{"id":102198,"date":"2000-12-10T00:01:53","date_gmt":"2000-12-09T23:01:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=102198"},"modified":"2023-03-25T09:11:54","modified_gmt":"2023-03-25T08:11:54","slug":"ueber-die-unverstaendlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/12\/10\/ueber-die-unverstaendlichkeit\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Unverst\u00e4ndlichkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Es herrscht die Annahme, das <em>Netzwerk<\/em> sei erst mit dem Internet erfunden worden, es gab jedoch eine Zusammenarbeit von Individuen bereits auf analoger Ebene. Vor zweihundert Jahren stellte Friedrich Schlegel das \u201eAthenaeum\u201c mit der Begr\u00fcndung ein, dass diese Zeitschrift erst in der Zukunft verstanden werden kann. KUNO erinnert daran mit der Begr\u00fcndung des Redakteurs, der im 18. Jahrhundert den modernen Journalismus erfunden hat:<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Gegenst\u00e4nde des menschlichen Nachdenkens reizen, weil es so in ihnen liegt oder in uns, zu immer tieferem Nachdenken, und je mehr wir diesem Reize folgen und uns in sie verlieren, je mehr werden sie alle zu Einem Gegenstande, den wir, je nachdem wir ihn in uns oder au\u00dfer uns suchen und finden, als Natur der Dinge oder als Bestimmung des Menschen charakterisieren. Andre Gegenst\u00e4nde w\u00fcrden niemals vielleicht unsre Aufmerksamkeit erregen k\u00f6nnen, wenn wir in heiliger Abgeschiedenheit jenem Gegenstand aller Gegenst\u00e4nde ausschlie\u00dflich und einseitig unsre Betrachtung widmeten; wenn wir nicht mit Menschen im Verkehr st\u00e4nden, aus deren gegenseitiger Mitteilung sich erst solche Verh\u00e4ltnisse und Verh\u00e4ltnisbegriffe erzeugen, die sich als Gegenst\u00e4nde des Nachdenkens bei genauerer Reflexion immer mehr vervielf\u00e4ltigen und verwickeln, also auch hierin den entgegengesetzten Gang befolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was kann wohl von allem, was sich auf die Mitteilung der Ideen bezieht, anziehender sein, als die Frage, ob sie \u00fcberhaupt m\u00f6glich sei; und wo h\u00e4tte man n\u00e4here Gelegenheit \u00fcber die M\u00f6glichkeit oder Unm\u00f6glichkeit dieser Sache mancherlei Versuche anzustellen, als wenn man ein Journal wie das \u00bbAthenaeum\u00ab entweder selbst schreibt, oder doch als Leser an demselben teilnimmt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gesunde Menschenverstand, der sich so gern am Leitfaden der Etymologien, wenn sie sehr nahe liegen, orientieren mag, d\u00fcrfte leicht auf die Vermutung geraten k\u00f6nnen, der Grund des Unverst\u00e4ndlichen liege im Unverstand. Nun ist es ganz eigen an mir, da\u00df ich den Unverstand durchaus nicht leiden kann, auch den Unverstand der Unverst\u00e4ndigen, noch weniger aber den Unverstand der Verst\u00e4ndigen. Daher hatte ich schon vor langer Zeit den Entschlu\u00df gefa\u00dft, mich mit dem Leser in ein Gespr\u00e4ch \u00fcber diese Materie zu versetzen, und vor seinen eignen Augen, gleichsam ihm ins Gesicht, einen andern neuen Leser nach meinem Sinne zu konstruieren, ja, wenn ich es n\u00f6tig finden sollte, denselben sogar zu deduzieren. Ich meinte es ernstlich genug und nicht ohne den alten Hang zum Mystizismus. Ich wollte es einmal recht genau nehmen, wollte die ganze Kette meiner Versuche durchgehn, den oft schlechten Erfolg mit r\u00fccksichtsloser Offenheit bekennen, und so den Leser zu einer gleichen Offenheit und Redlichkeit gegen sich selbst allm\u00e4hlich hinleiten; ich wollte beweisen, da\u00df alle Unverst\u00e4ndlichkeit relativ, und darstellen, wie unverst\u00e4ndlich mir zum Beispiel Garve sei; ich wollte zeigen, da\u00df die Worte sich selbst oft besser verstehen, als diejenigen von denen sie gebraucht werden, wollte aufmerksam darauf machen, da\u00df es unter den philosophischen Worten, die oft in ihren Schriften wie eine Schar zu fr\u00fch entsprungener Geister alles verwirren und die unsichtbare Gewalt des Weltgeistes auch an dem aus\u00fcben, der sie nicht anerkennen will, geheime Ordensverbindungen geben mu\u00df; ich wollte zeigen, da\u00df man die reinste