{"id":102205,"date":"1995-10-16T00:01:51","date_gmt":"1995-10-15T23:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=102205"},"modified":"2022-03-12T16:22:56","modified_gmt":"2022-03-12T15:22:56","slug":"gespraech-ueber-die-poesie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/10\/16\/gespraech-ueber-die-poesie\/","title":{"rendered":"Gespr\u00e4ch \u00fcber die Poesie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Gem\u00fcter, die sie lieben, befreundet und bindet Poesie mit unaufl\u00f6slichen Banden. M\u00f6gen sie sonst im eignen Leben das Verschiedenste suchen, einer g\u00e4nzlich verachten, was der andre am heiligsten h\u00e4lt, sich verkennen, nicht vernehmen, ewig fremd bleiben; in dieser Region sind sie dennoch durch h\u00f6here Zauberkraft einig und in Frieden. Jede Muse sucht und findet die andre, und alle Str\u00f6me der Poesie flie\u00dfen zusammen in das allgemeine gro\u00dfe Meer.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Vernunft ist nur eine und in allen dieselbe: wie aber jeder Mensch seine eigne Natur hat und seine eigne Liebe, so tr\u00e4gt auch jeder seine eigne Poesie in sich. Die mu\u00df ihm bleiben und soll ihm bleiben, so gewi\u00df er der ist, der er ist, so gewi\u00df nur irgend etwas Urspr\u00fcngliches in ihm war; und keine Kritik kann und darf ihm sein eigenstes Wesen, seine innerste Kraft rauben, um ihn zu einem allgemeinen Bilde ohne Geist und ohne Sinn zu l\u00e4utern und zu reinigen, wie die Toren sich bem\u00fchen, die nicht wissen was sie wollen. Aber lehren soll ihn die hohe Wissenschaft echter Kritik, wie er sich selbst bilden mu\u00df in sich selbst, und vor allem soll sie ihn lehren, auch jede andre selbst\u00e4ndige Gestalt der Poesie in ihrer klassischen Kraft und F\u00fclle zu fassen, da\u00df die Bl\u00fcte und der Kern fremder Geister Nahrung und Same werde f\u00fcr seine eigne Fantasie.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Nie wird der Geist, welcher die Orgien der wahren Muse kennt, auf dieser Bahn bis ans Ende dringen, oder w\u00e4hnen, da\u00df er es erreicht: denn nie kann er eine Sehnsucht stillen, die aus der F\u00fclle der Befriedigungen selbst sich ewig von neuem erzeugt. Unerme\u00dflich und unersch\u00f6pflich ist die Welt der Poesie wie der Reichtum der belebenden Natur an Gew\u00e4chsen, Tieren und Bildungen jeglicher Art, Gestalt und Farbe. Selbst die k\u00fcnstlichen Werke oder nat\u00fcrlichen Erzeugnisse, welche die Form und den Namen von Gedichten tragen, wird nicht leicht auch der umfassendste alle umfassen. Und was sind sie gegen die formlose und bewu\u00dftlose Poesie, die sich in der Pflanze regt, im Lichte strahlt, im Kinde l\u00e4chelt, in der Bl\u00fcte der Jugend schimmert, in der liebenden Brust der Frauen gl\u00fcht? \u2013 Diese aber ist die erste, urspr\u00fcngliche, ohne die es gewi\u00df keine Poesie der Worte geben w\u00fcrde. Ja wir alle, die wir Menschen sind, haben immer und ewig keinen andern Gegenstand und keinen andern Stoff aller T\u00e4tigkeit und aller Freude, als das eine Gedicht der Gottheit, dessen Teil und Bl\u00fcte auch wir sind \u2013 die Erde. Die Musik des unendlichen Spielwerks zu vernehmen, die Sch\u00f6nheit des Gedichts zu verstehen, sind wir f\u00e4hig, weil auch ein Teil des Dichters, ein Funke seines schaffenden Geistes in uns lebt und tief unter der Asche der selbstgemachten Unvernunft mit heimlicher Gewalt zu gl\u00fchen niemals aufh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht n\u00f6tig, da\u00df irgend