DR 44 – Literaturpreis Dichtungsring 2014

Die aktuelle Nummer 44 der Lit-Zeitschrift Dichtungsring ist eine Sondernummer, die anlässlich eines Literaturpreises der vom Dichtungsring ausgeschrieben wurde, vergeben wird. DR 44 ist  eine Anthologie zum Thema Irre mit den drei Siegertexten sowie einer Auswahl von 30 Texten aus 1160 Einsendungen. Am Montag, den 20. Oktober  findet die Preisverleihung und die Präsentation der Anthologie/Lesung im Haus an der Redoute (Kurfürstenallee 1 a / 53177 Bonn) statt. Der Titel der Anthologie lautet: Und den Kopf zur Wand gedreht.  Den ersten Preis erhielt Doris Anselm aus Berlin, den zweiten Monika Koncz, z. Zeit in Leipzig,  und den dritten Preis Jutta Layta-Nowak aus Wien. Die Juroren sind zugleich auch Herausgeber dieser Ausgabe: Francisca Ricinski, Elke Engelhardt und Christoph Leisten, sie werden am 20. Oktober auch die Laudationes halten. KUNO dokumentiert:

Naturlich ist Irre – in seinen verschiedenen Bedeutungen, vielschichtigen Aspekten und Manifestationen – kein neuer Begriff dieser Zeit. Schon die antike Welt kennt einen solchen Zustand, allerdings ohne ihn streng zu pathologisieren. Und wenn man Seneca und Aristoteles zurücklässt und mehrere Epochen überspringt, trifft man auf die tragischen Gestalten der Moderne, Schriftsteller und Künstler, die, trotz unheilbarer Störungen ihrer Psyche und körperlicher Qualen bis hin zur Selbstzerstörung, bedeutende Werke schufen. Die Liste ist lang … Aber, selbst wenn die Autoren dieser Anthologie zum Gluck nicht, wie ihre illustren Kollegen, durch geistige Andersartigkeit auffallen oder über eigenes Seelenunheil klagen, erkennt man hier und da ihre empathische Partizipation oder sogar die Umrisse einer Identifikation mit den erzählten Schicksalen. Schreiben heißt, sich selber zu lesen. Diese subtile Behauptung von Max Frisch würde dort zutreffen, wo Autoren wahrend des Schreibens auf Distanz zum eigenen Ich gehen, um darüber neue Erkenntnisse zu gewinnen. Im Gegenteil aber auch, wenn die Figuren wie Splitter des eigenen Wesens oder eigener Fantasie wirken. Die ausgewählten Texte – jeder auf seine Art – geben den Anderswirkenden, Traumatisierten und Seelischgegeiselten (die zwischen Hinnahme, Zweifel und obsessiver Erinnerung schwanken) ihre Wurde zurück. Auch den Schrägen, Unangepassten, Verirrten einer narrischen, anmasenden Welt und Gesellschaft, denen, die zu ihrem Selbst nicht mehr finden oder immer noch auf der Suche sind. Sie zwingen quasi den Leser umzudenken, jenseits von Normen, Schablonen und Schranken. Nicht weniger suggestiv und anregend die Bilder von Doris Distelmaier- Haas. In diese scheinen Wörter und Sätze, ganze Geschichten übersiedeln zu wollen und noch weiter zu ziehen ... Man muss sich irren, man muss unvorsichtig sein, man muss verrückt sein. Sonst ist man krank. Die irre Weisheit eines Chansonniers namens Jacques Brel.

 

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Dichtungsring Nr. 44, 2014 Gegründet 1981 von A. Knauth et al.
Herausgeber dieser Nummer: Francisca Ricinski, Elke Engelhardt und Christoph Leisten

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Es herrscht die Annahme, das Netzwerk sei erst mit dem Internet erfunden worden, es gab jedoch eine Zusammenarbeit von Individuen bereits auf analoger Ebene. KUNO dokumentierte den Grenzverkehr im Dreiländereck.

Ein Kollegengespräch von A.J. Weigoni mit Bruno Kartheuser finden Sie hier.