Schatten

Wie gut Ich kann ausruhen / im Schatten des Baumes

ich dachte Bäume / geben nie wieder Schatten.

Tadeusz Różewicz

Hingestreckt im langatmigen Schatten

der Platane. Wie ein Wunder

unverletzt. Ohne Kratzer die Rinde.

Backofenhitze am Mittag. Das Gedächtnis

schmilzt. Für kurze Zeit ist es

gute Glut. Trockenes Brot im Gras.

Licht tropft durchs Blätterdach.

Benetzt die Augen, die Augen… Fallen.

Dröhnen. Bersten. Zertrümmertes.

Sickerndes Wimmern. Durst

klebt die Zunge fest. Ohne Wasser

die Platane. Wirft Brocken alter Rinde ab.

Zwischen den Mauern kein Schutz. Auf

dem Dachstumpf sitzen Nachtvögel.

Halten die Augen auf.

 

 ***

 

 für Tadeusz Różewicz (9.10.1921 – 24.4.2014), dem Begründer der neuen polnischen Dichtung und einem der großen Vertreter der europäischen Nachkriegsmoderne