jemand sich bestrebe, etwa durch vern\u00fcnftige Reden und Lehren die Poesie zu erhalten und fortzupflanzen, oder gar sie erst hervorzubringen, zu erfinden, aufzustellen und ihr strafende Gesetze zu geben, wie es die Theorie der Dichtkunst so gern m\u00f6chte. Wie der Kern der Erde sich von selbst mit Gebilden und Gew\u00e4chsen bekleidete, wie das Leben von selbst aus der Tiefe hervorsprang, und alles voll ward von Wesen die sich fr\u00f6hlich vermehrten; so bl\u00fcht auch Poesie von selbst aus der unsichtbaren Urkraft der Menschheit hervor, wenn der erw\u00e4rmende Strahl der g\u00f6ttlichen Sonne sie trifft und befruchtet. Nur Gestalt und Farbe k\u00f6nnen es nachbildend ausdr\u00fccken, wie der Mensch gebildet ist; und so l\u00e4\u00dft sich auch eigentlich nicht reden von der Poesie als nur in Poesie.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Ansicht eines jeden von ihr ist wahr und gut, insofern sie selbst Poesie ist. Da nun aber seine Poesie, eben weil es die seine ist, beschr\u00e4nkt sein mu\u00df, so kann auch seine Ansicht der Poesie nicht anders als beschr\u00e4nkt sein. Dieses kann der Geist nicht ertragen, ohne Zweifel weil<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/SchlegelF-KFSA,+1.+Abt.+Bd.+2\" name=\"285\"><\/a> <a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/SchlegelF-KFSA,+1.+Abt.+Bd.+2\" name=\"285\"><\/a>er, ohne es zu wissen, es dennoch wei\u00df, da\u00df kein Mensch schlechthin nur ein Mensch ist, sondern zugleich auch die ganze Menschheit wirklich und in Wahrheit sein kann und soll. Darum geht der Mensch, sicher sich selbst immer wieder zu finden, immer von neuem aus sich heraus, um die Erg\u00e4nzung seines innersten Wesens in der Tiefe eines fremden zu suchen und zu finden. Das Spiel der Mitteilung und der Ann\u00e4herung ist das Gesch\u00e4ft und die Kraft des Lebens, absolute Vollendung ist nur im Tode.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Darum darf es auch dem Dichter nicht gen\u00fcgen, den Ausdruck seiner eigent\u00fcmlichen Poesie, wie sie ihm angeboren und angebildet wurde, in bleibenden Werken zu hinterlassen. Er mu\u00df streben, seine Poesie und seine Ansicht der Poesie ewig zu erweitern, und sie der h\u00f6chsten zu n\u00e4hern die \u00fcberhaupt auf der Erde m\u00f6glich ist; dadurch da\u00df er seinen Teil an das gro\u00dfe Ganze auf die bestimmteste Weise anzuschlie\u00dfen strebt: denn die t\u00f6tende Verallgemeinerung wirkt gerade das Gegenteil.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Er kann es, wenn er den Mittelpunkt gefunden hat, durch Mitteilung mit denen, die ihn gleichfalls von einer andern Seite auf eine andre Weise gefunden haben. Die Liebe bedarf der Gegenliebe. Ja f\u00fcr den wahren Dichter kann selbst das Verkehr mit denen, die nur auf der bunten Oberfl\u00e4che spielen, heilsam und lehrreich sein. Er ist ein geselliges Wesen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich hatte es von jeher einen gro\u00dfen Reiz mit Dichtern und dichterisch Gesinnten \u00fcber die Poesie zu reden. Viele Gespr\u00e4che der Art habe ich nie vergessen, von andern wei\u00df ich nicht genau, was der Fantasie und was der Erinnerung angeh\u00f6rt; vieles ist wirklich darin, andres ersonnen. So das gegenw\u00e4rtige, welches ganz verschiedene Ansichten gegeneinander stellen soll, deren jede aus ihrem Standpunkte den unendlichen Geist der Poesie in einem neuen Lichte zeigen kann, und die alle mehr oder minder bald von dieser bald von jener Seite in den eigentlichen