alle Natur halte den Atem an, um ihn nicht aufzuwecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEs ist nicht das erstemal,\u00ab sagte die F\u00fcrstin, \u00bbda\u00df ich auf so hoher, weitumschauender Stelle die Betrachtung mache, wie doch die klare Natur so reinlich und friedlich aussieht und den Eindruck verleiht, als wenn gar nichts Widerw\u00e4rtiges in der Welt sein k\u00f6nne, und wenn man denn wieder in die Menschenwohnung zur\u00fcckkehrt, sie sei hoch oder niedrig, weit oder eng, so gibts immer etwas zu k\u00e4mpfen, zu streiten, zu schlichten und zurechtzulegen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Honorio, der indessen durch das Sehrohr nach der Stadt geschaut hatte, rief: \u00bbSeht hin! seht hin! auf dem Markte f\u00e4ngt es an zu brennen!\u00ab Sie sahen hin und bemerkten wenigen Rauch; die Flamme d\u00e4mpfte der Tag. \u00bbDas Feuer greift weiter um sich!\u00ab rief man, immer durch die Gl\u00e4ser schauend; auch wurde das Unheil den guten, unbewaffneten Augen der F\u00fcrstin bemerklich. Von Zeit zu Zeit erkannte man eine rote Flammenglut, der Dampf stieg empor, und F\u00fcrst Oheim sprach: \u00bbLa\u00dft uns zur\u00fcckkehren! Das ist nicht gut! Ich f\u00fcrchtete immer, das Ungl\u00fcck zum zweiten Male zu erleben.\u00ab Als sie, herabgekommen, den Pferden wieder zugingen, sagte die F\u00fcrstin zu dem alten Herrn: \u00bbReiten Sie hinein, eilig, aber nicht ohne den Reitknecht! Lassen Sie mir Honorio! Wir folgen sogleich.\u00ab Der Oheim f\u00fchlte das Vern\u00fcnftige, ja das Notwendige dieser Worte und ritt, so eilig als der Boden erlaubte, den w\u00fcsten, steinigen Hang hinunter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die F\u00fcrstin aufsa\u00df, sagte Honorio: \u00bbReiten Euer Durchlaucht, ich bitte, langsam! In der Stadt wie auf dem Schlo\u00df sind die Feueranstalten in bester Ordnung, man wird sich durch einen so unerwartet au\u00dferordentlichen Fall nicht irre machen lassen. Hier aber ist ein b\u00f6ser Boden, kleine Steine und kurzes Gras, schnelles Reiten ist unsicher; ohnehin, bis wir hineinkommen, wird das Feuer schon nieder sein.\u00ab Die F\u00fcrstin glaubte nicht daran; sie sah den Rauch sich verbreiten, sie glaubte einen aufflammenden Blitz gesehen, einen Schlag geh\u00f6rt zu haben, und nun bewegten sich in ihrer Einbildungskraft alle die Schreckbilder, welche des trefflichen Oheims wiederholte Erz\u00e4hlung von dem erlebten Jahrmarktsbrande leider nur zu tief eingesenkt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcrchterlich wohl war jener Fall, \u00fcberraschend und eindringlich genug, um zeitlebens eine Ahnung und Vorstellung wiederkehrenden Ungl\u00fccks \u00e4ngstlich zur\u00fcckzulassen, als zur Nachtzeit auf dem gro\u00dfen, budenreichen Marktraum ein pl\u00f6tzlicher Brand Laden auf Laden ergriffen hatte, ehe noch die in und an diesen leichten H\u00fctten Schlafenden aus tiefen Tr\u00e4umen gesch\u00fcttelt wurden, der F\u00fcrst selbst als ein erm\u00fcdet angelangter, erst eingeschlafener Fremder ans Fenster sprang, alles f\u00fcrchterlich erleuchtet sah, Flamme nach Flamme, rechts und links sich \u00fcberspringend, ihm entgegenz\u00fcngelte. Die H\u00e4user des Marktes, vom Widerschein ger\u00f6tet, schienen schon zu gl\u00fchen, drohend sich jeden Augenblick zu entz\u00fcnden und in Flammen aufzuschlagen; unten w\u00fctete das Element unaufhaltsam, die Bretter prasselten, die Latten knackten, Leinwand flog auf, und ihre d\u00fcstern, an den Enden flammend ausgezackten Fetzen trieben in der H\u00f6he sich umher, als wenn die b\u00f6sen Geister in ihrem Elemente, um und um gestaltet, sich mutwillig tanzend verzehren und da und dort aus den Gluten wieder auftauchen wollten. Dann aber mit kreischendem Geheul rettete jeder, was zur Hand lag; Diener und Knechte mit den Herren bem\u00fchten sich, von Flammen ergriffene Ballen fortzuschleppen, von dem brennenden Gestell noch einiges wegzurei\u00dfen, um es in die Kiste zu packen, die sie denn doch zuletzt den eilenden Flammen zum Raube lassen mu\u00dften. Wie mancher w\u00fcnschte nur einen Augenblick Stillstand dem heranprasselnden Feuer, nach der M\u00f6glichkeit einer Besinnung sich umsehend, und er war mit aller seiner Habe schon ergriffen; an der einen Seite brannte, gl\u00fchte schon, was an der andern noch in finsterer Nacht stand. Hartn\u00e4ckige Charaktere, willensstarke Menschen widersetzten sich grimmig dem grimmigen Feinde und retteten manches mit Verlust ihrer Augenbraunen und Haare. Leider