{"id":10179,"date":"2012-12-29T00:17:07","date_gmt":"2012-12-28T23:17:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10179"},"modified":"2022-06-13T06:08:06","modified_gmt":"2022-06-13T04:08:06","slug":"ruckschau-auf-das-heimspiel-von-christian-thielemann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/29\/ruckschau-auf-das-heimspiel-von-christian-thielemann\/","title":{"rendered":"R\u00fcckschau auf die Heimspiele von Christian Thielemann"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Heimspiele von Christian Thielemann (geb\u00fcrtiger Berliner!) in der Hauptstadt stehen jedesmal unter versch\u00e4rft(est)er Beobachtung. Sein Marktwert hat zuletzt durch den schier &#8222;\u00fcberraschenden&#8220; Berufungsakt zum neuen k\u00fcnstlerischen Leiter der Salzburger Osterfestspiele &#8211; nachdem ja die Berliner Philharmoniker, mit denen Thielemann im \u00dcbrigen am 7. Dezember und am\u00a013. Dezember musizierte resp. musizieren wird, von dem jahrzehntelangen Rummel an der Salzach ein f\u00fcr allemal genug hatten und einer \u00e4hnlich-lukrativen und wom\u00f6glich noch viel eintr\u00e4glicheren Festivit\u00e4ts-Chose im Superreichen-Spieler-Paradies von Baden-Baden justament den Vorrang gaben &#8211; einen elit\u00e4ren Schub gekriegt; er und &#8222;sein&#8220; neues st\u00e4ndiges Orchester (die weltber\u00fchmte Staatskapelle Dresden) werden also ab dem n\u00e4chsten M\u00e4rz dann das dort machen, wozu halt dann die Berliner keine Lust mehr hatten&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Berliner Philharmoniker mit Verdi<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_10182\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/220px-Verdi-1899.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10182\" class=\"size-full wp-image-10182\" title=\"220px-Verdi-1899\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/220px-Verdi-1899.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"293\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10182\" class=\"wp-caption-text\">Giuseppe Verdi<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nunmehr hatte er im ersten seiner zwei Philharmonie-Programme ausschlie\u00dflich nur Verdi auf dem Plan &#8211; und zwar (wie schriftlich angek\u00fcndigt war) zum allerersten Male \u00fcberhaupt; zumindest mit den Philharmonikern. Dass die nicht erst seit Karajan auch ein vorz\u00fcglich Verdi spielendes Orchester waren oder sind, konnte man diesen Abend auf das Exemplarischste erh\u00f6ren; und es kamen schon dann sch\u00f6nste R\u00fcckbesinnlichkeitsmomente bei dem einen oder andern Konsumenten \u00e4lteren Kalibers auf &#8211; der Karajan hatte ja seinerzeit fast alle Verdi-Opern mit den Philharmonikern auf Platte eingespielt; ich hab&#8216; fast alle Aufnahmen (Lieblingsaufnahme \u00fcbrigens: <em>Otello<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thielemann dirigierte mit den blo\u00dfen H\u00e4nden sowie ausw\u00e4ndig die sehr, sehr selten gespielten <em>Quattro pezzi sacri (Vier geistliche St\u00fccke)<\/em> Verdis; und der Rundfunkchor Berlin brillierte hiermit, dass es eine himmlisch anmutende Freude war, ihm zuzuh\u00f6ren! Thielemann schien selbst &#8211; nach dem Verklingen der vier St\u00fccke &#8211; ziemlich anger\u00fchrt und mitgenommen. Ja, ein glaubhaftes Ereignis!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause dann der ausnahmsvolle Unterhaltungs-Teil: Diverse T\u00e4nze oder Tanzeinlagen aus drei Verdi-Opern (s. u.) wurden nach und nach dann auf das Lustvoll-Pfefferigste abgespielt. Effektvolle, aber belanglose Musik. Alles so Zeugs, was meistens nie aus den Orchestergr\u00e4ben einschl\u00e4giger Opernh\u00e4user je nach oben dringt &#8211; entweder streicht man die &#8222;Ballett-Musiken&#8220;, weil sie ihren jeweiligen Opern dramaturgisch keinen Sinn verleihen oder schlicht zu lang und zeitaufreibend sind. Ja umso g\u00fcnstiger und einmaliger also, diese Zweckmusiken jetzt und live einmal erlebt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Berliner Philharmoniker mit Liszt u. a.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach seinem fulminanten Verdi-Abend konfrontierte Christian Thielemann sowohl die Musiker als auch die H\u00f6rer der Berliner Philharmoniker &#8211; die er nunmehr zum zweiten Mal in Folge (dieses Mal an vier Terminen) dirigierte &#8211; mit zwei weniger und einem au\u00dferordentlich bekannten Werk(en) von Franz Liszt; das war ganz unschwer als das eigentliche Hergekommenseinsmotiv f\u00fcr seine zweite Stipvisite in der Hauptstadt auszumachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Dass es au\u00dferdem noch Mendelssohn-Bartholdys <em>Meeresstille und gl\u00fcckliche Fahrt<\/em>, die Thielemann als sirrend-sch\u00f6n zu identifizierendes Pendant zu seinem furios-frappanten <em>Holl\u00e4nder<\/em> in Bayreuth nachgerade ableistete, sowie Mozarts vielleicht popul\u00e4restes <em>Klavierkonzert in C-Dur KV 467<\/em> mit dem hierzu fr\u00f6hlich summenden Maurizio Pollini vorp\u00e4uslich zu h\u00f6ren und nicht minder zu erleben gab, wog wohl nicht allzu abwegig und st\u00f6rend hinsichtlich des Sammelns und des Konzentrierens auf den Hauptteil nach der Pause.]