Die menschliche Stimme als universelles Instrument

In Unbehaust II begleitet der Komponist Frank Michaelis die Schauspielerin Marion Haberstroh auf einer Introspektion. Die klanglichen Improvisationen spiegeln die Verunsicherungen der dargestellten Figur. Es ist eine elektronische Komposition von geringer harmonischer Komplexität, die sich im Rahmen einer modalem Tonalität bewegt und Dissonanzen sparsam verwendet. Das polyrythmische Element ist repetetiv. Michaelis verwendet ein einfaches Grundmuster und variiert ständig mit leichten Variationen. Die entspricht dem Um-Sich-Kreisen der Figur.

Die menschliche Stimme als universelles Instrument

Marion Haberstrohs Ziel ist es, die menschliche Stimme als ein universelles Instrument zu präsentieren. Sie kam von der Bühne und fand im Hörspiel ihre Bestimmung, um mit ihrer Stimme die vielfältigen Stimmungsmöglichkeiten auszuloten. Seit dieser Zeit ist sie auf dem Weg ihre eigene Stimme zu entdecken, immer weiter und weiter, soweit, das sie die Räume in sich bis zum Grunde des Meeres und fast zur Spitze des Universums mit Atem und Stimme füllen kann. Das geschriebene Wort erkennt sie in seiner Struktur der Lautfolge. Jeder Laut möchte ausgesprochen werden und durch die Verbindungen entsteht die Magie der Semantik. Sie braucht nicht zu denken sondern nur den Lauten zu folgen, voller Respekt und schon ist eine Geschichte erzählt und im Geist des Zuhörers entstehen die Bilder.

Sexualität ist das stille Einverständnis, dass wir sterben müssen

Während sich in Unbehaust I die Frage nach dem Tod stellt, befragt Unbehaust II das Leben; das eigene und die Verantwortung für ein Werdendes. Unsere Hingabe an die Sexualität ist Hingabe an unseren Körper. Sexualität ist das stille Einverständnis, dass wir sterben müssen. Da aber gerade in diesem Moment zwei Menschen eins werden und ein neues Leben entstehen kann, fallen Leben und Tod in der Liebe zusammen.

Unter dem Stichwort Monolog (griechisch: monologos, „allein redend“, „mit sich redend“) findet sich im Nachschlagewerk folgende Anmerkung: „In der antiken Tradition gewann der Monolog vor allem mit dem Zurücktreten des Chors an Bedeutung.“ Dauert das Zurücktreten des Chors im 21. Jahrhundert noch an?

 

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Weiterführend →

Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren gebrochen wird. Vertiefend zur Lektüre empfohlen, das Kollegengespräch :2= Verweisungszeichen zur Twitteratur von Sophie Reyer und A.J. Weigoni zum Projekt Wortspielhalle. Hören kann man einen Auszug aus der Wortspielhalle in der Reihe MetaPhon.