nun erneuerte sich vor dem sch\u00f6nen Geiste der F\u00fcrstin der w\u00fcste Wirrwarr, nun schien der heitere morgendliche Gesichtskreis umnebelt, ihre Augen verd\u00fcstert; Wald und Wiese hatten einen wunderbaren, b\u00e4nglichen Anschein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In das friedliche Tal einreitend, seiner labenden K\u00fchle nicht achtend, waren sie kaum einige Schritte von der lebhaften Quelle des nahen flie\u00dfenden Baches herab, als die F\u00fcrstin ganz unten im Geb\u00fcsche des Wiesentals etwas Seltsames erblickte, das sie alsobald f\u00fcr den Tiger erkannte; heranspringend, wie sie ihn vor kurzem gemalt gesehen, kam er entgegen, und dieses Bild zu den furchtbaren Bildern, die sie soeben besch\u00e4ftigten, machte den wundersamsten Eindruck, \u00bbFlieht! gn\u00e4dige Frau,\u00ab rief Honorio, \u00bbflieht!\u00ab Sie wandte das Pferd um, dem steilen Berg zu, wo sie herabgekommen waren. Der J\u00fcngling aber, dem Untier entgegen, zog die Pistole und scho\u00df, als er sich nahe genug glaubte. Leider jedoch war gefehlt; der Tiger sprang seitw\u00e4rts, das Pferd stutzte, das ergrimmte Tier aber verfolgte seinen Weg aufw\u00e4rts, unmittelbar der F\u00fcrstin nach. Sie sprengte, was das Pferd vermochte, die steile, steinige Strecke hinan, kaum f\u00fcrchtend, da\u00df ein zartes Gesch\u00f6pf, solcher Anstrengung ungewohnt, sie nicht aushalten werde. Es \u00fcbernahm sich, von der bedr\u00e4ngten Reiterin angeregt, stie\u00df am kleinen Ger\u00f6lle des Hanges an und wieder an und st\u00fcrzte zuletzt nach heftigem Bestreben kraftlos zu Boden. Die sch\u00f6ne Dame, entschlossen und gewandt, verfehlte nicht, sich strack auf ihre F\u00fc\u00dfe zu stellen, auch das Pferd richtete sich auf, aber der Tiger nahte schon, obgleich nicht mit heftiger Schnelle; der ungleiche Boden, die scharfen Steine schienen seinen Antrieb zu hindern, und nur da\u00df Honorio unmittelbar hinter ihm herflog, neben ihm gem\u00e4\u00dfigt heraufritt, schien seine Kraft aufs neue anzuspornen und zu reizen. Beide Renner erreichten zugleich den Ort, wo die F\u00fcrstin am Pferde stand; der Ritter beugte sich herab, scho\u00df und traf mit der zweiten Pistole das Ungeheuer durch den Kopf, da\u00df es sogleich niederst\u00fcrzte und ausgestreckt in seiner L\u00e4nge erst recht die Macht und Furchtbarkeit sehen lie\u00df, von der nur noch das K\u00f6rperliche \u00fcbriggeblieben dalag. Honorio war vom Pferde gesprungen und kniete schon auf dem Tiere, d\u00e4mpfte seine letzten Bewegungen und hielt den gezogenen Hirschf\u00e4nger in der rechten Hand. Der J\u00fcngling war sch\u00f6n, er war herangesprengt, wie ihn die F\u00fcrstin oft im Lanzen- und Ringelspiel gesehen hatte. Ebenso traf in der Reitbahn seine Kugel im Vorbeisprengen den T\u00fcrkenkopf auf dem Pfahl gerade unter dem Turban in die Stirne, ebenso spie\u00dfte er, fl\u00fcchtig heransprengend, mit dem blanken S\u00e4bel das Mohrenhaupt vom Boden auf. In allen solchen K\u00fcnsten war er gewandt und gl\u00fccklich, hier kam beides zustatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGebt ihm den Rest,\u00ab sagte die F\u00fcrstin; \u00bbich f\u00fcrchte, er besch\u00e4digt Euch noch mit den Krallen.\u00ab \u2013 \u00bbVerzeiht!\u00ab erwiderte der J\u00fcngling, \u00bber ist schon tot genug, und ich mag das Fell nicht verderben, das n\u00e4chsten Winter auf Eurem Schlitten gl\u00e4nzen soll.\u00ab \u2013 \u00bbFrevelt nicht!\u00ab sagte die F\u00fcrstin; \u00bballes, was von Fr\u00f6mmigkeit im tiefen Herzen wohnt, entfaltet sich in solchem Augenblick.\u00ab \u2013 \u00bbAuch ich\u00ab, rief Honorio, \u00bbwar nie fr\u00f6mmer als jetzt eben; deshalb aber denk ich ans Freudigste; ich blicke dieses Fell nur an, wie es Euch zur Lust begleiten kann.\u00ab \u2013 \u00bbEs w\u00fcrde mich immer an diesen schrecklichen Augenblick erinnern.\u00ab versetzte sie. \u00bbIst es doch\u00ab, erwiderte der J\u00fcngling mit gl\u00fchender Wange, \u00bbein unschuldigeres Triumphzeichen, als wenn die Waffen erschlagener Feinde vor dem Sieger her zur Schau getragen wurden.\u00ab \u2013 \u00bbIch werde mich an Eure K\u00fchnheit und Gewandtheit dabei erinnern und darf nicht hinzusetzen, da\u00df ihr auf meinen Dank und auf die Gnade des F\u00fcrsten lebensl\u00e4nglich rechnen k\u00f6nnt. Aber steht auf! Schon ist kein Leben mehr im Tiere. Bedenken wir das Weitere! Vor allen Dingen steht auf!