und gediegenste Unverst\u00e4ndlichkeit gerade aus der Wissenschaft und aus der Kunst erh\u00e4lt, die ganz eigentlich aufs Verst\u00e4ndigen und Verst\u00e4ndlichmachen ausgehn, aus der Philosophie und Philologie; und damit das ganze Gesch\u00e4ft sich nicht in einem gar zu handgreiflichen Zirkel herumdrehen m\u00f6chte, so hatte ich mir fest vorgenommen, dieses eine Mal wenigstens gewi\u00df verst\u00e4ndlich zu sein. Ich wollte auf das hindeuten was die gr\u00f6\u00dften Denker jeder Zeit (freilich nur sehr dunkel) geahndet haben, bis Kant die Tafel der Kategorien entdeckte und es Licht wurde im Geiste des Menschen; ich meine eine reelle Sprache, da\u00df wir aufh\u00f6ren m\u00f6chten mit Worten zu kramen, und schauen alles Wirkens Kraft und Samen. Die gro\u00dfe Raserei einer solchen Kabbala, wo gelehrt werden sollte, wie des Menschen Geist sich selbst verwandeln und dadurch den wandelbaren ewig verwandelten Gegner endlich fesseln m\u00f6ge, ein dergleichen Mysterium durfte ich nun nicht so naiv und nackt darstellen, wie ich aus jugendlicher Unbesonnenheit die Natur der Liebe in der \u00bbLucinde\u00ab zur ewigen Hieroglyphe dargestellt habe. Ich mu\u00dfte demnach auf ein popul\u00e4res Medium denken, um den heiligen, zarten, fl\u00fcchtigen, luftigen, duftigen gleichsam imponderablen Gedanken chemisch zu binden. Wie sehr h\u00e4tte er sonst mi\u00dfverstanden werden k\u00f6nnen, da ja erst durch seinen wohlverstandnen Gebrauch allen verst\u00e4ndlichen Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen endlich ein Ende gemacht werden sollte? Zugleich hatte ich mit innigem Vergn\u00fcgen die Progressen unsrer Nation bemerkt; und was soll ich erst von dem Zeitalter sagen? Dasselbe Zeitalter, in welchem auch wir zu leben die Ehre haben; das Zeitalter, welches, um alles mit einem Worte zu sagen, den bescheidnen aber vielsagenden Namen des kritischen Zeitalters verdient, so da\u00df nun bald alles kritisiert sein wird, au\u00dfer das Zeitalter selbst, und da\u00df alles immer kritischer und kritischer wird, und die K\u00fcnstler schon die gerechte Hoffnung hegen d\u00fcrfen, die Menschheit werde sich endlich in Masse erheben und lesen lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur ganz k\u00fcrzlich wurde dieser Gedanke einer reellen Sprache mir von neuem erregt, und eine glorreiche Aussicht \u00f6ffnete sich dem innern Auge. Im neunzehnten Jahrhundert, versichert uns Girtanner, im neunzehnten Jahrhundert wird man Gold machen k\u00f6nnen; und ist es nicht schon mehr als Vermutung, da\u00df das neunzehnte Jahrhundert nun bald seinen Anfang nehmen wird? Mit l\u00f6blicher Sicherheit und mit einer interessanten Erhebung sagt der w\u00fcrdige Mann: \u00bbJeder Chemiker, jeder K\u00fcnstler wird Gold machen: das K\u00fcchengeschirr wird von Silber, von Gold sein.\u00ab \u2013 Wie gern werden nun alle K\u00fcnstler sich entschlie\u00dfen den kleinen unbedeutenden \u00dcberrest vom achtzehnten Jahrhundert noch zu hungern, und diese gro\u00dfe Pflicht k\u00fcnftig nicht mehr mit betr\u00fcbtem Herzen erf\u00fcllen; denn sie wissen, da\u00df teils noch sie selbst in eigner Person, teils aber auch und desto gewisser ihre Nachkommen in kurzem werden Gold machen k\u00f6nnen. Da\u00df gerade das K\u00fcchengeschirr erw\u00e4hnt wird, hat zur Ursache, weil jener scharfsinnige Geist gerade das vorz\u00fcglich sch\u00f6n und gro\u00df an dieser Katastrophe findet, da\u00df wir nun nicht mehr so viele verruchte Halbs\u00e4uren von gemeinen unedlen niedertr\u00e4chtigen Metallen wie Blei, Kupfer, Eisen und dergl. werden verschlucken d\u00fcrfen. Ich sah die Sache aus einem andern Gesichtspunkte. Schon oft hatte ich die Objektivit\u00e4t des Goldes im stillen bewundert, ja ich darf wohl sagen angebetet. Bei den Chinesen, dachte ich, bei den Engl\u00e4ndern, bei den Russen, auf der Insel Japan, bei den Einwohnern von Fetz und Marokko, ja sogar bei den Kosaken, Tscheremissen, Baschkiren und Mulatten, kurz \u00fcberall wo es nur einige Bildung und Aufkl\u00e4rung gibt, ist das Silber, das Gold verst\u00e4ndlich und durch das Gold alles \u00fcbrige. Wenn nun erst jeder