Kern zu dringen streben. Das Interesse an dieser Vielseitigkeit erzeugte den Entschlu\u00df, was ich in einem Kreise von Freunden bemerkt und anf\u00e4nglich nur in Beziehung auf sie gedacht hatte, allen denen mitzuteilen, die eigne Liebe im Busen sp\u00fcren und gesonnen sind, in die heiligen Mysterien der Natur und der Poesie kraft ihrer innern Lebensf\u00fclle sich selbst einzuweihen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amalia und Camilla gerieten soeben \u00fcber ein neues Schauspiel in ein Gespr\u00e4ch, das immer lebhafter wurde, als zwei von den erwarteten Freunden, die wir Marcus und Antonio nennen wollen, mit einem lauten Gel\u00e4chter in die Gesellschaft traten. Nachdem jene beiden hinzugekommen, war diese nun so vollst\u00e4ndig als sie sich gew\u00f6hnlich bei Amalien zu versammeln pflegte, um sich frei und froh mit ihrer gemeinschaftlichen Liebhaberei zu besch\u00e4ftigen. Ohne Verabredung oder Gesetz f\u00fcgte es sich meistens von selbst, da\u00df Poesie der Gegenstand, die Veranlassung, der Mittelpunkt ihres Beisammenseins war. Bisher hatte bald dieser bald jener unter ihnen ein dramatisches Werk oder auch ein andres vorgelesen, wor\u00fcber dann viel hin und her geredet, und manches Gute und Sch\u00f6ne gesagt ward. Doch f\u00fchlten bald alle mehr oder minder einen gewissen Mangel bei dieser Art der Unterhaltung. Amalia bemerke den Umstand zuerst und wie ihm zu helfen sein m\u00f6chte. Sie meinte, die Freunde w\u00fc\u00dften nicht klar genug um die Verschiedenheit ihrer Ansichten. Dadurch werde die Mitteilung verworren, und schwiege mancher gar, der sonst wohl reden w\u00fcrde. Jeder, oder zun\u00e4chst nur wer eben am meisten Lust habe, solle einmal seine Gedanken \u00fcber Poesie, oder \u00fcber einen Teil, eine Seite derselben von Grund des Herzens aussprechen, oder lieber ausschreiben, damit mans schwarz auf wei\u00df besitze, wies jeder meine. Camilla stimmte ihrer Freundin lebhaft bei, damit wenigstens einmal etwas Neues gesch\u00e4he, zur Abwechslung von dem ewigen Lesen. Der Streit, sagte sie, w\u00fcrde dann erst recht arg werden; und das m\u00fcsse er auch, denn eher sei keine Hoffnung zum ewigen Frieden.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Freunde lie\u00dfen sich den Vorschlag gefallen und legten sogleich Hand ans Werk, ihn auszuf\u00fchren. Selbst Lothario, der sonst am wenigsten sagte und stritt, ja oft stundenlang bei allem was die andern sagen und streiten mochten, stumm blieb und sich in seiner w\u00fcrdigen Ruhe nicht st\u00f6ren lie\u00df, schien den lebhaftesten Anteil zu nehmen, und gab selbst Versprechungen, etwas vorzulesen. Das Interesse wuchs mit dem Werk und mit den Vorbereitungen dazu, die Frauen machten sich ein Fest daraus, und es wurde endlich ein Tag festgesetzt, an dem jeder vorlesen sollte, was er bringen w\u00fcrde. Durch alle diese Umst\u00e4nde war die Aufmerksamkeit gespannter, als gew\u00f6hnlich; der Ton des Gespr\u00e4chs indessen blieb ganz so zwanglos und leicht wie er sonst unter ihnen zu sein pflegte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Camilla hatte mit vielem Feuer ein Schauspiel beschrieben und ger\u00fchmt, was am Tage zuvor gegeben war. Amalia hingegen tadelte es, und behauptete, es sei von Kunst ja von Verstand durchaus keine Ahndung darin. Ihre Freundin gab dies sogleich zu; aber, sagte sie, es ist doch wild und lebendig genug, oder wenigstens k\u00f6nnen es gute Schauspieler, wenn sie guter Laune sind, dazu machen. \u2013 Wenn sie wirklich gute