Erdnüsse

Auf dem Tisch hatte wieder einmal eine Tüte mit den extra dicken Gianterdnüssen ihren Platz gefunden. Vom Markt. Ungesalzen natürlich, weil noch in der Schale. Um die Weihnachtszeit konnte es durchaus passieren, dass Herr Nipp neben den sonst schon gerne konsumierten anderweitigen Nüssen auch noch der Erdnusssucht verfiel. Kiloweises Verzehren war da nicht selten. Zwar hatte ihm vor einiger Zeit warnend eine Nichte geschrieben, das sei gar nicht so gesund, wegen der vielen gesättigten Fettsäuren und der Werte bezüglich Gicht, wegen der möglich folgenden Schwimmringe um die Hüfte! Doch alle guten Vorsätze, die er jedes Jahr hatte, wurden gnadenlos vom Tisch gefegt, wenn er diese Tüten an irgendwelchen Marktständen sah. Man sah einige blaue Elefanten über den 10 Kilosack trotten und schon fühlte er sich wie ein Pawlovscher Hund, im Mund sammelte sich die Nässe und er musste unweigerlich schlucken.

Auch dieses Mal hatte er wieder zugegriffen, ein halbes Kilo gekauft und die Tüte unberührt auf den Tisch gestellt, da war er sich ganz sicher. Die edlen Nüsse, die eigentlich gar nicht zu den Nüssen, sondern den Hülsenfrüchten wie die Erbsen und Bohnen zählen, hatten nicht länger als eine halbe Stunde dort unbeaufsichtigt gelegen. Und nun hatte man ihm die Gelegenheit gegeben, die Schalen aufzusammeln und zu saugen. Zumindest günstig für die Blutwerte.

 

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Das Mittelmaß der Welt, unerhörte Geschichten von Herrn Nipp, KUNO 1994 – 2019

Weiterführend → 

Zu einem begehrten Sammlerstück hat sich die Totholzausgabe von Herrn Nipps Die Angst perfekter Schwiegersöhne entwickelt. Außerdem belegt sein Taschenbuch Unerhörte Möglichkeiten, daß man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch tätig zu sein. Dank des Kurznachrichtendienstes Twitter ist Mikroblogging eine auflebende Form. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu Twitteratur ein.