K\u00fcnstler diese Materien in hinreichender Quantit\u00e4t besitzt, so darf er ja nur seine Werke in Basrelief schreiben, mit goldnen Lettern auf silbernen Tafeln. Wer w\u00fcrde eine so sch\u00f6n gedruckte Schrift, mit der groben \u00c4u\u00dferung, sie sei unverst\u00e4ndlich, zur\u00fcckweisen wollen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber alles das sind nur Hirngespinste oder Ideale: denn Girtanner ist gestorben, und ist demnach f\u00fcr jetzt so weit davon entfernt Gold machen zu k\u00f6nnen, da\u00df man vielmehr mit aller Kunst nur so viel Eisen aus ihm wird machen k\u00f6nnen, als n\u00f6tig w\u00e4re, sein Andenken durch eine kleine Schaum\u00fcnze zu verewigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberdem haben sich die Klagen \u00fcber die Unverst\u00e4ndlichkeit so ausschlie\u00dflich gegen das \u00bbAthenaeum\u00ab gerichtet, es ist so oft und so vielseitig geschehen, da\u00df die Deduktion am besten eben da ihren Anfang wird nehmen k\u00f6nnen, wo uns eigentlich der Schuh dr\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon hat ein scharfsinniger Kunstrichter im \u00bbBerliner Archiv der Zeit\u00ab das \u00bbAthenaeum\u00ab gegen diese Vorw\u00fcrfe freundschaftlich verteidigt, und dabei das ber\u00fcchtigte Fragment von den drei Tendenzen zum Beispiel gew\u00e4hlt. Ein \u00fcberaus gl\u00fccklicher Gedanke! Gerade so mu\u00df man die Sache angreifen. Ich werde denselben Weg einschlagen, und damit der Leser umso leichter einsehen kann, da\u00df ich das Fragment wirklich f\u00fcr gut halte, so mag es hier noch einmal stehen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie Franz\u00f6sische Revolution, Fichtes Wissenschaftslehre und Goethes Meister sind die gr\u00f6\u00dften Tendenzen des Zeitalters. Wer an dieser Zusammenstellung Ansto\u00df nimmt, wem keine Revolution wichtig scheinen kann, die nicht laut und materiell ist, der hat sich noch nicht auf den hohen weiten Standpunkt der Geschichte der Menschheit erhoben. Selbst in unsern d\u00fcrftigen Kulturgeschichten, die meistens einer mit fortlaufendem Kommentar begleiteten Variantensammlung, wozu der klassische Text verloren ging, gleichen, spielt manches kleine Buch, von dem die l\u00e4rmende Menge zu seiner Zeit nicht viel Notiz nahm, eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als alles, was diese trieb.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Fragment schrieb ich in der redlichsten Absicht und fast ohne alle Ironie. Die Art, wie es mi\u00dfverstanden worden, hat mich unaussprechlich \u00fcberrascht, weil ich das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis von einer ganz andern Seite erwartet hatte. Da\u00df ich die Kunst f\u00fcr den Kern der Menschheit, und die Franz\u00f6sische Revolution f\u00fcr eine vortreffliche Allegorie auf das System des transzendentalen Idealismus halte, ist allerdings nur eine von meinen \u00e4u\u00dferst sujektiven Ansichten. Ich habe es ja aber schon so oft und in so verschiednen Manieren zu erkennen gegeben, da\u00df ich wohl h\u00e4tte hoffen d\u00fcrfen, der Leser w\u00fcrde sich endlich daran gew\u00f6hnt haben. Alles \u00fcbrige ist nur Chiffernsprache. Wer Goethes ganzen Geist nicht auch im \u00bbMeister\u00ab finden kann, wird ihn wohl \u00fcberall vergeblich suchen. Die Poesie und der Idealismus sind die Centra der deutschen Kunst und Bildung; das wei\u00df ja ein jeder. Aber wer es wei\u00df, kann nicht oft genug daran erinnert werden, da\u00df er es wei\u00df. Alle h\u00f6chsten Wahrheiten jeder Art sind durchaus trivial und eben darum ist nichts notwendiger als sie immer neu, und wo m\u00f6glich immer paradoxer auszudr\u00fccken, damit es nicht vergessen wird, da\u00df sie noch da sind, und da\u00df sie nie eigentlich ganz ausgesprochen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis hierher ist nun alles ohne alle Ironie, und durfte von Rechts wegen nicht mi\u00dfverstanden werden; und doch ist es so sehr geschehen, da\u00df ein bekannter Jakobiner, der Magister Dyk in Leipzig, sogar demokratische Gesinnungen darin hat finden wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas andres freilich ist noch in dem Fragment, welches allerdings mi\u00dfverstanden werden konnte. Es liegt in dem Wort <em>Tendenzen,<\/em> und da f\u00e4ngt nun auch schon die Ironie an. Es kann dieses nemlich so verstanden werden, als hielte ich die Wissenschaftslehre zum Beispiel auch nur f\u00fcr eine Tendenz, f\u00fcr einen vorl\u00e4ufigen Versuch wie Kants \u00bbKritik der reinen Vernunft\u00ab, den ich selbst etwa besser auszuf\u00fchren und endlich zu beendigen gesonnen sei, oder als wollte ich, um es in der Kunstsprache, welche f\u00fcr diese Vorstellungsart die gew\u00f6hnliche und auch die schicklichste ist, zu sagen, mich auf Fichtes Schultern stellen, wie dieser auf Reinholds Schultern, Reinhold auf Kants Schultern, dieser auf Leibnizens Schultern steht, und so ins Unendliche fort bis zur urspr\u00fcnglichen Schulter. \u2013 Ich wu\u00dfte das recht gut, aber ich dachte, ich wollte es doch einmal versuchen, ob mir wohl jemand einen solchen schlechten Gedanken andichten werde. Niemand scheint es bemerkt zu haben. Warum soll ich Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse darbieten, wenn niemand sie ergreifen will? Ich lasse demnach die Ironie fahren und erkl\u00e4re gerade heraus, das Wort bedeute in dem Dialekt der \u00bbFragmente\u00ab, alles sei nur noch Tendenz, das Zeitalter sei das Zeitalter der Tendenzen. Ob ich nun der Meinung sei, alle diese Tendenzen w\u00fcrden durch mich selbst in Richtigkeit und zum Beschlu\u00df gebracht werden, oder vielleicht durch meinen Bruder oder durch Tieck, oder durch sonst einen von unsrer Faktion, oder erst durch einen Sohn von uns, durch einen Enkel, einen Urenkel, einen Enkel im siebenundzwanzigsten Gliede, oder erst am j\u00fcngsten Tage, oder niemals; das bleibt der Weisheit des Lesers, f\u00fcr welche diese Frage recht eigentlich geh\u00f6rt, anheim gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Goethe und Fichte,<\/em> das bleibt die leichteste und schicklichste Formel f\u00fcr allen Ansto\u00df, den das \u00bbAthenaeum\u00ab gegeben, und f\u00fcr alles Unverst\u00e4ndnis, welches das \u00bbAthenaeum\u00ab erregt hat. Das Beste d\u00fcrfte wohl auch hier sein, es immer \u00e4rger zu machen; wenn das \u00c4rgernis die gr\u00f6\u00dfte H\u00f6he erreicht hat, so rei\u00dft es und verschwindet, und kann das Verstehen dann sogleich seinen Anfang nehmen. Noch sind wir nicht weit genug mit dem Ansto\u00dfgeben gekommen: aber was nicht ist kann noch werden. Ja auch jene Namen werden noch mehr als einmal wieder genannt werden m\u00fcssen, und nur noch heute hat mein Bruder ein Sonett gemacht, welches ich mich nicht enthalten kann, dem Leser mitzuteilen, wegen der reizenden Wortspiele, die er (der Leser) fast noch mehr liebt als die Ironie:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bewundert nur die feingeschnitzten G\u00f6tzen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und la\u00dft als Meister, F\u00fchrer, Freund uns Goethen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Euch wird nach seines Geistes Morgenr\u00f6ten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Apollos goldner Tag nicht mit erg\u00f6tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der lockt kein frisches Gr\u00fcn aus d\u00fcrren Kl\u00f6tzen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man haut sie um, wo Feurung ist vonn\u00f6ten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einst wird die Nachwelt all die Unpoeten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Korrekt versteinert sehn zu ganzen Fl\u00f6tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Goethen nicht erkennen, sind nur Goten,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bl\u00f6den blendet jede neue Bl\u00fcte,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und, Tote selbst, begraben sie die Toten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uns sandte, Goethe, dich der G\u00f6tter G\u00fcte,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Befreundet mit der Welt durch solchen Boten,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G\u00f6ttlich von