Poetry Memorial für Hadayatullah Hübsch

Als erster NICHT-MEHR-LEBENDER dichter erhält Hadayatullah Hübsch den 12.nahbellpreis 2011 „für lebenslängliche unbestechlichkeit und zeitgeistresistenz“

Tom de Toys

Photo: Masroor-ahmad

Hadayatullah Hübschs literarische Laufbahn begann mit einer Veröffentlichung in der von Peter Rühmkorf herausgegebenen, viel beachteten Sammlung Primanerlyrik – Primanerprosa. 1969 veröffentlichte Hübsch seinen ersten Gedichtband Mach was du willst bei Luchterhand. Der ebenfalls bei Luchterhand veröffentlichte spätere Literaturnobelpreisträger Günter Grass prophezeite Hübsch daraufhin eine große Karriere als Lyriker; Hübsch bevorzugte es jedoch, Undergroundpoet jenseits der Hauptstraßen zu bleiben und arbeitete daher u.a. für das Ulcus Molle– Info.

Hübschs Lyrik war inspiriert von experimenteller Literatur, dem Dadaismus und expressionistischer Lyrik. Später haben ihn die Beatliteraten geprägt, vor allem Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Jack Kerouac. Nach seiner Konversion zum Islam war seine Lyrik zusätzlich von der mystischen Poesie Persiens, von Hafis, Rumi und Sadi beeinflusst.

Hübsch war ein „Spoken-Word-Dichter“, der die literarische Strömung des deutschen Poetry Slam mitbegründete und Namensvater des ersten Social-Beat Festivals in Berlin war. Er gilt als „Urgestein“ und „Legende“ der Social-Beat-Szene und der „Lyrik Performance“. Er war deutschlandweit unterwegs auf Lesetouren und förderte junge Nachwuchsliteraten. 1996 wurde er zum „Deutschen Literatur-Meister“ beim internationalen Poetry Slam gewählt. Er wurde mit Literaturpreisen ausgezeichnet, zuletzt dem 12. Nahbellpreis.

Unter dem englischen Kürzel „P. G.“, einer Abkürzung seines christlichen Namens, den er in Anlehnung an den deutschsprachigen Kirchenlieddichter Paul Gerhardt erhalten hatte, war er in den 1960er- und 1970er-Jahren in der Beat-Poet- und der Hippie-Szene bekannt. Später verfasste Hübsch muslimische Lieder und Gedichte, die bisher in drei Sammelbänden erschienen sind. Er zählt zum Kreis deutschsprachiger Dichter für muslimisch-religiöse Lyrik in Deutschland.

 

Weiterführend →

Einen Nachruf von Theo Breuer finden Sie hier – Der Nahbellpreis würdigt: Lebenswerke und öffentliches Engagement von Poeten, die ansonsten in Vergessenheit zu geraten drohen oder im laufenden Literaturbetrieb zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Gemäß dem Urkundentext sind lebenslängliche Unbestechlichkeit sowie stilistische Zeitgeistresistenz ausschlaggebend, um Interesse zu wecken. Preisträger sind u.a. die Fragmenttexterin Angelika Janz, die „Rampensau“ Stan Lafleur, HEL, der Archäologe des analogen Alltags und zuletzt der VerDichter A.J. Weigoni