Die Digitalisierung der Welt verändert die Kultur

Kultur basiert seit jeher auf dem Prinzip der Adaption, der Anspielung und der Kopie. In dem Moment, wo man das Leben in irgendeiner Weise literarisiert, distanziert man sich. Mein Leitstern ist Walter Benjamin, der sich von der Montage und Konstellation von Zitaten nicht nur eine neue Kunstform, den Funken der Erkenntnis, sondern eine Art von Erlösung der Vergangenheit versprach, indem er ihre Tradierbarkeit durch ihre Zitierbarkeit ersetzte – so sehr, dass er an eine Buchpublikation aus lauter Zitaten dachte. Das Subjekt des Autors geht in die Form und Substanz seines Materials ein – was sich die Entsagungsbereitschaft von Herausgebern kategorisch versagt — J’éspère, je pense! Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.

Damit stehe ich nicht allein da. Im Netz scheint gerade eine Amateurliga zu entstehen, besonders erfreulich, daß sich eine neue Generation von Autoren dem Essay zuwendet. Zuletzt fiel mir die vielseitig begabte Jessica Dahlke auf. Sie stellt sich interessanten Fragestellungen:

Die Digitalisierung der Welt verändert die Kultur. Erst traf es den Musik- und Filmmarkt, dann die Literatur und aktuell wird sogar das Urheberrecht in Frage gestellt. Ihr Essay fragt: Müssen alle Autoren bloggen?

Ein weiterer Essay hinterfragt: Warum erzählen wir uns Geschichten? Brauchen wir Schriftsteller überhaupt? Brauchen wir Filme, Bücher und Computerspiele oder lenken sie uns nicht zu sehr vom Wesentlichen ab? Ist das Geschichtenerzählen einfach nur bloße Unterhaltung und Zerstreuung oder steckt mehr dahinter? Und was passiert wenn es nur noch um Geld und Eitelkeit der Einzelnen geht?

Und nicht zuletzt eine Frage nach dem Selbstverständnis: Werden wir in Zukunft nur noch Bücher mit Hilfe einer sogenannten Crowd schreiben und die Geschichten für alle Medien verwertbar machen? Wird das Monopol des Autors fallen? – Jessica Dahlke gibt einen Ausblick.