Namen, Blick, Gestalt, Gem\u00fcte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer Teil von der Unverst\u00e4ndlichkeit des \u00bbAthenaeums\u00ab liegt unstreitig in der <em>Ironie,<\/em> die sich mehr oder minder \u00fcberall darin \u00e4u\u00dfert. Ich fange auch hier mit einem Texte an aus den Fragmenten im \u00bbLyceum\u00ab:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00bbDie sokratische Ironie ist die einzige durchaus unwillk\u00fcrliche und durchaus besonnene Verstellung. Es ist gleich unm\u00f6glich sie zu erk\u00fcnsteln und sie zu verraten. Wer sie nicht hat, dem bleibt sie auch nach dem offensten Gest\u00e4ndnis ein R\u00e4tsel. Sie soll niemand t\u00e4uschen, als die, welche sie f\u00fcr T\u00e4uschung halten, und entweder ihre Freude haben an der herrlichen Schalkheit, alle Welt zum besten zu haben, oder b\u00f6se werden, wenn sie ahnden, sie w\u00e4ren auch wohl mit gemeint. In ihr soll alles Scherz und alles Ernst sein, alles treuherzig offen und alles tief versteckt. Sie entspringt aus der Vereinigung von Lebenskunstsinn und wissenschaftlichem Geist, aus dem Zusammentreffen vollendeter Naturphilosophie und vollendeter Kunstphilosophie. Sie enth\u00e4lt und erregt ein Gef\u00fchl von dem unaufl\u00f6slichen Widerstreit des Unbedingten und des Bedingten, der Unm\u00f6glichkeit und Notwendigkeit einer vollst\u00e4ndigen Mitteilung. Sie ist die freieste aller Lizenzen, denn durch sie setzt man sich \u00fcber sich selbst weg; und doch auch die gesetzlichste, denn sie ist unbedingt notwendig. Es ist ein sehr gutes Zeichen, wenn die harmonisch Platten gar nicht wissen, wie sie diese stete Selbstparodie zu nehmen haben, den Scherz gerade f\u00fcr Ernst und den Ernst f\u00fcr Scherz halten.\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein andres von jenen Fragmenten empfiehlt sich noch mehr durch seine K\u00fcrze:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIronie ist die Form des Paradoxen. Paradox ist alles was zugleich gut und gro\u00df ist.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mu\u00df nicht jeder Leser, welcher an die Fragmente im \u00bbAthenaeum\u00ab gew\u00f6hnt ist, alles dieses \u00e4u\u00dferst leicht ja trivial finden? Und doch schien es damals manchem unverst\u00e4ndlich, weil es noch eher neu war. Denn erst seitdem ist die Ironie an die Tagesordnung gekommen, nachdem in der Morgend\u00e4mmerung des neuen Jahrhunderts diese Menge gro\u00dfer und kleiner Ironien jeder Art aufgeschossen ist, so da\u00df ich bald werde sagen k\u00f6nnen, wie Boufflers von den verschiedenen Gattungen des menschlichen Herzens:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>J&#8217;ai vu des coeurs de toutes formes<\/em>,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Grands, petits, minces, gros, mediocres, \u00e9normes.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die \u00dcbersicht vom ganzen System der Ironie zu erleichtern, wollen wir einige der vorz\u00fcglichsten Arten anf\u00fchren. Die erste und vornehmste von allen ist die grobe Ironie; findet sich am meisten in der wirklichen Natur der Dinge und ist einer ihrer allgemein verbreitetsten Stoffe; in der Geschichte der Menschheit ist sie recht eigentlich zu Hause. Dann kommt die feine oder die delikate Ironie; dann die extrafeine; in dieser Manier arbeitet Skaramuz, wenn er sich freundlich und ernsthaft mit jemand zu besprechen scheint, indem er nur den Augenblick erwartet, wo er wird mit einer guten Art einen Tritt in den Hintern geben k\u00f6nnen. Diese Sorte wird auch wohl bei Dichtern gefunden, wie ebenfalls die redliche Ironie, welche am reinsten und urspr\u00fcnglichsten in alten G\u00e4rten angebracht ist, wo wunderbar liebliche Grotten den gef\u00fchlvollen Freund der Natur in ihren k\u00fchlen Scho\u00df locken, um ihn dann von allen Seiten mit Wasser reichlich zu bespr\u00fctzen und ihm so die Zartheit zu vertreiben. Ferner die dramatische Ironie, wenn der Dichter drei Akte geschrieben hat, dann wider Vermuten ein andrer Mensch wird, und nun die beiden letzten Akte schreiben mu\u00df. Die doppelte Ironie, wenn zwei Linien von Ironie parallel nebeneinander laufen ohne