Péter Farkas am schatzhaus

Der Projektraum amschatzhaus freut sich, zu seiner 15. Lesung einen alten Bekannten des Hauses Adamek / Stahl begrüßen zu dürfen – umso mehr als dass der ungarische Schriftsteller Péter Farkas, seit 30 Jahren in Köln wohnend, ansonsten keinerlei öffentliche Auftritte wahrnimmt. Die einzige Möglichkeit überhaupt, ihn bei der Vorstellung seines aktuellen Romans „Acht Minuten“ selbst zu erleben, wird also in Neuss-Holzheim geboten, wo er aus alter Verbundenheit zu den Organisatoren auftreten wird.

Farkas hat in seinem neuen Buch (erschienen im Luchterhand Verlag) das Wagnis unternommen, das „Modethema“ Demenz aus der Perspektive eines daran Erkrankten zu schildern. Mehr noch: Farkas berichtet anrührend und schonungslos zugleich von der Liebe eines dementen Paars, das der Krankheit und allen äußeren Widerständen zum Trotz ein allein bestimmtes Leben in Würde führt. Sie haben sich eingerichtet in einer Zweisamkeit ganz anderer Art, die auf den kleinen Erlebnisraum ihrer Wohnung konzentriert ist, welche beide nicht mehr verlassen. Alles, was geschieht, findet für den alten Mann, der die Geschichte erzählt, unter einem dichten Schleier der Verschwommenheit statt. Noch ist er, ein ehemaliger Wissenschaftler, nicht ganz so stark erkrankt wie seine Frau, die wenigen Ereignisse der Außenwelt finden so noch selektiv Einzug in seine Wahrnehmung: Dass die Tochter zu Besuch kommt, Pflegepersonal oder andere Leute eindringen, das sind Dinge, die er am Rande wahrnimmt, die aber weitgehend abperlen an ihm und seiner Frau.

Farkas erzählt das unprätentiös, spart teilweise brutal auch die körperlichen Defekte des Alters nicht aus, um aber gleichzeitig seinen Protagonisten größtmöglichen Respekt entgegen zu bringen. Farkas hat damit, wie Kolja Mensing in der FAZ konstatiert, „einen berührenden und zugleich kämpferischen Roman“ geschrieben, der „jenem gesellschaftlichen Normativ den Kampf“ ansage, „in dem das Alter insgesamt als chronische Krankheit erscheint.“

Ein informatives Gespräch des Autors mit Elsa Antolín findet sich hier.

 

Die Lesung findet in der aktuellen Ausstellung von Lilo Bulla-Klug statt.

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