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Räume und Zwischenräume. Wer sich in einer Zeit des forcierten Ausverkaufs künstlerischer Ideen den Luxus erlaubt, ausschliesslich mit authentischem Material zu arbeiten und dabei auf die skulpturale Kraft der Arbeiten vertraut, hat Mut.

Das Material: Holz als organische Komponente, Stahl als Stabilisator und Beton, der ja eigentlich nur drei Schritte vom Urgestein entfernt ist.

Eine der Arbeiten trägt den Titel “Das Rotationsprinzip oder völkerwandern bildet”. Das Rotationsprinzip leitet sich von der Form der Erde ab. Eine Rotation findet durch den Menschen statt, wenn er wandert, dies sollte er grenzenlos tun, ohne Grenzpfähle, Zäune und Stacheldraht zu beachten. Universell. Nun gibt es unterschiedliche Rotationen. Etwas, was sich um uns herum bewegt und das, was sich durch unser Denken bewegt.

Hier sind ja keine Spiralen dargestellt, die sich sowieso bewegen können, oder die den Ausgangspunkt darstellen. Schon allein die Umsetzung vom Aufnehmen über das Denken bis zur Wiedergabe ist eine Rotation.

Um es auf die Spitze zu treiben: Auch eine Schraube lässt sich drehen und überdrehen… dann dreht sie durch…

Es geht nicht darum, dass man in einen Körper einen festen Punkt hineinsetzt, das führt zu einem Kolbenfresser. Dies hier funktioniert so ähnlich wie der Wasserkreislauf, also in Bewegung.

Diese Arbeit bewegt sich, wie etwa kinetische Objekte nicht um sich selbst. Wenn man das Wort Rotation von der Mechanik her sieht, etwas, dass sich auf einer Achse dreht, wie ein Kugellager oder ein Motor…

Natürlich ist das von der rein physikalischen Lehre her die eigentliche Rotation.

Die Rotation bei dieser Skulptur geht davon aus, dass verschiedene Gegenstände in einem anderen Material abgebildet werden, die in der Mechanik nicht durch dieses Material funktionieren kann.

Dadurch, dass man diesen abgenommenen Raumkörper in den Raum stellt, merkt der Betrachter: ‚Das ist die Ecke eines Raums‘. Es soll sich das Gefühl öffnen: ‚Es ist isoliert, ich kann mir also den Raum wegdenken‘. Eben weil der Raum im Raum schon projiziert ist!

Wer sich auf diese Plastiken einlässt, wird sehr schnell einer Wechselwirkung gewahr, ein Spannungsfeld, in dem sich das Selbst-Verständliche neu artikuliert.

Künstler und Betrachter werden nicht aus dem sozialen Umfeld in einen keimfreien Ausstellungsraum abgezogen, sondern finden in den gedanklichen Räumen der Utopie zueinander.

 

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A. J. Weigoni, Cyberspasz, a real virtuality, Novellen, Edi­tion Das Labor, Mülheim an der Ruhr 2012.

A. J. Weigoni, Zombies, Erzählungen, Edition Das La­bor, Mülheim an der Ruhr 2010.

A. J. Weigoni, Vignetten, Novelle, Edi­tion Das Labor, Mülheim an der Ruhr 2009.

Eine erste Reaktion kann man auf kukultura-extra nachlesen, zusätzlich kann man einen ausführlichen Essay als E-Book auf Bookrix herunterladen und ein Hintergrundgespräch auf Lyrikwelt.de lesen. Ein nicht minder lesenswerter Essay findet sich auf fixpoetry. Eine Leseprobe findet sich hier und Probehören kann man eine Rezitation von A.J. Weigoni auf MetaPhon die durch Tom Täger vertont wurde.