sich zu st\u00f6ren, eine f\u00fcrs Parterre, die andre f\u00fcr die Logen, wobei noch kleine Funken in die Coulissen fahren k\u00f6nnen. Endlich die Ironie der Ironie. Im allgemeinen ist das wohl die gr\u00fcndlichste Ironie der Ironie, da\u00df man sie doch eben auch \u00fcberdr\u00fcssig wird, wenn sie uns \u00fcberall und immer wieder geboten wird. Was wir aber hier zun\u00e4chst unter Ironie der Ironie verstanden wissen wollen, das entsteht auf mehr als einem Wege. Wenn man ohne Ironie von der Ironie redet, wie es soeben der Fall war; wenn man mit Ironie von einer Ironie redet, ohne zu merken, da\u00df man sich zu eben der Zeit in einer andren viel auffallenderen Ironie befindet; wenn man nicht wieder aus der Ironie herauskommen kann, wie es in diesem Versuch \u00fcber die Unverst\u00e4ndlichkeit zu sein scheint; wenn die Ironie Manier wird, und so den Dichter gleichsam wieder ironiert; wenn man Ironie zu einem \u00fcberfl\u00fcssigen Taschenbuche versprochen hat, ohne seinen Vorrat vorher zu \u00fcberschlagen und nun wider Willen Ironie machen mu\u00df, wie ein Schauspielk\u00fcnstler der Leibschmerzen hat; wenn die Ironie wild wird, und sich gar nicht mehr regieren l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welche G\u00f6tter werden uns von allen diesen Ironien erretten k\u00f6nnen? das einzige w\u00e4re, wenn sich eine Ironie f\u00e4nde, welche die Eigenschaft h\u00e4tte, alle jene gro\u00dfen und kleinen Ironien zu verschlucken und zu verschlingen, da\u00df nichts mehr davon zu sehen w\u00e4re, und ich mu\u00df gestehen, da\u00df ich eben dazu in der meinigen eine merkliche Disposition f\u00fchle. Aber auch das w\u00fcrde nur auf kurze Zeit helfen k\u00f6nnen. Ich f\u00fcrchte, wenn ich anders, was das Schicksal in Winken zu sagen scheint, richtig verstehe, es w\u00fcrde bald eine neue Generation von kleinen Ironien entstehn: denn wahrlich die Gestirne deuten auf fantastisch. Und gesetzt es blieb auch w\u00e4hrend eines langen Zeitraums alles ruhig, so w\u00e4re doch nicht zu trauen. Mit der Ironie ist durchaus nicht zu scherzen. Sie kann unglaublich lange nachwirken. Einige der absichtlichsten K\u00fcnstler der vorigen Zeit habe ich in Verdacht, da\u00df sie noch Jahrhunderte nach ihrem Tode mit ihren gl\u00e4ubigsten Verehrern und Anh\u00e4ngern Ironie treiben. Shakespeare hat so unendlich viele Tiefen, T\u00fccken, und Absichten; sollte er nicht auch die Absicht gehabt haben, verf\u00e4ngliche Schlingen in seine Werke f\u00fcr die geistreichsten K\u00fcnstler der Nachwelt zu verbergen, um sie zu t\u00e4uschen, da\u00df sie ehe sie sichs versehen, glauben m\u00fcssen, sie seien auch ungef\u00e4hr so wie Shakespeare? Gewi\u00df, er d\u00fcrfte auch wohl in dieser R\u00fccksicht weit absichtlicher sein als man vermutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe es schon indirekt eingestehen m\u00fcssen, da\u00df das \u00bbAthenaeum\u00ab unverst\u00e4ndlich sei, und weil es mitten im Feuer der Ironie geschehen ist, darf ich es schwerlich zur\u00fccknehmen, denn sonst m\u00fc\u00dfte ich ja diese selbst verletzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ist denn die Unverst\u00e4ndlichkeit etwas so durchaus Verwerfliches und Schlechtes? \u2013 Mich d\u00fcnkt das Heil der Familien und der Nationen beruhet auf ihr; wenn mich nicht alles tr\u00fcgt, Staaten und Systeme, die k\u00fcnstlichsten Werke der Menschen, oft so k\u00fcnstlich, da\u00df man die Weisheit des Sch\u00f6pfers nicht genug darin bewundern kann. Eine unglaublich kleine Portion ist zureichend, wenn sie nur unverbr\u00fcchlich treu und rein bewahrt wird, und kein frevelnder Verstand es wagen darf, sich der heiligen Grenze zu n\u00e4hern. Ja das K\u00f6stlichste was der Mensch hat, die innere Zufriedenheit selbst h\u00e4ngt, wie jeder leicht wissen kann, irgendwo zuletzt an einem solchen Punkte, der im Dunkeln gelassen werden mu\u00df, daf\u00fcr aber auch das Ganze tr\u00e4gt und h\u00e4lt, und diese Kraft in demselben Augenblicke verlieren w\u00fcrde, wo man ihn in Verstand aufl\u00f6sen wollte. Wahrlich, es w\u00fcrde euch bange werden, wenn die ganze Welt, wie