\u00ab \u2013 \u00bbDa ich nun einmal kniee,\u00ab versetzte der J\u00fcngling, \u00bbda ich mich in einer Stellung befinde, die mir auf jede andere Weise untersagt w\u00e4re, so la\u00dft mich bitten, von der Gunst und von der Gnade, die Ihr mir zuwendet, in diesem Augenblick versichert zu werden. Ich habe schon so oft Euren hohen Gemahl gebeten um Urlaub und Verg\u00fcnstigung einer weitern Reise. Wer das Gl\u00fcck hat, an Eurer Tafel zu sitzen, wen Ihr beehrt, Eure Gesellschaft unterhalten zu d\u00fcrfen, der mu\u00df die Welt gesehen haben. Reisende str\u00f6men von allen Orten her, und wenn von einer Stadt, von einem wichtigen Punkte irgendeines Weltteils gesprochen wird, ergeht an den Eurigen jedesmal die Frage, ob er daselbst gewesen sei. Niemanden traut man Verstand zu, als wer das alles gesehen hat; es ist, als wenn man sich nur f\u00fcr andere zu unterrichten h\u00e4tte.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSteht auf!\u00ab wiederholte die F\u00fcrstin; \u00bbich m\u00f6chte nicht gern gegen die \u00dcberzeugung meines Gemahls irgend etwas w\u00fcnschen und bitten; allein wenn ich nicht irre, so ist die Ursache warum er Euch bisher zur\u00fcckhielt, bald gehoben. Seine Absicht war, Euch zum selbst\u00e4ndigen Edelmann herangereift zu sehen, der sich und ihm auch ausw\u00e4rts Ehre machte wie bisher am Hofe, und ich d\u00e4chte, Eure Tat w\u00e4re ein so empfehlender Reisepa\u00df, als ein junger Mann nur in die Welt mitnehmen kann.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df anstatt einer jugendlichen Freude eine gewisse Trauer \u00fcber sein Gesicht zog, hatte die F\u00fcrstin nicht Zeit zu bemerken, noch er seiner Empfindung Raum zu geben; denn hastig den Berg herauf, einen Knaben an der Hand, kam eine Frau geradezu auf die Gruppe los, die wir kennen, und kaum war Honorio, sich besinnend, aufgestanden, als sie sich heulend und schreiend \u00fcber den Leichnam herwarf und an dieser Handlung sowie an einer obgleich reinlich anst\u00e4ndigen, doch bunten und seltsamen Kleidung sogleich erraten lie\u00df, sie sei die Meisterin und W\u00e4rterin dieses dahingestreckten Gesch\u00f6pfes, wie denn der schwarzaugige, schwarzlockige Knabe, der eine Fl\u00f6te in der Hand hielt, gleich der Mutter weinend, weniger heftig, aber tief ger\u00fchrt neben ihr kniete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den gewaltsamen Ausbr\u00fcchen der Leidenschaft dieses ungl\u00fccklichen Weibes folgte, zwar unterbrochen, sto\u00dfweise ein Strom von Worten, wie ein Bach sich in Abs\u00e4tzen von Felsen zu Felsen st\u00fcrzt. Eine nat\u00fcrliche Sprache, kurz und abgebrochen, machte sich eindringlich und r\u00fchrend. Vergebens w\u00fcrde man sie in unsern Mundarten \u00fcbersetzen wollen; den ungef\u00e4hren Inhalt d\u00fcrfen wir nicht verfehlen: \u00bbSie haben dich ermordet, armes Tier! ermordet ohne Not! Du warst zahm und h\u00e4ttest dich gern ruhig niedergelassen und auf uns gewartet; denn deine Fu\u00dfballen schmerzten dich, und deine Krallen hatten keine Kraft mehr! Die hei\u00dfe Sonne fehlte dir, sie zu reifen. Du warst der Sch\u00f6nste deinesgleichen; wer hat je einen k\u00f6niglichen Tiger so herrlich ausgestreckt im Schlaf gesehen, wie du nun hier liegst, tot, um nicht wieder aufzustehen! Wenn du des Morgens aufwachtest beim fr\u00fchen Tagschein und den Rachen aufsperrtest, ausstreckend die rote Zunge, so schienst du uns zu l\u00e4cheln, und wenn schon br\u00fcllend, nahmst du doch spielend dein Futter aus den H\u00e4nden einer Frau, von den Fingern eines Kindes! Wie lange begleiteten wir dich auf deinen Fahrten, wie lange war deine Gesellschaft uns wichtig und fruchtbar! Uns, uns ganz eigentlich kam die Speise von den Fressern und s\u00fc\u00dfe Labung von den Starken. So wird es nicht mehr sein! Wehe! Wehe!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hatte nicht ausgeklagt, als \u00fcber die mittlere H\u00f6he des Bergs am Schlosse herab Reiter heransprengten, die alsobald f\u00fcr das Jagdgefolge des F\u00fcrsten erkannt wurden, er selbst voran. Sie hatten, in den hintern Gebirgen jagend, die Brandwolken aufsteigen sehen und durch T\u00e4ler und Schluchten, wie auf gewaltsam hetzender Jagd, den geraden Weg nach diesem traurigen Zeichen genommen. \u00dcber die steinige Bl\u00f6\u00dfe einhersprengend, stutzten und starrten sie, nun die unerwartete Gruppe gewahr werdend, die sich auf der leeren Fl\u00e4che merkw\u00fcrdig auszeichnete. Nach dem ersten Erkennen verstummte man, und nach einigem Erholen ward, was der Anblick nicht selbst ergab, mit wenigen Worten erl\u00e4utert. So stand der F\u00fcrst