Apogäum

 

 

Die Stadt ein tropischer Steinbruch –

Ich lese und lese, aber die Buchstaben

Entziffern, -blättern sich nicht mehr.

Die Kommentarbäume hängen voller

Idioten, in den Lüften das Meerkatz-

Geschrei einer verschwindenden Sonne,

In diesem mittleren Landstrich von

Rest-De-Profundis. – Jede Erkenntnis

Ihres Verlusts kommt acht Minuten

Oder ein paar Menschenleben zu spät.

Hämisch wispern die Netze, bis die

Kabelschleppe von der langsam sich

Senkenden Kälte zerbricht. Am Ozean-

Grund, bei den schwarzen Rauchern,

Ist noch Licht, – eine leuchtende

Schwärze, ein langgezogener Nach-

Hall der Äonen, bevor das geballte

Felsengerüst mit dem summenden

Kern sich aus der Verankerung löst

Und den neuen Verheißungen zu,

Dem Nullitäts-Gral aller Verwüstung,

Wie der Gottwolf, an der gerissenen

Kette, richtungslos zufällt. Himmels-

Mechanik, Ekliptik, – die Lettner

Dröhnen unter dem sich senkenden

Frost, in den Presbyterien stammelt

Das Hoffen, der Zorn; und die Apsis

Des Mondes stürzt über dem Dom-

Fels kreischend zusammen … während

Der glimmende Punkt in der Ferne

Unserer Schwärze, weiß, konvulsierend

Wie Lidschluß, fauchend verlischt.

 

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Lesen Sie auch das KUNO-Porträt des Lyrikers André Schinkel,