Schauspieler sind, sagte Andrea, indem er auf seine Rolle und nach der T\u00fcre sah, ob die Fehlenden nicht bald kommen w\u00fcrden; wenn sie wirklich gute Schauspieler sind, so m\u00fcssen sie eigentlich alle gute Laune verlieren, da\u00df sie die der Dichter erst machen sollen. \u2013 Ihre gute Laune, Freund, erwiderte Amalia, macht Sie selbst zum Dichter; denn da\u00df man dergleichen Schauspielschreiber Dichter hei\u00dft, ist doch nur ein Gedicht, und eigentlich viel \u00e4rger als wenn die Kom\u00f6dianten sich K\u00fcnstler nennen oder nennen lassen. \u2013 G\u00f6nnt uns aber doch unsre Weise, sagte Antonio, indem er sichtbar Camillens Partei nahm; wenn sich einmal durch gl\u00fccklichen Zufall ein Funken von Leben, von Freude und Geist in der gemeinen Masse entwickelt, so wollen wirs lieber erkennen, als uns immer wiederholen, wie gemein nun eben die gemeine Masse ist. \u2013 Dar\u00fcber ist ja grade der Streit, sagte Amalia; gewi\u00df es hat sich in dem St\u00fcck von dem wir reden, gar nichts weiter entwickelt, als was sich fast alle Tage da entwickelt; eine gute Portion Albernheit. Sie fing hierauf an, Beispiele anzuf\u00fchren, worin sie aber bald gebeten wurde nicht l\u00e4nger fortzufahren, und in der Tat bewiesen sie nur zu sehr was sie beweisen sollten.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Camilla erwiderte dagegen, dieses treffe sie gar nicht, denn sie habe auf die Reden und Redensarten der Personen im St\u00fcck nicht sonderlich acht gegeben. \u2013 Man fragte sie, worauf sie denn geachtet habe, da es doch keine Operette sei? \u2013 Auf die \u00e4u\u00dfre Erscheinung, sagte sie, die ich mir wie eine leichte Musik habe vorspielen lassen. Sie lobte dann eine der geistreichsten Schauspielerinnen, schilderte ihre Manieren, ihre sch\u00f6ne Kleidung, und \u00e4u\u00dferte ihre Verwunderung, da\u00df man ein Wesen wie unser Theater so schwer nehmen k\u00f6nne. Gemein sei da in der Regel freilich fast alles; aber selbst im Leben, wo es einem doch n\u00e4her tr\u00e4te, mache ja<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/SchlegelF-KFSA,+1.+Abt.+Bd.+2\" name=\"288\">[288]<\/a> oft das Gemeine eine sehr romantische und angenehme Erscheinung. \u2013 Gemein in der Regel fast alles, sagte Lothario. Dieses ist sehr richtig. Wahrlich, wir sollten nicht mehr so h\u00e4ufig an einen Ort gehen, wo der von Gl\u00fcck zu sagen hat, der nicht vom Gedr\u00e4nge, von \u00fcblem Geruch oder von unangenehmen Nachbaren leidet. Man foderte einmal von einem Gelehrten eine Inschrift f\u00fcr das Schauspielhaus. Ich w\u00fcrde vorschlagen, da\u00df man dar\u00fcber setzte: Komm Wandrer und sieh das Platteste; welches dann in den meisten F\u00e4llen eintreffen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Hier wurde das Gespr\u00e4ch durch die eintretenden Freunde unterbrochen, und w\u00e4ren sie zugegen gewesen, so d\u00fcrfte der Streit wohl eine andre Richtung und Verwicklung gewonnen haben, denn Marcus dachte nicht so \u00fcber das Theater, und konnte die Hoffnung nicht aufgeben, da\u00df etwas Rechtes daraus werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sie traten, wie gesagt, mit einem unm\u00e4\u00dfigen Gel\u00e4chter in die Gesellschaft, und aus den letzten Worten, die man h\u00f6ren konnte, lie\u00df sich schlie\u00dfen, da\u00df ihre Unterhaltung sich auf die sogenannten klassischen Dichter der Engl\u00e4nder bezog. Man sagte noch einiges \u00fcber denselben Gegenstand, und Antonio, der sich gern bei Gelegenheit mit