<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Haben Sie schon mal was von <em>Mazeppa<\/em> oder <em>Von der Wiege bis zum Grabe<\/em> je vernommen?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Diese beiden Tondichtungen Liszts &#8211; von Thielemann in seiner insbesondere f\u00fcr theatralische Musik stark ausgepr\u00e4gten Leidenschaft und investiblen F\u00fcrsorge geradezu dann inbr\u00fcnstig, wenngleich nicht (\u00fcberhaupt nicht) kitschig dirigiert &#8211; sind unverst\u00e4ndlich in Totalvergessenheit geraten; ein Gedicht von Victor Hugo sowie eine Federzeichnung von Mih\u00e1ly Zichy (wer auch immer das gewesen sein mag) dienten als die Vorlage oder Inspirationsquelle f\u00fcr den besagten Deutsch-Ungar &#8211; man braucht nicht unbedingt die Hintergrundgeschichte(n) vorher auszuforschen, um sich selbst als ein Verstehend-H\u00f6render zu preisen. Nein, das Alles kriegt der zupackende Thielemann f\u00fcr uns schon hin&#8230; Einfach zur\u00fccklehnen und lauschen! Bilder stellen sich halt so und so fast wie von selber ein.<\/p>\n<div id=\"attachment_10184\" style=\"width: 157px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/220px-Liszt_1858.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10184\" class=\"size-medium wp-image-10184\" title=\"220px-Liszt_1858\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/220px-Liszt_1858-147x300.jpg\" alt=\"\" width=\"147\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10184\" class=\"wp-caption-text\">Franz Liszt mit 46 Jahren, Photografie von Franz Seraph Hanfstaengl<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorsorglich taten sich die Ausf\u00fchrenden des den Liszt-Teil abschlie\u00dfenden <em>Les Pr\u00e9ludes<\/em> quasi daf\u00fcr entschuldigen, dass sie den eindringlichen Mega-Hit &#8211; und allenthalben im Verst\u00e4ndnis von gro\u00dfelterlichen Vorfahren ist dieses Werk bzw. dieses eine ganz bewusste Hauptmotiv aus diesem Werk noch als die Nazi-Wochenschau-Hymne pr\u00e4sent oder vertraut &#8211; letztendlich auf den Plan setzten. <em>&#8222;Wir Musiker haben uns auch dazu entschlossen, weil wir finden, dass man das letzte Wort zu dieser Komposition nicht denen \u00fcberlassen sollte, die sie aus dem Zusammenhang gerissen und zu entsetzlichen Zwecken eingesetzt haben.&#8220; <\/em>(Quelle: Programmheft Nr. 29)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ja jetzt nicht so, dass automatisch, wenn so junge oder j\u00fcngere Mitmenschen \u00fcber uns den Arm zum alten Hitlergru\u00df wegen des allzu lauten St\u00fcck-St\u00fccks recken wollen w\u00fcrden &#8211; eine schlichte Erektion tut es bei manchem Anderen, der kein gewiefter potenzieller Jungnazi und Nazi w\u00e4re\/ist, wom\u00f6glich auch&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liszts <em>Les Pr\u00e9ludes<\/em> ist harmloser (weil missbr\u00e4uchlichbezogen ein-eindeutig einordbar) als ihr zu denken wagt. Ein nicht nur diesbez\u00fcglich gro\u00dfer, sondern insgesamt auch ein grandioser Abend!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christian Thielemann &#8211; ganz nebenbei bemerkt &#8211; passt immer besser zu dem <em>deutschesten<\/em> der Vorzeigeorchester. Ja und die Berliner Philharmoniker m\u00f6gen ihn sichtlich immer mehr; es sollte mich arg wundern, wenn es nicht dann eines fernen Tages zu der Ehe, die ganz vorgepr\u00e4gt zu seien scheint, tats\u00e4chlich kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #888888;\">***<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\">KUNO dankt dem Medienpartner <a href=\"http:\/\/www.kultura-extra.de\/\"><span style=\"color: #888888;\">Kultura-extra<\/span><\/a> f\u00fcr die Kooperation.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_103646\" style=\"width: 269px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-103646\" class=\"wp-image-103646 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andre-Sokolowski.jpeg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"194\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andre-Sokolowski.jpeg 259w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andre-Sokolowski-160x120.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><p id=\"caption-attachment-103646\" class=\"wp-caption-text\">Andre Sokolowski, Photo, privat<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Portr\u00e4t des Dramatikers Andre Sokolowski finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/07\/andre-sokolowski-dramatiker\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Heimspiele von Christian Thielemann (geb\u00fcrtiger Berliner!) in der Hauptstadt stehen jedesmal unter versch\u00e4rft(est)er Beobachtung. 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