Lyrik-Verachtung

Die Verächter der Lyrik sind zahlreich. Es gibt sie unter Politikern und Journalisten ebenso wie unter Literaturprofessoren und Verlegern. In der Regel zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie keine Gedichte lesen, aber schlecht über sie sprechen. Lyrik ist ihnen ein Schimpfwort. Wenn sie etwas herabsetzen wollen, bilden sie ein Kompositum mit -lyrik. Parteitagslyrik ist ein solches Wort, Antragslyrik ein anderes. Manche begnügen sich auch mit abwertenden Wendungen wie: Das ist doch nur Lyrik – die mitunter von einer wegwerfenden Geste begleitet werden. Das, wovon da gesprochen wird, ist jedoch nie Lyrik. Es ist nur schwer verständlich, unwahr, schönfärberisch oder aufgeblasen. So stellen sich die Verächter der Lyrik die Gedichte vor, die sie nicht lesen.

Dieses Intro eröffnet Dieter Lampings Lyrik-Kolumne auf literaturkritik.de.

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Poesie ist das identitätsstiftende Element der Kultur, KUNOs poetologische Positionsbestimmung.