ihr es fodert, einmal im Ernst durchaus verst\u00e4ndlich w\u00fcrde. Und ist sie selbst diese unendliche Welt nicht durch den Verstand aus der Unverst\u00e4ndlichkeit oder dem Chaos gebildet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein andrer Trostgrund gegen die anerkannte Unverst\u00e4ndlichkeit des \u00bbAthenaeums\u00ab liegt schon in der Anerkennung selbst, weil uns eben diese auch belehrte, das \u00dcbel werde vor\u00fcbergehend sein. Die neue Zeit k\u00fcndigt sich an als eine schnellf\u00fc\u00dfige, sohlenbefl\u00fcgelte; die Morgenr\u00f6te hat Siebenmeilenstiefel angezogen. \u2013 Lange hat es gewetterleuchtet am Horizont der Poesie; in eine m\u00e4chtige Wolke war alle Gewitterkraft des Himmels zusammengedr\u00e4ngt; jetzt donnerte sie m\u00e4chtig, jetzt schien sie sich zu verziehen und blitzte nur aus der Ferne, um bald desto schrecklicher wiederzukehren: bald aber wird nicht mehr von einem einzelnen Gewitter die Rede sein, sondern es wird der ganze Himmel in einer Flamme brennen und dann werden euch alle eure kleinen Blitzableiter nicht mehr helfen. Dann nimmt das neunzehnte Jahrhundert in der Tat seinen Anfang, und dann wird auch jenes kleine R\u00e4tsel von der Unverst\u00e4ndlichkeit des \u00bbAthenaeums\u00ab gel\u00f6st sein. Welche Katastrophe! Dann wird es Leser geben die lesen k\u00f6nnen. Im neunzehnten Jahrhundert wird jeder die \u00bbFragmente\u00ab mit vielem Behagen und Vergn\u00fcgen in den Verdauungsstunden genie\u00dfen k\u00f6nnen, und auch zu den h\u00e4rtesten unverdaulichsten keinen Nu\u00dfknacker bed\u00fcrfen. Im neunzehnten Jahrhundert wird jeder Mensch, jeder Leser die \u00bbLucinde\u00ab unschuldig, die \u00bbGenoveva\u00ab protestantisch und die didaktischen \u00bbElegien\u00ab von A.W. Schlegel fast gar zu leicht und durchsichtig finden. Es wird sich auch hier bew\u00e4hren was ich in prophetischem Geiste in den ersten \u00bbFragmenten\u00ab als Maxime aufgestellt habe:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00bbEine klassische Schrift mu\u00df nie ganz verstanden werden k\u00f6nnen. Aber die welche gebildet sind und sich bilden, m\u00fcssen immer mehr draus lernen wollen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gro\u00dfe Scheidung des Verstandes und des Unverstandes wird immer allgemeiner, heftiger und klarer werden. Noch viel verborgne Unverst\u00e4ndlichkeit wird ausbrechen m\u00fcssen. Aber auch der Verstand wird seine Allmacht zeigen; er der das Gem\u00fct zum Charakter, das Talent zum Genie adelt, das Gef\u00fchl und die Anschauung zur Kunst l\u00e4utert; er selbst wird verstanden werden, und man wird es endlich einsehen und eingestehen m\u00fcssen, da\u00df jeder das H\u00f6chste erwerben kann und da\u00df die Menschheit bis jetzt weder boshaft noch dumm, sondern nur ungeschickt und neu war. Ich tue mir Einhalt um die Verehrung der h\u00f6chsten Gottheit nicht vor der Zeit zu entweihen. Aber die gro\u00dfen Grunds\u00e4tze, die Gesinnungen, worauf es dabei ankommt, d\u00fcrfen ohne Entweihung mitgeteilt werden; und ich habe versucht das Wesentliche davon auszudr\u00fccken, indem ich mich an einen ebenso tiefsinnigen als liebensw\u00fcrdigen Vers des Dichters anschlo\u00df, in derjenigen Form der Dichtung, welche die Spanier Glosse nennen; und es bleibt nun nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, als da\u00df einer unsrer vortrefflichen Komponisten die meinige w\u00fcrdig finden mag, ihr eine musikalische Begleitung zu geben. Sch\u00f6neres gibt es nichts auf der Erde, als wenn Poesie und Musik in holder Eintracht zur Veredlung der Menschheit wirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines schickt sich nicht f\u00fcr alle,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehe jeder wie er&#8217;s treibe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehe jeder wo er bleibe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wer steht da\u00df er nicht falle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser wei\u00df sich sehr bescheiden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jener bl\u00e4st die Backen