{"id":100937,"date":"1999-05-22T10:17:49","date_gmt":"1999-05-22T08:17:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=100937"},"modified":"2022-02-27T10:30:35","modified_gmt":"2022-02-27T09:30:35","slug":"ueber-bilder-aus-dem-krieg-in-jugoslawien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/05\/22\/ueber-bilder-aus-dem-krieg-in-jugoslawien\/","title":{"rendered":"\u00dcber Bilder aus dem Krieg in Jugoslawien"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Beginn des Jugoslawienkriegs verordne ich mir, nicht wegzugucken, nicht wegzudenken, meine Emp\u00f6rung nicht zu beschwichtigen. Das hei\u00dft vor allem: Lesen, mit Freunden sprechen, Radioh\u00f6ren, Fernsehen. Es sind uns zu diesem Krieg heutzutage so viele verschiedenartige Informationsquellen zug\u00e4nglich, da\u00df sp\u00e4ter niemand sagen kann: &#8222;Das habe ich nicht gewu\u00dft, das konnte ich nicht ahnen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein besonderes Interesse gilt der Frage, wie Bilder aus diesem Krieg die \u00f6ffentliche Meinung beeinflussen, um die Zustimmung zu dem vermeintlich zwingend gebotenen milit\u00e4rischen Eingreifen zu gewinnen und zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bilder werden instrumentalisiert, um Emotionen zu wecken und in bestimmte gew\u00fcnschte Bahnen zu lenken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach aufr\u00fcttelnden Fernsehbildern vom Fl\u00fcchtlingselend werden die Spendenkonten eingeblendet. So hat der Zuschauer die M\u00f6glichkeit, diffuse Ohnmachts-, Schuld- und Mitleidsgef\u00fchle durch eine Art Abla\u00df zu mildern. Die Hilfsorganisationen werden mit einer Spendenflut \u00fcberschwemmt. (Wie viel werden wir noch bezahlen m\u00fcssen, um Serbien und den Kosovo wieder zu einem bewohnbaren Land zu machen!) Oder: Ein von Abscheu und Mitgef\u00fchl bewegter deutscher Verteidigungsminister zeigt Bilder eines schrecklichen Massakers, das, wie wir dann erfahren, Monate vor Kriegsbeginn stattgefunden hat. Auch die Bilder wurden andernorts schon Wochen vorher publiziert, lese ich sp\u00e4ter. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz des Verteidigungsministers aber bestand aus der Perspektive der Regierung die Notwendigkeit, Meldungen von milit\u00e4rischen Fehlschl\u00e4gen zu \u00fcberdecken und eine zunehmend br\u00fcchiger werdende \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung wieder zu festigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Bild ist ein Bild: Pixel oder Rasterpunkte auf einer Fl\u00e4che. Wir wissen, da\u00df Bilder erst durch Interpretation gezielte emotionale Wirkungen erzeugen. Zu welchem Zeitpunkt, in wessen Interesse, in welchem Kontext, in welchem Medium, mit welcher erkennbaren Absicht wird ein Bild ver\u00f6ffentlicht? Diese Fragen m\u00fcssen wir stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bilder k\u00f6nnen l\u00fcgen, ohne gef\u00e4lscht zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gro\u00dfaufnahme eines weinenden Kindes r\u00fchrt an und weckt Mitgef\u00fchl. Erst durch die Bildunterschrift erfahren wir, ob das Kind aus einem albanischen Fl\u00fcchtlingslager oder aus einer zerbombten Belgrader Wohnsiedlung (Opfer eines &#8222;Kollateralschadens&#8220;) stammt. Ersteres ist in einem deutschen Medium wahrscheinlicher, ganz einfach, weil Fotoreporter der Bombernationen nur in den Fl\u00fcchtlingslagern Nahaufnahmen machen k\u00f6nnen. (Es bed\u00fcrfte der Bodentruppen, um Kriegsberichterstattern aus Natostaaten N\u00e4he zum innerserbischen Geschehen zu erm\u00f6glichen!) &#8222;Kollateralsch\u00e4den&#8220; sehen wir vorzugsweise aus der nicht sehr detailgenauen Perspektive der Waffencameras, es sei denn sie kommen aus Belgrader Quellen. Dann wird das gekennzeichnet und suggeriert propagandistische Absichten. Als ob es die nur auf serbischer Seite g\u00e4be.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bilder k\u00f6nnen und sollen anr\u00fchren. Sie gehen ans Herz . Aber wir m\u00fcssen unseren analytischen Verstand benutzen, um einordnen zu lernen wer uns warum anr\u00fchren will, so wie wir das mit Bildern aus der Werbung tun m\u00fcssen. Viele Bilder aus dem Balkankonflikt und deren Aufbereitung sind Werbung f\u00fcr einen m\u00f6rderischen, zerst\u00f6rerischen Krieg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_100716\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-100716\" class=\"wp-image-100716 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Collage-von-Almuth-Hickl-e1645814294420.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"209\" \/><p id=\"caption-attachment-100716\" class=\"wp-caption-text\">Collage von Almuth Hickl<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Eine weiteres <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/09\/11\/zeitzeichen-5\/\">Zeitzeichen<\/a> von Almuth Hickl.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Ein Portr\u00e4t der Hungertuchpreistr\u00e4gerin findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/04\/10\/das-hungertuch-fuer-almuth-hickl\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Und au\u00dferdem im KUNO-Archiv, ein Hinweis auf die Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/05\/14\/spielerische-erkundung-des-vorhandenen-materials\/\">Freibank<\/a>. Photos der Reihe im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?page_id=2119\">Rheintor<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?page_id=1877\">Veranstaltung<\/a> in Kunstverein Linz. Einen Essay zu den Aktionen im Rheintor finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12791\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Seit Beginn des Jugoslawienkriegs verordne ich mir, nicht wegzugucken, nicht wegzudenken, meine Emp\u00f6rung nicht zu beschwichtigen. Das hei\u00dft vor allem: Lesen, mit Freunden sprechen, Radioh\u00f6ren, Fernsehen. 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