Gang durch ein Gedicht

 

Treten Sie ein.

Genieren Sie sich nicht.

Schon sind Sie mitten

in einem Gedicht.

 

Gehen Sie weiter.

Bleiben Sie nicht stehn,

damit Sie die Verse

bis zum Ende sehn.

 

Seien Sie locker

und nicht so bang.

Schlendern Sie entspannt

die Zeilen entlang.

 

Atmen Sie ruhig.

Laufen Sie nie.

Hast ist die Feindin

der Poesie.

 

Betrachten Sie noch

einmal mit Bedacht,

was der Autor sich

für Sie ausgedacht.

 

Nun sind Sie bereits

am Ausgang des Gedichts

und sehen betroffen:

Eigentlich nichts.

 

***

Erschienen in: Versnetze_sechs. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart· 2013. Verlag Ralf Liebe

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