vor dem seltsamen, unerh\u00f6rten Ereignis, einen Kreis umher von Reitern und Nacheilenden zu Fu\u00dfe. Unschl\u00fcssig war man nicht, was zu tun sei; anzuordnen, auszuf\u00fchren war der F\u00fcrst besch\u00e4ftigt, als ein Mann sich in den Kreis dr\u00e4ngte, gro\u00df von Gestalt, bunt und wunderlich gekleidet wie Frau und Kind. Und nun gab die Familie zusammen Schmerz und \u00dcberraschung zu erkennen. Der Mann aber, gefa\u00dft, stand in ehrfurchtsvoller Entfernung vor dem F\u00fcrsten uns sagte: \u00bbEs ist nicht Klagenszeit; ach, mein Herr und m\u00e4chtiger J\u00e4ger, auch der L\u00f6we ist los, auch hier nach dem Gebirg ist er hin, aber schont ihn, habt Barmherzigkeit, da\u00df er nicht umkomme wie dies gute Tier!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDer L\u00f6we?\u00ab sagte der F\u00fcrst, \u00bbhast du seine Spur?\u00ab \u2013 \u00bbJa, Herr! Ein Bauer dort unten, der sich ohne Not auf einen Baum gerettet hatte, wies mich weiter hier links hinauf, aber ich sah den gro\u00dfen Trupp Menschen und Pferde vor mir, neugierig und h\u00fclfsbed\u00fcrftig eilt ich hierher.\u00ab \u2013 \u00bbAlso,\u00ab beorderte der F\u00fcrst, \u00bbmu\u00df die Jagd sich auf diese Seite ziehen; ihr ladet eure Gewehre, geht sachte zu Werk, es ist kein Ungl\u00fcck, wenn ihr ihn in die tiefen W\u00e4lder treibt. \u2013 Aber am Ende, guter Mann, werden wir euer Gesch\u00f6pf nicht schonen k\u00f6nnen; warum wart ihr unvorsichtig genug, sie entkommen zu lassen!\u00ab \u2013 \u00bbDas Feuer brach aus,\u00ab versetzte jener; \u00bbwir hielten uns still und gespannt; es verbreitete sich schnell, aber fern von uns. Wir hatten Wasser genug zu unserer Verteidigung, aber ein Pulverschlag flog auf und warf die Br\u00e4nde bis an uns heran, \u00fcber uns weg; wir \u00fcbereilten uns und sind nun ungl\u00fcckliche Leute.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch war der F\u00fcrst mit Anordnungen besch\u00e4ftigt, aber einen Augenblick schien alles zu stocken, als oben vom alten Schlo\u00df herab eilig ein Mann heranspringend gesehen ward, den man bald f\u00fcr den angestellten W\u00e4chter erkannte, der die Werkst\u00e4tte des Malers bewachte, indem er darin seine Wohnung nahm und die Arbeiter beaufsichtigte. Er kam au\u00dfer Atem springend, doch hatte er bald mit wenigen Worten angezeigt: oben hinter der h\u00f6hern Ringmauer habe sich der L\u00f6we im Sonnenschein gelagert, am Fu\u00dfe einer hundertj\u00e4hrigen Buche, und verhalte sich ganz ruhig. \u00c4rgerlich aber schlo\u00df der Mann: \u00bbWarum habe ich gestern meine B\u00fcchse in die Stadt getragen, um sie ausputzen zu lassen! H\u00e4tte ich sie bei der Hand gehabt, er w\u00e4re nicht wieder aufgestanden, das Fell w\u00e4re doch mein gewesen, und ich h\u00e4tte mich dessen, wie billig, zeitlebens gebr\u00fcstet.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der F\u00fcrst, dem seine milit\u00e4rischen Erfahrungen auch hier zustatten kamen, da er sich wohl schon in F\u00e4llen gefunden hatte, wo von mehreren Seiten unvermeidliches \u00dcbel herandrohte, sagte hierauf: \u00bbWelche B\u00fcrgschaft gebt Ihr mir, da\u00df, wenn wir Eures L\u00f6wen schonen, er nicht im Lande unter den Meinigen Verderben anrichtet?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHier diese Frau und dieses Kind\u00ab, erwiderte der Vater hastig, \u00bberbieten sich, ihn zu z\u00e4hmen, ihn ruhig zu erhalten, bis ich den beschlagenen Kasten heraufschaffe, da wir ihn denn unsch\u00e4dlich und unbesch\u00e4digt wieder zur\u00fcckbringen werden.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Knabe schien seine Fl\u00f6te versuchen zu wollen, ein Instrument von der Art, das man sonst die sanfte, s\u00fc\u00dfe Fl\u00f6te zu nennen pflegte; sie war kurz geschn\u00e4belt wie die Pfeifen; wer es verstand, wu\u00dfte die anmutigsten T\u00f6ne daraus hervorzulocken. Indes hatte der F\u00fcrst den W\u00e4rtel gefragt, wie der L\u00f6we hinaufgekommen. Dieser aber versetzte: \u00bbDurch den Hohlweg, der, auf beiden Seiten vermauert, von jeher der einzige Zugang war und der einzige bleiben soll; zwei Fu\u00dfpfade, die noch hinauff\u00fchrten, haben wir dergestalt entstellt, da\u00df niemand als durch jenen ersten engen Anweg zu dem Zauberschlosse gelangen k\u00f6nne, wozu es F\u00fcrst Friedrichs Geist und Geschmack ausbilden will.