{"id":10075,"date":"2012-12-15T00:14:09","date_gmt":"2012-12-14T23:14:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10075"},"modified":"2022-06-13T06:09:33","modified_gmt":"2022-06-13T04:09:33","slug":"rosinenpicken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/15\/rosinenpicken\/","title":{"rendered":"Hans Neuenfels verhebt sich an der G\u00e4rtnerin aus Liebe"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gatte hat der Gattin wieder eine Rolle zugeschanzt &#8211; so geht es zu auf dem Theater, und das ist hier halt (auf dem Theater) recht und billig; wer das Sagen hat, bestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch\u00a0Markus Boysen, der normaler Weise nichts auf einer Opernb\u00fchne, au\u00dfer vielleicht mal als Bassa Selim oder Frosch (wir haben keine Ahnung, ob er diese O-Sprechrollen jemals gab), zu suchen hat, macht eine mehr verloren-hilflose Figur im St\u00fcck im St\u00fcck, in dem wir gestern Abend waren. Er ist Conte. Und Elisabeth Trissenaar\u00a0(s. o.) ist Contessa. Beide wirken wie als w\u00e4ren sie Valmont sowie Merteuil aus dem\u00a0<em>Quartett<\/em>\u00a0von Heiner M\u00fcller, und das w\u00e4re sicher sch\u00f6n und w\u00fcnschenswert gewesen, weil die Beiden ja auch wirklich gute Schauspieler (gewesen) sind, jedoch\u00a0\u2013 es handelte sich nicht um das\u00a0<em>Quartett<\/em>-St\u00fcck Heiner M\u00fcllers, sondern um den pseudodichterischen Offenbarungseid eines in seiner k\u00fcnstlerischen Eitelkeit verstrickten und gefesselten und \u00fcber seine eigene \u203aBestimmung\u2039 hoch hinaus schie\u00dfenden Alt- Regiestars, der er selbstverst\u00e4ndlich ist (!):\u00a0Hans Neuenfels\u00a0hatte sich wieder mal als Dichterf\u00fcrst versucht und erntete, nat\u00fcrlich, f\u00fcr das Aufsagen seiner Altherrenfantasien sexueller Art begeisterten Applaus von Leuten, die es platt und deftig m\u00f6gen; was f\u00fcr eine k\u00fcnstlerische Ernte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mozarts\u00a0<em>G\u00e4rtnerin aus Liebe<\/em>\u00a0(jetzt bei Neuenfels:\u00a0<em>Die Pforten der Liebe<\/em>) ist ein \u00fcberlanges Jugendwerk; angeblich soll es eine Wagner-Dauer von f\u00fcnf Stunden haben, spielte man allein blo\u00df die Musik aus ihm; daher gilt es als unauff\u00fchrbar\u00a0\u2013 wir erlebten es jedoch 2006 schon einmal; der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kultura-extra.de\/musik\/feull\/mozart_gaertnerin_konzerthaus_berlin2006.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zagrosek<\/a>\u00a0startete mit ihm halbszenisch seine spannende Konzerthaus-\u00c4ra &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langer Rede kurzer Sinn: Das angeblich \u203a\u00dcberlange\u2039 dieses Jugendwerkes bot den Anlass, dass der Regisseur es k\u00fcrzend also spielbar machen sollte oder wollte, und so sann er sich ein St\u00fcck im St\u00fcck (frei nach\u00a0<em>Quartett<\/em>) aus, das das &#8222;\u00dcberlange&#8220; mittels lauter Quatschereien quasi retuschiert &#8211; es wurde hierdurch freilich, durch das viele Rumgequatsche, lang und l\u00e4nger und vor allem furchtbar langweilig! Denn au\u00dfer den verspritzten ranzig-samenhaltigen Passagen wurde auch noch unendlich-altv\u00e4terlich \u00fcber das W\u00f6rtchen Liebe hin und her sinniert und grauenhaft gereimt. Es war die H\u00f6lle diesem unbedarften Schwachsinn in Geballtheit zuh\u00f6ren zu m\u00fcssen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberdies blieb bis zum Schluss des qualvoll ausgehaltnen Abends v\u00f6llig unklar, worum es in Mozarts\/Neuenfels&#8216;\u00a0<em>Pforten der Liebe<\/em> eigentlich dann ging &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christopher Moulds\u00a0leitete eine bestens aufgestellte und sehr gut gestimmte\u00a0Staatskapelle Berlin. Die S\u00e4ngerinnen waren allesamt viel besser als die S\u00e4nger:\u00a0Alex Penda, Stephanie Atanasov, Annette Dasch, Regula M\u00fchlemann. Sieben Kleindarsteller (s. u.) mussten Dieses oder Jenes, was dem Neuenfels so f\u00fcr sie einfiel, szenisch tun und hatten sich somit ein sch\u00f6nes Taschengeld hinzuverdient. Das B\u00fchnenbild und die Kost\u00fcme\u00a0Reinhard von der Thannens sahen teuer aus. Wir fragen besser nicht, was diese Produktion gekostet haben k\u00f6nnte, h\u00e4tte man sie \u203akosteng\u00fcnstiger\u2039 und k\u00fcnstlerisch-plausibeler besetzt.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nLA FINTA GIARDINIERA &#8211; DIE PFORTEN DER LIEBE <\/strong><strong>(Staatsoper im Schiller Theater, 01.12.2012)<\/strong> Musikalische Leitung: Christopher Moulds<\/p>\n<p>Inszenierung: Hans Neuenfels<br \/>\nAusstattung: Reinhard von der Thannen<br \/>\nBesetzung:<br \/>\nPodest\u00e0 &#8230; Stephan R\u00fcgamer<br \/>\nMarchesa Violante Onesti, unter dem Namen Sandrina &#8230; Annette Dasch<br \/>\nContino Belfiore &#8230; Joel Prieto<br \/>\nArminda, Nichte des Podest\u00e0 &#8230; Alex Penda<br \/>\nRamiro &#8230; Stephanie Atanasov<br \/>\nSerpetta &#8230; Regula M\u00fchlemann<br \/>\nNardo &#8230; Aris Argiris<br \/>\nContessa &#8230; Elisabeth Trissenaar<br \/>\nConte &#8230; Markus Boysen<br \/>\nsowie Anna Juliana Jaenner, Sascha J\u00e4hnert, Ellie Marleen, Christian Natter, Natalie Novag, Florian Peters und Laila Maria Witt (als Kleindarsteller)<br \/>\nStaatskapelle Berlin<br \/>\nPremiere war am 24. November 2012.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO dankt dem Medienpartner <a href=\"http:\/\/www.kultura-extra.de\/\">Kultura-extra<\/a> f\u00fcr die Kooperation.<\/p>\n<div id=\"attachment_103646\" style=\"width: 269px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-103646\" class=\"wp-image-103646 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andre-Sokolowski.jpeg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"194\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andre-Sokolowski.jpeg 259w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andre-Sokolowski-160x120.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><p id=\"caption-attachment-103646\" class=\"wp-caption-text\">Andre Sokolowski, Photo, privat<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Portr\u00e4t des Dramatikers Andre Sokolowski finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/07\/andre-sokolowski-dramatiker\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Gatte hat der Gattin wieder eine Rolle zugeschanzt &#8211; so geht es zu auf dem Theater, und das ist hier halt (auf dem Theater) recht und billig; wer das Sagen hat, bestimmt. 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