dergleichen polemischen Einf\u00e4llen dem Gespr\u00e4ch einmischte, das er selten selbst f\u00fchrte, behauptete, die Grunds\u00e4tze ihrer Kritik und ihres Enthusiasmus w\u00e4ren im Smith \u00fcber den Nationalreichtum zu suchen. Sie w\u00e4ren nur froh, wenn sie wieder einen Klassiker in die \u00f6ffentliche Schatzkammer tragen k\u00f6nnten. Wie jedes Buch auf dieser Insel ein Essay, so werde da auch jeder Schriftsteller, wenn er nur seine geh\u00f6rige Zeit gelegen habe, zum Klassiker. Sie w\u00e4ren aus gleichem Grund und in gleicher Weise auf die Verfertigung der besten Scheren stolz wie auf die der besten Poesie. So ein Engl\u00e4nder lese den Shakespeare eigentlich nicht anders wie den Pope, den Dryden, oder wer sonst noch Klassiker sei; bei dem einen denke er eben nicht mehr als bei dem andern. \u2013 Marcus meinte, das goldne Zeitalter sei nun einmal eine moderne Krankheit, durch die jede Nation hindurch m\u00fcsse, wie die Kinder durch die Pocken. \u2013 So m\u00fc\u00dfte man den Versuch machen k\u00f6nnen, die Kraft der Krankheit durch Inokulation zu schw\u00e4chen, sagte Antonio. Ludoviko, der mit seiner revolution\u00e4ren Philosophie das Vernichten gern im Gro\u00dfen trieb, fing an von einem <i>System der falschen Poesie<\/i> zu sprechen, was er darstellen wolle, die in diesem Zeitalter besonders bei Engl\u00e4ndern und Franzosen grassiert habe und zum Teil noch grassiere; der tiefe gr\u00fcndliche Zusammenhang aller dieser falschen Tendenzen, die so sch\u00f6n \u00fcbereinstimmen, eine die andre erg\u00e4nzen und sich freundschaftlich auf halbem Wege entgegenkommen, sei ebenso merkw\u00fcrdig und lehrreich als unterhaltend und grotesk. Er w\u00fcnschte sich nur Verse machen zu k\u00f6nnen, denn in einem komischen Gedicht m\u00fc\u00dfte sich, was er meine, eigentlich erst recht machen. Er wollte noch mehr davon sagen, aber die Frauen unterbrachen ihn und foderten den Andrea auf, da\u00df er anfangen m\u00f6chte; sonst w\u00e4re des Vorredens kein Ende. Nachher k\u00f6nnten sie ja desto mehr reden und streiten. Andrea schlug die Rolle auf und las.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>, sowie einen Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>\u201c <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Gem\u00fcter, die sie lieben, befreundet und bindet Poesie mit unaufl\u00f6slichen Banden. M\u00f6gen sie sonst im eignen Leben das Verschiedenste suchen, einer g\u00e4nzlich verachten, was der andre am heiligsten h\u00e4lt, sich verkennen, nicht vernehmen, ewig fremd bleiben; in dieser Region&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/10\/16\/gespraech-ueber-die-poesie\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":245,"featured_media":102167,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2432],"class_list":["post-102205","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-friedrich-schlegel"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/245"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=102205"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102205\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":102206,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102205\/revisions\/102206"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/102167"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=102205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=102205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=102205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}