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einigem Nachdenken, wobei sich der F\u00fcrst nach dem Kinde umsah, das immer sanft gleichsam zu pr\u00e4ludieren fortgefahren hatte, wendete er sich zu Honorio und sagte: \u00bbDu hast heute viel geleistet, vollende das Tagwerk! Besetze den schmalen Weg! \u2013 Haltet eure B\u00fcchsen bereit, aber schie\u00dft nicht eher, als bis ihr das Gesch\u00f6pf nicht sonst zur\u00fcckscheuen k\u00f6nnt; allenfalls macht ein Feuer an, vor dem er sich f\u00fcrchtet, wenn er herunter will! Mann und Frau m\u00f6ge f\u00fcr das \u00fcbrige stehen.\u00ab Eilig schickte Honorio sich an, die Befehle zu vollf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kind verfolgte seine Melodie, die keine war, eine Tonfolge ohne Gesetz, und vielleicht eben deswegen so herzergreifend; die Umstehenden schienen wie bezaubert von der Bewegung einer liederartigen Weise, als der Vater mit anst\u00e4ndigem Enthusiasmus zu reden anfing und fortfuhr:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGott hat dem F\u00fcrsten Weisheit gegeben und zugleich die Erkenntnis, da\u00df alle Gotteswerke weise sind, jedes nach seiner Art. Seht den Felsen, wie er fest steht und sich nicht r\u00fchrt, der Witterung trotzt und dem Sonnenschein! uralte B\u00e4ume zieren sein Haupt, und so gekr\u00f6nt schaut er weit umher; st\u00fcrzt aber ein Teil herunter, so will es nicht bleiben, was es war: es f\u00e4llt zertr\u00fcmmert in viele St\u00fccke und bedeckt die Seite des Hanges. Aber auch da wollen sie nicht verharren, mutwillig springen sie tief hinab, der Bach nimmt sie auf, zum Flusse tr\u00e4gt er sie. Nicht widerstehend, nicht widerspenstig, eckig, nein, glatt und abgerundet gewinnen sie schneller ihren Weg und gelangen von Flu\u00df zu Flu\u00df, endlich zum Ozean, wo die Riesen in Scharen daherziehen und in der Tiefe die Zwerge wimmeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wer preist den Ruhm des Herrn, den die Sterne loben von Ewigkeit zu Ewigkeit! Warum seht ihr aber im Fernen umher? Betrachtet hier die Biene! noch sp\u00e4t im Herbst sammelt sie emsig und baut sich ein Haus, winkel- und waagerecht, als Meister und Geselle. Schaut die Ameise da! sie kennt ihren Weg und verliert ihn nicht, sie baut sich eine Wohnung aus Grashalmen, Erdbr\u00f6slein und Kiefernadeln, sie baut es in die H\u00f6he und w\u00f6lbet es zu; aber sie hat umsonst gearbeitet, denn das Pferd stampft und scharrt alles auseinander. Seht hin! es zertritt ihre Balken und zerstreut ihre Planken, ungeduldig schnaubt es und kann nicht rasten, denn der Herr hat das Ro\u00df zum Gesellen des Windes gemacht und zum Gef\u00e4hrten des Sturms, da\u00df es den Mann dahin trage, wohin er will, und die Frau, wohin sie begehrt. Aber im Palmenwald trat er auf, der L\u00f6we, ernsten Schrittes durchzog er die W\u00fcste, dort herrscht er \u00fcber alles Getier, und nichts widersteht ihm. Doch der Mensch wei\u00df ihn zu z\u00e4hmen, und das grausamste der Gesch\u00f6pfe hat Ehrfurcht vor dem Ebenbilde Gottes, wornach auch die Engel gemacht sind, die dem Herrn dienen und seinen Dienern. Denn in der L\u00f6wengrube scheute sich Daniel nicht; er blieb fest und getrost, und das wilde Br\u00fcllen unterbrach nicht seinen frommen Gesang.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese mit dem Ausdruck eines nat\u00fcrlichen Enthusiasmus gehaltene Rede begleitete das Kind hie und da mit anmutigen T\u00f6nen; als aber der Vater geendigt hatte, fing es mit reiner Kehle, heller Stimme und geschickten L\u00e4ufen zu intonieren an, worauf der Vater die Fl\u00f6te ergriff, im Einklang sich h\u00f6ren lie\u00df, das Kind aber sang:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAus den Gruben, hier im Graben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6r ich des Propheten Sang;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Engel schweben, ihn zu laben,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re da dem Guten bang?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00f6w und L\u00f6win, hin und wider,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schmiegen sich um ihn heran;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, die sanften, frommen Lieder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Habens ihnen angetan!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vater fuhr fort, die Strophe mit der Fl\u00f6te zu begleiten; die Mutter trat hie und da als zweite Stimme mit ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eindringlich aber ganz besonders war, da\u00df das Kind die Zeilen der Strophe nunmehr zu anderer Ordnung durcheinander schob und dadurch, wo nicht einen neuen Sinn hervorbrachte, doch das Gef\u00fchl in und durch sich selbst aufregend erh\u00f6hte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEngel schwebten auf und nieder,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uns in T\u00f6nen zu erlaben,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welch ein himmlischer Gesang!