Zur Kenntlichkeit entstellt

Wer will nicht mit Gammlern verwechselt werden? Wir! / Wer sorgt sich um den Frieden auf Erden? Wir! / Ihr lungert herum in Parks und in Gassen, / wer kann eure sinnlose Faulheit nicht fassen? Wir! Wir! Wir!

Freddy Quinn

Der Barde Heino ist auf dem Weg, der Johnny Cash Deutschlands zu werden. Er hat Mit freundlichen Grüßen ein fulminantes Alterswerk hingelegt. Wie er einen Ramstein-Song durch sein unschuldig rollendes R auf das kondensiert, was es eigentlich ist, das hat Klasse.Mit diesem Album wird das popkulturelle Zeichen, das Heino als Spießer-Ikone verkörpert, einfach umgedreht und eine Reihe unbewueme Fragen aufgebracht: Worin besteht die Differenz zwischen Pop und Schlager?

Bei der Verwirrung, daß Spießigkeit heute ganz anders auftritt als auf Abziehbildern einer vergilbten Kulturkritik, setzt auch der popsingende Heino an. So wird er zur künstlerischen Intervention, über die noch wissenschaftliche Arbeiten zu schreiben sein werden. Und das ist für alle, die das Nachdenken über Kultur nicht allein der Opernkritik überlassen wollen.

KUNO gibt diesem Album 9 von 10 möglichen Punkten auf der Richterskala. Der Redaktion fehlt auf diesem Album die Heino-Dekonstruktion von An Tagen wie diesen. Nimmt man diesen Exorzismus ernst, so machen die Möchtegern-Punker auch nichts anderes als Schlager.

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Mit freundlichen Grüßen von Heino, Starwatch/Sony Music

Weiterführend →

In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsmöglichkeiten von populärkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay Perlen des Trash stellt diese Reihe ausführlich vor.