voll;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser ist im Ernste toll,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jener mu\u00df ihn noch beneiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Narrheit kann ich leiden,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob sie genialisch knalle,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder blumenlieblich walle;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn ich werd&#8216; es nie vergessen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was des Meisters Kraft ermessen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines schickt sich nicht f\u00fcr alle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um das Feuer zu ern\u00e4hren,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sind viel zarte Geister n\u00f6tig,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zu allem Dienst erb\u00f6tig,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die Heiden zu bekehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mag der L\u00e4rm sich nun vermehren,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Suche jeder wen er reibe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wisse jeder was er schreibe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn schrecklich alle Dummen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus den dunkeln L\u00f6chern brummen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehe jeder wie er&#8217;s treibe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein&#8217;ge haben wir entz\u00fcndet,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die nun schon alleine flammen;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Menge h\u00e4lt zusammen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel Gesindel treu verb\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer den Unverstand ergr\u00fcndet,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4lt sich alle gern vom Leibe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die geboren sind vom Weibe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist der Bienenschwarm erregt,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den das neu&#8217;ste Wort bewegt,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehe jeder wo er bleibe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00f6gen sie gel\u00e4ufig schwatzen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sie dennoch nie begreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche m\u00fcssen irre schweifen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele K\u00fcnstler werden platzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeden Sommer fliegen Spatzen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freuen sich am eignen Schalle:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Reizte dies dir je die Galle?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">La\u00df sie alle selig spielen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sorge du nur gut zu zielen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wer steht da\u00df er nicht falle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_102167\" style=\"width: 218px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-102167\" class=\"wp-image-102167 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Friedrich-Schlegel-e1647016091555.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-102167\" class=\"wp-caption-text\">Friedrich Schlegel um 1790, Kreidezeichnung von Caroline Rehberg<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl die nonkonformistische Literatur ehrlich und transparent zugleich sein wollte, war gegen Ende der 1960er nur schwer zu fassen, die Redaktion entdeckt die Keimzelle des Nonkonformismus in der die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/12\/10\/die-keimzelle-des-nonkonformismus\/\">Romantiker-WG in Jena<\/a>. Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es herrscht die Annahme, das Netzwerk sei erst mit dem Internet erfunden worden, es gab jedoch eine Zusammenarbeit von Individuen bereits auf analoger Ebene. 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