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Gruben, in dem Graben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re da dem Kinde bang?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese sanften, frommen Lieder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lassen Ungl\u00fcck nicht heran;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Engel schweben hin und wider,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so ist es schon getan.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierauf mit Kraft und Erhebung begannen alle drei:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDenn der Ewge herrscht auf Erden,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber Meere herrscht sein Blick;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00f6wen sollen L\u00e4mmer werden,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die Welle schwankt zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blankes Schwert erstarrt im Hiebe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Glaub und Hoffnung sind erf\u00fcllt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wundert\u00e4tig ist die Liebe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sich im Gebet enth\u00fcllt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles war still, h\u00f6rte, horchte, und nur erst, als die T\u00f6ne verhallten, konnte man den Eindruck bemerken und allenfalls beobachten. Alles war wie beschwichtigt, jeder in seiner Art ger\u00fchrt. Der F\u00fcrst, als wenn er erst jetzt das Unheil \u00fcbers\u00e4he, das ihn vor kurzem bedroht hatte, blickte nieder auf seine Gemahlin, die, an ihn gelehnt, sich nicht versagte, das gestickte T\u00fcchlein hervorzuziehen und die Augen damit zu bedecken. Es tat ihr wohl, die jugendliche Brust von dem Druck erleichtert zu f\u00fchlen, mit dem die vorhergehenden Minuten sie belastet hatten. Eine vollkommene Stille beherrschte die Menge; man schien die Gefahren vergessen zu haben, unten den Brand und von oben das Erstehen eines bedenklich ruhenden L\u00f6wen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch einen Wink, die Pferde n\u00e4her herbeizuf\u00fchren, brachte der F\u00fcrst zuerst wieder in die Gruppe Bewegung; dann wendete er sich zu dem Weibe und sagte: \u00bbIhr glaubt also, da\u00df Ihr den entsprungenen L\u00f6wen, wo Ihr ihn antrefft, durch Euren Gesang, durch den Gesang dieses Kindes, mit H\u00fclfe dieser Fl\u00f6tent\u00f6ne beschwichtigen und ihn sodann unsch\u00e4dlich sowie unbesch\u00e4digt in seinem Verschlu\u00df wieder zur\u00fcckbringen k\u00f6nntet?\u00ab Sie bejahten es, versichern und beteuern; der Kastellan wurde ihnen als Wegweiser zugegeben. Nun entfernte der F\u00fcrst mit wenigen sich eiligst, die F\u00fcrstin folgte langsamer mit dem \u00fcbrigen Gefolge; Mutter aber und Sohn stiegen, von dem W\u00e4rtel, der sich eines Gewehrs bem\u00e4chtigt hatte, begleitet, steiler gegen den Berg hinan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Eintritt in den Hohlweg, der den Zugang zu dem Schlo\u00df er\u00f6ffnete, fanden sie die J\u00e4ger besch\u00e4ftigt, d\u00fcrres Reisig zu h\u00e4ufen, damit sie auf jeden Fall ein gro\u00dfes Feuer anz\u00fcnden k\u00f6nnten. \u00bbEs ist nicht not,\u00ab sagte die Frau; \u00bbes wird ohne das alles in G\u00fcte geschehen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter hin, auf einem Mauerst\u00fccke sitzend, erblickten sie Honorio, seine Doppelb\u00fcchse in den Scho\u00df gelegt, auf einem Posten als wie zu jedem Ereignis gefa\u00dft. Aber die Herankommenden schien er kaum zu bemerken; er sa\u00df wie in tiefen Gedanken versunken, er sah umher wie zerstreut. Die Frau sprach ihn an mit Bitte, das Feuer nicht anz\u00fcnden zu lassen; er schien jedoch ihrer Rede wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Sie redete lebhaft fort und rief: \u00bbSch\u00f6ner junger Mann, du hast meinen Tiger erschlagen, ich fluche dir nicht; schone meinen L\u00f6wen, guter junger Mann! ich segne dich.