Orte 1. Das versunkene Feld

Versunken ist hier eigentlich nichts: aber so starr stehen Gestelle inmitten der Gänseblumen… Und die Gerüste mit Scheiben von hinten — es ist das Rätsel eines lokalen Sachverhalts, der nur 5 Min. von zu Haus… Früher war`s der Trainingsplatz unseres Fussballvereins: Rasenplatz, 1. Demütigungen (nicht eingewechselt), 1. Erfolge (gut gespielt, auf dem Weg zur Kreismeisterschaft)…

So weit der Himmel, von Pappeln konturiert — ziemliche Ferne, nicht ohne Ende, aber immerhin… Das Ganze jetzt ein Übungsplatz für Bogenschützen: Zen, Kunst, die Sehne zu spannen: dieser Moment der absoluten Stille: Selbstverlassenheit ─ indem man das Ziel denkt. Diese Holzkreise sind verschieden und einzig: ihre Ober­fläche perforiert, gefräst, zu Mustern zerborsten — ein geheimer Zufallstakt/Code: direkt aus diesen seinsversunkenen Augenblicken heraus… Zeugnis materialisierter Leere: eines Widerspruch also, der sich aufs gesamte Terrain hin erweitert: mengt blasses Erinnern mit einem verborgenen Jetzt — oder mehr: wird dieses Jetzt vor der Folie des Vergangnen… Wir ächzen auf Rädern über die tiefe Wiese, über die Mailüfte gehen, Wolken auch und Pappelsamen…

 

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Auszug aus: Heimat & Weltall. 2 Zyklen, von Enno Stahl, Ritter, broschiert, mit Fotoarbeiten des Autors. Zum Geleit das Konzept Orte.Wege. Pflanzen.

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