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Honorio schaute gerad vor sich hin, dorthin, wo die Sonne auf ihrer Bahn sich zu senken begann. \u00bbDu schaust nach Abend,\u00ab rief die Frau; \u00bbdu tust wohl daran, dort gibts viel zu tun; eile nur, s\u00e4ume nicht, du wirst \u00fcberwinden. Aber zuerst \u00fcberwinde dich selbst!\u00ab Hierauf schien er zu l\u00e4cheln; die Frau stieg weiter, konnte sich aber nicht enthalten, nach dem Zur\u00fcckbleibenden nochmals umzublicken; eine r\u00f6tliche Sonne \u00fcberschien sein Gesicht, sie glaubte nie einen sch\u00f6nern J\u00fcngling gesehen zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWenn Euer Kind\u00ab, sagte nunmehr der W\u00e4rtel, \u00bbfl\u00f6tend und singend, wie Ihr \u00fcberzeugt seid, den L\u00f6wen anlocken und beruhigen kann, so werden wir uns desselben sehr leicht bemeistern, da sich das gewaltige Tier ganz nah an die durchbrochenen Gew\u00f6lbe hingelagert hat, durch die wir, da das Haupttor versch\u00fcttet ist, einen Eingang in den Schlo\u00dfhof gewonnen haben. Lockt ihn das Kind hinein, so kann ich die \u00d6ffnung mit leichte M\u00fche schlie\u00dfen, und der Knabe, wenn es ihm gut deucht, durch eine der kleinen Wendeltreppen, die er in der Ecke sieht, dem Tiere entschl\u00fcpfen. Wie wollen uns verbergen; aber ich werde mich so stellen, da\u00df meine Kugel jeden Augenblick dem Kinde zu H\u00fclfe kommen kann.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie Umst\u00e4nde sind alle nicht n\u00f6tig; Gott und Kunst, Fr\u00f6mmigkeit und Gl\u00fcck m\u00fcssen das Beste tun.\u00ab \u2013 \u00bbEs sei,\u00ab versetzte der W\u00e4rtel; \u00bbaber ich kenne meine Pflichten. Erst f\u00fchr ich Euch durch einen beschwerlichen Stieg auf das Gem\u00e4uer hinauf, gerade dem Eingang gegen\u00fcber, den ich erw\u00e4hnt habe; das Kind mag hinabsteigen, gleichsam in die Arena des Schauspiels, und das bes\u00e4nftigte Tier dort hereinlocken!\u00ab Das geschah; W\u00e4rtel und Mutter sahen versteckt von oben herab, wie das Kind die Wendeltreppen hinunter in dem klaren Hofraum sich zeigte und in der d\u00fcstern \u00d6ffnung gegen\u00fcber verschwand, aber sogleich seinen Fl\u00f6tenton h\u00f6ren lie\u00df, der sich nach und nach verlor und verstummte. Die Pause war ahnungsvoll genug; den alten, mit Gefahr bekannten J\u00e4ger beengte der seltene menschliche Fall. Er sagte sich, da\u00df er lieber pers\u00f6nlich dem gef\u00e4hrlichen Tiere entgegenginge; die Mutter jedoch, mit heiterem Gesicht, \u00fcbergebogen horchend, lie\u00df nicht die mindeste Unruhe bemerken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich h\u00f6rte man die Fl\u00f6te wieder; das Kind trat aus der H\u00f6hle hervor mit gl\u00e4nzend befriedigten Augen, der L\u00f6we hinter ihm drein, aber langsam und, wie es schien, mit einiger Beschwerde. Er zeigte hie und da Lust, sich niederzulegen; doch der Knabe f\u00fchrte ihn im Halbkreise durch die wenig entbl\u00e4tterten, buntbelaubten B\u00e4ume, bis er sich endlich in den letzten Strahlen der Sonne, die sie durch eine Ruinenl\u00fccke hereinsandte, wie verkl\u00e4rt niedersetzte und sein beschwichtigendes Lied abermals begann, dessen Wiederholung wir uns auch nicht entziehen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAus den Gruben, hier im Graben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6r ich des Propheten Sang;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Engel schweben, ihn zu laben,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re da dem Guten bang?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00f6w und L\u00f6win, hin und wider,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schmiegen sich um ihn heran;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, die sanften, frommen Lieder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Habens ihnen angetan!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Indessen hatte sich der L\u00f6we ganz knapp an das Kind hingelegt und ihm die schwere rechte Vordertatze auf den Scho\u00df gehoben, die der Knabe fortsingend anmutig streichelte, aber gar bald bemerkte, da\u00df ein scharfer Dornzweig zwischen die Ballen eingestochen war. Sorgf\u00e4ltig zog er die verletzende Spitze hervor, nahm l\u00e4chelnd sein buntseidenes Halstuch vom Nacken und verband die greuliche Tatze des Untiers, soda\u00df die Mutter sich vor Freuden mit ausgestreckten Armen zur\u00fcckbog und vielleicht angewohnterweise Beifall gerufen und geklatscht h\u00e4tte, w\u00e4re sie nicht durch einen derben Faustgriff des W\u00e4rtels erinnert worden, da\u00df die Gefahr nicht vor\u00fcber sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Glorreich sang das Kind weiter, nachdem es mit wenigen T\u00f6nen vorgespielt hatte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDenn der Ew&#8217;ge herrscht auf Erden,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber Meere herrscht sein Blick;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00f6wen sollen L\u00e4mmer werden,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die Welle schwankt zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blankes Schwert erstarrt im Hiebe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Glaub und Hoffnung sind erf\u00fcllt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wundert\u00e4tig ist die Liebe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sich im Gebet enth\u00fcllt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es m\u00f6glich zu denken, da\u00df man in den Z\u00fcgen eines so grimmigen Gesch\u00f6pfes, des Tyrannen der W\u00e4lder, des Despoten des Tierreiches, einen Ausdruck von Freundlichkeit, von dankbarer Zufriedenheit habe sp\u00fcren k\u00f6nnen, so geschah es hier, und wirklich sah das Kind in seiner Verkl\u00e4rung aus wie ein m\u00e4chtiger, siegreicher \u00dcberwinder, jener zwar nicht wie der \u00dcberwundene, denn seine Kraft blieb in ihm verborgen, aber doch wie der Gez\u00e4hmte, wie der dem eigenen friedlichen Willen Anheimgegebene. Das Kind fl\u00f6tete und sang so weiter, nach seiner Art die Zeilen verschr\u00e4nkend und neue hinzuf\u00fcgend:<\/p>\n<p>\u00bbUnd so geht mit guten Kindern<\/p>\n<p>Sel&#8217;ger Engel gern zu Rat,<\/p>\n<p>B\u00f6ses Wollen zu verhindern,<\/p>\n<p>Zu bef\u00f6rdern sch\u00f6ne Tat.<\/p>\n<p>So beschw\u00f6ren, fest zu bannen<\/p>\n<p>Liebem Sohn ans zarte Knie<\/p>\n<p>Ihn, des Waldes Hochtyrannen,<\/p>\n<p>Frommer Sinn und Melodie.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: <strong>Novelle<\/strong>, Erstdruck in: Werke, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart (Cotta) 1828.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Johann Peter Eckermann diskutierte mit Johann Wolfgang Goethe mehrere Vorschl\u00e4ge zu einem Titel, keiner wollte auf das Ganze passen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u201aWissen Sie was\u2018, sagte Goethe, \u201awir wollen es die \u2039Novelle\u203a nennen; denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerh\u00f6rte Begebenheit. Dies ist der eigentliche Begriff, und so vieles, was in Deutschland unter dem Titel Novelle geht, ist gar keine Novelle, sondern blo\u00df Erz\u00e4hlung oder was Sie sonst wollen. In jenem urspr\u00fcnglichen Sinne einer unerh\u00f6rten Begebenheit kommt auch die Novelle in den \u2039Wahlverwandtschaften\u203a vor.\u2018<\/p>\n<div id=\"attachment_100084\" style=\"width: 327px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-100084\" class=\"wp-image-100084 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Falke-e1645678580633.jpg\" alt=\"\" width=\"317\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-100084\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Ph. Oelwein<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 2022 widmet sich KUNO der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19652\">Kunstform<\/a>\u00a0Novelle. Diese Gattung lebt von der Schilderung der Realit\u00e4t im Bruchst\u00fcck. Dieser Ausschnitt verzichtet bewu\u00dft auf die Breite des Epischen, es gen\u00fcgten dem Novellisten ein Modell, eine Miniatur oder eine Vignette. Wir gehen davon aus, da\u00df es sich bei dieser literarischen Kunstform um eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung in Prosaform handelt, sie hat eine mittlere L\u00e4nge, was sich darin zeigt, da\u00df sie in einem Zug zu lesen sei. Und schon kommen wir ins Schwimmen. Als Gattung l\u00e4\u00dft sie sich nur schwer definieren und oft nur ex negativo von anderen Textsorten abgrenzen. KUNO postuliert, da\u00df viele dieser Nebenarbeiten bedeutende Hauptwerke der deutschsprachigen Literatur sind, wir belegen diese mit dem R\u00fcckgriff auf die Klassiker dieses Genres und stellen in diesem Jahr alte und neue Texte vor um die Entwicklung der Gattung aufzuhellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein dichter Herbstnebel verh\u00fcllte noch in der Fr\u00fche die weiten R\u00e4ume des f\u00fcrstlichen Schlo\u00dfhofes, als man schon mehr oder weniger durch den sich lichtenden Schleier die ganze J\u00e4gerei zu Pferde und zu Fu\u00df durcheinander bewegt sah. 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